Fantastischer Film: Predestination

Posted by in 2014, Arthouse & Indie, Australien, Drama, Fantastische Filme, Film, Review, Science-Fiction, Spielfilm, Thriller

„Kommt ein Mann in eine Bar … .“ Was der Aufhänger vieler schlechter Witze ist, bringt das Geschehen im australischen Zeitreisefilm Predestination erst richtig ins Rollen. Ein Agent (Ethan Hawke) ermittelt verdeckt im Fall des sogenannten „Fizzle-Bombers“, der tausende Menschenleben fordert. Der Bombenleger bedient sich derselben Technologie wie der Agent um durch die Zeit zu reisen und scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein. Nach einer Konfrontation mit dem Bomber, die fast tödlich für den Agenten ausgeht, macht er den nächsten Schritt. Er arbeitet verdeckt als Barkeeper und erwartet die Ankunft eines Mannes. Nichts davon ist Zufall. Er verwickelt ihn in ein Gespräch und hört sich dessen Geschichte an. Eine Geschichte, die nicht nur letzten Endes zum Fizzle Bomber führt, sondern dem Zuschauer eine Erkenntnis nach der anderen abringt und in einem scheinbar perfekten, kausalen Paradox mündet und einem Ende, das fassungslos macht.

„PREDESTINATION Trailer German Deutsch [2015] Ethan Hawke“, via Moviepilot Trailer (Youtube)

Mehr kann man leider nicht sagen ohne zu spoilern und zuviel zu verraten. Nur noch soviel: das Paradox, das sich vor den Augen des Zuschauers entfaltet, lässt einem vor Staunen den Mund offen stehen. Der Film basiert auf dem Roman „All You Zombies“ von Robert A. Henlein, einer Koryphäre der Sci-Fi-Literatur und ist mit viel Raffinesse geplant. Ein echter Mindfuck, der einen für eine Weile nicht loslässt. Die Zeitreise an sich gerät auf angenehme Weise zugunsten des Paradox‘ in den Hintergrund und gibt dem Dilemma der Charaktere viel Spielraum. Durch die Geschichte, die der Mann in der Bar erzählt und die vom Leben und Werdegang der Waise Jane (großartig gespielt von Sarah Snooke) erzählt, wirkt der Film über weite Strecken wie ein Drama. Man fragt sich sogar wohin die Reise gehen soll und worauf der Mann in der Bar hinaus will. Es hängt über den Köpfen der Zuschauer wie eine düstere Ahnung, die letzten Endes um ein vielfaches getoppt wird und eine bittersüße Geschichte entfaltet. Das Paradox ist perfekt, Sarah Snooke in ihrer Doppelrolle ist perfekt und das Einbinden des Themas Gender Identity gibt dem Film das bisschen „Mehr“ zum Nachdenken und setzt dem Ganzen das Sahnehäubchen auf. Zwar fragt man sich immer noch ob es um 1970 wirklich schon Kontaktlinsen gab – aber das und viele andere kleine Fakten ist man gewillt angesichts der viel größeren Themen zu vernachlässigen.

Predestination, Australien, 2014, The Spierig Brothers, 97 min

Jeden Monat stelle ich einen Film vor, den ich für einen fantastischen Film halte – losgelöst von Mainstream, Genre, Entstehungsjahr oder -land. Einfach nur: fantastisch. 😆