Literarische-Fundstücke: „Die King-Krise“

In der Vergangenheit hatte ich in den Literarischen Fundstücken eher positive Entdeckungen aus Büchern zu teilen. Berühmte erste Worte, entdeckte Buchtitel und gar deutsche Worte. Es gibt eben viel in und um Bücher herum zu entdecken. Das heutige literarische Fundstück ist aber eine Gewissheit, die mich schon seit einigen Monaten quält. Stephen King war seit jeher einer meiner Helden unter den Autoren. Ich verschlang seine Bücher. Man kann sogar sagen, dass mich seine Werke an die Literatur ranführten. Mein Bücherwurm-Dasein begann mit The Shining, Sara, Needful Things und vielen anderen Stephen-King-Büchern. Seit meinen letzten Begegnungen mit seinen Geschichten muss ich mich aber fragen: bin ich rausgewachsen aus dem Stoff?

Anamnese

Wie oben beschrieben war ich als Teenager ein großer Fan von Stephen King und zu meinen Lieblingsbüchern zählt Needful Things – In einer kleinen Stadt. Auch einige der so oft gescholtenen Verfilmungen konnten mich begeistern. Früher erntete ich dafür manchmal Spott, da Stephen King damals in meinem Umfeld scheinbar den Ruf eines Autors von Schund-Literatur hatte oder anders ausgedrückt „einfacher und banaler Bücher“. So einfach und banal fand ich die nicht und sah regelmäßig mehr in den Geschichten als die Allgemeinheit. Sei es die Doppelzüngigkeit der menschlichen Natur (Needful Things) oder wie schnell Menschen durch eine Sucht angreifbar und verwundbar sind und Dinge tun, die nicht ihrem Charakter entsprechen. The Shining zeigt wunderbar wie ein Mensch, auf dem etwas lastet, manipuliert werden kann und wortwörtlich von „bösen Mächten“ besessen ist. Zu was der menschliche Geist fähig ist (Das Mädchen, Carrie – wobei sich das mehr auf alle Charaktere außer Carrie bezieht) ist eins der Elemente, die mich immer schwer begeisterten, aber auch einfach der gelungene Grusel sprach mich oft an und erschien mit stets vielschichtig. Wie kann das Schund sein? Meistens haben die Leute, die sowas behaupten kein oder nur ein Buch der jeweiligen Autoren gelesen oder eine von den schlechten Verfilmungen gesehen, die ja doch existieren. Und sie waren meistens sehr überrascht, wenn man konterte „Aber du kennst doch auch Die Verurteilten und The Green Mile? Die basieren auf Stephen-King-Geschichten.“ Bäm. Das entkräftete meistens alle Argumente. Denn: Filmemacher mussten nur in der Lage sein die Stoffe so rüberzubringen wie es der King in seinen Büchern tat. Sie kämpften nicht selten (wie auch ich als Teenager) mit der Dicke der Schwarten. Tausend Seiten Stoff an Stoff an Stoff kann tough sein.

Status Quo

Heutzutage sind die dicken Büchern weniger mein Schmerz. Ich lese sie immer noch weniger gern als moderat-dicke Bücher, aber ich bin motivierter und lese schneller. Nur mit meinen letzten Ausflügen ins kingsche Universum hatte ich so meine Probleme. Während ich Joyland noch vor einigen Jahren sehr angenehm empfand und Der Anschlag an Spannung und Rührung kaum zu überbieten war, war Mr Mercedes für mich eine Enttäuschung. Konventionell, ein bisschen over the top und zu gewollt effektheischend. Danach mochte ich gar nicht so gern an dicke Wälzer ran, war aber neugierig auf das angeblich feministisch angehauchte Sleeping Beauties. Das ist ebenso falscher Feminismus wie die Idee der starken Frau. Warum muss eine Frau physisch stark sein, um herauszustechen? Warum kann eine Frau nicht wegen irgendwelcher Merkmale großartig sein? Und warum muss die feministische Idee mit einer Gewalteskalation vertreten werden? Nicht Sinn der Sache. Ganz viele Motive aus Stephen-King-Büchern, klar. Aber die gingen hier in eine Richtung, die mich eher abschreckte, weil so absurd und Feminismus so missverstanden.

Bekannte und Arbeitskollegen meinten, dass man als „Stephen King“-Fan unbedingt die Dunkler-Turm-Reihe gelesen haben müsste. Sie wäre sowas wie sein Lebenswerk und ab einem gewissen Punkt genial und meta. Als ich die mit ersten Band Schwarz neulich anfing und darin starker-Mann-Machtbeweise im Niedermetzeln einer ganzen Stadt fand und grottenschlechte Metaphern wie „Der Wind heulte wie eine Hexe mit Magenkrebs“, bekam ich einen wirklichen Glaubenskrieg. Steht das da wirklich? fragte ich mich. Ja, das steht da wirklich. Das Buch schlug ich zu und kam ins grübeln. Hatten die anderen damals Recht? Ist das Schund?

Abbitte und Abhilfe

Nein. Ist es nicht. Die Merkmale der „Stephen King“-Bücher, die ich damals schätzte, sind heute noch genauso wertvoll. Und wie jeder Autor hat er eben Werke, die sind stärker und welche, die sind schwächer. Auf meine Frage in Goodreads, ob ich die Dunkler-Turm-Reihe weiterlesen sollte, wenn ich das Buch anfangs einfach nur schlecht fand und in der zweiten Hälfte dann aber deutlich besser, bekam ich den Tipp es noch mit dem zweiten Buch zu versuchen, denn da würde King zu seinem Stil finden. Also werde ich das tun. Und ich werde auch hin und wieder mal zu einem anderen Stephen King Buch greifen, wenn ich Lust darauf habe. Aber es ist denke ich Fakt, dass ich Bücher heute anders lese als damals. Man wächst, man wird anspruchsvoller, man kann vergleichen, weil man hat mehr gelesen. Und so verändert sich die Sichtweise. Heißt das jetzt, dass ich Stephen King nicht mehr großartig finde?

Alle Welt feiert ein Revival von Stephen-King-Stoffen. Mr Mercedes bekam eine in mehrere Staffeln gegossene und prominent besetzt Serienadaption. Nur ein paar Jahre zuvor waren es Under the Dome und 11/22/63. Castle Rock flimmerte jüngst über amerikanische Bildschirme. Außerdem hatte er mit Netflix einen ziemlichen Lauf – sowohl Geralds Game als auch 1922 basieren auf seinen Stoffen und sein Klassiker ES bekam jüngst eine mehrteilige Verfilmung. Alle Welt liebt nun Stephen King, geht in die Filme, schaut die Serien, liest die Bücher, redet nicht mehr über Schund und du, Miss Booleana, where is the love?

Ja, die ist schon da. Aber was man als Kind und Jugendlicher an Eindrücken gewinnt, hat einen gewissen Stellenwert. Einen besonderen Platz im Herzen. Im Buchclub haben wir neulich über unsere Lieblingsbücher gesprochen und ein Kollege hat dort die (scheinbar valide!) Annahme getroffen, dass Lieblingsbücher mehr so ein Teenager-Ding sind. Dass man im „Alter“ keine Lieblingsbücher dazu gewinnt, weil man kritischer denkt und öfter an etwas gelesenem positives wie negatives findet. Und deswegen hat man oftmals Lieblingsbücher in seiner Teenagerzeit gefunden, die aber aufgrund der damaligen starken Eindrücke und Gefühle einen besonderen Platz im Herzen haben. So ist das vielleicht auch mit den literarischen Helden der Jugend. Ich habe meinen literarischen Held in den vergangenen ein, zwei Jahren abstürzen sehen, weil ich ein anspruchsvollerer Leser geworden bin. Das tut nicht nur metaphorisch weh. Aber ich habe gelernt, dass ich nicht traurig sein muss, weil Stephen King mit seinen an magenkrebs-leidenden Hexen vielleicht nicht so schreibt wie ein Murakami, eine Atwood oder ein Gabriel García Márquez. Muss er auch nicht. Autoren sind unterschiedlich, Bücher sind unterschiedlich, das was sie wollen auch. Man muss sie nicht miteinander vergleichen. Und es ist nicht schlimm, wenn man heute etwas anderes mag als das, was man als Kind oder Teenager mochte. Es ist nur ein Zeichen dafür, dass man nicht stehen geblieben ist. Und es ist auch nicht schlimm, wenn man dasselbe heute noch mag, schließlich hat es einen bestimmten Nerv getroffen.

Hatten ihr an irgendeinem Punkt eures Lebens als Leser auch eine solche Sinnkrise was einen bestimmten Autor betrifft? Oder habt ihr sogar einen Autor mal vollkommen für euch verloren und könnt heute nichts mehr von ihm oder ihr lesen ohne genervt mit den Augen zu rollen? (So einen habe ich auch: Dan Brown.) Was denkt ihr im Speziellen über Stephen King? Wie hat sich euer Literaturgeschmack im Laufe der Zeit verändert? Und könnt ihr die Lieblingsbücher-Theorie vertreten?

13 Antworten

  1. Sehr spannender Artikel und auch mal ein ganz anderes Thema in der großen Buchbloggerwelt!

    Ich bin erst spät zu King gekommen. Während (oder nach?) der Oberstufe habe ich mit „The Green Mile“ meinen ersten King gelesen, dann kam zunächst ein paar Jahre nichts mehr und mit Mitte 20 bin ich dann richtig in den Kingschen Kosmos eingestiegen. Ich persönlich halte King nach wie vor für einen der besten und wichtigsten Autoren unserer Zeit, u.a. aus den von dir schon geschilderten Gründen (menschliche Abgründe, Dynamik politischer und zwischenmenschlicher Entwicklungen …). Deine Gedanken bzw. Kritik kann ich aber durchaus aus zwei Gründen nachvollziehen:
    1) Wie du schon sagst, hat King wie alle Autori*nnen (oder besser: wie alle Menschen) besseres und schlechteres zustande gebracht. Hinzu kommen individuelle Geschmäcker. Ich kann z.B. mit vielen von Kings älteren Horrorklassikern weniger anfangen (bspw. „Friedhof der Kuscheltiere“), liebe aber seine deutlich politisch gefärbteren Romane wie „Under the Dome“/“Die Arena“ und „11/22/63″/“Der Anschlag“.
    2) Erlebe ich es selbst, dass bei manchen Autoren nach einigen Jahren auch eine Art Sättigung eintritt. Besonders stark ist das bei Autor*innen, die jedes Jahr ein bis zwei Bücher auf den Markt bringen – umso mehr, wenn sie dabei erfolgreiche Muster immer wieder anwenden (bei Jodi Picoult sind es z.B. die Schilderung aus unterschiedlichen Perspektiven, darunter immer eines Anwalts/ einer Anwältin, sowie eine Wendung, die das gesamte Geschehen in ein anderes Licht rückt).

    Der Aussage, dass man Lieblingsbücher überwiegend in der Jugend findet, würde ich allerdings widersprechen. Zum einen wird während der Pubertät einfach deutlich weniger gelesen (da spreche ich nicht nur für mich selbst, sondern auch für die Schülerinnen und Schüler aller Schulformen und Jahrgänge, mit denen ich jobbedingt zu tun habe). Zum anderen kann man Lieblingsbücher durchaus auch als Erwachsene*r finden. Ich habe bspw. „Krieg und Frieden“ und „Les Misérables“ als Erwachsene für mich entdeckt und zähle sie unangefochten zu DEN Büchern meines Lebens. Allerdings würde ich soweit zustimmen, dass man die meisten Lieblingsbücher wohl in der Kindheit findet – man hat gerade Lesen gelernt, ,kann all die Welten zwischen den Büchern nun ohne Erwachsene ganz für sich allein entdecken und verfällt so schnell einer Art „Zauber“ bzw. Staunen darüber, was Geschichten vermögen.

    1. Avatar von Miss Booleana
      Miss Booleana

      Haha, ja ich hatte teilweise das Gefühl über ein Tabuthema zu schreiben. In einer Welt in der alle einen nicht in Frage zu stellenden Geschmack und Charakter haben, ist es schwierig Zweifel zu äußern 😉

      Uh, „The Green Mile“ war bestimmt eine hervorragende Einstiegsdroge in den Kingschen Kosmos wie du schreibst 😉 Und ich glaube da ähneln wir uns. Politisch muss es bei mir zwar nicht werden, aber gesellschaftliche Themen oder gar geschichtlich-gesellschaftliche wie in „Der Anschlag“ sind mir auch die liebsten. Die reinen Gruseler sind es nicht ganz so oft, die mich packen. Zumindest heute nicht mehr.

      Ich finde es ja spannend (und hatte mir das auch ehrlich gesagt erhofft), dass die Kommentierer hier das eine oder andere Beispiel für Autoren/Autorinnen nennen, bei denen ähnliche Muster auftreten und sich Sättigung einstellt. Das macht mir Hoffnung, denn scheinbar geht es wirklich jedem Leser früher oder später mit bestimmten Autoren so.
      Den Jodi-Picoult-Effekt hatte ich bei Dan Brown! Aber da waren es auch immer diese Verschwörungen globalen Ausmaßes, die mich irgendwann kalt gelassen haben.

      Und was die Lieblingsbücher betrifft, bist du jetzt offiziell mein Gegenargumen! 😀 Das finde ich schön! Im Buchclub konnte ich es nicht entkräftigen. Es waren nur Leute da, die entweder nich “ das eine“ Lieblingsbuch haben oder eins mitgebracht haben, dass sie in ihrer Kindheit/Jugend/jungem Erwachsenenalter „nominiert“ haben. Mir selber fielen ja eine Menge Bücher ein, die ich großartig fand – einige davon haben wir zusammen gelesen 😉 The Handmaid’s Tale, Ted Chiangs Buch, einige Murakamis, … . Aber bei allem gab es irgendwas, dass meine überschwängliche Liebesbekundung etwas getrübt hat. Man vergibt die Liebe nicht mehr so freizügig und unbedarft im „Alter“ glaube ich ^^“

      1. Hach, immer diese vermeintlichen Tabuthemen. Mir ging es bei der Veröffentlichung meiner Rezension zu „S is for Space“ ähnlich. Es gibt einfach so gefeierte Autoren oder Bücher, dass man damit rechnet, nach öffentlicher Kritik Naserümpfen zu ernten und als Banause betitelt zu werden. Und man fragt sich schon im Vorfeld, ob etwas mit einem selbst nicht stimmt, weil man scheinbar dieses Genie verkannt hat. Eigentlich traurig, dass (insbesondere Vielleserinnen und Querbeetleserinnen wir uns) solche Gedanken kommen. Jeder gewichtet verschiedene Aspekte eines Buches, Filmes etc. anders und nimmt sie auch durch die eigenen (Lebens-)Erfahrungen anders wahr. Abgesehen davon sind erfolgreiche Bücher, Autoren etc. nicht automatisch auch ausnahmslos gut. Wenn das der Fall wäre, müssten wir auch alle „50 Shades“ lieben. 😉

        Stimmt, „The Green Mile“ war ein perfekter Einstieg – vielleicht gerade weil es so anders ist als die Bücher, die man damals mit King assoziiert hatte. Ich kannte allerdings den Film schon und wusste daher, was mich erwartet (auch wenn eine Freundin mich „vorwarnte“, dass das Buch noch viel heftiger sei und gerade die Szenen auf dem elektrischen Stuhl extrem anschaulich geschildert werden).

        Oh ja, Ted Chiang. Auch wenn mich nicht jede Geschichte abgeholt hat, gehören die Kurzgeschichten definitiv zu dem besten, das ich je gelesen habe – da kommt so schnell kaum eine andere Science Fiction ran (zumindest nicht im Bereich der Kurzgeschichten/ Novellen).

        Mit Dan Brown habe ich tatsächlich nie begonnen. Mich konnte damals schon die Verfilmung nicht packen und dass dann kurz darauf die Fortsetzungen kamen, die letztlich ähnliches aufgreifen, hat mein Interesse daran schnell abflauen lassen.

        Ich kann mir aber auch vorstellen, dass es Leser*innen gibt, die dieses Vorgehen nach bewährtem Rezept mögen. Vielleicht ist das für sie eine Art „Zuverlässigkeit“, etwas, bei dem sie keine bösen Überraschungen und damit Enttäuschungen befürchten müssen und bei dem sie wissen: Am Ende geht es gut aus. Wenn ich mir bspw. die Lektüren meiner Mutter ansehe, dann sind die meisten davon schon im Coverdesign, Titel und Klappentext extrem ähnlich. Ich schenk ihr mittlerweile kaum noch Bücher, weil ich bei so viel Ähnlichkeit gar nicht weiß, welche Bücher sie davon schon gelesen hat und welche nicht. Aber sie liest natürlich auch aus anderen Gründen als du oder ich – für sie ist das in erster Linie Entspannung, Unterhaltung und Anlass zum „Wegträumen“. Andere schauen dafür Romanzen oder Komödien im TV, die sich letztlich auch den immer gleichen Mustern bedienen.

  2. Für mich zählt King zu den Schriftstellern, die ich wegen des ausufernden Stils und wegen der Vergleiche, die er haufenweise zieht, nicht mehr lesen möchte. Wenn jemand nach immer demselben Schema schreibt wie John Grisham oder Dan Brown, dann auch nicht mehr.

    Wenn ein Schriftsteller dagegen so schreibt, dass es nicht wie immer derselbe Aufguß wirkt – z.B. Ken Follett -, bin ich gerne dabei.

    1. Avatar von Miss Booleana
      Miss Booleana

      Ja, das immer selbe Schema wie bei Dan Brown hat mich irgendwann auch ordentlich angeödet. Das ist inzwischen auch schon Jahre her … . Aber es ging auch einfach nicht mehr. Der Böse ist ja grundsätzlich ein Kindheitsfreund/alter Freund der Familie oder die vom Ansehen her vertrauenswürdigste Person unter allen Charakteren. Das ist ein bisschen einfach …
      Stephen King, kommt drauf an. Ich bin ja auch kein Fan von dicken Wälzern und Türstoppern, aber in vielen Büchern fand ich seinen ausufernden Stil ganz angenehm. Wenn es aber natürlich ein Thema ist, das nicht gefällt und so gar nix rüberkommt, dann ist es wahrscheinlich ein Killer. Wäre mir mit „Sleeping Beauties“ bestimmt so gegangen.

      Von Ken Follett habe ich noch nichts gelesen, muss ich gestehen. Bisher haben mich die Themen nicht so sehr angesprochen. Hast du einen Tipp?

  3. Stephen King habe ich in meiner Kindheit ganz gerne gelesen und seit damals nicht wieder zur Hand genommen. Der dunkle Turm hat mir damals sehr gut gefallen, da gab es aber nur die ersten drei Teile und das war auch die Zeit, wo King so richtig bekannt war. Ich habe auch aufgehört zu vergleichen und mit der Zeit verändert sich natürlich der Geschmack. In unterschiedlichen Lebensphasen beschäftigen einen andere Themen und ich habe bei mir festgestellt, dass es ganz auf die aktuelle Stimmung ankommt, ob ein Buch passt oder nicht. Ich lese immer wieder mal gerne eine Schmonzette und wenn das der richtige Moment ist, dann ist das perfekt, auch wenn das Buch im Vergleich mit großen Werken der komplette Schund ist.

    Die Frage, ob nun Stephen King gut ist und von vielen als Schundliteratur bezeichnet wird, spielt ja nur dann eine Rolle, wenn du darüber kommunizieren willst und Dich darüber identifizierst, Deine Persönlichkeit bzw. Dein Bild von Dir selbst auch auf Deine Bücher ausdehnst. Das habe ich zumindest für mich festgestellt und bin davon abgekommen irgendwie eine Definition davon zu schaffen, was für Bücher gut sind und man lesen soll/darf und welche nicht. Ich lese das, was mir zusagt, was mir gerade in diesem Moment gefällt und wenn etwas nicht salonfähig ist, dann braucht man es auch nicht breittreten. Die Leute haben ohnehin ihre vorgefasste Meinung, da kann man nicht viel ändern. Beispielsweise halten einen viele für etwas bescheuert, wenn man erzählt, dass man ganz gerne Mangas liest.

    Allerdings frage ich mich, ob ich nun auch mal wieder etwas von Stephen King lesen soll oder nicht. Die dunkle Turm Reihe hatte ich vor Kurzem auch wieder ins Auge gefasst. Wenn es eine schöne Ausgabe geben würde, hätte ich wahrscheinlich schon zugeschlagen.

    Ein schöner Beitrag auf jeden Fall. Vielleicht greife ich auch mal wieder zu einem ganz alten Buch, dass mir damals sehr gut gefallen hat und teste mal die Wirkung, die es so viele Jahre später hat.

    Liebe Grüße und ein schönes Weihnachtsfest
    Tobi

    1. Avatar von Miss Booleana
      Miss Booleana

      Ja, das mit den richtigen Lebensphasen ist bei mir auch ähnlich. Es gibt Bücher, die finde ich heute besser als „damals“ und andersrum. Aber besonders stimmungsabhängig lese ich nicht. Nach der „King-Erkenntnis“ (oder King-Krise) habe ich mir das vergleichen auch abgewöhnt. Man gewinnt eben nichts. Genauso wie wenn man im echten Leben irrationale Vergleiche heranzieht. Mal ein bewusst blödes Beispiel: Warum ist xyz schöner als ich? 😉

      Heute ist mir das eigentlich egal was die Leute sagen. Aber als Kind war es mir nicht egal. Da war der Charakter noch nicht so fest geformt, ich war weniger selbstbewusst und hätte es schade gefunden, wenn Leute denken, dass ich „Schund“ lese. Aber ich habe es trotzdem gelesen. Und damals war er zumindest in meinem Umfeld verpöhnt. Aber ich habe mich daran gewöhnt, denn wie in deinem Beispiel musste ich mir ähnliches anhören, wenn ich über Manga geredet habe.
      Witzig ist, dass sich das Blatt manchmal wendet. Deswegen habe ich den Vergleich oben angebracht, dass Stephen King heute wieder sehr in mode ist, weil ihn alle verfilmen oder Serien-Welten in seine Buch-Welten packen (Castle Rock). Mit Manga ist es denke ich nicht unähnlich.
      Aber heute interessiert es mich nicht mehr. Nur war es für mich interessant mir selber die Frage zu stellen, ob ich heute auch die Bücher die ich damals eisern verteidigt habe schlecht finden würde und vielleicht damals alle Leute recht hatten. Aber wie schon gesagt, sehe ich das nicht so. Nur der ultimative Test steht aus. Denn ich bin leider so gar kein Re-Reader. Bei dünneren Büchern ja, aber bei dicken Türstoppern ist das eher unwahrscheinlich. Naja … mal schauen 🙂 Aber falls du den Beweis bringen kannst und wirklich zu einem alten Buch greifst, bin ich gespannt auf deine Erkenntnisse

      Ja ich muss gestehen ich finde die gängigen deutschen und englischen Ausgaben zur Dunkler-Turm-Reihe auch nicht so hübsch. Und die Graphic Novel spricht mich vom Zeichenstil her leider nicht an …

      Liebe Grüße und ich wünsche dir ebenso ein schönes Weihnachtsfest :3

  4. Ich hatte immer ein etwas gespaltenes Verhältnis zu King. Einige seiner Bücher fand ich großartig (Shining, It oder Misery zum Beispiel) einige total fad (The Girl who loved Tom Gordon) und einige nervig (Christine). Einige seiner Buch- oder Kurgeschichten-Vorlagen wurden auf jeden Fall großartig verfilmt.

    Daher ist es bei mir wahrscheinlich John Irving dessen Bücher ich ein paar Jahre lang verschlungen habe. Jedes neu erschienene Buch mußte ich umgehend kaufen und lesen und auf einmal zack – wars vorbei. Erst eines ewig nicht beendet, dann lange kein neues mehr gekauft und dann irgendwann einen Zufalls-Flohmarkt-Fund (Until I find you) entnervt in die Ecke gepfeffert und seit dem ü-ber-haupt keine Lust mehr auf Irving. Denke gerne noch an die frühen Werke zurück, aber irgendwie ist es aus mit uns 😉

    So schlimm ist es bei Dir und King ja noch nicht, von daher vielleicht kommen da ja noch Werke die dich wieder völlig begeistern oder lieber doch vorsichtshalber aufhören?

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall jetzt gerade über Weihnachten viel Lesezeit und Lektüre die dich begeistert und im richtigen Sinne fordert.

    Ganz liebe Grüße, Sabine

    1. Avatar von Miss Booleana
      Miss Booleana

      Inzwischen denke ich auch, dass es fakt ist, dass einige von Kings Büchern es mehr in sich haben als andere. Aber da du It gelesen hast, kurz Offtopic: wie stehst du eigentlich zu der so umstrittenen Szene zwischen den Kindern? Ich habe das Buch nie gelesen, aber mich immer gewundert wie ich das aufgefasst hätte. Aus dem Kontext gegriffen, wirkt es sehr strange, aber bei Kings ausufernder Charakterisierung machen Dinge vllt mehr Sinn, wenn man das ganze Buch gelesen hat.

      John Irving!! Von dem habe ich Greenhorn letztes Jahr das erste Mal was gelesen (den Garp) und gemocht, war aber auch überrascht aufgrund der unzähligen Themen, die in einem Buch auf einen einprasseln. Weiß nicht, ob das bei seinen anderen auch so ist. Plane aber das zu ändern und mehr von ihm zu lesen. Bin mal gespannt, ob ich dann auch gesättigt bin.
      Aber es waren bei ihm keine wiederkehrenden Muster, die es dir verdorben haben, oder? Siehe „Dan-Brown-Effekt“? Ob ich mir den Titel „Dan-Brown-Effekt“ schützen lassen kann?

      Ich probiere das mit dem King auf jeden Fall weiter aus. Nächstes Jahr gehts mit dem Dunklen Turm weiter habe ich beschlossen. Und sein neustes „Erhebung“(?) oder so?? wollte ich auch mal lesen. Und eins steht noch im Regal … aber woran ich mich aufgrund des Türstopper-Charakters seiner Bücher wohl doch nicht wage ist der ultimative Test, d.h. ein Buch lesen, dass ich damals großartig fand um herauszufinden, ob ich es heute immer noch mag. Zu viel … v.A. zuviele Bücher im Regal, die noch ungelesen sind. Hmmmm

      Vielen Dank 😀 Ich wünsche euch auch eine wunderbare Weihnachtszeit und Zeit zur Erholung, mit gutem Essen und guten Büchern

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