Fantastischer Film: Ganz weit hinten

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Ganz weit hinten – das ist der Platz von Duncan (Liam James). Nicht nur im Auto von Trent (Steve Carell), dem neuen Freund seiner Mutter (Toni Collette), sondern irgendwie auch im Leben. Er wird von Trent und dessen Tochter (Zoe Levin) als Loser abgestempelt und gibt sich mit dieser Rolle zufrieden. Die vier fahren nach Cape Cod und machen in Trents Ferienhaus Urlaub, wo sie auch alle anderen wissen lassen, dass Duncan in ihren Augen ein Nichtsnutz ist. Seine Mutter tut wenig dagegen. Dann fährt er rum, um den liebevollen Menschen in seiner Umgebung zu entgehen und lernt zufällig den Leiter des Water Wizz kennen, eines Wasser-Freizeitparks. Der heißt Owen (Sam Rockwell), ist viel cooler als man sich den Leiter von irgendwas vorstellt und nimmt Duncan kurzerhand mit, der von da an im Water Wizz arbeitet, viel fürs Leben dazulernt und neues Selbstvertrauen gewinnt.

„GANZ WEIT HINTEN Trailer Deutsch HD German © FOX“, via FoxKino (Youtube)

 

Die vorher v.A. als Schauspieler bekannten Nat Faxon und Jim Rash steuerten das Drehbuch zu The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten bei und kamen 2013 mit diesem Coming-of-Age-Feelgood-Movie zurück. Die Geschichte ist eine, die in leichten Komödien über missverstandene Jugendliche immer wieder in genau derselben Bauart auftritt. Junge oder Mädchen hat Probleme, fühlt sich missverstanden, wird vernachlässigt und hat quasi kein vorhandenes Selbstbewusstsein. Die Familie lässt ihn/sie im Stich und er/sie hat keine Ahnung wo der Platz in der Welt für ihn/sie ist. Dann kommt ein love interest ins Spiel – und ist vielleicht sogar angetan, aber irgendwie traut sich unser kleiner Antiheld nicht. Dann tritt aber jemand in sein Leben und das Blatt wendet sich. Und zum Schluss wird alles gut und er/sie hat zu sich selbst gefunden. Und das Mädchen bzw. den Jungen abbekommen. Ist das so? Naja, um rauszubekommen, ob das wirklich so ist, muss man wohl den Film schauen. 🙂 Aber das Grundgerüst ist sehr ähnlich.

Ganz weit hinten handelt von Selbstvertrauen, aber auch von Anerkennung und Freundschaft, von Familie und Beziehungen und wie sich Menschen zueinander verhalten. Es ist schon fast tragisch wie sehr Duncans Mutter an einer ätzenden und ungesunden Beziehung festhält, um nicht alleine sein zu müssen. Die Situation eskaliert, als Duncan seine Stimme wieder findet und nicht mehr „ganz ganz weit hinten“ sein will. Der Film funktioniert deswegen so außergewöhnlich gut und setzt sich von anderen ab, weil Leichtigkeit dominiert. Die Handlung fühlt sich natürlicher an, weil die großen tränenreichen Momente ausbleiben und der Film am Boden bleibt. Und die großartigen Angestellten des Water Wizz sind so schön skurril oder schrullig, dass es einfach Spaß macht und das bekannte Schema F vergessen lässt. Sam Rockwell und Maya Rudolph tragen dazu einiges bei und feuern mehrere Salven an so witzigen Sprüchen ab, dass ich aus jeder dritten Szene ein Gif machen möchte und man nach dem Film kaum still sitzen kann. Große Empfehlung.

Ganz weit hinten (OT: The Way, Way Back), USA, 2013; Nat Faxon, Jim Rash; 104 min

Jeden Monat stelle ich einen Film vor, den ich für einen fantastischen Film halte – losgelöst von Mainstream, Genre, Entstehungsjahr oder -land. Einfach nur: fantastisch. 😆