Serien-Besprechung: „Schitt’s Creek“ Season 5

Als in Staffel 1 die überspannte, ehemals reiche Familie Rose im Ort „Schitts Creek“ aufschlägt und von vorn anfangen muss, nachdem sie all ihr Hab und Gut verloren haben, hat mich der Humor noch nicht so richtig gekriegt. Die Satire auf das „Reality-TV über reiche Leute“ wirkte zu sehr so als ob man eigentlich die Bevölkerung von „Schitt’s Creek“ persifliert statt der reichen und allürenbehafteten Roses. Mit der langsamen Erwärmung der Familie für ihre neuen Freunde und ihr Zuhause-wider-Willen gefällt der Ton ab Staffel 2 deutlich besser. Spätestens ab Staffel 3 ist Schitt’s Creek für mich die Tasse Kakao unter den Serien geworden – die Formeln mögen bekannt sein, aber es ist trotzdem zum Wohlfühlen. Auch Staffel 5 hat mich dahingehend nicht enttäuscht. 🙂 Die Besprechung ist weitestgehend spoilerfrei für die fünfte Staffel, leider nicht für vorherige.

Was ich in der vierten Staffel an Moiras (Catherine O’Hara) Rolle und mangelnder Entwicklung auszusetzen hatte, wird tatsächlich in der fünften Staffel aufgegriffen und revidiert. Bisher fehlte der rote Faden wo die Reise für Moira hingehen soll – ein neues Steckenpferd suchen oder weiter vom Glanz alter Zeiten träumen? Und dann beginnt die Staffel so, dass man meint etwas fundamentales verpasst zu haben. Moira ist in Bosnien um nun doch den xten Teil eines Horrorfilms zu drehen und erhofft sich offenbar eine Menge davon. Viel mehr überzeugt aber, was sie sich als Projekt vornimmt, nachdem sie wieder in „Schitt’s Creek“ aufschlägt. Sie will das Musical „Cabaret“ inszenieren. Johnny (Eugene Levy) fragt sich derweil, ob seine Frau ihn vergessen hat angesichts dessen wie beschäftigt sie mit ihren Projekten ist.

Alexis (Annie Murphy) versucht sich derweil in ihrer Selbstständigkeit zu etablieren und die gemeinsame Zeit mit Ted (Dustin Milligan) zu genießen. David (Daniel Levy) und Patrick (Noah Reid) machen derweil die nächstgrößeren Schritte in ihrem Laden – und ihrer Beziehung. Stevie (Emily Hampshire) gewinnt und verliert in der Staffel bis sie sanft dazu gezwungen wird aus ihrer Komfortzone herauszutreten. Und das endet mit einigen der besten Charaktermomenten der Staffel.


„SCHITT’S CREEK Season 5 Official Trailer (HD) Eugene Levy Series“, via JoBlo Streaming & TV Trailers (Youtube)

Man merkt, dass die Serienschöpfer (Eugene & Daniel Levy) drauf achten, wer in welcher Staffel fokussiert wurde. Man merkt aber auch, dass selten der komplette Durchstich gelingt. Alexis und Johnny sind mal weniger dran als Moira und Stevie. David und Patrick sind gleichermaßen Thema – ein Schelm, wer hier böses denkt. Aber es ist auch nicht so als ob es stören würde. Selbst durch die nicht so offensichtlichen Serienmomente und die eher leise und stetige Entwicklung wird deutlich, dass Stevie inzwischen die fünfte der Roses ist. Sowohl Moira als auch Johnny haben regelrecht mütterliche und väterliche Momente mit ihr, die mir ans Herz gegangen sind. Die Staffel gehört Stevie und das war absolut überfällig. Die Cabaret-Momente waren sehr cool und ich hätte gern mehr davon gesehen. Nebenbei fällt mir auf wie talentiert Noah Reid für die Musik-Einlagen ist. Geht das bitte nochmal in Langform!? Vom Genre her eher weniger mein Fall, aber sehr witzig ist auch „A Little Bit Alexis“. Es ist vielleicht nicht soooo schlimm, dass man den in der Staffel nicht in Langform hatte 😉 .


„Alexis Rose – „A Little Bit Alexis“ [Official Video]“, via David Deir (Youtube)


„Noah Reid & Annie Murphy-A Little Bit Alexis“, via Daina (Youtube)

Mal abgesehen von der letzten Episode 5×14 „Life Is a Cabaret“, war auch 5×11 „Meet the Parents“ voller Lieblingsmomente. In der Episode will David eine Überraschungsparty für Patrick schmeißen und dessen Eltern einladen bis sich die Frage stellt, ob die überhaupt wissen, dass die beiden nicht nur Geschäftspartner sind. Zum Einen beweist die Episode sehr gut wie David als Charakter gewachsen ist und andererseits zeigt sie ein für mich jedes Mal wieder gesunde und durch und durch schöne Entwicklung einer Beziehung. Wenn der Tag scheiße war, füllen solche Episoden mein Wohlfühl-Barometer wieder auf. David und Patrick sind keinesfalls fehlerfrei, aber in ihrer Beziehung schaffen sie es stets am Ende alles richtig zu machen und auch wenn der Himmel war bewölkt war, ist am Ende des Tages alles wieder gut.

Das liegt allerdings auch daran, dass ihre Beziehung bspw. von allen Bewohner*innen von Schitt’s Creek positiv bis neutral aufgenommen wird. So ist dann auch 5×13 „The Hike“ ein Meilenstein in der Geschichte der Roses, insbesondere Davids. Bei soviel Feeldgood bin ich also nicht böse, dass sich die Staffel ein bisschen sehr in ihren 2, 3 Fokus-Charakteren verliert. Schade nur, dass das Staffelfinale dieses Mal so verhältnismäßig unmotiviert ausklingt. (8/10)

Sternchen-8

Inzwischen habe ich eigentlich sogar schon die Staffel 6 hinter mir gelassen und neugierdehalber mal in die deutsche Synchro reingehört. Ich werde nicht so richtig warm damit. Aber wenn man über mehrere Staffeln hinweg eine andere (OV) geschaut hat, dann ist das natürlich meistens so … . In welcher Variante habt ihr die Serie geschaut? Und wie hat euch die fünfte Staffel gefallen?

2 Antworten

  1. Tatsächlich hatte ich der letzten Staffel die meisten Punkte gegeben, weil sie so einen schönen Abschluß gebildet hat. Ich hoffe, dein entsprechender Beitrag wird mir dann recht geben 😀

    Ich bin ja ein großer Fan von Stevie und ihre Beziehung zu David gehörte für mich mit zum interessanten der Serie. Ihre Rolle in dem Musical fand ich dagegen aber etwas zu gewollt, das habe ich der Serie nicht so ganz abgekauft.

    Wie meistens habe ich auch diese Serie natürlich in der Synchro gesehen.

    1. Avatar von Miss Booleana
      Miss Booleana

      Haha, na schauen wir mal 😉 Der soll jetzt auch bald mal online gehen. Aber ich kann mich gerade kaum entscheiden, was ich als nächstes bespreche.

      Stevies und Davids Beziehung ist für mich auch echt eine der besten Freundschaften, die ich in Serien gesehen habe. Und ich mochte den trockenen, sarkastischen Humor sehr. Und ihre Momente in der sechsten Staffel … hach Mensch.

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