angelesen: „20th Century Boys“ PE Vol. 8, „Paper Girls“ Bd. 4 & „The Promised Neverland“ Bd. 5

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Das Fortsetzen von Reihen, ähm, setzt sich fort. Tusch! Applaus. Neben den Reihen, die hier auch schon in den Vormonaten relativ stark vertreten waren, gesellt sich nun eine Mangareihe wieder hinzu, die ich scheinbar das ganze Jahr 2020 über ignoriert habe. ^^‘ Die letzte Besprechung zu „The Promised Neverland“ erschien jedenfalls 2019 – wie die Zeit vergeht. Die Besprechungen sind in sich spoilerfrei. Sie enthalten aber ggf. Spoiler für vorhergehende Bände. Ich versuche mich zusammenzureißen, versprochen.

„20th Century Boys“ Perfect Edition Vol. 8, Naoki Urasawa (engl. Ausgabe, VIZ)

Hui, das ist er! Der Band auf den ich lange gewartet habe. 20th Century Boys ist für mich ja ein Reread, aber das letzte Lesen liegt solange zurück, dass ich mich auch nicht mehr an alle Ereignisse erinnern kann. Oder wann sie eintreten. Was sich denke ich spoilerfrei sagen lässt, ist dass unsere Freunde befürchten, dass es bei einem mit Freund verbundenen größeren Ereignis zu einem Attentat auf den Papst kommen wird. Im „New Book of Prophecy“ gibt es einen vielversprechenden Hinweis auf „The Greatest Show of All Time“. Tatsächlich wird das ein Schlüsselereignis, das im letzten Band ein recht deutliches Foreshadowing erhielt. Wer Band 7 der PE gelesen hat und an die Ereignisse nachts im Klassenzimmer denkt, bekommt vielleicht eine Ahnung, was hier passiert.

Ansonsten gibt es mitten im Band dann den zweiten großen Zeitsprung. Wenn ich den Manga jemandem empfehle warne ich ja meist, dass die Zeitsprünge sehr demotivierend oder frustrierend sein können, weil es sich so anfühlt als ob die Misere nur noch schlimmer geworden ist und man erst wieder in eine lange Phase des „Allianzen gruppieren sich“ geht. Aber im Jahr 2021 liest sich das alles anders. Die Pandemie im echten Leben macht die in der Fiktion umso lebensnaher. Denn der Zeitsprung gibt sehr schnell Hinweise darauf wie der erneute Ausbruch des Virus für die Welt verlief und hier wurde Quarantäne etwas krasser weitergedacht. Damit liest sich Band 8 sehr spannend, kann aber auch für alle diejenigen, die schon auf ein Ende gehofft haben etwas niederschmetternd sein.

Sehr gern mag ich, dass der Band auch ein Kapitel enthält, das zeigt wie sich der gegenwärtige Papst und der Pastor der Kirche in Shinjuku einst in China kennenlernten. Die Geschichte ist vielleicht nicht wichtig für die fortlaufende Handlung, aber sehr rührend und handelt von Glauben. Ich schätze Naoki Urasawa sehr für solche emotionalen Kapitel. Alleine wie sich sein Gespür für Emotionen in kleinen Panels, Mimik, Gestik, Körperhaltungen ausdrückt: meisterlich! Ähnlich auch das Aufeinandertreffen des italienischen Priesters und von Detektive Chono inklusive Ramen und Tränen. Wie glücklich man sein kann, wenn einem einfach jemand Gehör schenkt. Und einem Ramen kauft. 😉

Anbei noch ein paar Kommentare zur Handlung, die deutliche Spoiler enthalten … heißt: ausklappen auf eigene Gefahr

Inzwischen sind wir soweit in der Handlung, dass man keine Zusammenfassung mehr geben kann ohne derb zu spoilern. Also was beinhaltet der Band nun konkret? Die Eröffnung der Expo und öffentliche Aufbahrung von „Friend“, sowie die Rede, die der Papst halten soll. Kanna, Yukiji, Otcho & Co. erwarten, dass es zum Attentat auf den Papst kommt. Tatsächlich vollzieht sich aber ein anderer Plan von „Friend“, der die Welt in eine neue, schreckliche Ära aus Angst, Mangel und Unsicherheit stürzt. Wie genau das aussieht, spoilere ich dann selbst hier nicht. Aber es ist schon verblüffend, dass sich die Zeitrechnung ändert. In späteren Kapiteln befinden wir uns in Jahr 3 der Friend-Ära. Autsch. Die Handlung scheint sich nochmal um einiges in Dystopie zu verschieben. Dazwischen gibt es aber noch einige Kapitel, die ich ganz erhellend fand und an die ich mich komplett nicht mehr erinnern konnte. Nämlich welche, die die Geschehnisse aus der Schulzeit mal aus Fukubes Perspektive erzählen. Sehr wirkungsvoll gemacht, v.A. als Urasawa die Kapitel aus der First-Person-Perspective erzählt und uns in die Rolle Fukubes als Junge schlüpfen lässt, der Kenji & Co. einerseits als rücksichtslos empfindet, andererseits sehr stark einfach dazu gehören will. Wir kommen immer wieder bei der Formel an. Wie unheimlich gut gemacht, dass wir letzten Endes noch beginnen ansatzweise Empathie für Fukube zu empfinden, trotz des Wissens was er später einmal werden wird. Der wohl aber extremste Aufhänger ist das anteasern, das ein tot geglaubter Held doch noch lebt. Junge, das haben sie sich lange aufgehoben. Und ich dachte sogar, dass das noch später passieren würde … .

„Paper Girls“ Bd. 4; Brian K. Vaughan, Jared K. Fletcher, Matthew Wilson, Cliff Chiang (Cross Cult)

Es gibt nichts, was ich über den vierten Band von Paper Girls sagen könnte, was ich nicht schon bei der Besprechung zum dritten Band gesagt hätte. Der einzige Unterschied ist der Schauplatz. Es geht nun „zurück in die Zukunft“. Zweitens finden die vier Paper Girls wieder zusammen anstatt sich in noch kleineren Grüppchen durchzuschlagen und drittens: Es werden einige nun inzwischen konkrete Brotkrumen gestreut, was hier eigentlich vorgeht. Aber ich meine das haben wir auch aus den bisherigen Bänden herauslesen können, wer hier genau gegen wen kämpft und die Mädels dabei mehr aus Versehen hineingeraten sind. Zudem erneut ein spannendes Gimmick: Eins der Mädchen (ich verrate mal nicht wer) begegnet ihrem Ich aus der Zukunft. Leider eine Wiederholung, denn in den Genuss kam auch schon eine andere aus der Gruppe. Natürlich sorgt dieser Blick in die Zukunft immer für sehr angenehmen Comic Relief und Selbstreflexion. Andere angedeutet zarte Entwicklungen in punkto Beziehung werden weiter gesponnen. Insgesamt aber wieder sehr wenig Neues. Wären mir die Charaktere nicht so ans Herz gewachsen, wäre an der Stelle wahrscheinlich schon für mich die Luft raus.

„The Promised Neverland“ Bd. 5, Kaiu Shirai & Posuka Demizu (Carlsen Manga)

Zu Band 4 schrieb ich 2019, dass The Promised Neverland ein Guilty Pleasure ist, dass dank seines Katz-und-Maus-Spiels begeistert, aber wegen unnatürlich vieler Twists und in die Länge gezogener Dramatik auch etwas „mäh“ ist. Ich war mir damals nicht sicher, ob ich bei der Formelhaftigkeit lange dabei bleiben will und offenbar trieb mich das auch erstmal von dem Manga weg. So nach einjähriger Pause ist es mal wieder ganz schön hier reinzulesen. Im Band gibt es allerdings auch die notwendigen und herbeigesehnten Fortschritte. Wir erfahren, wieviele Kinder fliehen konnten und lernen sogar die Außenwelt kennen. Das überrascht mich sehr positiv, weil ich befürchtet habe, dass all das noch viel mehr in die Länge gezogen wird. Es gibt sogar noch eine kleine größere Offenbarung, die einen Charakter, den man gern als Bösewicht verteufelt, in einem anderen Licht dastehen lässt. Auch sehr wünschenswert. Trotzdem kann ich bei der Länge der Reihe den Gedanken nicht abschütteln, dass es früher oder später formelhaft weitergeht und ich mit dem Anime besser bedient wäre. Der sechste Band liegt hier schon rum und ich denke, der entscheidet es dann.

Wann entscheidet ihr, ob ihr eher Manga lest oder Anime-Adaption schaut? Oder lest ihr grundsätzlich den Manga immer vorher zu Ende? Ist ja eine ähnliche Frage bei Literaturvorlage vs. filmische Adaption/Serie. Wobei man sich bei Anime häufig darauf verlassen kann, dass der visuelle Stil und die Atmosphäre ähnlich ist. Oder kennt ihr Ausnahmen? Übrigens sehe ich gerade, dass das der vorletzte Band zu Paper-Girls ist und somit sehr bald ein Fazit der Reihe ansteht! Vielleicht kneife ich es mir auch den 5. zu Besprechungen, mal sehen.

In „angelesen“ sammle ich die Eindrücke von Buchreihen, die ich lese. D.h. insbesondere von Manga und Comics, die ich noch nicht abgeschlossen habe und deswegen nur als Teil eines Ganzen betrachten kann. Wer andere Literatur sucht und die Meinung zu abgeschlossenen Reihen, findet die in ausgelesen, einer weiteren Rubrik hier im Blog. 🙂