Serien-Besprechung: „Outlander“ S3 & „Sankt Maik“ S1

Posted by in Review, Serienlandschaft

Die Schere geht heute weit auseinander. Nicht, was die Bewertung betrifft, sondern wann ich die Serien geschaut habe. „Outlander“ Staffel 3 habe ich irgendwann zur Free-TV-Ausstrahlung letztes Jahr geschaut. Die deutsche Serie „Sankt Maik“ aber gerade letzte Woche erst zu Ende geschaut. Der gemeinsame Nenner der beiden Serien ist, dass sie schnell als Frauen-Serien abgestempelt werden, mit Sicherheit Guilty-Pleasure-Potential haben, aber ich so einige Vorurteile hatte bezüglich ihrer Qualität. Bei „Outlander“ bin ich dadurch gebrandmarkt, dass die zweite Staffel teilweise eine ziemliche Farce war. Bei „Sankt Maik“ war ich vorsichtig, weil es eine deutsche Serie ist und die sind bekanntermaßen sehr durchwachsen. Meine Besprechungen geben Aufschluss darüber, ob sich die Bedenken bewahrheitet haben. Reviews sind spoilerfrei für die besprochene Staffel – aber nicht spoilerfrei, wenn ihr vorhergehende Staffeln noch nicht gesehen habt (Outlander!).

‚Outlander‘ S3

Da war sie nun – die dritte Staffel, die ich fast nicht geschaut hätte. Mit der zweiten hatte ich so meine Probleme. Der Frankreich-Arc wirkte wie eine allzu übertriebene Satire, dessen Ausschweifungen nicht zu dem Rest der Serie wie ich sie kannte zu passen schienen. Und der zweite Teil, indem uns Claires und Jaimes (Caitriona Balfe, Sam Heughan) Tochter präsentiert wird, schien einen vor den Kopf zu stoßen. Warum ist die Beziehung zwischen Claire und Brianna so schwierig? Hat Jaime die Schlacht überlebt? So viele Fragen und die Antworten hat dann erst (endlich!) die dritte Staffel. Sie erzählt beide Handlungsfäden, die dem Zuschauer vorher vorenthalten blieben. Auf der einen Seite Jaime und wie er die Schlacht überleben konnte und auf der anderen Claire und ihr Mann Frank (Tobias Menzies), die versuchen sich ein eigenes Leben aufzubauen und zusammenzuraufen. So macht die Serie uns begreiflich, dass die Wahrheit wie ein Schatten über Claires und Franks Ehe schwebte. Dass Claire doch eigentlich ihre große Liebe in einem anderen Mann fand und ihr Kind eigentlich Jaimes Kind ist. Da ist die Frage: kann eine Ehe funktionieren, wenn der eine den anderen mehr liebt? Dieser schwelende Konflikt ist es auch, der es Brianna und Claire so schwer macht. Aber auch die Spurensuche nach Jaime geht voran und führt zu etwas, auf dass man als Zuschauer sehnsüchtig wartete: Claires erneute Reise durch die Steine.

„Outlander | Season 3 Official Trailer | STARZ“, via STARZ (Youtube)

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Aber das ist noch längst nicht alles. Die Serie hält für Claire und den Zuschauer wieder einige Ausflüge parat, wie auch wieder der Vorspann andeutet (ein schöner Kniff). Es geht nach u.a. Jamaika. Und soviel darf ich vorweg nehmen: diese Ausflüge geben wieder ein bodenständigeres Bild der damaligen Gesellschaft ab ohne sich in einer Fremdschäm-Farce zu verirren. Einige kuriose Geschichten wurden auch dankbarerweise auf eine bzw. zwei Episoden eingedämmt. Allerdings balancieren sich die positiven und negativen Veränderungen aus. Es ist beispielsweise inzwischen schmerzhaft mit anzuschauen wie Claires Ehrgeiz und Mitgefühl sie ständig in missliche Lagen bringt, die das Geschehen über viele Episoden hinweg bestimmen. Ehrgeiz, Ehrgefühl, Gerechtigkeitssinn – alles gut. Aber blinder Aktionismus, der andere in Gefahr bringt: reicht dann auch mal. Deswegen gibt es nicht nur yay, sondern auch ein bisschen nej. Zumindest hat die Darstellung der dysfunktionalen Ehe von Claire und Frank, das Thema Rechte und (nicht vorhandene) Freiheiten der Frau und Sklaverei für mich wieder ein bisschen die Ernsthaftigkeit der Serie zurückgebracht, wo ich nur guilty pleasure erwartet hatte.

(7/10)

Sternchen-7

„Sankt Maik“ Staffel 1

Der Trickbetrüger Maik Schäfer (Daniel Donskoy) droht bei einem seiner Raubzüge in einem Zug aufzufliegen und schnappt sich kurzerhand die Sachen eines Passagiers, der scheinbar verstorben ist. Problem: der Passagier ist Pfarrer und Maik wird in dessen Soutane und Klamotte beim Aussteigen für den neuen Pfarrer des Örtchens Läuterberg gehalten. Maik spielt vorerst mit und hat eigentlich vor nur kurz vor den Pastor zu mimen. Dann ruft ihn aber sein Bruder Kevin (Vincent Krüger) an und bringt ihm die wenig frohe Botschaft, dass ein großer Deal geplatzt ist und die Beiden jetzt einem Berliner Gangster eine Unsumme schulden. Maik soll lieber bleiben wo er ist, während beide versuchen irgendwie das Geld zu beschaffen. Maik versucht in Läuterberg nun einerseits den Pfarrer zu geben ohne aufzufliegen und andererseits Kohle zu machen. Dass er nicht unbedingt bibeltreu ist, sorgt fast sogar noch für weniger Wirbel als seine Flirts mit der ortsansässigen Polizistin Eva Hellwarth (Bettina Burchard), vor der er sich eigentlich in Acht nehmen sollte. Sie ermittelt nämlich u.a. in dem Fall eines Unbekannten, der tot in einem Zug aufgefunden wurde … .

„Sankt Maik | Die neue Dramedy ab dem 23.01. bei RTL und online bei TV NOW“, via RTL (Youtube)

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Eigentlich hat es nur die erste Folge gebraucht, da fielen mir Parallelen zu der von mir sehr geliebten Serie Sneaky Pete auf. Da gibt es den Bruder, der in der Patsche sitzt und dem ein Gangsterboss zuleibe rückt, wenn Maik nicht bald Kohle springen lässt. Außerdem wird Maik genauso wie Sneaky Pete immer wieder unfreiwillig in die Angelegenheiten der Menschen in seinem Umfeld gezogen. Und weil er ja eigentlich ein Guter ist, kann er die Leute nicht einfach im Stich lassen und spielt weiter seine Rolle. Nach ein bisschen rumgoogeln habe ich aber gelernt, dass es eine Serie gibt, bei der man noch viel deutlicher abgekupfert hat. Namentlich die amerikanische TV-Land-Serie Impastor. Da geht es, na ratet mal, um einen Gauner, der sich als Pastor ausgibt und in einer Gemeinde Staub aufwirbelt. Allerdings gehen sie davon aus, dass ihr Pastor schwul ist. Die Wahrheit liegt wohl irgendwie in der Mitte: Sankt Maik ist ein Mittelding aus Sneaky Pete und Impastor. Wahrscheinlich hat man sich aus beiden Serien das Beste geschnappt und mit ein bisschen biederem „So-stelle-ich-es-mir-auf-dem-Dorf-vor“-Humor gemischt. Fairerweise muss man sagen, dass schon so viele Geschichten geschrieben wurden, dass sich zwei auf dieser Welt immer ähneln werden.

Sankt Maik ist eine Serie mit einem eigentlich sehr ausgewogenen Verhältnis aus „case of the week“-Folgen und episodenübergreifender Handlung. Was Kevin und Maiks Dilemma betrifft, geht es stetig ein bisschen weiter. Vor Allem als Kevin später auch noch in Läuterberg aufschlägt, ist comic relief garantiert. Leider sind die jeweiligen Fälle derer sich „Pfarrer Sandmann“ alias Maik annimmt an Durchschnittlichkeit kaum zu überbieten und eher dafür geeignet um den Kopf abzuschalten. Per se nicht schlimm für ein Guilty Pleasure als klassische Vorabend-Serie, bei der man entspannt. Fakt ist aber, dass die Zutaten der Serie besseres als die üblichen Dorf-Gangster-Verwechslungskomödien-Plattitüden verdient haben. Daniel Donskoy gibt einem extrem charmanten Betrüger ab und was da zwischen Eva Hellwart und dem falschen Pfarrer läuft ist guter Stoff zum Mitfiebern. Es bricht einem schon ein bisschen das Herz, dass Frau Hellwarth so schwer zu erweichen ist. Was das betrifft, schafft die Serie was gewollt ist. Auch als Komödie ist die Serie nicht zu verachten – v.A. dank Daniel Dosnkoy, Vincent Krüger und der herzigen Susi Banzhaf als Maria. Wenn der Pfarrer halbnackt durchs Dorf joggt oder vor der Messe erstmal einen großen Zug vom Mess-Wein nimmt, dann bringt das ordentlich Schwung ins beschaulich-langweilige Läuterberg. Aber es fehlen die Reibungspunkte. Geschichten mit Wendung, die man noch nicht tausend mal gesehen hat und Charaktere mit Ecken und Kanten. Da geht noch was, dann könnte Sankt Maik eine sehr ansehnliche deutsche Serie sein.

(7/10)

Sternchen-7

Was ich bei deutschen Serie nicht schätze, ist dass viele Quasi-Remakes amerikanischer Serien sind. Kann sein, dass man bei erfolgreichen Vorlagen das Format besser durchgeboxt bekommt. Aber dass an guten Geschichten gespart wird, ist traurig. „Sankt Maik“ hat viel Potential. Zu „Outlander“ habe ich mich ja schon oben geäußert. Aber ein Vorurteil und unrühmliches Label bleibt. Was sind „Frauen-Serien“? Das ist ein Begriff, den ich nicht mag, den ich aber zu oft in letzter Zeit gehört habe. Er bezeichnet meistens abfällig seichte Serien, die Liebe, Familie und Frauenrollen betreffen oder von sehr oberflächlichen Zuschauer sofort abgewunken werden, wenn eine Frau Erzählerin ist wie zu großen Teilen in „Outlander“. „Sankt Maik“ mag seicht sein, bedient diese Klischees aber nicht. „Outlander“ tut das zwar zum Teil, aber ist nicht seicht. Generell finde ich das Label unzeitgemäß und oberflächlich. Schließlich bin ich ja auch kein Mann, weil ich viele action-, horror-, thriller-beladene Serien schaue. Ich denke wir sollten uns von solchen Begriffen distanzieren. Wie seht ihr das? Gibt es die „Frauen-Serie“? Oder mögt ihr den Begriff auch nicht?