Serien-Besprechung: „Into the Badlands“ Season 3

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Ach ja … „Into the Badlands“ (ItB) hat mich einst als wilde Mischung aus Martial Arts und Fantasy begeistert. Was die Handlung mit billigen Twists und sehr variablen Moralvorstellungen nicht so ganz halten konnte, machte der visuelle Stil wieder gut und das coole World-Building. Aber irgendwie drehte sich zu sehr im Kreis als dass ich motiviert war die dritte und letzte Staffel zu schauen. Nach Jahren habe ich das nun nachgeholt. Die Besprechung ist an sich spoilerfrei, aber enthält milde Spoiler für ItB Staffeln eins bis zwei.

„This is not my war“

Into the Badlands ist möglicherweise vom Radar vieler Zuschauer verschwunden oder dort nie aufgetaucht. Die Genre-Mischung ist speziell: Martial Arts meets Post-Apocalypse meets Fantasy. In der dritten Staffel stehen nur noch zwei von vielen Barons, die die Badlands beherrschen: „The Widow“ Minerva (Emily Beecham) führt einen erbitterten Krieg gegen Baron Chau und muss sich der Kritik stellen, dass sie zwar immer sagt die Badlands zu einem besseren Ort machen zu wollen, aber erstmal nur Kriegsopfer sät. Ihre Ziehtochter Tilda (Ally Ioannides) steht ihr inzwischen als Anführerin einer Rebellengruppe feindlich gegenüber und MK (Aramis Knight) befindet sich in Gefangenschaft Minervas, die versucht dank ihm herauszufinden wie man die „Gabe“ zurückerlangt, die auch bei MK blockiert zu sein scheint. Währenddessen ist Sunny (Daniel Wu) mit seinem kleinen Sohn Henry vor Kopfgeldjägern auf der Flucht und muss auch noch entdecken, dass Henry an einer mysteriösen Krankheit leidet. Ganz nebenbei ist Bajies (Nick Frost) Hilferuf nach verbliebenen Bewohnern des einstigen Azras doch nicht unerhört geblieben. Der Missionar Pilgrim (Babou Ceesay), die Priesterin Cressida (Lorraine Toussaint) und ihr Gefolge kommen in den Badlands an und wollen genau das zurückbringen, was für viele in den Badlands noch immer eine Sage ist: Azra.


„Watch Into The Badlands Season 3 Trailer“, via TV Guide Trailers (Youtube)

„It’s been colorful“

Die dritte Staffel erfüllt eigentlich eine Menge Wünsche. Wir erfahren von Sunny und wo er herkommt, wir erfahren etwas über das Leben in Azra und den Niedergang dieses sagenumwobenen Ortes. Auch der Kampf der Barone kommt vielleicht zu dem lange, lange, lange erwarteten Abschluss. Aber es fühlt sich keineswegs nach vielen Fortschritten an, was an der sich selbst nach dem selben Mustern verlängernden und wiederholenden Handlung liegt. Kaum, dass ein „Böser“ ausgeschaltet ist, tritt wie aus dem Nichts der nächste Gegenspieler auf und zögert das Finale hinaus. Ein neues Machtungleichgewicht entsteht. Neue Bündnisse werden geschmiedet. Wir waren gerade noch Feinde? Jetzt auch egal. Hauptsache überleben in den Badlands. Das funktioniert nur so lange es funktioniert und das war schon irgendwo vor der dritten Staffel am Ende.

Dass all das nicht besonders gut geplant ist, wird beispielsweise deutlich am plötzlichen Auftauchen der Vereinigung des Black Lotus, die angeblich überall in den Badlands Posten haben und die es seit Zeiten Azras gibt und die seitdem hinter Sunny her sind, die man aber noch nie gesehen hat in all den Staffeln – bis jetzt. Toll geplant, nämlich gar nicht geplant. Sunny bekommt als einstiger Protagonist in dieser Staffel eine ungemein eintönige Rolle als kampferprobter Vater, der von Anfang bis Ende v.A. im Sinne des Wohles Henrys agiert, aber eigentlich immer alles falsch macht und gefühlt so wie die meisten anderen Charaktere sehr wild innerhalb der Badlands rumreist – die nächste Krise stets am Horizont. Daniel Wu wäre es zu wünschen gewesen, dass man ihm mehr Selbstreflektion und mehr emotionale Bandbreite in die Handlung schreibt.

„A promise is worth shit in the badlands“

Ein ähnliches Hin- und Her ist es auch bei allen anderen Charakteren. Die Bündnisse und Feinseligkeiten drehen und wenden sich quasi mit jeder Episode. Eben noch spinnefeind, jetzt beste Freunde. Das verursacht mir fast körperliche Schmerzen so einfach ist das geschrieben. Ein schöner Kniff ist natürlich, das bisher immer als heilbringenden Ort beschriebene Azra als nun doch nicht ganz so toll zu charakterisieren. Allerdings hätte man hier etwas mehr Zeit investieren können – zuviele plot holes. Wenn Azra so ein sagenumwobener Ort war, warum hat dann vorher niemand über die Schattenseiten gesprochen? Warum hielten sich die Menschen in Azra und Azra für verborgen, wenn man offensichtlich Postkarten aus Azra kaufen konnte? Die ganze Staffel ist voller Logiklücken. Warum hat der Meister soviele „Dark Ones“ in den Schlaf geschickt? Ich könnte noch eine Weile so weiter machen.

Man muss das einfach alles akzeptieren und das ist sehr unbefriedigend. Wenn es schon vorher so war, habe ich das leider vergessen. In punkto Schauwerten ist die Staffel wie seine Vorgänger sehr gut. Into the Badlands hat es wie kaum eine andere Serie verstanden ansprechende Schauplätze für Kämpfe zu wählen und somit den Eindruck epischer und stimmungsvoller Konfrontation zu erwecken. Hier nun besonders: mit den Spuren der einstigen Zivilisation. Kämpfe in einem verlassenen Museum. In einem ehemaligen Indoor-Vergnügungspark. In einem verlassenen Bunker. In einer verroteten Shopping-Mall. So deutlich wie in dieser Staffel hat Into the Badlands die Postapokalypse noch nie gezeigt.

Zusammen mit dem Humor, den man dankbarerweise zusammen mit Nick Frost wieder in die Serie bringt, hätte das also eine durchaus gelungene Staffel werden können, wenn man nicht die immer gleichen ausgetreten Pfade abgelaufen wäre und nicht ganz soviel plot holes geschaufelt hätte. Bevor ich anfing die Staffel zu schauen, wusste ich bereits um die Absetzung und ging fälschlicherweise automatisch davon aus, dass die dritte als eine finale Staffel angelegt war. Als Indiz diente für mich, dass es die bisher längste Staffel der Serie war. Total überzeugt davon, dass man das extra gemacht hat um den langen Kampf der Barone um die Badlands noch kurz vor dem Ende zu einem definitiven Ausgang zu führen, war ich doch Gelinde gesagt negativ überrascht, dass in der letzten Episode noch einige lose Enden existieren und man ganz klar den weg für eine vierte Staffel geebnet hat. In Summe war die dritte Staffel damit ein ungenügender Abschlusw der Serie, leider.

(4/10)

Ein paar Worte zum Finale – Ausklappen auf eigene Gefahr, enthält Spoiler

Das unrunde Ende das Staffelfinales verhunzt für meinen Geschmack den Gesamteindruck der Serie. Als Cliffhanger waren diese Enden natürlich ideal und effektiv platziert (leider). Neben fiesen Cliffhangern wie der Frage, ob Tilda überlebt ist da v.A. die Andeutung eines noch größeren Übels in Sunnys Near-Death-Experience. Na klasse! Ein noch größeres Übel!? Ich glaube der Satz fiel sowieso schon in jeder vierten Episode der Serie. Aber der Zuschauer lernt auch kurz darauf, was damit genau gemeint ist, wenn einer der wenigen verbliebenen Handlanger Pilgrims im aufgewühlten Schlamm des Kriegsschauplatzes eine Schusswaffe findet. Irgendwann in der ersten Staffel wurde mal in einem Nebensatz erwähnt, dass Schusswaffen verboten wurden und dass die Gesellschaft darin zurückfiel sich mit Schwertern und den Fäusten zu verteidigen. Das funktioniert logisch eben nur, wenn alle Welt vergessen hat, dass es Schusswaffen gab (unlogisch ist hier nur, dass der Finder scheinbar weiß wie man sie bedient) und sich auch nie jemand gefragt hat, wie man wohl so effektive Waffen baut. Alles andere haben sie ja auch: Sprengstoff beispielsweise. Aber gut, hinterfragen wir das nicht weiter. Dass nun also der Teaser für die vierte Staffel lautet: Schusswaffen kehren zurück in die Badlands und alles wird noch viel viel mehr bad, kann ich nicht besonders ernst nehmen. Es würde dem Fantasy-Setting wahrscheinlich einen Hauch Western geben, Revolverhelden sind plötzlich ein Thema – aber Martial Arts da teilweise aus der Gleichung zu nehmen, hätte den Ton der Serie doch sehr verändert. Und anders gesprochen: würde es nach all den Blutspritzern und dem Geschlachte wirklich viel an den Badlands verändern? Die Aussicht auf eine weitere Verlängerung der Konflikte finde ich deprimierend und hätte mich höchstens dazu animiert die Serie nicht weiterzuschauen, wenn sie nicht abgesetzt worden wäre. Dass man die Frage, ob Sunny nochmal aufwacht und als ein „Dark One“ in Erscheinung tritt und neue Kräfte bändigen muss in die letzten Sekunden legt, ist auch irgendwie ein mieser Zug, aber natürlich ein billig erkaufter Köder. Soviel, so ungut.

Sternchen-4

Klingt nicht so toll? Ich habe mich auch ganz schön durchgequält. Wie hat euch die Staffel und die ganze Serie gefallen? Bei dem World-Building und dem visuellen Stil hätte das doch sehr cool werden können. Hätte hätte Fahrradkette.