Blogparade der Frauenleserin

Posted by in Literatur, TAGs

Dank der lieben Petra bin ich auf die Blogparade der Frauenleserin aufmerksam geworden, die auf das Lesejahr mit besonderem Fokus auf Autorinnen zurückblicken lässt. Was ich leider so gar nicht auf dem Schirm hatte, ist das Ende der Aktion, das zum 12.01.19 angedacht war. Da ich aber die Idee der Blogparade so schön und wichtig finde, kann ich nicht anders als trotzdem noch meinen Senf dazu zu geben. In meinem Lesejahr 2018 habe ich mich für einige Monate speziell Autorinnen und Feminismus gewidmet und auch auf meiner Arbeit in einer Männerdomäne wird mir manchmal vor Augen geführt wie leicht es noch heute für die Männer ist das Feld für sich einzunehmen und wie schwer manchmal für die Frauen. Das liegt nicht mal an den männlichen Wegbegleitern selber, sondern passiert aufgrund von Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und den historisch gewachsenen Bildern und Ansichten innerhalb unserer Gesellschaft. Und falls die Literatur eine Männerdomäne ist, dann sollten wir die Autorinnen hochleben lassen. Mehr Bücher von ihnen lesen. Und feiern.

Die Regeln

Ziel der Blogparade war es bis zum 12. Januar 2019 (so sorry …) anhand von fünf Fragen der „Frauenleserin“ Kerstin das Lesejahr 2018 Revue passieren zu lassen.

Fragen und Antworten

Wie hoch ist Deine „Frauenquote“? Wieviele Bücher hast Du in diesem Jahr gelesen und/oder rezensiert? Wieviele davon wurden von Autorinnen verfasst?

Im Jahr 2018 habe ich insgesamt 57 Bücher gelesen/gehört und 14 davon wurden von Autorinnen erfasst. Meine Frauenquote liegt also knapp unter einem Viertel bzw. 25%. Das ist recht wenig, wenn man bedenkt wieviel Prozent die Frauen auf diesem Erdball ausmachen. Ein Ungleichgewicht in meiner Leseliste, das mir schon vor ca zwei Jahren beim Rückblick auf das damalige Lesejahr auffiel und missfiel. Wenn Literatur eine Männerdomäne ist, dann möchte auch ich die Autorinnen mehr fördern. Aber ist Literatur eine Männerdomäne?

Welches Buch einer Autorin ist Dein diesjähriges Lesehighlight? (Warum?)

The Handmaid’s Tale war insgesamt eins der Bücher, das mich 2018 am meisten beeindruckt hat. Es ist der scharfe Verstand, es sind die treffenden Worte und das entlarvende Konzept, das Margaret Atwood zu einer bedrückenden Dystopie verbunden hat. Das Buch hat mich gepackt und lässt mich heute noch nicht los. Es ist keine Neuerscheinung und doch ist The Handmaid’s Tale brandaktuell. Dass ich das Buch mit Freunden zusammen gelesen und Gedanken dazu ausgetauscht habe, ist ein zusätzliches Highlight. Eigentlich bedarf es keiner Fortsetzung, aber ich bin gespannt was 2019 mit The Testaments folgen soll.

„I wish the story was different. I wish it were more civilized. It wish it showed me in a better light, if not happier, then at least more active, less hesitant, less distracted by trivia. I wish it had more shape. I wish it were more about love, or about sudden realizations important to one’s life, or even about sunsets, birds, rainstorms, or snow.“ p. 279

Welche Autorin hast Du in diesem Jahr für Dich entdeckt und was macht Sie für Dich so besonders?

2018 war nun endlich das Jahr in dem ich mich mal etwas tiefergehend mit Frauenbewegungen und Feminismus auseinander gesetzt habe und im Zuge dessen auch meinen ersten und zweiten Virginia Woolf las. Einen davon habe ich Sabine zu verdanken 😉 Während ich vom Stream of Consciousness in Mrs Dalloway nicht wirklich abgeholt wurde, waren Woolfs Worte in allen Essays und Erzählungen treffend und sehr scharfsinnig. Bei ihrem A Room of One’s Own saß ich quasi während des Lesens nickend da, weil ich so stark ihrer Meinung war. Ich wäre am liebsten aufgestanden und hätte laut gesagt „Sie hat so recht! SO recht!“.

„Yet it is the masculine values that prevail. Speaking crudely, football and sports are ‚important‘; the worship of fashion, the buying of clothes ‚trivial‘. And these values are inevitably transferred from life to fiction. This is an important book, the critic assumes, because it deals with war. This is an insignificant book because it deals with the feelings of a woman in a drawing-room.“ p. 67

Welche weibliche Lebensgeschichte bzw. Biografie hat Dich in diesem Jahr besonders beeindruckt (und warum?)

Die Frage passt wie die Faust auf’s Auge 😉 Denn für das Projekt russische und ukrainische Bücher oder Literatur über Russland und die Ukraine zu lesen, bin ich bei der Recherche nach Autorinnen zu diesem Thema auf Natasha Wodins Sie kam aus Mariupol gestoßen. Und obwohl ich sonst wenig Biografien oder Tatsachenberichte lesen, hat mich die Familiengeschichte Wodins sehr berührt und beeindruckt. Um nicht zu sagen mitgenommen.

Welches Buch einer Autorin möchtest Du in 2019 unbedingt lesen?

Da sind gleich mehrere. Alle Menschen sind sterblich soll mein erstes Buch von Simone de Beauvoir werden. Außerdem möchte ich Sofi Oksanen kennen lernen und habe mir dafür ihren Roman Norma geschnappt. Bereits gelesen habe ich Minna Rytisalos Lempi – wäre ich mit meinem Beitrag nicht so spät dran, würde es in diese Liste gehören. Kein Jahr ohne Margaret Atwood. Nicht nur bin ich sehr gespannt auf ihr The Testaments, ich nehme mir auch vor mit Oryx & Crake mal in eine Buchreihe von ihr abzutauchen.

Ich weiß nicht wie Kerstin, die Initiatorin der Blogparade, es findet, wenn nach Ablauf des Zieldatums noch Leute teilnehmen. Aber es ist ein gutes und wichtiges Thema – es geht um Autorinnen und die Sichtbarkeit von Frauen in dieser Rolle. Also würde ich sagen, wenn ihr Lust habt, macht doch mit 🙂 Welche Bücher von Frauen haben euch im vergangenen Jahr stark beeinflusst oder beeindruckt? Welches Buch einer Autorin möchtet ihr 2019 lesen?