Blogparade: Jesus 2.0 – die sieben besten Erlöserfiguren in Film/Serie/Literatur

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Die singende Lehrerin hat’s wieder getan! Mit ihrer Blogparade ruft sie dazu auf das viel verwendete Motiv der Erlöserfigur mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Erlöserfigur – was bedeutet das genau? Überall wo Geschichten erzählt werden, gibt es einen Archetyp, einen Held, einen Erlöser und Befreier, der scheinbar vom Schicksal dazu auserwählt ist, etwas großes zu vollbringen. Diese schicksalhafte Vorbestimmung erinnert an Religionen und bezogen auf das Christentum beispielsweise an Jesus. Überall wo Geschichten erzählt werden, macht man es sich aber auch manchmal mit den Erlöserfiguren ziemlich leicht. Gerade im Young Adult Sektor bekommen sie Fähigkeiten verliehen und stehen über den Dingen – manchmal auch ohne viel Zutun. Andere Medien schaffen es die Konflikte, die mit einer Aufgabe einhergehen besser zu transportieren. Aus großer Kraft folgt große Verantwortung und so. Es gibt soviele kunterbunte Szenarien und es ist nun an uns welche aufzulisten. Auf gehts – sieben auf einen Streich. Schaut auch unbedingt im Kick-Off-Artikel der singenden Lehrerin vorbei. Falls ihr noch mitmachen wollt, könnt ihr das bis zum 15. Mai tun.

Die Reihenfolge ist nicht wertend.

Neo (Die Matrix-Trilogie, Film)

Selten hat ein Film so offensichtlich mit dem Erlöser-Motiv gespielt wie in der Matrix-Trilogie. Nicht umsonst ist Neos Beiname „The One“, seine Geschichte wird vom Orakel weitergegeben, es gibt demzufolge eine Prophezeiung und … seufz, ja, da gibt es schon sehr viele religiöse Motive. Das macht aber auch den Reiz der Filmreihe aus, die sich eigentlich mit einer digitalen Scheinwelt auseinandersetzt. Und im Reich von Einsen und Nullen ist Religion irgendwie hinfällig und viele haben sich über die Motive in den Filmen geärgert, wenige haben es durchweg gehypt. Trotzdem ist es für mich eins der besseren Beispiele, das eine komplexe Welt erschafft und Erlöser-Motive ins digitale Zeitalter holt. Mit ganz viel Sci-Fi. Die Anomalie, der Auserwählte, der Architekt, das Orakel – ich mag das sehr. Und: ein weiteres Motiv, das sehr populär bei Erlöserfiguren ist, kommt auch vor. Der Wille zur Selbstaufgabe und Aufopferung für eine größere Sache.

Da gibts übrigens noch eine andere interessante Theorie: nicht Neo ist in Wirklichkeit der Auserwählte, sondern jemand anders … . (Video enthält Spoiler)

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Und ich muss sagen, dass die Theorie für mich genauso viel Sinn macht. Nicht schlecht. Insbesondere wenn man über die Szene zwischen Orakel und Architekt nachdenkt, geht einem ein Licht auf. Die fand ich schon beim erstmaligen Anschauen etwas rätselhaft.

Kamui (X, Manga bzw. X-1999)

X markiert das Datum, an dem sich die Prophezeiung erfüllt. Sieben begabte Menschen kämpfen für den Fortbestand der Erde, sieben dagegen. Und ihre Anführer sind Auserwählte. Einer von ihnen darf seine Seite wählen, Kamui. Und das tut er und entscheidet sich für den Fortbestand der Menschheit, er entscheidet sich dafür ein Retter zu werden und sich vielleicht sogar zu opfern. Was war ausschlaggebend? Natürlich die Menschen, die er liebt. Was für eine Ironie, dass der andere Teil der Prophezeiung ist, dass einer dieser Menschen den anderen Anführerplatz einnehmen muss. Sein bester Freund wird also der, den er abmetzeln soll. Puuuuh. Gemein. Ja, im nie beendeten Manga X von der Künstlergruppe CLAMP steckt viel Magie und Prophezeiung und es wird viel mit dem Wort Schicksal um sich geworfen. Die Zukunft ist vorbestimmt … oder doch nicht? Kamui will die jedenfalls ändern und desto mehr einem eingetrichtert wird, dass das unmöglich ist, desto spannender wird die Reihe. Aber die moralischen und menschlichen Fragen vor denen die mehr als 14 Charaktere, allen voran Kamui, stehen, sind auch erschreckend und ziemlich vielschichtig. Da gibts scheinbar keine geradlinige, augenscheinliche Lösung. Immerhin bietet die Animeserie ein Ende, wenn schon der Manga bisher eins schuldig geblieben ist, weil er ein eingestellt wurde.

Superman (Comics, Batman v Superman)

Eigentlich bin ich alles andere als ein Superman-Fan. Ich finde die Figur zu einfach, zu sauber. Er ist ein bisschen die Jungs-Version von zig Young-Adult-Heldinnen, denen ihre Erlöserrolle zugeflogen kommt. So ähnlich ist es bei ihm. Kommt auf fremden Planeten, hat durch die fremde Sonne unglaubliche Superkräfte. Der kritische Leser, der mich jetzt bemängelt hat natürlich recht – ganz so einfach ist das nicht. Das Trauma seine Heimat unwiederbringlich verloren zu haben ist grausam. Aber in der Comic-Welt tauchen ja immer mal ein paar Totgeglaubte wieder auf, nicht wahr? Im jüngst erschienen Batman v Superman wird aber oft der Vergleich gezogen, dass Superman im Prinzip dem entspricht, was man als einen Gott bezeichnen würde. Und er versucht zumindest seine Kräfte für eine Sache einzusetzen.

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Eli (Book of Eli)

Book of Eli ist quasi Mad Max plus Religion. Wobei auch Mad Max selber in dieser Liste ganz gut aufgehoben wäre. Irgendwie. In Book of Eli spielt Denzel Washington eine Art Prophet, einen Gläubigen, einer der für seine Sache einsteht. Seine Sache bedeutet eine Bibel zur letzten Bastion der zivilisierten Menschheit in einer postapokalyptischen Zukunft bringen. Interessanter Aspekt des Films: einige schräge, organisierte Räuberbänden aus dem Nirgendwo denken, dass man mit einer Bibel die Menschen prima lenken und beeinflussen kann, daher wollen auch sie an das Buch rankommen. Aber Eli ist nicht so leicht unterzukriegen. Die Gegenüberstellung der moralisch verkommenen Gesellschaft und Eli, der sich für etwas ideelles einsetzt, ist ein klasse Motiv und funktioniert gut, obwohl der Film wegen der Ödnis in der er spielt schon stark an Mad Max erinnert. Liest man die Kurzzusammenfassung und hat mit Kirche nicht viel am Hut, dann denken die meisten, dass das ein absolut überflüssiger Film ist und was er aussagen soll ist viel zu offensichtlich. Tatsächlich gibt es aber einen ziemlich guten Twist, der den Zuschauer das Geschehen überdenken lässt und uns daran erinnert was Glaube eigentlich bedeutet, wenn man mal von Sekten, Machtgetöse und der Institutionalisierung absieht. Einzig und allein Glaube.

Harry Potter (Harry-Potter-Bücher und -Filme)

Kleiner Junge, schweres Los, vorbestimmtes Schicksal. Während die Waise Harry ein tristes Leben lebt, kommt plötzlich der rettende Brief. Er ist ein Zauberer und darf nach Hogwarts, auf die Schule für Zauberer. Dort holt Harry sein Ruf ein, von dem er lange noch nichts wusste: er hat das Attentat des grausamen Zauberers überlegt. Der-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf. Du-weißt-schon-wer. Und dank seiner Bescheidenheit und seiner guten Seele wird er tatsächlich eine Schlüsselfigur, ein Auserwählter im Kampf gegen die dunklen Zauberer. Klingt märchenhaft, oder? Junge aus schlimmen und tragischen Verhältnissen wird ein Held. Gut, wir sehen und konnten es nachlesen: ganz so einfach ist das Held-werden nicht. Vor Allem nicht als Teenager. Aber die Elemente sind dieselben und Harry Potter ist damit noch ein besseres Beispiel dafür wie das Motiv der Erlöserfigur Young-Adult-Romane infiziert hat und den großen und kleinen Lesern viel mit auf den Weg gibt.

Curtis (Snowpiercer-Film und -Graphic-Novel) (leichte Spoiler/Andeutungen sind im folgenden Absatz zu erwarten)

Möglich, dass das jetzt eine etwas ausgefallene Wahl ist. Warum ist Curtis (gespielt von Chris Evans) eine Erlöserfigur? Naja schon Mal wegen der Aufgabe, die ihm übertragen wird. Wir erinnern uns: Snowpiercer spielt in einer Zukunft, in der der verbliebene Rest der Menschheit in einem Zug durch die vereiste Landschaft fährt. Draußen könne man nicht leben, aber drinnen eigentlich auch nicht. Es sei denn man gehört zur privilegierten Klasse, die vorn im Zug ein Leben in Saus und Braus führt. Und die nicht-privilegierten Leben hinten im Zug in menschenunwürdigen Verhältnissen. Curtis gehört dazu. Er wird aber von den anderen ermutigt zu revolutionieren und schon bald schnetzeln sie sich von Abteil zu Abteil. Dabei vermitteln alle ständig die Botschaft, dass Curtis der Mann ist. Der rockt das, nur er kann das schaffen und die Leute auf ihrer Schnetzelparty anführen. Warum offenbart sich, wenn Curtis seine Geschichte erzählt. Er ist ein geläuteter. Er war am Abgrund und ist wiedergekehrt und ein Anführer geworden. Und zur Selbstaufopferung bereit. Das hat schon was von einem Erlöser, oder?

Choices, choices, choices … (Video enthält Spoiler)

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Katniss Everdeen (Panem-Filme und -Bücher)

Katniss‘ Rolle als Erlöserfigur beginnt schon mit dem Motiv überhaupt: der Selbstopferung. Sie meldet sich freiwillig für die Hungerspiele, damit ihrer Schwester das Schicksal erspart bleibt. Im folgenden Geschehen wird sie zu einer Rächerin und Retterin, die sich eigentlich nur irgendwie versucht durchzuschlagen. Aber ihre Person wird glorifiziert und vermarktet. Obwohl sie ideell anfangs tatsächlich eine Heldin ist, korumpiert sie das System, während sie bei vollem Bewusstsein ist und es geschehen lässt. Dabei macht sie immer noch dasselbe wie am Anfang: sie versucht zu überleben. Und idealerweise die Menschen zu beschützen, die sie liebt oder die rechtschaffend sind. Denkt man darüber nach, gibt die Figur der Katniss am Anfang der Handlung mehr her als am Ende. Aber ihr unbändiger Wille das richtige zu tun kommt zurück.

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Das waren meine Lieblingsbeispiele für extrem offensichtliche Erlöserfiguren (Neo, Superman – und fliegen können beide, heeeey) und extrem gute Beispiele. Denn was man manchmal bei all den Kontroversen um Religion und Glaube vergisst, ist, dass Glaube viel kann. Glaube ist das Ding. Ich hab schon immer gesagt: es ist mir egal, an was ihr glaubt, solange ihr an etwas glaubt und niemandem weh tut. Denn ich denke tatsächlich, dass Glaube wichtig ist. Zum Beispiel einfach an das Gute im Menschen. Und anhand von Erlöserfiguren wird das manchmal treffend dargestellt. Von manchen von denen kann man sich ganz gut was abschauen. Man kann sich jetzt natürlich dazu hinreißen lassen viele Beispiele zu nennen – selbst Sailor Moon ist eine Erlöserfigur. Und nicht mal eine schlechte. Das meine ich ganz ernst, denn die Serie vermittelt gewichtige Werte. Gerechtigkeit, Freundschaft usw. und besagte Titelheldin kämpft für ihre Sache. Eine ähnliche Schiene fahren viele Young-Adult-Geschichten von ‚Twilight‘ über ‚Divergent‘ über … wasweißich. Die haben ein wirklich einfaches Schnittmuster und bedienen sich einer der ältesten Geschichten der Welt. Jemand kommt zur Welt mit einer Begabung und muss viele Prüfungen bestehen um endlich Glück zu finden. Naja. Locker vom Hocker halt. Gerade YA-Romane sind dabei sehr kreativ diese Geschichte zu variieren, inbesondere wenn es um Dystopien geht. Aber an Dystopien lassen sich halt ganz prima moralische Werte vermitteln, wenn man es richtig macht. Held wider Willen, Erlöser, Aufopferung, Moral und Ethik … es gibt auch richtig stumpfsinnige Beispiele wie ‚Bruce Allmächtig‘. Aber diesen Weg wollte ich hier nicht gehen. Welche Erlöserfiguren haltet ihr für gewichtige oder gut getroffene Beispiele? Auch unter den Antihelden lassen sich einige finden. Was ist beispielsweise mit John Constantine, Donnie Darko oder Shinji Ikari aus ‚Neon Genesis Evangelion‘?