Serienlandschaft: Besprechungen in fünf Sätzen („Doctor Who“ Season 11, „Love, Death & Robots“ Season 1, „Game of Thrones“ Season 8 unvm)

Ich jammere ja ständig darüber, dass sich hier unendlich viele Serienbesprechungen stapeln, die geschrieben werden wollen. Wann habe ich soviele Serien geschaut? Eben über das Jahr verteilt. Und um den SUB (hier: „Stapel ungeschriebener Besprechungen“ 😉 ) abzubauen, wage ich dieses Mal etwas, das mir von Natur aus schwer fällt. Mich kurz fassen. Jede Besprechung muss in fünf Sätzen geschrieben sein. Endlose Aneinanderreihungen von Nebensätzen und zu lange Aufzählungen sind nicht erlaubt. Challenge accepted. Übrigens spoilerfrei für die Staffel, die ich reviewe. Nicht spoilerfrei für vorangegangene Staffeln. In fünf Sätzen auch ich ja auch gar keine Zeit zu spoilern!


„Doctor Who: Series 11 Trailer #2“, via Doctor Who

„Doctor Who“ Season 11

Jodie Whittaker übernimmt als erste weibliche Doctor und macht ihre Sache so gut, dass es sich anfühlt als wäre sie schon immer Doctor gewesen. Ein kleines Manko ist, dass ihr ein Alleinstellungsmerkmal fehlt, das sie stärker von vorherigen Doctors abhebt – oder soll das die Weiblichkeit sein? Ein etwas größeres Manko an der Staffel ist, dass es an einem übergreifenden Plot und damit einhergehend einem „Big Bad“ fehlt. Die Stenza alleine sind dafür verglichen zu früheren und markanteren Big Bads etwas wenig, auch wenn sie grauenerregend und widerlich aussehen. Ansonsten finde ich die Companion-„Gang“ cooler als erwartet; habe sehr die Episode gefeiert, die in einem Unternehmen spielt, das deutlich an Amazon angelehnt ist und habe jetzt sehr viel Respekt vor Luftpolsterfolie!

(7/10)

Sternchen-7

„LOVE DEATH + ROBOTS“ Season 1

Die Netflix-Serie von Joshua Donen, David Fincher, Jennifer und Tim Miller widmet sich mittels des Anthologie-Prinzips pro Folge eines der drei titelgebenden Themen Liebe, Tod und/oder Robotern in jeweils kurzer Laufzeit von sieben bis nur zwanzig Minuten. Die Themenvielfalt, der visuelle und narrative Stil und die Atmosphäre könnte dabei kaum unterschiedlicher sein, da alle Episoden von verschiedenen Drehbuchautoren, Darstellern, Regisseuren und gar Studios aus anderen Ländern stammen. Dank des Konzepts und der geringen Laufzeit, muss man sich mit Stoffen, die einem nicht gefallen ja auch nicht lange abgeben wie in meinem Fall „When the Yogurt Took Over“, der mir nix war. Wir begegnen u.a. 3D-animierten Beast Fights mit Twist, drei Robotern die den Grund für das Aussterben der Menschen an ungewohnter Stelle entdecken; einem Pärchen, das in ihrem Tiefkühlfach auf eine kleine Zivilisation trifft und in meinen zwei Lieblingsgeschichten mit sehr eigenwilligem Animationsstil der Frage nach freiem Willen und Bestimmung (in Zima Blue) und in The Witness erleben wir einen unmöglichen Mord. Ob nun aber die von Netflix erprobte userabhängige Anzeigereihenfolge der Episoden irgendeinen Gewinn bringt, vage ich zu bezweifeln.

(8/10)

Sternchen-8

„Game of Thrones“ Season 8

Die allgemein an dem Serienfinale geübte Kritik hat ihre Berechtigung, wobei ich aber auch sagen muss, dass ich sie nicht abgrundtief schlecht fand. Zwar gelingt es der Serie ein an ihren Bildern gemessen phänomenales Ende und v.A. eines unter Berücksichtigung vieler Charaktere zu schaffen, aber es rutscht dabei eben leider in Konventionalitäten ab, die unter dem Niveau des Rests der Serie sind. Beispielsweise war die Schlacht von Winterfell an vielen Stellen an Doofheit kaum zu überbieten, gemessen an dem Fakt wieviele Überlebende es gibt und wieviele cooler, aber unplausible Stellen es gab (Stichwort Hechtsprung). Was den Wandel von Daenerys (Emilia Clarke) betrifft, kann ich das Echo an vielen Stellen ausnahmsweise nicht nachvollziehen, weil ich die Entwicklung für absehbar halte und es lediglich sehr ungeschickt in viel zu kurzer Zeit erzählt wurde und damit alles unplausibel macht. Die Serienschaffenden haben damit die Serie auf eine eben leider unwürdige Weise beendet, die aber trotzdem reich an Momenten ist, die man vor Spannung kaum abwarten konnte.

(7/10)

Sternchen-7

Beware: FULL of SPOILERS:

„9 Reasons Why ‚Game Of Thrones‘ Season 8 Was A Huge Disappointment“, via Insider (Youtube)

Better: but FULL of SPOILERS! (auch wenn ich mit der Abwesenheit Sansas in dem Video nicht zufrieden bin und auch nicht mit Daenerys)

„Game of Thrones: Wie es hätte enden sollen“, via Think Story (Youtube)

„Counterpart“ Season 2

„Counterpart“ Season 1 wurde für mich mit seinem Mix aus Agententhriller, Science-Fiction und Dystopie schnell zu einer der Top-Serienstaffeln, die ich 2019 gesehen habe. Schade nur, dass die zweite Staffel in Konventionalitäten abrutscht und nicht mehr ganz so stark fesseln kann wie die erste. Die Geschichte der zwei Howards (J. K. Simmons) und inzwischen zwei Emilys (Olivia Williams) bringt ein paar neue Erkenntnisse, aber der Rollenwechsel zwischen den Howards ist reibungsloser als erwartet. Heißt, dass es nicht zu dem Korrumpieren des guten Howard (Alpha) kommt, obwohl ihm in der zweiten Staffel sehr viel abverlangt wird. Es ist allerdings ein schöner Kniff noch mehr der Doppelgänger aus der anderen Welt kennenzulernen und zu zeigen wie es überhaupt zu der Passage und dem Riss zwischen den zwei Welten kam. Das Ende und die politische Note der Serie ist trotz erzählerischer Schwächen aber immer noch großartig und zeigt, dass Menschen auseinanderdriften können, sobald sie sich bedroht fühlen, obwohl sie sich näher stehen als alle anderen.

(8/10)

Sternchen-8

„Stranger Things“ Season 3

Zwar fiel meine Meinung zu „Stranger Things“ Season 2 direkt nach dem Schauen noch recht freundlich aus, leider empfand ich die Staffel dann aber im Nachhinein als zu dröge und zu ähnlich zur ersten. Die dritte hingegen schafft aber viele neue Impulse und schupst unsere Lieblingsnerds und -nerdinen in Situationen, die stark nach „sie werden so schnell erwachsen“ klingen und irre viel Spaß machen. So erleben wir Beziehungsclinch und -glück (L x Mike und Dustin x potentiell imaginäre Freundin? 😉 ), Gespräche über Vertrauensbasis mit Hopper (David Harbour) als grummeligen Stiefvater und kleine Perlen in der Nebenhandlung, der auch mal anderen Charakteren mehr Raum gibt. Für mich ganz vorn dabei die Emanzipation der Nancy Wheeler (Natalia Dyer), die Frage ob Billy (Dacre Montgomery) nur ein missverstandener Macho ist und ob Mrs Wheeler (Cara Buono) schwach wird oder ihrer Familie treu bleibt und der endgültige Ritterschlag, der Steve (Joe Keery) zu einem von den guten macht. Mit neuen Monstern, neuen Einflüssen (Kalter Krieg, Sowjets) und neuen Anleihen an Popkultur (der Terminator und Back to the Future lassen grüßen!) und einem unglaublichen Tränenzieher von einem Ende hat die Staffel insgesamt eine Menge zu bieten, wenn auch der eine oder andere Twist und manche Entscheidungen vorhersehbar und „konventionell“ bleiben.

(8/10)

Sternchen-8


„Stranger Things 3 | Official Final Trailer | Netflix“, via Netflix (Youtube)

Ich konnte nicht widerstehen …


„Robin Sparkles-Let’s Go To The Mall‘ (full version).“, via imawesomeandbea (Youtube)

„Babylon Berlin“ Season 2

Babylon Berlin hält sich für mich in der zweiten Staffel geschmeidig die Waage, indem es ein paar Dinge schlechter macht als in der ersten Staffel und dafür ein paar andere besser. Mit dem einen oder anderen plötzlichen und schockierenden Tod eines Charakters ist es wohl sowas wie das deutsche „Game of Thrones“ unter den historischen Stoffen und Krimis. Sehr unglaubwürdig ist leider wie ein sehr prominenter Charakter der Serie nochmal davonkommt, was für einiges an Stirnrunzeln sorgen dürfte. Der Serientod hätte allerdings, da bin ich mir sicher, für wesentlich mehr Unmut gesorgt. 😉 Bei dem phänomenalen BÄM am Ende, verzeiht man sogar die minder tollen Effekte im großen Showdown.

(9/10)

Sternchen-9

„Chilling Adventures of Sabrina“ Season 2

In der ersten Staffel gelang es Chilling Adventures of Sabrina einen feministischen Unterton aufzubauen, wobei die Serie den meistens mit der sexualisierten Darstellung der Teens und anderen Schwachheiten populärer Serien selber wieder einriss. Die zweite Staffel macht das nun ein bisschen besser, indem sie viele Charaktere neben Sabrina ins Rennen um ihre persönliche Freiheit schickt. Darunter allen voran „Mrs Wardwell“ aka Lilith (Michelle Gomez), Sabrinas Tante Zelda (Miranda Otto), Prudence (Tati Gabrielle) aber auch Lachlan Watson als Susie bzw Theo. Eine weitere Sache, die die Serie seit der ersten Staffel recht erfolgreich aufrecht erhält ist die Atmosphäre, denn es gibt wohl keine Serie die „halloweeniger“ ist inklusive Anleihen an H.P. Lovecraft, Erwähnung von Autoren des Genres wie Shirley Jackson oder auch der sehr geilen Tarot-Folge. Rein narrativ ist die Staffel aber weitaus zu naiv und es gibt nicht selten Momente in denen man denkt „Warum?? Warum nur???“, weswegen man auch die einen oder anderen Krokodilstränen nicht ganz für voll nehmen kann.

(7/10)

Sternchen-7

Ich denke das sollte eine olympische Blog-Disziplin werden! Was meint ihr? Aber es tut auch ein bisschen weh so viele gute Serien mit so wenigen Worten abzutun. Der SUB ist übrigens noch nicht abgebaut. Heute fiel lediglich meine Wahl auf Serien, bei denen es schon so lange her ist, dass ich sie geschaut habe, sodass ich für eine lange Besprechung mehr recherchieren müsste. So beispielsweise im Fall von „Counterpart“ Season 2 oder „Babylon Berlin“ Season 2. Bei anderen Serien gäbe es unendlich viel zu sagen und mein Diskussionspotential ist eigentlich groß. Aber andererseits wurde über die schon überall geredet und es hat sie gefühlt jeder gesehen – was gibt es da noch zu sagen, was nicht bereits gesagt wurde? So beispielsweise bei – mal raten? Natürlich allen voran „Game of Thrones“ Season 8, oder auch „Stranger Things“ Season 3. Ich hoffe aber, dass ihr trotz (oder gerade wegen?) der Kürze Lust auf Diskussionen habt. 😉

Immer zwischen dem 5. und 10. eines jeden Monats mache ich einen kleinen Ausflug in die Serienlandschaft. Ob aktuelle Serien, all-time-favorites, irgendeine TOP-5 oder einfach ein paar zerstreute Gedanken: es ist alles dabei :).

4 Antworten

  1. Sehe das mit GoT und Daenerys wie du. Das musste einfach passieren. Sieben Staffeln lang Foreshadowing und dann passiert nichts mit Daenerys? Gar ein Happy End? Das wäre völlig unglaubwürdig gewesen. Aber dass die Staffel viel zu schnell durchgezogen wurde, stimmt auch.

    1. Avatar von Miss Booleana
      Miss Booleana

      Wobei ich sagen muss, dass mir das foreshadowing in den letzten ein, zwei Staffeln etwas abhanden gekommen ist. Da musste ich erst wieder dran erinnert werden. Konkret als dieser Satz mit der Münze kam.
      Na wenigstens bin ich mit der Ansicht nicht alleine 😀 Ich hab mich mit der Meinung schon das eine oder andere mal unbeliebt gemacht. Klar, ich hätte auch gern ein Happy End gesehen, aber es wäre nicht realistisch in der Welt von GoT gewesen

  2. Da hattest du ja wirklich ein gutes Händchen bei der Auswahl der Serien 🙂 Wo kann man denn Counterpart sehen?

    1. Avatar von Miss Booleana
      Miss Booleana

      Naja, es waren auch „Nieten“ dabei bzw welche die nicht meinen Geschmack trafen, aber die habe ich mir für einen anderen Beitrag aufgehoben. XD Letzten Endes ist es eh Geschmackssache mit einer gewissen „objektiven Tendenz“ …

      Counterpart kann man leider nur auf dem STARZ Channel auf Amazon Instant Video sehen. Ist also leider nicht in Prime drin. Den Channel muss man abonnieren und der kostet rund 5€ im Monat. Immerhin kann man den monatliche kündigen und bekommt einen Probemonat oder sowas – vllt schafft man es da die Serien zu schauen 😉

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