Serien-Besprechung: „A Korean Odyssey“ – Drama, K-POP und das perfekte Guilty Pleasure

Posted by in Review, Serienlandschaft

Zugegebenermaßen habe ich in meinem Leben bisher nicht soviele japanische Doramas (Dramas) gesehen, geschweigedenn koreanische. Aber gerade die gehen mit dem Thema Romantic Comedy so viel geschickter um als ihre westlichen Kollegen. Gehe ich die Liste meiner geschauten US-amerikanischen oder britischen Serien durch, die mit Liebe und/oder Comedy betitelt sind, dann hat mich die überwiegende Mehrzahl enttäuscht und war nach frappierend ähnlichem Muster gestrickt. Gähn. Dann tauchte kürzlich in der Liste der Empfehlung von Netflix für mich eine Serie auf, deren Trailer so irre war, dass ich sie schauen musste. Nicht mein erster Ausflug was koreanische Dramas betrifft – aber ich war ganz schnell abhängig von „A Korean Odyssey“. Soviel Fantasy und soviel Romantik, woah. Review ist spoilerfrei.

Ein Pakt

Die kleine Jin Seon-mi kann Geister sehen. Eine Fähigkeit, die sie zu einer Außenseiterin macht, da sie sich in den Augen ihrer Mitschüler seltsam verhält, obwohl sie sich einfach gegen eine grausige Gestalt wehren will. Das Problem ist nämlich, dass Geister sich geradezu auf sie stürzen, sobald sie spüren, dass Jin Seon-mi sie sehen kann. Eines Tages trifft sie ein scheinbar mächtiges Wesen namens Son Oh-gong (Lee Seung-gi), der gefangen ist. Sie schließen einen Pakt. Sie befreit ihn (er ist offensichtlich nicht selber dazu in der Lage) und er beschützt sie dafür ihr Leben lang vor fiesen Geistern. Er geht auf den Pakt ein und gesteht ihr zu, dass wann immer sie seinen Namen ruft, er kommt und ihr hilft. Gesagt, getan. Aber Son Oh-Gong gibt freimütig zu, dass er ein Arsch ist und sie hintergeht. Er lässt sie seinen Namen vergessen. Der Pakt gilt zwar, aber sie kann ihn nie in Anspruch nehmen. Viele Jahre später ist Jin Seon-mi (Oh Yeon-seo) eine selbstbewusste, aber etwas einsame junge Frau. Sie hat einiges dazugelernt und lässt sich nicht so schnell von jemandem etwas sagen. Als Chefin einer Immobilienfirma hat sie es sogar auf Spukhäuser abgesehen, denn so kann sie sie billig aufkaufen und vertreibt mit geradezu erzieherischen Maßnahmen die Geister kurzerhand selber. Dann begegnet sie aber dem Typen, der sie hintergangen hat. Und das kann sie nicht auf sich sitzen lassen.

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Nachdem Jin Seon-mi den um keinen Tag gealterten Son Oh-Gong angesprochen hat, wird eine Kette von Ereignissen losgetreten. Sie wird als Sam-jang identifiziert, eine Heilsbringerin, die immer dann wiedergeboren wird, wenn die Menschheit dringend ein bisschen spirituelle Hilfe braucht. Zig Dämonen haben es auf das Blut Sam-jangs abgesehen und sie muss sich noch viel mehr verteidigen als zuvor. Anfangs denkt Son Oh-gong, dass ihn das nichts angeht. Dann legt Jin Seon-mi ihm das sogenannte Geumganggo an. Ein Reif, der ihn dazu bringen soll alles zu tun, was sie sagt und damit ihren Pakt wieder einzufordern. Nur wirkt das Geumganggo etwas anders als in den alten Legenden.

Journey to the West … ohne Journey

Falls euch Namen wie Son Oh-gong und der Titel der Serie bekannt vorkommen: das hat einen guten Grund. Die Serie basiert lose auf der klassischen, chinesischen Erzählung Die Reise nach Westen, in der der Affengott Son-Goku (bzw. Son Oh-gong) eine wichtige Rolle spielt. Allerdings wurde die Geschichte dramatisiert, in romantischen Kontext gesetzt und in das heutige Südkorea verlegt. Ursprünglich handelt die Erzählung von dem Mönch (Sam-jang), der eine spirituelle Reise zu gutem Zweck auf sich nimmt und dabei vielen Gefahren trotzen muss. Er legt dem hochmütigen Affen Son-Goku/Son Oh-gong den Reif an, damit er ihm folgt und beschützt. So oder so ähnlich ist das auch in A Korean Odyssey. Einer Menge Gefahren trotzen die beiden auch. Nur, dass Sam-jang eben eine schöne Frau ist und Son Oh-Gong ein Typ mit Modelqualitäten und der Reif macht nicht nur einfach so, dass er ihr helfen muss. Nein, der Reif macht, dass er sich in sie verliebt und nicht anders kann als ihr zu helfen. Klingt kitschig? Das ist es! Aber in einer seltsam witzigen, mal bitteren Mischung, die einen erschreckend gut bei Laune hält.

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Ginge es nur um den Kitsch und die telenovela-artige Aufweichung eines einstmals klassischen Stoffes, dann wäre die Serie wahrscheinlich schwer zu ertragen. Aber sie sprüht nur vor charmanten Charakteren und ur-komischen Situationen. Beispielsweise, wenn Jin Seon-mi einem Geist im Sadako-Style („The Ring“) Manieren beibringt und ihr sagt, dass sie sich jetzt erstmal beruhigen und die Haare zu einem ordentlichen Zopf zurückbinden soll. Durch ihre Begegnung mit Son Oh-Gong und Berufung zur „Sam-jang“ treten aberwitzig viele Gottheiten und übermenschliche Wesen in ihr Leben, die mehr oder minder der Sagenwelt entliehen sind. So beispielsweise der Höllenfürst Woo Hwi-chul (Cha Seung-won), der gute Taten und Punkt sammelt, damit er zum Gott befördert wird. Tagsüber arbeitet er, na klar, in der Jury einer Fernseh-Casting-Show. Wir haben es doch immer gewusst wie das mit den Casting-Sendungen läuft … .

Obwohl die Effekte zum Teil erschreckend schlecht sind und manche Nebenhandlungen nerven, sorgt diese Mischung aus Slapstick und Romantik dafür, dass man eben doch dran bleibt. Schließlich ergibt sich für Jin Seon-mi und Son Oh-Gong eine ganz-schwierige Beziehung. Jin Seon-mi hat sich bereits als Kind in den Gott mit dem Herz aus Stein verliebt oder tut das zumindest jetzt – er aber steht schließlich durch den Reif unter einem Zauber und die Liebe ist nicht echt. Oooooder? Eine Formelhaftigkeit, die gerade bei diesen charmant-spleenigen Charakteren wahrscheinlich hundert Folgen lang funktioniert hätte. Ich sage nur: Son Oh-Gong und der Höllenfürst leben in einer WG wider Willen. Und gehen sich wunderbar gegenseitig auf die Nerven.

Die Story hinkt. Aber es ist mir egal.

Schaut man auf die schnöden Zahlen hat A Korean Odyssey 20 Episoden mit jeweils knapp über einer Stunde Laufzeit. Da kommt was zusammen. Die Handlung und das Skript können den denkenden Zuschauer eigentlich nicht überzeugen. Zu sehr wird das Schicksal einiger eigentlich lieb gewonnener Charaktere mittendrin umgeskriptet (Ich sage nur „Goldie“!) oder vermag selbst trotz großer Fantasy-Toleranz keinen Sinn zu ergeben (Zombies schön schminken? Wirklich?). Leider können die Effekte auch mit der Ausstattung und den Kulissen der Serie nicht mithalten. Während die Drehorte wie aus einer Südkorea-Fernreise-Werbung oder einem Raumgestaltungskatalog wirken und wirklich erstklassig aussehen, muss man sich bei Maske und CGI-Effekten manchmal fragen, ob das ernst gemeint ist. Aber dann glänzt die Serie mit Ideen. So ist zum Beispiel General Winter, ausgestattet mit der Fähigkeit Kälte zu erzeugen, Besitzer eines Eiscreme-Ladens. Eiscreme!! Und bei den Slapstick-Einlagen der Darsteller, kann sich eigentlich niemand mehr halten. Der Gedanke, dass Sam-jangs bedeutungsvolle Aufgabe ihr ein Leben mit einer Reihe von zugegebenermaßen sehr besonderen Freunden bescherte ist tröstlich, die Chemie zu Son Oh-Gong funktioniert erstklassig und das Generve und Geraufe zwischen Höllenfürst und Son Oh-Gong macht Spaß und liefert Bromance-Stoff. Die Serie definiert quasi ganz einfach runter wie Guilty Pleasure funktioniert. Die Story kann Bullshit sein, aber die Charaktere gehen mir ans Herz und ihr Schicksal interessiert mich. A Korean Odyssey hat das zusätzliche Plus der Folklore, das einen nochmal genauer hinschauen lässt, worum es doch gleich bei der chinesischen Novelle ging.

Wenn man es zwischendurch schafft das kritische Auge trotz all des guilty und des pleasure offen zu halten, dann bemerkt man die eine oder andere Note bei A Korean Odyssey, die kulturelle Unterschiede erkennen lässt, wenn man westliche Serien gewöhnt ist. Beispielsweise die Züchtigkeit. Sexuelle Anspielungen, geschmacklose Witze – nope. Charaktere, die sofort miteinander ins Bett springen? Nada. Das braucht eine Weile. Aber auch das Frauenbild ist zuweilen etwas konservativ. Auch die japanisch-koreanische Beziehung und Vergangenheit bekommt ihr Fett weg. Wir erinnern uns, dass Korea einst unter japanischer Besatzung litt. Man kann das alles werten wie man möchte aber alles in allem kann es bereichernd, entlarvend und spannend sein und v.A. den eigenen Horizont erweitern, wenn man sich auch mal geografisch aus seiner Serien-Comfort-Zone bewegt. Aber was ist jetzt so anders an der Romantik, die A Korean Odyssey vermittelt, die Zuschauer soviel besser bei Laune halten kann als westliche Serien mit Telenovela-Schlag? Die Liebe. A Korean Odyssey ist sehr konventionell und konservativ, wenn es darum geht, dass Liebe echt und wahr sein muss. Hier gibt es keine Dramen, wer hat mit wem geschlafen oder welche Skandale deuten sich an – es geht alles ohne diesen Tinnef. Das ist erfrischend. Nur das mit dem Happy-End … . Tja. Seht selbst.

(8/10)

Sternchen-8

Leider habe ich es nicht geschafft einen passablen Trailer mit Untertiteln zu finden, was mich sehr schmerzt. Wer sich mal etwas tiefergehend mit den Darstellern beschäftigt, wird übrigens merken, dass koreanische Stars alles können. Jeder von denen ist Sänger, Model, Moderator und Schauspieler gleichzeitig. Läuft bei denen. Um das „K-POP“ im Artikel-Titel nicht total unerwähnt zu lassen: ich habe nicht nur ein Guilty Pleasure, sondern auch den einen oder anderen Ohrwurm. Denn die Songs, die in der Serie vorkommen sind überstrapaziert, aber einige davon echt schön. Übrigens kann ich aus direkter Quelle sagen, dass dieses Guilty Pleasure sogar bei starken Kerlen funktioniert. Die wollen scheinbar auch wissen, ob Jin seon-mi und Son Oh-Gong zusammen kommen. Was brauchen Serien für euch, um richtig gut als Guilty Pleasure zu funktionieren? Was war euer letztes Guilty Pleasure? Übrigens kann man „A Korean Odyssey“ auf Netflix schauen und falls ihr es wagt, möchte ich sofort wissen wie ihr es findet 😉 Es gibt da draußen sogar eine Petition, die eine zweite Staffel fordert und ich kann das nur zu gut verstehen … . Wie steht es mit koreanischen Serien: habt ihr Empfehlungen für mich?