Fast vergessen: Oscars 2013 – Highlights und Insolvenzen

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Am 24. Februar wurden die 85. Academy Awards verliehen und Los Angeles war erneut der Ort zu dem die Filmwelt blickte. Zugegeben…es ist schon ein kleines bischen her. Ein kleines bischen, ähem. Einst sagte ich im monatlichen Rückblick für den Februar (?), dass ich dazu einen eigenen Artikel verfassen werde. Naja. Spät aber doch. 🙂 Ich blicke zurück auf Seth MacFarlanes Moderation, viel zu kurze Redezeit und die Insolvenz von Rhythm & Hues Studios (VFX) über die scheinbar keiner sprechen durfte.

 

Die Moderation

Seth MacFarlane war das erste Mal Gastgeber und als Schöpfer von Family Guy und Ted für seinen Humor bekannt. Im Vorfeld wurden schon die einen oder anderen Zweifel bekundet, dass er die filmschaffende Gemeinde stilvoll genug durch den Kakao zieht. Und er hat das ganze auch gleich aufgegriffen – zu Beginn hat Captain Kirk (William Shatner) aus der Zukunft angerufen und ihn freundlicherweise auf seinen Misserfolg hingewiesen. Sowohl dieser Gag, als auch sein Song über die Schauspielerinnen, deren Brüste man in Filmen sehen kann, waren für mich eher ein Reinfall. Die Zwischenakündigungen waren meines Erachtens nach lustiger und weniger over-the-top oder vulgär. Ich bin aber auch ein harter Richter – mir hat nur 2002 Whoopi Goldberg gefallen, Alec Baldwin & Steve Martin waren auch okay und letztes Jahr Billy Crystal. Aber eins muss man Seth MacFarlane lassen: er hat frischen (jüngeren) Wind reingebracht und das ganze etwas entstaubt. Warum soll er es nicht nochmal machen wie jüngst behauptet wurde? Meinetwegen gerne.

Die Nomminierten

Es hat sich zuvor schon herauskristallisiert, dass einige Filme mit klarem amerikanischen Zeitgeist nominiert sind oder welche, die eben amerikanische Geschichte erzählen. So zum Beispiel Argo, Zero Dark Thirty und Lincoln. Mitlerweile bin ich da kaum noch argwöhnisch – damit muss man einfach leben. Die Oscarverleihung ist zwar weltbekannt aber die Academy of Motion Picture Arts ist meines Erachtens nach eine amerikanische Organisation (zumindest habe ich nirgends etwas anderes gelesen). Wohl wahr ist aber, dass Filmschaffende anderer Länder mit einbezogen werden.

Einige außergewöhnliche Fakten zeichnen sich ab, so beispielsweise, dass Christoph Waltz ein zweites Mal für die beste männliche Nebenrolle nomminiert wurde und wie beim letzten Mal tatsächlich gewonnen hat! Am meisten nomminiert wurden Lincoln und Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger. Unter Filmfans gibt es ja hin und wieder kleine Wettbewerbe, wer wie oft mit seinen Vermutungen richtig liegt. Ich finde es schwierig mich da zu beteiligen, weil ich nie alle Filme kenne.

Stattdessen drücke ich es mal so aus: folgenden Nomminierten habe ich mir als Gewinner gewünscht und sie haben tatsächlich einen Oscar bekommen

  • Bester Film: Argo – ich hab fast Nägel gekaut, so spannend empfand ich den Streifen
  • Beste Regie: Ang Lee (Life of Pi) – sehr berührender Film, großartiger Regiesseur, im Nachhinein habe ich aber etwas Bauchschmerzen …
  • Beste Hauptdarstellerin: Jennifer Lawrence (Silver Linings) – klasse Leistung, aber ich hätte auch gern gesehen wie Emmanuelle Riva den Preis abholt
  • Bester Nebendarsteller: Christoph Waltz (Django Unchained) – er hatte ja auch einen fast unproportional großen Part im Film
  • Beste Nebendarstellerin: Anne Hathaway (Les Misérables) – unheimlich stark und berühren wie sie I Dreamed A Dream gesungen hat, Gänsehaut!
  • Bester animierter Kurzfilm: Paperman – hier habe ich auch Bauchschmerzen, weil ich nur diesen Film kannte, leider.
  • Bester Dokumentarfilm: Searching for Sugar Man – Malik Bendjelloul, Simon Chinn – sehr bewegend!!
  • Bester Filmsong: Skyfall aus James Bond 007: Skyfall (Skyfall) – Adele Adkins, Paul Epworth – klarer Favorit, habe aber während der Verleihung ‚Before My Time‘ gehört und mich unsterblich in den Song verliebt, aber ich gönne es Adele so sehr

Es haben sich also viele meiner Oscar-Wünsche erfüllt. 😉 Zu vielen Gewinnern habe ich leider gar keine Meinung, zum Beispiel bei Cut, Kamera und Ton. Dazu beschäftige ich mich einfach zu wenig mit Filmtechnik, um etwas profundes sagen zu können. Leider.

Das Programm

Seit 2013 haben die Oscars ein Thema – diesmal ging es um Musik im Film und dementsprechend gab es ein paar Gesangsdarbietungen mehr. Das finde ich super und hoffe, dass auch die technischen Errungenschaften (3D-Computergrafik beispielsweise) in Zukunft gewürdigt werden oder auch Kostüme. Meine Highlights waren Shirley Basseys und Adeles Auftritt, sowie der vom Les Misérables Cast. Allgemein bin ich ja ein großer Fan von Dankesreden. Mir kommen gerne mal die Tränen, insbesondere wenn Leute einen Preis entgegen nehmen, die nicht so bekannte Gesichter sind wie die Schauspieler oder Regiesseure.

Andere Programmpunkte wurden schon mal besser gestaltet, zum Beispiel der In Memoriam-Programmpunkt. Ich erinnere mich da an sehr ergreifende Rückblicke mit Backgroundchor und zauberhaft traurigen Gesang.

Manches andere fand ich etwas seltsam – es fällt mir schwer auszudrücken, was mich beispielsweise an Michelle Obamas Laudatio stört. Ich finde sie und Barack Obama wunderbar und mein jetziger Standpunkt ist, dass Obama am besten nie abdanken sollte. Aber bei einer Filmpreisverleihung möchte ich irgendwie keine politischen Figuren sehen.

Glatt durchgefallen ist bei mir der Rückblick auf 50 Jahres James Bond. Ich finde es toll, dass sie die Filme würdigen. Vor Allem weil ich zu dem Zeitpunkt von Skyfall immer noch schwer begeistert war. Aber Fans kriegen so eine Hommage besser hin wie Youtube uns zahlreich beweist.

Was ich harsch kritisieren möchte ist aber die Tendenz den Leuten das Mikrofon wegzunehmen. Beziehungsweise in diesem Fall wurden die Preisträger akustisch gewarnt vom bekannten Track aus Der weiße Hai. Und schließlich abgewürgt. Ich hasse das wie die Pest. Jaja, die Sendung ist bereits abendfüllend und schon klar – zusammen mit Red Carpet ist man da 4 Stunden damit beschäftigt vor der Glotze zu hocken. Aber ich empfinde es trotzdem als Unding. Noch viel schlimmer ist aber, dass dabei geholfen wurde eine Ungerechtigkeit zu vertuschen, mehr dazu unter Skandale.

Skandale, schöne Kleider und ein Sturz

Darüber welche Kleider am schönsten sind, gibt es allerlei Abstimmungen im Netz und zahlreiche Web-Bildergalerien nehmen mir die Arbeit ab, das hier zu diskutieren. Meine Style-Favoriten waren Jennifer Lawrence, Halle Berrys und Charlize Theron. Mit Anne Hathaway hätte ich nicht Klamotten tauschen wollen, das Kleid war ein echter Zonk. Aber der Kleiderwahnsinn macht sie auch zu Opfern – so ist Jennifer Lawrence beim Gang zur Bühne böse auf der Treppe gestürzt und brauchte eine Weile um wieder auf die Beine zu kommen. Dafür hat sie danach ein entwaffnend sympathisches Interview gegeben:

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Woraus ich weniger schlau wurde, waren Anne Hathaways Anspielungen bei ihrer Rede. War sie wirklich bisher so überemotional?

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Ein richtiger Skandal betrifft allerdings die Preisträger des Awards für Beste visuelle Effekte: Bill Westenhofer, Guillaume Rocheron, Erik-Jan De Boer, Donald R. Elliott für Life of Pi. Sie wollten während ihrer Dankresrede auf den Umstand aufmerksam machen, dass die Visual-Effects (VFX) Schmiede Rhythm & Hues Studios nicht bezahlt wurde. Die Mitarbeiter haben lange ohne Lohn gearbeitet und das Studio musste sogar Insolvenz anmelden. Während sie all das bekannt machen wollten, war doch tatsächlich die Redezeit vorbei, die akustische Warnung wurde abgespielt und schließlich das Mikrofon ganz abgeschalten. Ich muss gestehen, dass ich am Anfang nicht kapiert hab was los ist. Da Jaws schneller und lauter gespielt wurde, habe ich nur mitbekommen, dass etwas nicht stimmt. Das Internet hat mir weitergeholfen: Golem.de berichtete darüber umfassend. Aus Solidarität haben viele Grafikdesigner und VFX. und SFX-Künstler in sozialen Netzwerken ihren Avatar mit einem giftgrünen Quadrat ersetzt. Ich finde es ungeheuerlich und würde gerne mehr darüber wissen, wie zum Beispiel Ang Lee darauf reagiert hat.

Wie jedes Jahr habe ich den Oscars entgegen gefiebert. Dieses Jahr hatten wir in Deutschland ja die Gelegenheit eine ganze Menge der nomminierten Filme auch schon zuvor im Kino zu bewundern. Da macht die Verleihung dann wirklich Spaß – das mittippen und Daumen drücken für die Favoriten, ich liebe das wirklich. Aber es war auch eine skandalösere Veranstaltung dieses Jahr – Stichwort Rhythm & Hues Studios. Ich bin gespannt was künftige Oscar-Verleihungen für uns bereit halten.