Serien-Besprechung: „Star Trek: The Next Generation“ Season 3

Posted by in Review, Serienlandschaft

Es ist kein Geheimnis: ich hatte so meine Probleme mit TOS, aber TNG gefällt mir gut. 🙂 Die Besprechung zur dritten Staffel bin ich bisher schuldig geblieben, obwohl ich inzwischen schon irgendwo in der vierten rumschwirre. Wie gefällt nun also die dritte in meiner ersten Sichtung dessen, was ihr alle da draußen wohl schon kennt? ^^

In der dritten Staffel macht TNG dieselben Dinge richtig wie zuvor, aber sehr viel feiner und traut sich noch einen Tick mehr. Die Charakterentwicklung und -momente sind wiederkehrend gut. Manchmal sind es die kleinen Dinge, beispielsweise wenn Deanna Troi (Marina Sirtis) müde nach einem langen Arbeitstag des Konflikte schlichtens ist und einen Schokoladeneisbecher braucht. Manchmal sind es die großen Momente, in denen ganze Episoden bestimmte Charaktere zentrieren. Ich denke da beispielsweise an Worf (Michael Dorn), dessen Familie ein Thema wird, auch dessen Aufwachsen unter Menschen und der in seiner Vergangenheit wurzelnde Konflikt mit den Romulanern.

Wie auch schon in den Staffeln zuvor vergisst die Serie personelle Belange der Enterprise nicht. Und so wird die Linie konsequent fortgesetzt, in dem die Frage nach Wesley Crushers (Wil Wheaton) weiteren Ausbildung (on oder off Board der Enterprise?) fortgesetzt wird. Sehr zum Leidwesen der Zuschauer*innen stellt sich aber zum wiederholten Male die Frage danach wohin es mal William „Number One“ Riker (Jonathan Frakes) verschlagen soll. Zwar habe ich mich auch schon in meiner Besprechung zur 2. Staffel gefragt, ob es auf lange Sicht sinnvoll ist, dass zwei so ranghohe Offiziere an der Spitze des Enterprise-Organigramms stehen, aber andererseits will auch ich den Riker nicht loswerden. Interessant ist, ob die Serie eine Lösung für die Ko-Existenz zweier solcher Führungsrollen findet, woran das echte Leben heute noch manchmal scheitert. Ob die Frage nach Rikers Weiterbeschäftigung oder eventuellen Transfer nun zum letzten Mal besprochen wurde, verrate ich nicht. Aber soviel steht fest, das Thema war nicht das erste Mal auf dem Tisch.

Neben den vielen Dingen, die TNG seit jeher gut macht, gesellen sich auch weitere, neue. Es wirkt ein wenig so als ob sich die Showrunnder die Kritik an TOS und früheren Staffeln zu Herzen genommen hätten. So erkennt man in einigen Episoden einen sehr gesunden weil einfühlsamen Umgang mit den Themen Tod, Verlust und Trauerbewältigung. So beispielsweise in Episode S3x05 The Bonding als der Verlust eines Crew-Mitglieds an dessen Hinterbliebende kommuniziert wird – bevor natürlich einige Ungereimtheiten geschehen. Hier ist es Sache des Captains (Patrick Stewart) das Ableben mitzuteilen, dafür zu sorgen wie es für die Hinterbliebenen weitergeht, für sie da zu sein und v.A. Verantwortung zu übernehmen. Gleich 4 Rollen, die man in TOS bei den vielen Toden von Red Shirts so nicht gesehen hat. Überhaupt bekommt Captain Picard in der Staffel viel zutun und darf mit seiner gesammelten Leadership-Weisheit glänzen. Fällt mir das besonders auf, weil ich mich beruflich viel mit dem Thema auseinandergesetzt habe oder war das tatsächlich besonders im Fokus? 🙂 Wer weiß.


„The 5 BEST Star Trek: TNG Episodes [Season 3]“, via The Pensky File (Youtube) – hier kann ich mich nur anschließen!

In The Ensigns of Command (Episode S3x02) bedient sich Picard der alles vernichtenden Macht der Bürokratie. Keine Übertreibung – der deutsche Episodentitel ist tatsächlich „Die Macht der Paragraphen“. Selbst Picard ist dann aber in S3x04 raus aus seiner Komfortzone als er versehentlich als Gott missverstanden und mit „The Picard“ angeredet wird. Besonders schwierig kennzeichnet die Serie Leadership an einem mal nicht nur vorbildlichen Mitarbeiter. Man könnte ja manchmal meinen an Board der Enterprise herrscht die ideale (Arbeits-)Welt (mal abgesehen von der steten Rufbereitschaft…). In S3x21 Hollow Pursuits fällt Lieutenant Reginald Barclay (Dwight Schultz) durch häufige Abwesenheit auf und dadurch, dass er seinen Aufgaben nicht nachkommt. Was folgt löst einerseits ein gewisses Fremdschämen aus. Barclay fühlt sich tatsächlich nicht wohl als Teil der Crew und lebt häufig Fantasien im Holodeck aus in denen er der Held ist. Es fällt das erste Mal das Wort Holodiction (Holodeck Addiction). Ich meine … kein Wunder, bei den Möglichkeiten. 😉

Was ich der Serie hoch anrechne ist, dass sie nicht nur auf Barclay rumhackt (obwohl seine „Fantasien“ im Holodeck schon recht speziell sind), sondern auch den Umgang der Crew mit ihm adressiert. Beispielsweise in welchen Situationen sie sich ihm gegenüber unfair verhalten und wie Picards Rolle in dem Ganzen ist. Ein Lehrstück über Zusammenarbeit, Teamarbeit und Führungskräfte.

Was die Serie auch erstmalig macht ist mit der Timeline und Dimensionen zu spielen. In Episode 3×15 Yesterday’s Enterprise wird die Enterprise in eine andere Zeitlinie versetzt in der die Konflikte der Vergangenheit einen anderen Ausgang nahmen. Denise Crosby ist hier nochmal als Lt. Tasha Yar zu sehen. Ihr Abschied hat mich in der ersten Season sehr geschmerzt, weil ich sie sehr cool fand. Die Erklärung für das Zeitlinien-Spiel finde ich so mäßig geschickt, die Dramaturgie mag ich hingegen sehr. Mein Gefühl sagt mir, dass das sicherlich nicht das letzte Mal war. Die dramatischen Folgen sind mittig in der Staffel sowieso stark vertreten und sehr mitreißend. Nach der eben erwähnten folgt mit 3×16 The Offspring gleich eine Folge in der Data beschließt, dass er Vater werden möchte. In der Episode, bei der interessanterweise Jonathan Frakes alias Riker Regie führte, wird damit mal wieder die Frage nach Spezies und Fähigkeit zu Emotionen auf den Tisch gebracht. Ich unterstelle ja, dass Data sehr wohl Emotionen hat, wenn auch mit einer ganz anderen Ausprägung als bei Menschen. Woher sonst der Wunsch Nachkommen zu zeugen? Für seinen Androiden-Nachkommen Lal hat Data außerdem ein spannendes Konzept. Lal darf sich selbst aussuchen wie es aussehen möchte, welcher Spezies ähneln und ob und welches Geschlecht es annehmen möchte. Der Rest der Episode ist sehr emotional und bei meinen Lieblingsepisoden der Staffel sehr weit vorn.

Etwas schade ist, dass man TNG auch in der dritten Staffel ganz feine Unterschiede in Kontinuität (der Umsetzungsreihenfolge bspw.) anmerkt ist erstaunlicherweise u.a. Dr Crushers (Gates McFadden) Haarlänge! 🙂 Denn die variiert zwischenzeitlich mal von halblang zu wieder lang zu halblang. Das findet man heutzutage in Serienproduktionen eher weniger und lässt auf Improvisieren und Schieben der Reihenfolge von Episoden deuten, aber dramatisch ist es sicherlich auch nicht. Zwar hat die dritte Staffel von TNG leider immer noch keien Doppelepisoden für spannende, größere Handlungsbögen, aber sie haben etwas gefunden, dass mich gleichzeitig freut und geärgert hat. Sie haben die Cliffhager für sich entdeckt. ^^ Die dritte Staffel endet mit den Borg, aber ist ganz offenkundig noch nicht mit ihnen fertig! Es war hart Season 4 nicht gleich weiterzuschauen.

Hier kommen aber auch ein paar andere Inkonsistenzen hinzu. Um nicht zuviel zu spoilern, falls noch jemand gespoilert werden kann: warum ist „Locutus“ ein Individuum? Ist das nicht ein Konzept, das den Borg ganz und gar widerspricht? Ich habe es mir so erklärt, dass „Locutus“ noch nicht vollständig in die Borg integriert ist. Aber die Folge hatte für mich einige Logiklücken, über die Spannung und Überraschung einigermaßen hinwegtäuschen konnten. Neben solchen Zipperlein haben die Serienschöpfer wohl das Feedback zu Q erhört und gehen anders an den Charakter heran. So verliert er in einer Episode seine Fähigkeiten und klagt ach so schwer über seine menschlichen Makel. Die dritte Staffel hat merklich einiges an der Kritik von TOS und früheren Staffeln inhaliert und wirkt gegen. Vor Allem brilliert die Staffel aber wieder darin die Charaktere weiterzuentwickeln, was bei sovielen Charakteren nur peu a peu geschehen kann, aber dankenswerterweise niemand vergessen wird. Die andere große Stärke ist, dass Star Trek bei all der demonstrierten Diplomatie und Aufgeschlossenheit klar macht wie schwierig lange schwelende Konflikte auflösbar sind und wie selten von außen. Egal ob Rebellen oder Terrorismus, alles hat eine Historie, die schwer aus den Köpfen über viele Jahrzehnte oder Jahrhunderte malträtierten Völkern (auf beiden Seiten) rauszukriegen ist. Viel Fingerspitzengefühl, chapeau. (8/10)

Sternchen-8


„Star Trek: The Next Generation Season 3- Gag Reel“, via CBS Home Entertainment (Youtube)

Ich denke man hat herausgelesen, dass mir auch die dritte Staffel wieder sehr gut gefallen hat. Es zeigt sich deutlich, warum TNG sich so gut als „comfort“ Serie eignet, da sie neben den gewichtigeren und sensiblen Themen auch immer mal wieder welche mit Fanservice oder eher emotionalem, figurzentrierten Unterbau hat. Wie hat euch die Staffel gefallen, falls ihr euch daran noch erinnern könnt? 😉