Netzgeflüster: Game-Besprechung „BioShock“ (PS4)

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Bin ich schon ein Retro-Gamer, wenn ich ein Spiel zocke, das 2007 erschien? Oh ihr solltet mich sehen, wenn ich auf dem GameBoy Color „Pokémon: Blaue Edition“ spiele. 🙂 Tatsächlich war „BioShock“ für mich immer nur ein „Begriff“ bis mir Kollegen davon vorschwärmten und die Reihe in höchsten Tönen lobten. Als ich dann die Collection mit „BioShock“, „BioShock 2“ und „BioShock: Infinite“ remastered und v.A. ziemlich günstig sah, bekam ich schon Lust. Und so hieß es jetzt vor Kurzem …

Willkommen in Rapture!

Wir spielen die Figur Jack, der einen ziemlich miesen Tag hat. Nachdem sein Flugzeug abgestürzt ist, treibt er auf dem offenen Meer inmitten von Flammen. Er rettet sich in einen Leuchtturm, der die Utopie eines gewissen Andrew Ryan anpreist. Dort findet er eine Tauchkugel und wenig mehr. Er betritt sie und wir trauen kaum unseren Augen. Sie steuert automatisch eine Stadt unter der Meeresoberfläche an: Rapture. Doch kaum, dass Jack dort ankommt, wird er attackiert und muss sich gegen deformierte, aggressive Wesen wehren, die Splicer genannt werden. Er findet ein Funkgerät und bekommt Hilfe von einem Mann namens Atlas. Der bringt etwas Licht ins Dunkel und dank ihm überleben wir unsere ersten Stunden in Rapture.


„BioShock: The Collection – Remastered Comparison Trailer | PS4“, via PlayStation (Youtube)

Der Magnat Andrew Ryan erbaute Rapture als eine Bastion für die Eliten und als Möglichkeit sich eine eigene Gesellschaft aufzubauen, die nicht durch eingetretene Wege der Gesellschaft eingeschränkt wird. Offenbar ist das Sozial-, Wirtschafts- und Wissenschaftsexperiment aber nicht so gut gelaufen. Was wir mittels Jack dort vorfinden ist eine untergegangene Stadt. Teilweise eingestürzt und geflutet, findet man nur noch einzelne verschanzte Menschen und eben jene Splicer. Die sind abhängig von ADAM, einer Chemikalie, die die DNA verändert und alle möglichen physischen Modifikation zulässt. Auch Atlas bringt uns dazu uns Adam zu spritzen – ab jetzt kann Jack mit einem Fingerschnipsen etwas in Flammen aufgehen lassen oder schocken. Wir haben alle Mühe und Note uns zu Atlas durchzukämpfen und einen Weg aus Rapture zu suchen – und dabei Andrew Ryan das Handwerk zu legen!?

„We all make choices, but in the end, our choices make us.“

BioShock mag vom Grundsetting her ein Shooter mit ziemlich klassischer Storyline sein, aber Design und Handlung greifen unfassbar gut ineinander und geben dem Spiel einen ziemlich gehaltvollen, narrativen Nährboden. In Rapture und den Größenwahn Andrew Ryans fließen viele Ideen, die auch optisch ausformuliert sind und das Spiel irgendwo zwischen Steampunk, Science-Fiction, Horror und Action ansiedeln. Der Spieler hat die Wahl sich mittels der Genmodifikationen durch die Mischung aus Adam, Plasmiden, Tonika oder mit Waffen wie Maschinenpistolen durch Rapture zu schnetzeln. Während wir uns durch die Unterwasserstadt prügeln, werden wir Zeuge aller möglichen moralischen Verrohungen, die angetrieben durch das genetische Gewerke und die hermetische Abriegelung von der Oberwelt krasse Blüten treiben. Da gibt es psychotische Ärzte, die Experimente an Menschen machen; gruselige Fischfabriken oder auch ein Vergnügungsviertel, dessen offenbar panisch verlassene Hallen vom Untergang einer Zivilisation erzählen.

Andrew Ryans Traum von der Bastion der ausgewählten Eliten ist entsprechend mit Pathos untermauert. Die einzelnen per Tauchkugel erreichbaren Stationen heißen Hephaistos oder Neptun – und sind nichts geringerem als Göttern nachempfunden. Rapture muss mal ein sehr wertiger Ort gewesen sein, dessen Stil ein Mix aus Art déco und Steampunk ist. Das fügt sich wunderbar in die Handlung ein, das angedeutet späte goldene Zeitalter, das Ryan hier aufzäunen wollte. Die Handlung spielt im Jahr 1960 und Rapture ist es offenbar gelungen vor der Oberwelt geheim gehalten zu werden. Weswegen niemand die menschlichen Unglücke und Experimente hier mitbekam. Einige davon wandeln noch immer durch die Hallen – so beispielsweise Little Sisters und Big Daddys. Beides Ausgeburten der Experimente. Die grausig anmutenden kleinen Mädchen ziehen Lebewesen Adam ab. Wir können den Spieß umdrehen – oder sie retten. Die Entscheidung liegt beim Spieler und es ist nicht unwichtig, wofür wir uns entscheiden. Färbt die Verrohung Raptures auf uns ab oder nicht?


„02 – Beyond The Sea – Bioshock OST“, via SMBGamingOST (Youtube)

„Would you kindly …“

Früher oder später laufen wir in eine oder mehrere moralischen Zwickmühlen – nicht zuletzt, weil das Spiel herrlich twistreich ist. Unterfüttert wird die Atmosphäre dadurch, dass wir selten jemanden treffen, der nicht schon wahnsinnig geworden ist (oder ein Splicer, der uns nach dem Leben trachtet). Zu einigen Personen haben wir per Funk Kontakt, aber wie wir wissen ist das nicht dasselbe wie einem menschlichen Wesen in die Augen blicken zu können. Andere Sichtweisen und v.A. die Geschichte Raptures und ihrer schillernden Charaktere bekommen wir durch Audiotagebücher mit, die wir hin und wieder finden. Sie erlauben uns auch verschiedene Sichtweisen auf das Geschehen zu bekommen. Ein schöner Kniff zur Entwicklung der Handlung. Ansonsten wäre dieses First-Person-Spiel wohl zu first-person geworden.

Klingt super, oder? Ja, wenn das jetzt auch noch gut aussehen würde. 😉 Keine Angst, ich übertreibe etwas. Die remasterte Version und Portierung für PlayStation 4 kann in punkto Umgebungsdesign, Atmosphäre und Lighting noch gut mit modernen Spielen mithalten, ist aber in ein paar anderen Belangen sehr schlecht gealtert. V.A. im Character Design. Die Splicer sehen leider ziemlich scheiße aus. Das sollen sie bis zu einem bestimmten Grad ja auch, schließlich sind die durch Adam-Entzug physisch und psychisch am Ende. Mutiert und wahnsinnig. Aber sie sehen alle zu ähnlich aus, zu unausgearbeitet und aus der Nähe zu verpixelt. Auch rein von der Gamelogik her verhalten sie sich zu dumm und zu hölzern. Klar, es gibt einem schon Gänsehaut, wenn über einem ein Spider Splicer an der Decke krabbelt, aber sobald wir dem näherkommen und seine unausgearbeitete Visage sehen, dann verpufft die Atmosphäre kurz.

Fazit

Klar schwärmen mir die Spieler von vor über zehn Jahren vor, dass BioShock für sie eins der besten Spiele war, die sie jemals gespielt haben. Nach 13 Jahren lässt sich schon alleine wegen der technischen Weiterentwicklung nicht alles davon so nachvollziehen und die Begeisterung kann nicht so fruchten wie sie es sicherlich zur Erstveröffentlichung tat. Manchen Spielen gelingt das – meistens welche, die einen reduzierteren Design- und Technik-Ansatz haben wie beispielsweise Journey. Die funktionieren lange, weil sie statt den Tech-Stack auszuschöpfen ein zeitloses Setting und zeitlose Optik gewählt haben. Die Atmosphäre ist aber das Geheimrezept BioShocks, die es heute noch zu einem überaus guten Spiel macht und begeistert. Ausgestattet mit übermenschlichen Fähigkeiten trotten wir hier durch eine prunkvolle, aber (wortwörtlich) untergegangene Welt, in der ähnlich starke Gegner auf uns warten und hören dazu Bei mir bist du sheen oder Papa loves Mambo im herrlichen Retro-Soundtrack mit beschwingten Nummern als krassem Gegensatz zu dem was von Rapture übrig ist. Eine frappierend gute Mischung. BioShock wird aber was seine dichte Erzählung und das World-Buildung betrifft Spitzenklasse bleiben, auch wenn es optisch nicht mehr so beeindrucken kann.


„14 – Papa Loves Mambo – Bioshock OST“, via SMBGamingOST (Youtube)

Jetzt bin ich umso gespannter – habt ihr BioShock gespielt? Und wart ihr ganz früh dabei oder eher spät? Wie hat es euch gefallen? Habt ihr euch dazu entschieden die Little Sisters auszubeuten oder zu retten? Habt ihr weitere Teile gespielt? Ich bin gerade an BioShock 2 dran.

Netzgeflüster ist eine Kategorie meines Blogs in der ich mich immer zwischen dem 10. und 15. eines jedes Monats Themen aus IT, Forschung, Netzwelt und Internet widme genauso wie Spaß rund um die Arbeit mit Bits und Bytes. 🙂