Rückblick auf das Serienjahr 2017

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Um sich von alldem zu verabschieden, was man in 2017 an Abenteuern erlebtund welche imaginären Kämpfe man gefochten hat, ist ein schöner ausführlicher Rückblick doch immer gut 😉 Rein statistisch bringt der, soviel verrate ich schon, verglichen zum letzten Jahr wenig neues.

2017 habe ich tatsächlich meinen persönlichen Rekord gebrochen und 57 Serienstaffeln geschaut. Das sind drei mehr als letztes Jahr. Das ist immer eine irgendwie unrühmliche Zahl. Man kann schwer darauf stolz sein, schließlich hat man nichts vollbracht außer auf der Couch zu sitzen, oder? 🙂 Zu meiner Verteidigung: die Couch passt eben nicht einfach mal so durch die Tür. Aber es war ein schönes Serienjahr. Übrigens waren es eigentlich 62 angefangene Serienstaffeln. Drei habe ich bis Ende 2017 nicht zu Ende geschaut und zwei Serien tatsächlich mal abgebrochen. Normalerweise schaue ich immer bis zum bitteren Ende weiter, aber dieses Mal war mir die Zeit dann doch zu schade. Abgebrochen habe ich Scream Staffel 1 und Dragonball Super. Dazu später mehr. Unter diesen 62 Serienstaffeln waren 4 Rewatches (Wolfs Rain, Twin Peaks Staffeln 1 und 2 und Eine fröhliche Familie), 3 Dokus (Chefs Table S1, Abstract, The Keepers) und 6 Anime (Psycho Pass, Yūri!!! On Ice, Death Note, Dragonball Super, Wolfs Rain, Eine fröhliche Familie – ich war quasi auf der Nostalgie-Welle unterwegs 🙂 ). Obwohl ich mich im Vergleich zu 2016 gesteigert habe, sollten es 2018 wieder mehr Anime werden :'(

Die Statistik zeigt, dass die Veröffentlichungsjahre der geschauten Serien dieses Mal etwas breit gefächerter sind. Die älteste Serie war Raumschiff Enterprise und der habe ich ja eine eigene Reihe im Blog gegönnt. Ich muss mich richtig bremsen nicht Traumschiff zu schreiben 😉 Obwohl auch Serien aus der Mitte des 20. Jahrhunderts dabei waren, stammt die überwiegende Mehrzahl aus den Jahren 2017 und 2016. Es ist dank Netflix und Amazon Instant Video schön einfach geworden aktuelle Serien zu schauen. Sowohl bei den Genres, als auch bei den Quellen und Produktionsländern gibt es aber keine Überraschungen. Ich bin immer noch ein Fan von Mystery, Thriller und Drama-Stoffen, wobei Comedy klassischerweise weniger geht. Zumindest reine Comedy, da mir das manchmal vom Inhalt zu dünn ist. Bei den Quellen bzw Anbietern ist alles wie gehabt. Ich schaue immer noch vorwiegend bei Netflix, weil es einfach mehr im Angebot hat, das mich interessiert und auch technisch stabiler läuft. Amazon hingegen beschränkt mich – ich kaufe einfach bei einem bestehenden Prime-Abo ungern etwas dazu. Selbst, wenn ich es wirklich gern gesehen will wie Westworld. Außerdem ist es technisch weniger zuverlässig. Qualitätsschwankungen und Abbrüche (egal welche Plattform/welches Betriebssystem) gibt es bei Amazon zuhauf, bei Netflix beispielsweise so gut wie gar nicht. Dadurch ist Amazon in etwa auf derselben Nutzungsstufe wie das Free-TV-Angebot, auf das ich trotz deutscher Synchro gern zurückgreife. Es ist da und ich bin nach wie vor so gepolt, dass ich gutes Fernsehen unterstützen will. Für den Rest muss eben DVD herhalten, obwohl ich bei Serien sehr viel weniger Wert darauf lege, die physisch im Regal zu haben als bei Filmen, da ich kaum Serien rewatche. Neu dazugekommen ist als Quelle Watchbox, der Nachfolger von Clipfish. Obwohl ich Clipfish damals nicht genutzt habe, gefällt mir Look und Feel von WatchBox. Und das Angebot hat immer mal wieder Perlen, weswegen ich 2018 viel öfter reinschauen werde. Außerdem ist es frei und legal und das finde ich schon ziemlich cool. Bei den Herkunftsländern führen immer noch die USA, UK und Japan die Liste an.

Auch bei den anderen Themen gibt es wenige Überraschungen. Genau wie letztes Jahr bevorzuge ich inzwischen kürzere Serienstaffeln so um die 6-13 Episoden und nehme daher scheinbar auch eine längere Spielzeit in Kauf (45-60 min). Serien mit 20-25 Episoden sind schon fast ein No-Go geworden, wenn sie eine Spielzeit von 45 min und mehr haben. Das liegt daran, dass die meistens auch leider viele Füllepisoden oder Case-of-the-Week-Charakter haben, was mich schnell anödet. Anime stellen immer noch die Ausnahme dar, da sie gerne mal 23 Episoden pro Staffel aber eine Spielzeit von nur ca. 20 Minuten haben. Das guckt sich einfach weg. Bei den Bewertungen pendele ich mich durchschnittlich bei 8/10 ein. Das ist gut, früher war es durchwachsen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich inzwischen auch mal meine Neugier ausschalte und eine Serie abbreche. Nach all dem Statistik stricken, kommen wir aber mal zu den kontroversen Themen … Was waren jetzt wohl die besten geschauten Serienstaffeln 2017?

Meine Top Serien (und Staffeln) in diesem Jahr

  1. American Gods S1 der importierte, mensch-gewordene American Dream bzw. Nightmare
  2. The OA S1 wunderbar! Durchaus schwierige Mischung aus Thriller und Esoterik
  3. Mad Men S2 gekonnte Gesellschaftskritik, die sich entwickelt
  4. Jordskott S1 wahnsinnig spannende Mischung aus Öko-Thriller und Fantasy
  5. Game of Thrones S7 spannend: die Handlungsfäden laufen endlich zusammen
  6. Wolfs Rain wunderbare Dystopie die Legenden und Science-Fiction vereint. Plus Wölfe, yay
  7. Dark S1 Zeitreise-Thriller-Drama mit spannender Idee, etwas zu gewollt dramatisch
  8. The Expanse S2 die Sci-Fi-Serie toppt sich selber und wird politisch und moralisch
  9. Person of Interest S5 das schwerwiegende Ende einer Ära
  10. Top of the Lake: China Girl ein sozialer Albtraum mit einem Funken Licht

Knapp nicht in die TOP-10 geschafft haben es The Americans S3, Mindhunter S1, In the Flesh S1, und Halt and Catch Fire S2.

Schlechteste Serie / Größte Enttäuschung

Twin Peaks S3 – ich bin zu haben für surreale oder schwierige Stoffe. Aber die Staffel hat so extrem viel Zeit mit Coopers Dilemma und feststeckendem Geist vergeudet, dass es weh tut.

Blindspot S1 – Case-of-the-Week-Serie, die sich keinen Zentimeter vorwärts bewegt

Falling Water S1 – Zwar nicht case-of-the-Week, bewegt sich aber auch kaum vorwärts

Designated Survivor S1 – etwas zu soft

Iron Fist S1 – verpatzte Origin Story, die mit verkopften Charakteren und plot holes eine eigentlich interessante Story verhunzt

Preacher S2 – stockende Erzählung im Gegensatz zu Staffel 1, inkonsequenter und leider voller plot holes

Größte Überraschung

The OA – Ich hatte wenig erwartet und wurde sehr positiv überrascht, für mich eine der mutigsten Serien des Jahres.

GLOW – Ich hatte nicht erwartet, dass mich eine Serie über Frauen-Wrestling in den 80er Jahren so abholt

Geheimtipp

Jordskott – kennen scheinbar wenige, ist aber eine irre gute Mischung aus Ökothriller und Fantasy, die nicht zu sehr ins märchenhafte abdriftet

Wolfs Rain – manchmal märchenhafter, manchmal trauriger dystopischer Anime

Sneaky Pete – charmante Serie um einen Trickbetrüger, der sich bei einer Familie einnistet, Giovanni Ribisi ist großartig

Outcast S1 – regelrecht nihilistische, Horror-Serie für Fans des Exorzisten

Seltsamste Serienstaffel überhaupt …

Twin Peaks S3 – wie kann man sich nur so um soviel Zeit zur Aufklärung bringen und sie mit Nichtigkeiten vergeuden, die der Zuschauer schon beim ersten Mal gerafft hat?

War den Hype nicht wert

Twin Peaks S3 – siehe meine anderen Rants

Dark Matter – zu wenig world building, zu case-of-the-week-ig

Santa Clarita Diet S1 – nette Comedy-Serie, die ganz witzig ist und mit zwei, drei Szenen die einen starken Magen erfordern; aber mehr auch nicht

War den Hype wert

Game of Thrones S7 – selbst die Hater müssen zugeben, dass es ikonische Szenen gab

Zu früh abgesetzt Serie

Dirk Gentlys Hollistic Detective Agency – Eigentlich habe ich die zweite Staffel noch nicht gesehen, aber die Meldung, dass die Serie danach abgesetzt wird, ist doch ziemlich traurig

Alles hat einmal ein Ende … leider – beendete Serie

The Bletchley Circle – Eigentlich ein großartiges Thema. Das Dilemma der Bletchley-Frauen und ihr ermitteln auf eigene Faust in Kriminalfällen,
hätte Kult werden können

Person of Interest S5 – sehr traurig. Die Serie war ihrer Zeit voraus und sehr aktuell. Aber lieber ein Ende bevor es ins nichtige abdriftet richtig

Bitte, gebt der Serie eine finale Staffel!

Sherlock – Und für mich wäre es auch ok, wenn die vierte die finale Staffel ist. Die Serie überdauert einfach seine Haltbarkeit und wird zum Guilty Pleasure statt zur Seriensensation, was sie mal war

American Gods – Ja, ich mag die Serie extrem. Aber es muss gesagt werden, dass ich mir wirklich wünsche, dass die Serie den Kampf der Götter und das Ende auf keinen Fall in eine dritte Staffel hinauszögern sollte. (Das passiert aber bestimmt, denn viele Bestandteile des Buches wurden noch gar nicht angefasst.)

Guilty Pleasures

Yūri!!! On Ice – ich habe mich gut amüsiert 🙂

Once upon a Time S4 – Es ist wahrscheinlich nicht die anspruchsvollste Serie mit all den Disney-Prinzessinnen und Prinzen, aber eine die sich in Staffel vier gut gemacht hat, vor Allem im zweiten Teil.

Sherlock S4 – die Serie wird zunehmend over-the-top und driftet damit irgendwie von der charmanten, menschlichen ersten Staffeln weg, ist aber eben trotzdem noch ganz cool

Stranger Things S2 – immer noch eine mitreißende und sehr gut gemachte Serie, die sich aber zu sehr auf der Formel ihrer ersten Staffel ausruht

Outlander S3 – hat aus den Fehlern der zweiten Staffel mit zuviel komischer Satire gelernt und setzt die Geschichte Claires und Jaimes gut fort, lässt ihre Charaktere aber zuviele Fehler machen, die sie schon tausend mal gemacht haben

Abgebrochene Serien

Scream – grottige Effekte bzw. Maske und eine Story, schlimmer als vom Hollywood-Reißbrett

Dragonball Super – zuviele Filler und Wiederholungen wie eigentlich schon immer. Letztendlich aber abgebrochen, weil die Serie nichts Neues mehr hinzufügen kann. Saiyajins lernen ja doch immer wieder eine neue Stufe und der neue Gegner ist ja doch immer wieder stärker und dann lernen sie ja doch wieder eine neue finale Stufe und der nächste Gegner … ja. Nein.

Bester Anime

Wolfs Rain – wunderschön dystopisch und melancholisch!

Yūri!!! On Ice – kultig 🙂

Schlechtester Anime

Dragonball Super – siehe abgebrochene Serien

Gesehene deutsche Serien

Dark S1 – Erste deutsche Netflix-Eigenproduktion. Sehr gut gelungen, innovative Story. Aber etwas zu gestelzt dramatisch-deutsch an manchen Stellen. Mal ehrlich … so oft wie die verzweifelte Gespräche im Regen führen müssten die ständig alle krank im Bett liegen anstatt durch die Zeit zu reisen und Rätsel zu lösen …

Fast abgebrochen, zum Glück doch noch weitergeschaut

The Expanse S1 – der zweite Teil ist extrem spannend, der Anfang dafür etwas viel Exposition

Orphan Black S4 – wirklich abgebrochen hätte ich die Serie bestimmt nicht, dafür sind die Sestras einfach zu großartig. Aber nach der dritten Staffel, in der die Serie sich zu sehr selbst kopiert hat, hatte ich echt wenig Antrieb. Aber: die vierte bringts wieder.

Kontroverseste Serien

Tote Mädchen lügen nicht S1 – Oh die Debatte … darf man einen Selbstmord im Fernsehen zeigen? Und darf man dieses und darf man jenes und oh je wie wird nur das selbstmordgefährdete Mädchen dargestellt. Schreckliche Debatte. Man muss doch irgendwie Sensibilität für das Thema fördern. Die Reaktionen zeigen, dass die Gesellschaft nicht dafür bereit war, aber das hoffentlich bald ist auch wenn einige Storydetails vielen sauer aufstoßen. Ich sage ja auch nicht, dass die Serie perfekt ist. Und mal ehrlich: bei dem Thema konnten die Serienmacher nur verlierer.

Top of the lake: China Girl – woah, viele kontroverse Themen. Leihmutterschaft, die Rolle der Frau in Männerdomänen (Polizei), Prostitution, ungewöhnliche Partnerschaften und Lebensentscheidungen … wenn man mal abends nichts zu diskutieren hat und sich streiten will, kann man das schauen. Aber es sind wichtige Debatten!

American Gods S1 – selten wurde Immigration, Religion und das Aufeinandertreffen der Kulturen zusammen mit dem American Dream und was davon übrig bleibt so gekonnt vereint. Wurde es überhaupt schon mal vereint? Es ist DIE Serie für die Ära Trump.

Game of Thrones S7 – kontrovers war die Serie schon immer. Aber das für mich inzwischen kontrovers und sehr leidig gewordene Thema ist die Kritik an der Serie, die sie in letzter Zeit als einfallslos brandmarkt und sagt, dass der Serie ihre literarische Vorlage fehlt. Das ist ein sehr nahe liegender und deswegen auch sehr einfach gestrickter Vorwurf. Buch- sowie Serienfans sollten sich bewusst sein, dass Buch und Serie inzwischen zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Ich bin mir ja nach viiieeel Recherche dessen auch bewusst (ich kenne die Bücher nicht). Aber die Serie madig zu machen wie das teilweise im Internet passiert nützt keinem was.

Bester Soundtrack/Bester Song

Wolfs Rain – der wahrscheinlich beste Soundtrack, den ich 2017 in einer Serie gehört habe

Einer meiner Lieblingssongs des Jahres ist aber:

„The OA Netflix | The Violin Piece | Intro to The OA“, via WorldVideos (Youtube)

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GLOW S1 – wow, das sind dann wohl die 80er! War aber schon kultig und hatte ein gutes Timing

Utopia S1 – Eigentlich hat der Score nur wenige Songs, die oft wiederkehren. Aber die passen so gut zu dem Irrsinn und bleiben lange im Ohr

„Utopia – Theme Song“, via xLazine (Youtube)

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Viel Text. 🙂 Aber es war auch viel los. Insgesamt war es ein ziemliches cooles Serienjahr, in dem gleich mehrere Stoffe verfilmt wurden, die ich mit Begeisterung vorher gelesen habe wie American Gods und Alias Grace. Beide werfen kontroverse Themen und viele Fragen auf. Es war ein anspruchsvolles Serienjahr durchzogen von vielen Guilty Pleasures. So mag ich das. Aber es ist nicht alles eitel Sonnenschein, wenn man auf das große Ganze schaut. 2017 wurde die Filmbranche von dem Weinstein-Skandal erschüttert und die eng mit ihr verzahnte Serienbranche hat auch ihre Konsequenzen daraus gezogen und beispielsweise Kevin Spacey aus „House of Cards“ entlassen. Da hat sich was getan und man muss staunen zu was für einem Preis viele unserer Lieblingsserien entstanden sind oder besser gesagt auf wessen Kosten. Soviel zu den ernsten Worten … Wie war euer Serien-Jahr? Was hat euch am meisten abgeholt? Was habt ihr abgebrochen? Was hat euch unterwältigt? Welche Diskussion muss geführt werden? Welche nicht mehr?