Serien-Besprechung: „Designated Survivor“ Season 1

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So langsam sollte ich mal zu meinem Usus zurückkehren Serien auch dann in etwa dann zu besprechen, wenn ich sie gesehen bzw. zu Ende gesehen habe. Dann gehe ich heute mal mit gutem Beispiel und voller Tatendrang voran … Review ist spoilerfrei.

„Designated Survivor“ Season 1

Die Polit-Drama-Serie Designated Survivor aus dem Hause ABC hat sich mit seinen guten Quoten eine sogenannte back to nine order verdient und wurde noch während ihrer Laufzeit in der ersten Staffel von 13 auf 21 Episoden verlängert. Und ich behaupte mal frei raus, dass das u.a. auch daran liegt, dass sie nicht so hart und anspruchsvoll ist wie House of Cards und damit mehr Leute anspricht. Und zweitens, weil sie vom US-Wahlkampf profitierte, der zu Beginn der Serie gerade auf Hochtouren lief. Der titelgebende Designated Survivor ist ein Mitglied des US-Kabinetts, das während der Rede zur Lage der Nation an einem sicheren Ort ist, abseits des Kongress. Falls etwas passiert und der gesamte Kongress darunter leidet, ist er derjenige, der die Präsidentschaftsfolge antritt. Genau das passiert Tom Kirkman (Kiefer Sutherland). Er muss zuschauen wie das Kapitol zusammen mit all seinen Kollegen in die Luft gejagt wird und wird noch in derselben Sekunde Präsident der Vereinigten Staaten.

Die Serie handelt davon wie er sich der Aufgabe stellt, obwohl er eigentlich im Begriff war die Politik zu verlassen. Aufgrund der Art und Weise wie er Präsident wird, hat er außerdem mit viel Gegenwind zu kämpfen. Viele halten ihn für unfähig und einen ja eigentlich nicht gewählten Vertreter des Volkes. Zeitgleich muss der terroristische Schlag verfolgt werden – wer hatte die Ressourcen das Kapitol in die Luft zu sprengen? Einen Ort, der durch zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen geschützt ist. Kirkman und seine Familie müssen sich der neuen Aufgabe und der Unsicherheiten und Ängste eines ganzen Volkes stellen. In der ersten Hälfte der Staffel funktioniert das gut, aber etwas formelhaft und ab den ersten halben Dutzend Episoden etwas zu telenovela-ig. Das Grund-Setting ist spannend und entführt uns in die amerikanische Verfassung – vom Designated Survivor wusste ich vorher beispielsweise nicht. Auch der Moment als der Fernsehbildschirm in weißes Rauschen übergeht und sich Kirkman in seinem „Bunker“ als Designated Survivor fragen muss, was los ist, machen, dass einem das Herz in die Hose rutscht. Die Charaktere der Staffel sind aber etwas zu durchschaubar und geradlinig. Klar: Sutherlands Tom Kirkman ist ein großes Plus und sehr sympathisch. Ein Underdog, der zum mächtigsten Mann wird und versucht Werte zu vermitteln, obwohl er sich eines gewaltigen Polit-Zirkus‘ stellen muss. Einige wenige andere Charaktere und ihre schleierhaften Motive tragen auch zur Spannung bei, wie im Falle von Peter MacLeish (Ashley Zukerman), der aus den Trümmern des Kapitol gezogen wird und sich alle fragen wie er das überlebt haben kann. Aber andere Rollen sind wiederum sehr oberflächlich und einfach gehalten. Natascha McElhones Alex Kirkman, die Frau des Präsidenten, spielt eine allzu reibungslose Rolle, die wenig Platz für Entwicklung lässt. Sie ist immer die verständnisvolle Ehefrau und tritt wenig als First Lady in Erscheinung, was ich enttäuschend finde.

Neben dem großartigen Beginn der Staffel sackt die erste Hälfte der Episoden also in einen Sturzflug ab, was das dramaturgische betrifft. Die einzelnen Folgen laufen schon sehr bald nach einem sehr einfachen Schema F ab, dass meistens auch etwas rührselig endet. Zu Beginn der Folge wird Kirkman auf ein Problem aufmerksam gemacht, alle zweifeln seine Autorität an, er geht in sich, redet mit seiner Familie, trifft eine Entscheidung, hält eine Rede und der Tag ist gerettet. Die zweite Hälfte der Serie ist da deutlich gelungener und zieht mal etwas an was die Spannung betrifft. Die Folgen sind nicht mehr so formelhaft und weniger vorhersehbar. Hier erkennt man auch wie sehr Kirkman an seiner Aufgabe gewachsen ist und die Charaktere zeigen mehr Entwicklung. Selbst die First Lady bekommt etwas mehr Spannungspotential geboten. Wie realistisch das „Politik-machen“ hier abgebildet wird, zweifle ich aber an. Insgesamt ist Designated Survivor eine schauenswerte Serie, die sich aber einiger Fernseh-Klischees und TV-Tropen bedient, die einem als Serienfan schon mehr als bekannt sind und die einzelnen Handlungsstränge ab und zu etwas vorhersehbar machen. Durch die angenehmen Charaktere und das vom Grundgedanken her spannende Setting, v.A. aber dank einer etwas spannenderen zweiten Hälfte, kann man die Talfahrt in der Mitte der Serie aber verschmerzen.

(7/10)

Sternchen-7

„Designated Survivor – Official Trailer“, via ABC Television Network (Youtube)

Habt ihr die Serie schon gesehen oder steht sie auf eurer To-Watch-Liste? Am Anfang wurde sie ja sehr stark gehypt, aber das Interesse scheint abgeflaut zu sein, war mein Eindruck. Vielleicht weil sie doch etwas telenovela-iger und weicher ist als ‚House of Cards‘? Findet ihr die Auflösung gelungen? Und denkt ihr, dass es eine zweite Staffel gebraucht hätte? Offensichtlich wurde die bestellt, aber ich bin mir unschlüssig, ob ich die Serie weiterschaue. Man hätte gut und gerne auch den Sack zuziehen und die Handlung in einer Staffel abschließen können. Ich bin mir nicht sicher, ob die Geschichte genug Stoff für eine zweite Staffel hergibt.