Neulich im Kino … Filmbesprechung zu „Downton Abbey“

Bevor der Oktober mit alle seinem Halloween und Horror, der Herbst mit seinen dunklen, nassen Abenden und das Jahresende mit gruseligen Jahresrückblicken und der Erkenntnis endet wie schnell 365 Tage vorüber sind, brauchen wir nochmal etwas Kuscheligkeit, Geborgenheit und gute alte Zeiten, oder? Der „Downton Abbey“-Film kann dabei durchaus behilflich sein. Vor Allem für Fans der Serie. Besprechung ist selbstverständlich spoilerfrei.

Zwar bin ich ein großer Fan der Serie, aber ich muss gestehen, dass ich nicht allzu erpicht auf den „Downton Abbey“-Film war. So hatte die Serie doch ein gutes Ende, das für nahezu alle Charaktere eine Form von Glück und Happy End versprach. Und solches Aufkochen bewährter, aber eigentlich abgeschlossener Stoffe, stinkt mir doch immer zu stark nach Geld. Wenn dann aber das Klingeln der Dienstbotenglocke ertönt, das Silber geputzt wird, dann schmeckt das so angenehm nach der leicht verkitschten Nostalgie und dem Historiencharme des einst gesuchteten Upstairs-Downstairs-Dramas. Da können wohl die meisten Fans kaum widerstehen. Ich jedenfalls konnte es nicht. Und als dann das „Downton Abbey“-Theme ertönt und man Highclere Castle, ähem Downton Abbey meine ich natürlich, erscheint, dann kann man sich nach all den Jahren ein Grinsen und Gefühl von Heimeligkeit nicht verkneifen. Hier ist alles noch gut, hier gibt es Butler, Ehre und die Charaktere heißen Bertie oder Edith.

Aber Reden wir aber mal über die Handlung. Die Prämisse ist nämlich dann doch etwas dünn. King Georg V. (Simon Jones) und seine Gemahlin Maria von Teck (Geraldine James) touren durch das Land, statten ihrem Volk und den angesehenen Häusern einen Besuch ab. Sie wollen währenddessen Lord und Lady Grantham einen Besuch abstatten, auf Downton Abbey nächtigen und speisen. Manche Leute können sich eben doch selber einladen. Das Haus ist in Aufruhr. Viel will vorbereitet werden. Man fühlt sich geehrt, etwas unter Druck gesetzt, aber die Gelegenheit ist einmalig. Und die Enttäuschung ist groß als die königlichen Diener anreisen, das Ruder übernehmen und kein gutes Haar an Downton Abbey lassen.


„DOWNTON ABBEY | Official Trailer | In Theaters September 20“, via Focus Features (Youtube)

Wer sich der Begeisterung um royale Würdenträger nicht anschließen kann, dem sei gesagt, dass auch nicht alle in Downton Abbey vor Verzückung angesichts des hohen Besuches seufzen und feuchte Augen kriegen. Allen Leech spielt Tom Branson, der aufgrund seiner politischen Einstellung ein wenig ins Kreuzfeuer gerät. Außerdem führt es zu comic relief, für den v.A. Kevin Doyle als Joseph Molesley sorgt. Dass aber natürlich die gesamte königliche Dienerschaft aus bornierten, schlecht gelaunten (und gut gespielten) Drecksäcken besteht, ist ein bisschen zu einfach. Und wenn sich die Dienerschaft Downton Abbeys dagegen einstimmig wehrt, dann freut das zwar den Zuschauer, dass sie damit durchgekommen wären ist doch aber eher sehr unwahrscheinlich. Kurzum: diese ganze königliche Sache ist ein bisschen Käse. Aber macht auch Spaß. Toms Geschichte, die mit einer (nicht allzu krassen oder actionreichen) Spionage-Anekdote daherkommt sorgt für Abwechslung und gibt dem Film dankbarerweise eine Note, die nicht im Trailer absehbar war. Worin Downton Abbey aber schon immer gut war und was den Film letzten Endes dann interessanter macht, ist dass so gut wie jeder hier in der Geschichte seine fünf Minuten Ruhm und Screentime bekommt.

Manche dieser persönlichen Dilemmata sind etwas dünn oder wiederholen sich verglichen zur letzten Staffel der Serie. Beispielsweise wenn Mary (Michelle Dockery) wieder mit ihrer Rolle hadert oder man bedauern muss, dass Edith (Laura Carmichael) ihre emanzipierte Rolle als Redakteurin zugunsten „höherer Pflichten“ aufgegeben hat. Dass Thomas Barrow (Robert James-Collier) als Butler nochmal zugunsten Carsons (Jim Carter) abtreten muss, der doch eigentlich im Ruhestand war, wirkt wie zehn Schritte zurück statt vorwärts. Andere Geschichten haben ein bisschen mehr „Relevanz“ und Zündstoff. Eine meiner persönlichen Lieblingshandlungen war die um eben jenen Thomas Barrow, der versteckt lebend homosexuell ist. Und sollte er es wagen das auszuleben, drohte in der damaligen Zeit Gefängnis oder schlimmeres. Was die Serie mehrmals angerissen hat, bringt der Film zu einem Ende. Ich verrate natürlich nicht welcher Natur. Andere Charaktere, die mehr Aufmerksamkeit bekommen sind Tom Branson, Violet Crawley (Maggie Smith) und einige extra für den Film eingeführte Charaktere wie die von Imelda Staunton gespielte Maud Bagshaw oder auch Tuppence Middleton als Lucy Smith.

Handwerkliche Mängel … gibt es nicht. Dieses Downton Abbey glänzt in allen Facetten. Letzten Endes stellt sich bei einem „Film zur Serie“ zum Einen die Frage: können Nicht-Fans es verstehen? Es ist zum Großteil dafür gesorgt. So wird beispielsweise die Geschichte von Edith und Tom in wenigen Sätzen nebenbei in irgendeiner Unterhaltung aufgerollt. Ob ein Nicht-Kenner der Serie das alles aufnehmen kann ist individuell, fraglich, nicht beantwortbar. Für Nicht-Fans ist der Film mit seiner etwas hakeligen Handlung ein allzu seichtes Erlebnis, dessen ganze Vorgeschichte sich vielleicht nicht vollständig erschließen kann. Aber der Funke und Charme der Serie springt vielleicht über oder ist erkennbar. Was Downton Abbey immer noch besser kann als andere Upstairs-Downstairs-Stoffe ist den Bediensteten soviel Anerkennung und Screentime zukommen zu lassen wie den Lords und Ladys und auch mal Grauschattierungen einzuführen. Für Fans ist es eine angenehme Rückkehr in ein lieb gewonnenes zweites Zuhause mit Träumen von besseren Zeiten. Und es ist vollkommen okay, wenn Kino einfach Spaß macht.

Downton Abbey, UK, 2019, Michael Engler, 122 min, (7/10)

Sternchen-7

Wie seht ihr das? Verfilmungen zu abgeschlossenen Serien yay or nej? Fans von Breaking Bad können da auch gern mitreden – aus aktuellen Anlass. 😉 Seid ihr „Downton Abbey“-Fans und wie hat euch der Film gefallen? Oder boykottiert ihr den gar? Wer sich mal von der Serie ein Bild machen will, findet sie übrigens im Angebot von Amazon Instant Video (Prime). Und wer keine Angst vor leichten Spoilern hat, kann mal hier etwas über Thomas Storyline und Homosexualität im frühen bis mittleren 20. Jahrhundert nachlesen.

7 Antworten

  1. Ich bin da ganz bei dir. Das ist Wohlfühl-Kino ohne Experimente. Ein Film wie eine lange TV-Episode.

    1. Avatar von Miss Booleana
      Miss Booleana

      Das mit der Serienepisode trifft es ganz gut 🙂

  2. Ich boykottiere nach wie vor fröhlich alles ab dem Ende der 3. Staffel 😉 Für mich hätte die Serie genau da enden müssen.

    1. Avatar von Miss Booleana
      Miss Booleana

      Haha, ja warum nicht!? 😉 War zwar dann ein sehr dramatisches Ende … . Aber manchmal ist es eben so, dass man auf alles weitere verzichten kann. Supernatural hätte nach der 5. Staffel enden sollen, wenn es nach mir geht. Tatsächlich sind die bei mindestens 13 oder so. Krass. Und Broadchurch habe ich nach der ersten Staffel auch nicht weitergeschaut und bin sehr zufrieden damit.

  3. Ich geb zu, ich hatte vor Jahren irgendwann mal aufgehört mit schauen. Aber ich bin natürlich ab und an daran, mal wieder von vorn zu starten und Downton Abbey in allen Facetten noch einmal zu genießen. Mal schauen, ob dieses Jahr das richtige ist. Man muss ja auch in der Stimmung für solche Filme/ Serien sein. Also abwarten. Aber danke für deinen Bericht 🙂

    1. Avatar von Miss Booleana
      Miss Booleana

      Oh, das kann ich mir gut vorstellen. Schließlich kannst du dann auch schön alles nacheinander durchsuchten und den Film on top schauen. 🙂 Vielleicht findest du das ja in den Herbst- und Wintermonaten ganz schön!? Zumindest sind da einige Weihnachtsepisoden dabei und generell sorgt die Serie ja für heitere Atmosphäre, das kann man ja manchmal bei nasskaltem Wetter brauchen.

  4. […] dass es einen zweiten Downton Abbey Film geben wird. Das war relativ kurz nachdem wir den ersten Downton Abbey Film schauten und ich war nicht besonders aufgeregt. Klar, ich bin ein Riesen Downton Abbey (DA) Fan und […]

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