ausgelesen: Rainbow Rowell „Eleanor & Park“ (engl. Ausgabe)

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Ich weiß ehrlich nicht, wann ich das letzte Mal beim Lesen eines Buchs geweint habe. Keine Ahnung warum, aber ich bin bei Filmen eher dazu zu bringen mal zu weinen als bei Büchern. Vielleicht weil ich mich in visuelle Medien noch mehr reinsteigere. Aber bei Eleanor & Park war alles anders. Ich möchte nicht pathetisch klingen, aber es ist ein wirklich besonders Stück Buch. (Das war quasi das TLDR. 😉 ) Young Adult hat bei mir meist keinen besonders guten Stand. Natürlich gibt es da wundervolle Bücher – aber auch zuviele uninspirierte Kopien populärer Themen. Auch Eleanor & Park verspricht von der Zusammenfassung her keine noch nie dagewesene Neuheit zu sein. Boy meets girl. Girl meets boy. So könnte man das zusammenfassen. Mobbing und häusliche Gewalt spielen auch eine Rolle. Gab’s alles schon, klar. Aber wie Rainbow Rowell die Geschichte erzählt, lässt sie neu wirken. Besonders wirken. Und so wahnsinnig echt wirken.

Die Geschichte handelt von Eleanor, die neu an der Schule ist. Sie hat feuerrote Haare, ist korpulent, hat Sommersprossen und trägt abgelegte Männerklamotten, die sie wie irgendetwas zwischen Punk und Penner aussehen lassen. Sie würde sich am liebsten verstecken. Die neue Schule scheint sofort gegen sie zu sein, sie wird gemobbt noch bevor die üblichen Verdächtigen ihren Namen kennen. Was, wenn sie wüssten, dass sie ihre Haare mit irgendeiner Seife oder schlichtem Spülmittel waschen muss, dass sie quasi gar keine eigenen Besitztümer hat und dass es kein Bad in ihrem Haus gibt außer eine türlose Kammer neben der Küche? Park ist Halbkoreaner und damit so ziemlich der einzige Asiate an seiner Schule und fast auch der einzige in seiner Stadt. Er wirkt süß, aber welcher Junge will schon ’süß‘ sein? Niemand versteht seinen Musikgeschmack, niemand findet cool, was er cool findet. Niemand kennt Dr. Who oder die Watchmen. Aber dann ist es eben so. Hauptsache er hat keinen Ärger, er will am liebsten unsichtbar sein. Er hat schon alle Hände voll damit zutun seinen Vater zufrieden zu stellen, der aussieht wie Tom Selleck. Taekwondo hier, Autofahren lernen da … er muss immer beweisen, dass er ein besonders männlicher Mann ist. Anfangs findet er Eleanor seltsam – wie sie sich anzieht, wie sie sich verhält. Anfangs findet Eleanor ihn komisch, wie er versucht sie zu vermeiden. Dann beginnt sie rüberzuschielen, wenn er seine Comics liest und sie beginnen darüber zu reden. Und sie verlieben sich ineinander.

„Stupid, perfect Asian kid.“ (Eleanor, p. 41, Rainbow Rowell „Eleanor & Park“)

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Rainbow Rowells Young Adult Roman beschreibt wie kein anderer das Gefühl sich das erste Mal zu verlieben. Erste Male zu erleben – den ersten Kuss, das erste Mal die Eltern des anderen kennenlernen, sich das erste Mal zu berühren. Und das mit einer sagenhaften Lockerheit. Das Buch liest sich weg so wie ein Messer durch warme Butter schneidet. Die Kapitel sind kurz und werden abwechselnd mal aus Eleanors, mal aus Parks Perspektive erzählt. Die Sprache ist dabei prägnant, kreativ, kurz gehalten und leicht verständlich. Rowell schafft es mit nur wenigen Worten ihren Sätzen einen Charakter einzuimpfen, beispielsweise Eleanors Markenzeichen genervt das Geschehen einfach nur mit „God.“ zu kommentieren. Der Ton des Buchs ist ironisch, sarkastisch, witzig und ein bisschen edgy. Sowohl Park als auch Eleanor sind ein bisschen anders als die anderen Kinder, haben fabelhafte Dialoge voller Witz, Wärme, Popkultur, Vergleiche auf Superhelden und Indie-Musiker und Sarkasmus. Man könnte ihnen stundenlang zuhören. Auch bei den Dummheiten die sie begehen. Wenn Eleanor denkt, dass sie Park nicht von ihrer kaputten Familie erzählen kann. Oder wenn Park sich dabei erwischt, dass er denkt, dass Eleanor nicht die klassische nette Freundin ist, die alle lieben werden. Dabei ist das Buch ehrlich und schonungslos und führt uns vor Augen welche Ängste und Selbstzweifel die beiden Sechzehnjährigen durchleben. Und die wir so oder so ähnlich alle kennen und immer noch durchleben, wenn wir lieben.

„Maybe I’m not attracted to real girls, he’d thought at the time. Maybe I’m some sort of perverted cartoon-sexual.“ Park, p.72, Rainbow Rowell „Eleanor & Park“

Umso schlimmer empfand ich es zuzusehen wie insbesondere durch Eleanors Familie die Liebe ins Wanken gerät. Während des Lesens fragte ich mich immer und immer wieder, ob es denn keine anderen Auswege aus diesem Haushalt gibt? Bittersüß. So kann man das Buch wohl beschreiben. Insbesondere gegen Ende. Uneingeschränkte Empfehlung für alle, die schon Mal verliebt waren oder es irgendwann mal sein wollen. Es hat mein Herz erweicht, obwohl ich normalerweise kein Fan von Liebesromanen bin. Oder von Young Adult. Und wenn wir schon bei Empfehlungen sind: Rainbow Rowell hat ein Spotify Profil mit einer Eleanor & Park Playlist. Unbedingt mal reinhören. Und nebenbei … was muss man eigentlich tun um sich als Vornamen Rainbow zu verdienen?

Fazit

Große Empfehlung

„ausgelesen“ ist eine Kategorie meines Blogs, in der ich immer zwischen dem 15. und 20. eines jeden Monats ein Buch unter die Lupe nehme. Der Begriff „ausgelesen“ ist sehr dehnbar. So wie die Themenvielfalt meines Blogs. Ein „Buch unter die Lupe nehmen“ schließt Belletristik, Sachbücher, Manga, Comics unvm mit ein. 🙂