Serienlandschaft: Anime-Kurz-Kritiken „Die kleine Prinzessin Sara“ und „Naruto Shippuuden“ S12

Posted by in Review, Serienlandschaft

Die heutigen Serien-Reviews haben wieder einen gemeinsamen Nenner. In diesem speziellen Fall handelt es sich um Anime, die ich in meiner Kindheit (frühere oder spätere) geschaut habe. Gut, streng genommen, war ich bei „Naruto Shippuuden“ Teenager. Aber ihr versteht, in welche Richtung das geht. 🙂 Mit beiden Anime verbinde ich eine ganze Menge und sie interpretieren Humanismus auf ihre ganz eigene Art. Während die „kleine Prinzessin“ auf einer historischen Literaturvorlage beruht und in einem historischen Kontext spielt, ist Naruto eher Fantasy zuzuordnen. Einer alternativen Version unserer Welt, in der wir Ninja begleiten. Von ihrer Ausbildung als Kind in der Serie „Naruto“ bis hin zu der Sequel-Serie „Naruto Shippuuden“, in der die einstigen Kindheitsthemen schließlich im Erwachsenwerden und ernsten Themen wie Krieg und Verlust gipfeln. Beide Anime haben ihre Qualitäten. Reviews sind spoilerfrei für die besprochene Staffel, nicht für die davor.

Die kleine Prinzessin Sara

Und die Nostalgie schlägt zu. 🙂 Die Serie Die kleine Prinzessin Sara, im Original 小公女セーラ (Shōkōjo Sēra), entstand 1985 als Teil des World Masterpiece Theatre. Einer Reihe an Animationsserien, die Kindern im asiatischen Raum das Leben in anderen Teilen der Welt und deren Geschichte vermitteln sollte. Die kleine Prinzessin Sara basiert auf einem Buch von Frances Hodgson Burnett und schildert das Leben des Mädchens Sara Crewe, die vermutlich um 1900 von ihrem Vater auf ein Mädchen-Internat in London geschickt wird. Die wohl erzogene, hübsche und kluge Sara macht sich schnell Freunde. Die Leiterin des Instituts, Miss Minchin, ist vor Allem verzückt, weil Saras Vater in Indien eine Diamantenmine betreibt. Von da an nennen alle Sara eine Diamantenprinzessin, die damit gar nicht unbedingt einverstanden ist. Sie ist sich wohl bewusst, dass sie im Leben Glück hatte und dass die Menschen, egal ob arm oder reich alle gleich viel wert sein sollten. Sie freundet sich auch mit dem Küchenmädchen Becky an, die schwer schuften muss und schlecht behandelt wird. Saras Mitschülerin Lavinia hingegen möchte sie ausstechen und stellt Sara wann immer es geht als Träumerin oder arrogant hin. Eines Tages ereilt das Internat aber die Nachricht, dass Saras Vater in Indien verstorben ist. Sie hat keine Verwandten mehr und keine finanziellen Mittel. Anfangs will Miss Minchin sie von der Schule werfen und sich selbst überlassen, später nimmt sie Sara als Küchenmädchen auf – der Beginn einer Tour de Force.

„Die kleine Prinzessin Sara – Intro erste Folge – Zeichentrickserie“, via KIXI Tipps (Youtube)

Klick auf den Button, um Inhalte aus YouTube zu laden.
Lade Inhalte

PGlmcmFtZSB3aWR0aD0iNTYwIiBoZWlnaHQ9IjMxNSIgc3JjPSJodHRwczovL3d3dy55b3V0dWJlLW5vY29va2llLmNvbS9lbWJlZC9qSW5tR0RmUVdKMCIgZnJhbWVib3JkZXI9IjAiIGFsbG93PSJhdXRvcGxheTsgZW5jcnlwdGVkLW1lZGlhIiBhbGxvd2Z1bGxzY3JlZW4+PC9pZnJhbWU+PC9wPg==

Von Humanismus oder dem Wert eines jeden Lebens hat die Leiterin dieses Mädcheninternats bis dahin offensichtlich nicht viel gehört. Sie lässt Sara ohne Lohn, nur für Kost und Logis, arbeiten. Sara versucht das Beste daraus zu machen und selbst aus den kleinsten Dingen Lebensmut zu ziehen – gemäß ihres Charakters. Mit Becky, die ihre größte Stütze wird, war sie ja schon vorher befreundet. Aber machen wir uns nichts vor – die Art und Weise wie die Dienstmädchen behandelt werden, würde man heute als Misshandlung betrachten und hart abstrafen. Es ist auch leider sehr formelhaft wie eine Zicke wie Lavinia immer wieder mit ihren Demütigungen durchkommt und Miss Minchin wirklich so von Grund auf ignorant und bösartig dargestellt wird. Zwar gibt sich die Serie Mühe das noch etwas zu begründen und die Geschichte bleibt herzlich, aber etwas einfach gestrickt. Die Animationsqualität schwankt erstaunlich wenig für das Entstehungsjahr und berücksichtigt die literarische Vorlage besser als mancher Film! Wenn man genau hinschaut merkt man sogar, dass Sara altert, denn eigentlich vergehen in der Geschichte mindestens vier Jahre.

(8/10)

Sternchen-8

‚Naruto‘ S12 (Episoden 243 – 275, ohne Filler)

Die inzwischen zwölfte Naruto-Staffel beginnt mit den Kriegs-Vorbereitungen und trägt den klingenden Titel Bemächtigung des Kyubi und schicksalhafte Begegnungen. Im vierten Shinobi-Weltkrieg müssen nun die Shinobi (=Ninja) aller versteckter und ehemals durchaus befeindeter Dörfer zusammenarbeiten. Ihr gemeinsames Ziel ist es Akatsuki aufzuhalten, da die Gruppierung die Bijuus sammelt, um ein verheerendes Monstrum zu erschaffen, dass das Leben aller bedrohen würde. Die Shinobi werden nach ihren taktischen Stärken in Divisionen aufgeteilt und es gibt ein Wiedersehen mit verschiedensten Personen. Die Serie war schon immer ganz gut darin ihr enormes Repertoire an Charakteren gut zu handeln und in das Geschehen zu integrieren, hier allerdings besonders. Denn nichts kitzelt besser die Background-Storys und das Dilemma der Charaktere heraus als das, was sich die Gegner ausgedacht haben. Im Zentrum Akatsukis steht längst Tobi, dessen Herkunft und Ziel noch nebulös sind, der aber dem Krieg scheinbar sehr wohl gut vorbereitet entgegen tritt. Bald wird klar: um Akatsuki geht es schon lange nicht mehr. Mit Kabuto als Verbündeten tritt ein abtrünniger Shinobi auf den Plan, der die Technik Kuchiyose: Edo Tensei beherrscht und somit Verstorbene wiederauferstehen zu lassen. So müssen die Ninja teilweise gegen lange verlorene Freunde oder geliebte Menschen kämpfen oder aber den Kampf gegen einen einst fast unbesiegbaren Gegner nochmal neu bestreiten. Eine Herausforderung, die einem bei manchen Begegnungen das Blut in den Adern gefrieren lässt. So trifft beispielsweise Sai auf seinen „Bruder“ Shin – nur leider auf gegnerischen Seiten, denn die Wiederauferstandenen haben nur mäßig freien Willen. Das gibt Spannungspotential. V.A. beweist es wie „bewusst“ die Serie, sowohl Anime als auch Manga, im Vorfeld geplant wurden. Schließlich sammelte Orochimaru schon in den frühesten Naruto-Staffeln die entsprechenden Körper bzw. DNS derer, die nun Kabuto anstatt seiner auferstehen lässt.

Während all dem muss Naruto in seinem Versteck trainieren und es kommt zu einem Schlüsselmoment der Serie, der wahrscheinlich kein Auge trocken lässt. Naruto muss ich mit dem Kyuubi, dessen Wirt er ist, gut stellen bzw. ihn überwältigen, um sein Chakra nutzen zu können. Während er sich also wortwörtlich mit seinem Innenleben auseinandersetzt macht er eine Begegnung mit niemand geringerem als seinen Eltern und erfährt im Rückblick wie es dazu kam, dass der Kyuubi in ihm versiegelt wurde und seine Eltern ums Leben kamen. Nach so einem Schlüsselmoment kann es aber eigentlich nur bergab gehen in der Narrative. Von da an wird Naruto mit mehr oder weniger sinnvollen Aufgaben beschäftigt. Anfangs steigt er nicht dahinter, was der Zweck dieses sehr ausführlichen Trainings ist bis ihm irgendwann dämmert, dass er bewusst dort gehalten wird, weil in der Außenwelt der Ninja-Weltkrieg beginnt zu toben. Trotz der eigentlich aufregenden Prämisse ist das Ergebnis etwas durchwachsen. Lässt man unsinnige Filler-Episoden weg, bleiben stets noch Folgen, die vor lauter Rückblicken nur so triefen. Manche davon bringen Licht ins Dunkel, beispielsweise die über Sais und Shins gemeinsames Aufwachsen und die Frage wie genau Shin starb. Andere strotzen für Rückblicken auf Geschichten, die man schon kennt und ziehen sich dementsprechend. Dann wiederum treten Charaktere auf den Plan, deren Ruf ihnen vorauseilte und die man nun das erste Mal sieht und neue Charaktere wie Darui werden in den Fokus gestellt. Und das sind spannende neue Charaktere. Andere Plots wie beispielsweise den von Chouji muss man eben abkönnen. Bekommen viele Charaktere Raum, hängt es eben oftmals einzig und alleine davon ab wie gut man mit den Charakteren kann. Man kann also sagen: es ist 50/50. Für Narutos Schlüsselmoment alleine war es aber eine sehr sehenswerte Staffel mit einem emotionalen Höhepunkt.

(8/10)

Sternchen-8

Bei „Naruto Shippuuden“ ist es einigermaßen schwierig zu bestimmen, welche Episoden welcher Season zugeordnet werden können. Die Angaben variieren gerne mal nach Quellen bzw. Land. Dass ich die Filler nicht mitschaue, begründe ich einfach darin, dass die meisten Filler-Episoden Zeitverschwendung sind. Ton und Narrative sind meistens komplett anders, sie fügen sich nicht in das Geschehen ein und sind in den meisten Fällen tatsächlich ziemlich langweilig. Es gibt auch Ausnahmen. Meistens lese ich mir mal die Beschreibung der Episode durch, aber in der Regel meide ich die Episoden. Es gibt Listen im Internet, sodass man die Episoden gut umschiffen kann. Aber es ist schon witzig – manchmal liest man es schon förmlich an der Beschreibung, dass das gerade überhaupt nicht zum Kanon passt. „Naruto Shippuuden“ kann man übrigens beispielsweise bei Crunchyroll oder Watchbox schauen oder im Free-TV bei ProSieben Maxx, während „Die kleine Prinzessin …“ eine Zeit lang auf Watchbox lief. Ich erinnere mich noch gut, denn ich habe die Serie im Frühjahr geschaut als ich mit Krankschreibung zuhause im Bett lag. Beide Serien sind zwar recht unterschiedlich, aber sie haben beide einen starken humanistischen Gedanken. Da ich „Die kleine Prinzessin Sara“ als Kind sah und mit „Naruto“ von Kind zu Teenager zu Erwachsener wurde, kann ich sagen: es war eine gute Begleitung auf dem Weg dahin. „Naruto“ weiterzuschauen habe ich mir übrigens zur Aufgabe gemacht. Vielleicht schaffe ich es ja diesmal. 23 Staffeln sind es wohl insgesamt … kennt ihr die beiden Serien? Wie haben sie euch gefallen? Und habt ihr Naruto zu Ende geschaut? (Bitte keine Spoiler)

Immer zwischen dem 5. und 10. eines jeden Monats mache ich einen kleinen Ausflug in die Serienlandschaft. Ob aktuelle Serien, all-time-favorites, irgendeine TOP-5 oder einfach ein paar zerstreute Gedanken: es ist alles dabei :).