Serienlandschaft: Kurzreviews – Peaky Blinders S2, Pretty Little Liars S6, Attack on Titan S1

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Ist das zu fassen. Ich habe den Review-Stack immer noch nicht abgearbeitet. Aber ich bin weiser geworden und schreibe jetzt keinen noch längeren Artikel mit noch mehr Reviews, weil das liest da keiner mehr … oder? 🙂 Heute also erst Mal drei Reviews, und die sind natürlich spoilerfrei für die Staffel, die ich reviewe. Nicht spoilerfrei für vorangegangene Staffeln.

‚Peaky Blinders‘ Season 2

Glück im Spiel, Pech in der Liebe. Tommy (Cillian Murphy) hat sich am Ende der ersten Staffel gegen Grace und für sein Geschäft und seine Familie entschieden. Und der Zuschauer erfährt was am Bahnsteig mit Grace geschehen hast, der sich C.I. Chester Campbell (Sam Neill) entgegenstellte, obwohl sie Tommy erwartet hat. Und was das Geschäft betrifft, scheint sich Tommys Entscheidung gelohnt zu haben: das boomt. Und erregt Aufmerksamkeit. Soviel, dass sich andere seinen Einfluss zunutze machen wollen und als Warnsignal The Garrison in die Luft jagen. Tommy soll für die Iren arbeiten (Stichwort: Birmingham Six Bombings und IRA), genauer gesagt jemanden für sie umbringen. Er versucht seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, seine Pläne sind eigentlich andere – er will expandieren. Tommy will sich mit Alfred Solomons (Tom Hardy) gegen Sabini verbünden. Solomons betreibt eine Schnapsbrennerei, nach außen hin getarnt als Bäckerei. Zeitgleich erfahren wir, dass Freddie Thorne, Ada Shelbys Mann, gestorben ist und sie sich von der Familie abnabelt. Währenddessen wird Pollys Schmerz größer und sie will ihren Sohn und ihre Tochter zurück. Tommy forscht nach, was aus den Kindern geworden ist – mit Ergebnissen. Und als ob all das nicht schon schwierig genug wäre, lernt Tommy May Carleton (Charlotte Riley) kennen, die so einsam zu sein scheint wie er, sein Leben aber auch nicht unbedingt einfacher macht. Am Ende laufen alle Fäden zusammen und es wird knapper für Tommy als je zuvor.

Die Staffel ist um einiges spannender und rasanter als die erste und das tut der Serie gut. Die Gangster-Szene und der Einfluss der Shelbys kommen atmosphärisch rüber und wirken wie eine kleine Zeitreise. So konsequent ist alles durchgestylt. Die Shelbys sind eine Marke für sich. Bösewichte, die man gerne hat, weil sie soviele Fehler haben und daraus keinen Hehl machen. Sie sind immer ein bisschen pathetisch, aber letzten Endes geht die Familie über alles. Das macht sich ganz besonders an Helen McCrory als Polly bemerkbar, die extrem stark in dieser Staffel ist und verdient fokussiert wird. Es ist rührend und traurig wie sehr Polly leidet und abstürzt, solange ihr niemand sagen will, was aus ihren Kindern geworden ist. Oder bestürzend wie weit sie geht, um ihre Familie zu beschützen. Tommy, der hin- und hergerissen zwischen Erinnerungen an Grace und der Gegenwart mit May ist, gerät da fast in den Hintergrund. Seine Traumata hat er scheinbar verarbeitet, aber driftet irgendwie ziellos dahin. Nur beim Geschäft ist klar wo die Reise hingeht. Am Ende der Staffel wird er aber anders darüber denken. Mit Tom Hardy kam eine weitere Schauspielgröße dazu – ein lohnenswerter Zuwachs im Cast. Hardy spielt seine Rolle extrem differenziert. Er ist kaum wegzudenken. Wie nonchalant er mit Tommy ‚verhandelt‘ wird eine meiner Lieblingsszenen der ganzen Serie. Was aber konsequenter sein könnte, ist das Einbinden der historischen Ankerpunkte. Churchill ist wieder mit von der Partie und hier und da gibt es namedropping historischer Geschehnisse, aber das wirkt noch etwas zu inkonsequent. Sehr positiv fällt mal wieder der Soundtrack auf, der mit modernen Tönen glänzt, die sich überraschend gut in der Birmingham-Atmosphäre machen. Wer übrigens der devil with the red right hand ist, hat mich etwas überrascht. Nach dem Staffelfinale mit Paukenschlag bin ich persönlich extrem gespannt auf Staffel drei. Die zweite Staffel legt ordentlich zu und das gelingt bravourös.

(8/10)

Sternchen-8

‚Pretty Little Liars‘ Season 6

Die fünfte Staffel endete damit, dass die Mädchen inklusive der für tot angenommenen Mona (Janel Parrish) in einem Bunker eingesperrt werden und ein krankes Dollhouse-Spielchen abziehen müssen, um A glücklich zu machen. Zu Beginn der sechsten Staffel wird das Dilemma direkt gelöst und die Mädchen können entkommen. Vorher bekommen sie ein paar Hinweise auf die Identität von A, aber der Übeltäter/die Übeltäterin kann wieder nicht gefasst werden. Die erste Hälfte der Staffel verfolgt tatsächlich den Weg vom Entkommen der Mädchen aus dem Bunker bis zum Schnappen von A. Man glaubt es kaum, aber es passiert tatsächlich, obwohl die große Auflösung schon seit der dritten Staffel angeteasert wurde. Bis dahin ist die erste Hälfte sogar relativ konsequent. Nachdem die Mädchen offensichtlich verschwunden waren, wird die Polizei eingeweiht und die Welt um sie herum reagiert. Alle sind relativ misstrauisch den Mädchen gegenüber, denn schließlich passieren um sie herum ständig schreckliche Dinge. Die Mädchen selber fühlen sich auch nicht sicher, was tatsächlich mal ziemlich realistisch ist, wenn man bedenkt, was ihnen widerfahren ist. Emily (Shay Mitchell) beispielsweise hat den Wunsch sich zu verteidigen und geht auf einen Schießplatz. Ob man das nun gut heißt oder nicht, eine Sache ist es definitiv: eine nachvollziehbare Reaktion. Die erste Hälfte der Staffel verspricht also sogar Charakterentwicklung bis es zur Auflösung um A kommt, die kaum hanebüchener sein könnte. Warum? Weil es jemand ist, der lange Zeit für A gehalten wurde. Um den Zuschauer in die irre zu führen wurden in der ersten Hälfte der Staffel Hinweise um das Geschlecht des Täters/der Täterin gestreut, die zu einem konfusen Twist führen. Man hat selten in Whodunit-Serien eine schlechtere Auflösung gesehen. V.A. weil es noch offensichtlicher macht, dass über viele Staffeln hinweg Hinweise nur zur allgemeinen Verwirrung gestreut wurden und die Handlung künstlich verlängert wurde, damit die Kasse klingelt. Denn die Auflösung hätte man auch schneller haben können.

Die zweite Hälfte der Staffel wirkt nun mehr als überflüssig. A wurde geschnappt – die Serie könnte zu Ende sein. Wäre zwar ein sehr abruptes, aber was soll man nun noch für eine Geschichte erzählen? Überraschung: die Serie setzt jetzt Jahre später ein, nachdem A längst geschnappt wurde und die Mädchen inzwischen studieren oder sogar schon im Berufsleben stehen. Ihre Wege haben sich getrennt, allerdings kommen sie zurück in ihre Heimatstadt, weil A freigelassen werden soll. Das ging ja schnell. Und während der Zuschauer überrascht feststellt, welche Fanfavoriten-Pärchen sich getrennt haben, wer welchen Berufsweg eingeschlagen hat und welche Geheimnisse die Mädchen jetzt wieder mit sich rumschleppen, die bittere Erkenntnis: es geschieht ein Mord, die Mädchen stehen unter Verdacht und werden erneut von einem/r Unbekannten erpresst, die oder der sich von A immerhin dadurch unterscheidet, dass er Emoticons verwendet. Da sich die Mädchen gegenseitig nicht vertrauen, weil sie sich auseinandergelebt haben, kann man sagen, dass die Serie wieder bei Staffel eins angekommen ist und damit alles andere als kreativ ist. Das einzige, was die zweite Hälfte der Staffel gut macht ist, dass sie direkt am Ende der Staffel auflöst, wer diesmal der Erpresser ist und den Zuschauer endlich zu einem Eingeweihten macht. Und keine Sorge: natürlich gibt es trotzdem einen krassen Cliffhanger, der den Zuschauer zum Weiterschauen animiert. Das Fazit der Review liest man bereits zwischen den Zeilen: Pretty Little Liars hat sich aus der eigenen Lauflänge und Strategie quasi ein Grab geschaufelt. Die Auflösung war nicht zu retten und die Wiederholungen der Dilemmata der Mädchen sind zu offensichtlich, zu geplant. Ein bisschen mehr Realismus und Herz hätte der Serie gut getan.

(5/10)

Sternchen-5

‚Attack on Titan‘ Staffel 1

Attack on Titan (OT: 進撃の巨人, lies: Shingeki no Kyojin) handelt von einer alternativen Geschichtsschreibung. Einer Welt, in der die Menschheit aus Angst vor Titanen freiwillig in einem goldenen Käfig lebt. Genauer gesagt in einer großen, mittelalterlich-anmutenden Siedlung, die von drei hohen Mauern umgeben ist. In dieser Welt und mit der Angst vor den Titanen wächst der Junge Eren Jaeger auf. Eines Tages müssen seine Ziehschwester Mikasa und er aber hilflos zusehen wie der Albtraum der Bevölkerung wahr wird und Titanen wie aus dem Nichts auftauchen und die äußerste der Schutzmauern einreißen als ob es sie keine Mühe kosten würde. Sie fallen über die Menschen her und fressen sie wahllos und gnadenlos. Eren schwört Rache – er will die Titanen bekämpfen und will mit aller Macht, dass die Menschen irgendwann in Frieden leben können.

Was fasziniert die Leute an Attack on Titan? Der aller offensichtlichste Grund: die Brutalität. Man kann sagen, dass Attack on Titan das Game of Thrones unter den Anime ist. Grausame, plötzliche und schockierende Tode, auch von liebgewonnenen Charakteren sind hier an der Tagesordnung. Trotzdem unterscheidet sich der Anime von anderen Genrekollegen, die ausschließlich auf Brutalität und Schockmomente setzen. Attack on Titan erzählt die Geschichte eines sehr eng strukturierten und durchdachten Mikrokosmos. Die letzte Bastion der Menschheit scheint stark an das mittelalterliche Europa angelegt zu sein, vorrangig Deutschland. Die Namen der Mauern, Stadtteile und Charaktere geben darüber Aufschluss (Maria, Armin, Reiner, …). Zudem gibt es in jeder Episode einen Erkenntnisgewinn über das Leben innerhalb der Mauern. Wie funktioniert die Versorgung? Wie werden die Titanen bekämpft? Wie ist das Militär strukturiert? Natürlich gibt es auch Ungereimtheiten wie das Kampfsystem, das ich etwas anzweifle. Leider ist der Erkenntnisgewinn über die Titanen auch nicht besonders groß. Vielmehr scheinen die Geheimnisse im Laufe der Serie immer mehr zu werden. Geheimnisse spornen auch an dranzubleiben – kommt auf den Zuschauer an. Einige Episoden ziehen sich allerdings sehr, weil Entscheidungen ausbleiben. Dahingehend könnte die Serie konsequenter sein. Auffällig ist aber wiederum, dass der Anime durchweg auf einem hohen Niveau ist, was die Animationsqualität betrifft. Zwar werden Standbilder ab und zu verwendet, aber selten recycelt. Schwankende Animationsstile und Episoden die negativ auffallen gibt es nicht. Das ist ein riesengroßes Plus, denn Animekenner wissen, dass fast jeder Anime früher oder später schwächelt wegen finanziellen Engpässen, Zeitdruck, wechselnder Besetzung etc. Alles in allem ein wirklich guter Anime, der allerdings noch besser sein könnte. Hoffentlich kommt die anfangs für 2016 angekündigte zweite Staffel wirklich noch dieses Jahr.

(8/10)

Sternchen-8

Welche der Serien(staffeln) kennt ihr? Und wie ist eure Meinung dazu? Inzwischen ist es ja an der Tagesordnung, dass aus dem Kino bekannte Darsteller sich einen Auftritt in Serien leisten wie Tom Hardy in Peaky Blinders (was ja auch nicht sein erster Serieneinsatz ist). Ich finde diese verschwimmenden Grenzen sehr lohnenswert. Wie seht ihr das? Und noch ein paar Worte zu Pretty Little Liars: ich persönlich ziehe einen Schlussstrich und werde die Serie nicht weiterschauen. Bisher empfand ich es immer als nette Abwechslung zu den ansonsten eher düsteren Serien, die ich schaue. Nette Klamotten, ein bisschen Liebe, nette Charaktere und miträtseln – das war bisher mein Motor um die Serie zu schauen. Aber ich nehme es eigentlich nur noch als Geldmaschinerie wahr, die das Ende immer weiter hinauszögert und dafür immer seltsamere Storylines in Kauf nimmt. Bisher war das meine ‚Mädchenserie‘, aber inzwischen sage ich: keinen Bock mehr. Da gibts bessere ‚Mädchenserien‘. Wie ist das bei euch? Schaut ihr das noch? Und bitte nicht am Begriff Mädchenserie stören, hier sind einfach fast alle Hauptcharaktere Frauen, was in anderen Serien für das erwachsenere Publikum kaum vorkommt. Und falls ihr den Anime kennt, habt ihr bestimmte ‚Attack on Titan‘-Theorien? (Bitte keine Spoiler aus dem Manga für Zuschauer der Serie.) Ich habe mich anfangs immer gefragt, ob das nicht die Vorgeschichte unserer Zeitschreibung sein könnte. In den ersten Folgen habe ich mich auch gefragt, ob nicht ‚wir‘ die früheren Titanen sind, aber spätestens bei den Folgen zwei oder drei war klar, dass die Theorie nicht wirklich passt.

Immer zwischen dem 5. und 10. eines jeden Monats mache ich einen kleinen Ausflug in die Serienlandschaft. Ob aktuelle Serien, all-time-favorites, irgendeine TOP-5 oder einfach ein paar zerstreute Gedanken: es ist alles dabei :).