Fantastischer Film: Léon – Der Profi

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Wer weiß schon was seine Nachbarn arbeiten? Die kleine Mathilda (Natalie Portman) flüchtet oft vor ihrer dysfunktionalen Familie. Der Mutter, die nicht ihre Mutter ist; dem Vater, der sie schlägt und der in Drogengeschäfte verwickelt ist und der zickigen Schwester. Nur ihr kleiner Bruder liegt ihr am Herzen. Aber weit kommt sie meistens nicht und hockt im Hausflur rum. Dort trifft sie den stillen Nachbarn Léon (Jean Reno), dem ihre Veilchen nicht entgehen. Als Mathildas Vater den Bogen überspannt und ein Deal platzt, setzt sein „Vertragspartner“ Stansfield (Gary Oldman) ein blutiges Zeichen und schlachtet die ganze Familie ab. Mathilda war nicht zuhause und sucht bei Léon Zuflucht. Der muntert das verstörte Mädchen auf. Als sie einmal die falsche Tasche Léons öffnet, findet sie ein Arsenal an Waffen. Léon selber ist ein Auftragskiller. Mathilda sagt, sie will bei ihm bleiben und lernen. Eine Zwickmühle für Léon, der die Gesellschaft anderer Menschen schon längst nicht mehr gewöhnt ist.


„Léon — Der Profi Trailer (Deutsch)“, via Samy005 Vela (Youtube)

Im Zentrum des Films steht die Beziehung zwischen Léon und Mathilda und wie diese sein Leben verändert. Léon führt als Auftragskiller erwartungsgemäß ein vorsichtiges Leben. Von seiner Außenwelt hat er sich isoliert, Beziehungen jeglicher Art machen angreifbar und sind außerhalb des Möglichen. Zumindest bevor Mathilda vor seiner Tür stand. Durch ihre Augen betrachtet ist Léons Leben noch eigentümlicher, entbehrungsreicher und noch mehr am Rand der Gesellschaft oder zumindest „anders“ am Rand der Gesellschaft als Mathilda es durch ihre Familie kennen lernte. Er schläft nachts im Sitzen und mit offenen Augen und gönnt sich wenig Luxus. Mal einen Kinofilm (sehr sympathischer Typ 🙂 ). Aber er hat das Herz am rechten Fleck und Mathilda bringt seine harte Schale zum bröckeln. Und sein Leben, tja, in Schwung. Sehr zur Erheiterung der Zuschauer. Sie sorgt nicht selten dafür, dass die Beiden umziehen müssen – aus verschiedensten Gründen. Und wenn sie den Alltag mit Spielen auflockert und Léon aus seinem Schneckenhaus zwingt, dann ist das witzig und wärmt von innen.

Aber nicht alles ist weichgespült und nur flauschig. Mathilda will wie Léon Auftragskiller werden und später den Tod ihres Bruders rächen. Für manche Zuschauer ist es einfacher ihre Ausbildung zu akzeptieren und zu verkraften als den Umstand, dass sich die zwölfjährige Mathilda in Léon verliebt und ihm Avancen macht. Die Léon eigentlich sehr gentlemanlike umschifft. Trotzdem sind manche etwas kinky-esque Szenen für einige Zuschauer zuviel. Ich hingegen sehe es eher als eine platonische Liebe ohne Labels. Letzten Endes haben sich zwei gefunden. Der verhärmte Léon und Mathilda, die man gut und gerne als streetwise bezeichnen kann, geben sich gegenseitig etwas, das ihnen lange fehlte. Man wünscht ihnen ein Happy End. Das ist aber spätestens dann in Gefahr, wenn Mathilda Stansfield wiedertrifft und klar wird, dass er ein dirty cop des Drogendezernats ist. Und der will alle Zeugen los werden. Luc Besson hat mit Léon einen seiner besten Filme geschaffen. Es ist ein Genremix aus Action, Drama, Coming-of-age und Comedy. Ein großartiger Film über Außenseiter, darüber wie wir Menschen begegnen und verschiedene Formen, die Liebe annehmen kann oder anders gesagt: wo man Familie finden kann, wenn man es wenigsten erwartet.

Léon – Der Profi (Léon), Frankreich, 1994, Luc Besson, 127min (Director’s Cut), (9/10)

Header image uses a Photo by Kilyan Sockalingum on Unsplash

Jeden Monat stelle ich einen Film vor, den ich für einen fantastischen Film halte – losgelöst von Mainstream, Genre, Entstehungsjahr oder -land. Einfach nur: fantastisch. 😆