Serienlandschaft: Impressionen eines Star-Trek-Newbie, Teil I

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Im Laufe der Zeit stolpert man als Serien-Fan immer Mal über diese Phänomene. Extrem erfolgreiche Serien, die im besten Fall auch noch die Zeit überdauert haben. Doctor Who beispielsweise, und auch Star Trek. Fan des Doctors bin ich schon. Und von Star Trek Fans nicht nur wegen meines beruflichen Umfeldes quasi umzingelt. (Informatik. Alles klar, oder?) Mir kam aber nie wirklich der Gedanke Star Trek zu schauen, weil mich die Zahl der Episoden und Serienableger eingeschüchtert hat. Dann fing mein Freund an die Serie zu schauen, ist schwer begeistert und inhaliert quasi die Episoden. Und ich wurde neugieriger. Nach vier bis fünf Episoden wollte ich entscheiden, ob ich es weitergucke. Und jetzt steht fest: ich schaue weiter. Zugegeben – das alle Episoden auf Netflix sind, macht es einem auch leicht. Schnell habe ich festgestellt, dass es viel zu reden gibt, wenn man über Star Trek redet. Daher starte ich das Experiment meine Eindrücke hier im Blog immer mal wieder festzuhalten. Damit ihr wisst, wo ich gerade bin, gibt’s immer einen kleinen Ankerpunkt. Die zuletzt geschaute Folge: Raumschiff Enterprise/Star Trek 1×06 „Mudd’s Women“

Evaluierung der Vorbelastung und Erwartungen des Versuchsobjekts

Es ist zu erwarten, dass es nicht extrem schwierig mit mir und Star Trek wird, denn ich mag Science Fiction und Weltraumstoffe sehr gern. Und ich muss gestehen, dass ich als Kind in großen Abständen mit meinem Vater mal Star Trek geschaut habe. Jetzt könnte man Vermutungen anstellen, ob das unter Umständen sogar der Grund dafür ist, dass ich Sci-Fi mag. Allerdings kann ich mich an kaum etwas erinnern. Zwei, drei Szenen aus irgendwelchen Episoden, ja. Eine v.A., die ich damals faszinierend fand und vor der ich mich gleichzeitig sehr gefürchtet habe. Da ging es glaube ich um irgendeinen menschenfressenden schwarzen Schleim. Aber ich wüsste jetzt nicht mal in welchem Serienableger das vorkam bzw. unter welchem Captain. Übrigens habe ich mir auch die ersten beiden Film-Remakes mit Chris Pine als Kirk und Zachary Quinto als Spock angeschaut, aber mit dem Gefühl, dass es eine geglättete und nett aufpolierte Hollywood-Variante des Stoffs ist.

Was mich also wirklich am meisten abgeschreckt hat ist die enorme Anzahl an Episoden und nicht Star Trek selbst. Es gibt eigentlich nur eine Sache an der Serie, auf die ich wirklich keinen Bock habe. Klingonen. Echt. Keinen Bock drauf. Ich kann nicht genau erklären warum, aber es hat mit The Big Bang Theory zutun. Davor waren mir Klingonen und Klingonisch egal. Aber seitdem ich gehört habe, dass Nerds in der Serie den Kram lernen und zum Besten geben, finde ich das hochgradig albern. Dabei finde ich fiktive Sprachen grundsätzlich sehr interessant, z.B. Elbisch. Wie geht man da ran? Wie baut man die Grammatik auf? Orientiert man sich an existierenden Sprachen? Eigentlich spannend. Aber das Bild des Nerds in TBBT hat’s mir tatsächlich verleidet. Aber soweit ich weiß, dauert das eh noch etwas bis man sich mit Klingonen auseinandersetzen darf. Worauf ich mich echt freue sind Borg und Captain Picard. Deswegen hätte ich am liebsten mit The Next Generation angefangen. Aber als pedantischer Serienfan geht das natürlich nicht, außerdem wollte ich Spock sehen. So dann. Allons-y. Boldly go where no Miss Booleana has gone before.

„Star Trek Original Series Intro (HQ)“, via dinadangdong (Youtube)

Space. The final frontier. Und jetzt alle so … wohoooooohohohooooooohoooooooooho.

Pilotfolge. Mäh.

In Erwartung endlich Kirk und Spock und all die anderen Charaktere wie Scotty und Pille zu sehen, war ich dementsprechend etwas vor den Kopf gestoßen, als in der ersten Episode ’nur‘ Spock da war und nicht mal unbedingt viel gesagt und getan hat. Die Episode war nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Hätte ich allein von der Folge her entschieden, ob ich weiterschaue, wäre das ein kurzer Ausflug in die Galaxie geworden. Dass mir die Story so dünn vorkam, liegt aber wahrscheinlich auch daran, dass zig Serien und Filme, die ich früher gesehen habe, eine ähnliche Handlung haben, obwohl die Idee wahrscheinlich tatsächlich Star Trek entliehen wurde.

Was mir gefällt. Und was nicht.

Als Serienfan weiß man auch ohne es gesehen zu haben und wenn man nicht unter einem Stein gelebt hat, dass Star Trek erstens eine Berg- und Talfahrt ist, dass es also Serienableger gibt, die nicht ganz so fesseln wie andere. Und man weiß auch, dass die Handlung vieler Episoden ziemlich smart, intelligent und fortschrittlich ist. Und die Themen gefallen mir wirklich ziemlich gut. Moralische Dilemmata kommen in fast jeder Folge vor. Außerdem bin ich ein Spock-Fan und ein bisschen von Uhura. Am meisten gefällt mir aber, wenn Spock aus der Reserve gelockt wird und vielleicht doch Gefühle zeigt oder jemand ihn herausfordert. Richtig gut haben mir die Episoden The Man Trap und Where No Man Has Gone Before gefallen. Die Kulissen und Kostüme sorgen oft meinerseits für ein breites Grinsen. Aber ich finde es bewundernswert wie sie ihre Vision mit einfachen Mitteln umgesetzt haben und es funktioniert eben auch. Was ich nicht ganz so cool finde ist die durchwürfelte Reihenfolge. Manchmal sieht man das beispielsweise an den Frisuren oder eben am stardate. Manche Effekte sind ein bisschen zu retro und manche Szenen sehr unglaubwürdig. Dass beispielsweise Sulu und Co. nicht in The Enemy Within erfroren sind, ist eigentlich mächtiger Bullshit. Es hält sich quasi so ein bisschen die Waage. Aber was mich am meisten nervt, kommt gleich und wird einige Hardcore-Fans da draußen jetzt wahrscheinlich erschüttern. Schnallt euch an.

Aber jetzt mal ehrlich, dieser Captain Kirk …

William Shatner kann nicht wirklich schauspielern, oder? Jetzt hasst ihr mich alle, was? Aber es ist wirklich so. Ich finde, wenn er auf die Rolle des seriösen Captains getrimmt ist, dann funktioniert das schon. Aber sobald er mal wütend werden muss oder in einer anderen Extremsituation landet, dann ist das so overacted, dass mir manchmal das Wort lächerlich durch den Kopf schießt. Wenn es zu dem auch noch schlecht geschnitten ist, dann sind plötzliche Ausraster nicht selten. Die Kampfszenen und Hechtsprünge finde ich ja eigentlich realistischer als die ganzen Martial Arts Fights, die scheinbar jeder in modernen Actionfilmen beherrscht. Aber das Overacting. Hui. Eine der Folgen, die das auf die Spitze getrieben hat, war The Enemy Within, in der Kirk quasi in zwei Persönlichkeiten gespalten wird (auch physisch). Eine Schlaffi-Variante und eine Evil-Kirk-Variante. Und mich haben beide sehr genervt. Falls ihr einen Blick riskieren wollt (insbesondere ab 1:50):

„William Shatner’s best acting ever?“, via Running Man (Youtube)

Mir ist schon klar, dass an das Schauspiel vor sovielen Jahren andere Anforderungen gestellt wurden als heute wo sich alles extrem natürlich anfühlen soll. Aber das ist schon ein derber touch too much.

„Ach … der stirbt also in dieser Episode, was?“ Und andere Erkenntnisse.

Was man recht schnell durchschauen kann und was ich glaube ich ganz gut meistere ist vorherzusagen wer stirbt oder verletzt wird. Immer, wenn ein Nebencharakter das erste Mal zu sehen ist und insbesondere, wenn sie auf Außen-Mission geschickt werden, sage ich meistens „Ah, der stirbt also in dieser Episode“ und mein Freund findet scheinbar, dass ich ein Spielverderber bin. Aber … das ist schon ziemlich auffällig. 😉 Bisher habe ich mich nur einmal getäuscht. Sowieso lässt sich manchmal sehr schnell vorhersagen wie es in einer Episode weitergeht, weil man als Viel-Serien-Schauer ja doch für Handlungsbögen ein bisschen ein Gespür entwickelt hat. Für die damalige Zeit (1966/67) waren die Folgen aber bestimmt ziemlich bahnbrechend und es ist in keinem Fall so, dass ich mich langweile. Ziemlich witzig ist Insider zu entdecken, die man bisher nicht verstanden hat. Oder, da wir auf Englisch schauen, beispielsweise zu hören, dass ‚Pille‘ (McCoy) im Englischen ‚Bones‘ genannt wird. Aber irgendwie verstehe ich die Sache mit dem Stardate und der Chronologie der Folgen noch nicht ganz. Das ist doch durcheinander!? Warum?

Und die Sache mit den Frauen

Eine Sache, die ich noch nicht genau einzuordnen weiß, sind die Frauen und ihre Rollen. Ich habs noch nicht kapiert, ob Star Trek rückschrittig oder modern ist. Wahrscheinlich für die damalige Zeit sehr modern aber für heute einen Tick rückschrittig. Es ist unbestritten, dass Uhura als schwarze Frau in einer TV-Serie im Jahr 1966 in einer angesehenen Position eine ziemlich großartige Nummer war und dafür hat Star Trek Sympathien bei mir. Aber dann sind da noch andere Punkte wie die wenig ansprechenden Rollen und Herausforderungen für Frauen in der Serie und die dämlichen, kurzen Kleidchen. Manchen Episoden gelingt ihre Message ganz gut. Beispielsweise die weibliche Authorität und Freiheit zur Selbstentscheidung wie in Charlie X. Aber in anderen Episoden gelingt das nur zum Teil die Ausbeutung von Frauen geschickt in Szenen zu setzen. Mudd’s Women fand ich teilweise ungeschickt. Ein ziemlicher Ausfall war, dass sich Janice Rand in der Episode The Enemy Within entschuldigt, dass sie den Captain beschuldigt hat sie überfallen zu haben. Es war zwar Evil Kirk, aber dass sich das Opfer eines sexuellen Übergriffes entschuldigt ist einfach die falsche Botschaft egal wie man es dreht und wendet.

Ein Geständnis …

… jetzt alle Star-Trek-Fans stark bleiben: meine Begeisterung für die Serie ist nicht überbordend groß. Eigentlich schaue ich es nur, wenn mein Freund mitguckt. Wenn ich alleine bin oder alleine Serien schaue, gibt es einfach andere Serien, die ich gerade interessanter finde. Aber ich finde die Serie auch nicht schlecht, manche Episoden richtig richtig gut. Daher bin ich mal gespannt wie es weitergeht und schließe es nicht aus, dass ich die Episoden vielleicht auch bald nicht abwarten kann.

Immer zwischen dem 5. und 10. eines jeden Monats mache ich einen kleinen Ausflug in die Serienlandschaft. Ob aktuelle Serien, all-time-favorites, irgendeine TOP-5 oder einfach ein paar zerstreute Gedanken: es ist alles dabei :).