Fantastischer Film: The Grand Budapest Hotel

Posted by in 2014, Arthouse & Indie, Deutschland, Fantastische Filme, Film, Review, Spielfilm, Tragikomödie, UK, USA

Der Film erzählt in mehrere Rahmenhandlungen eingebettet die Geschichte des jungen Einwanderers Zéro Moustafa (Tony Revolori), der nach dem ersten Weltkrieg als Page im berühmten Grand Budapest Hotel arbeitet. Dabei lernt er Kniffe, Tricks und Weisheiten von seinem Vorgesetzten, dem Concierge Monsieur Gustave H. (Ralph Fiennes). Der schafft es mit seinem Charme die Leute um den Finger zu wickeln. Was ihm letztendlich auch eine Erbschaft einbringt, als ein regelmäßiger Gast des Hotels das Zeitliche segnet. Gustave H. erbt das Gemälde Jüngling mit Apfel – und den Zorn der Hinterbliebenen. Was Gustave H. und Zéro Moustafa bald in reichlich Schwierigkeiten bringt. Gefängnisse, Auftragskiller und die erste Liebe inklusive.

Zwar heißt der Film Grand Budapest Hotel, beschreibt aber mehr eine Zeit und ein Lebensgefühl, als wirklich das titelgebende Hotel in der fiktiven Republik Zubrowka. Es geht um das Abenteuer, die Gefahr, den Glanz vergangener Zeiten, die schrulligen Charaktere mit hunderten, einzigartigen Charaktereigenschaften. Das Ganze wird mit fantastischen Kulissen, Make-Up und Kostümen ausstaffiert, sodass man sich gar nicht an all den Farben sattsehen kann. Und Überraschung: es wurde an vielen Standorten in u.a. Deutschland gedreht. So zum Beispiel im sächsischen Görlitz und Dresden. 2015 hat mich außerdem meine liebe Bloggerfreundin Sani Hachidori nach Görlitz eingeladen und ich konnte mich selber von einigen Schauplätzen überzeugen wie beispielsweise dem ehemaligen Kaufhaus in Görlitz, das die Kulisse für den Innenraum des Grand Budapest Hotel war. Bei einer Besichtigung habe ich erfahren, dass die im Film zu sehenden goldenen Verzierungen nicht zum Innenraum gehörten, sondern angebracht wurden und nach dem Dreh erhalten geblieben sind. Die Vorbilder des heimlichen Hauptdarstellers, des Hotels, waren beispielsweise das Hotel Imperial und Palace Bristol in Karlsbad. Den Karlsbader Hirschsprung erkennt ein Fan des Films mit Sicherheit auch wieder. Wes Anderson verleiht all dem einen Anstrich mit einem Hauch Übertreibung, aber gespickt mit liebenswerten Charakterköpfen und Details.

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Das Kaufhaus in Görlitz

Der Ton des mit vier Oscars prämierten Films ist ironisch-witzig, satirisch und abstrus. Und als ob das noch nicht genug wäre, erleben wir ein sehr großes Staraufgebot – selbst in den noch so kleinsten Nebenrollen. Das macht einfach Spaß! Und tut ein bisschen weh, wenn man die Farben verblassen sieht, als der Nationalsozialismus Einzug hält und Uniformierte das Hotel bevölkern. Zwar sehen wir andere Symbole auf den Fahnen und Bannern und andere Uniformen, aber die Bedeutung ist an der Stelle klar. Sucht man nach der Botschaft des Films, findet man die in den Kleinigkeiten wie dem Wandel der Zeit und Zéros Geschichte. Man muss sich definitiv auf den Film mit all seiner Buntheit, seinem Soundtrack mit baltischen und osteuropäischen Klängen und den langen Dialogen einlassen können und einen Hang zum Arthouse-Kino haben, denn der Film hat seine Längen. Wes Anderson nimmt sich sehr viel Zeit für all die Details. Das muss man mögen, das muss man abkönnen. Auch ich hatte so meine Momente, bei denen es mir schwerer fiel und das Geschehen mir zu langatmig wurde, aber das Gesamtpaket entschädigt allemal.

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The Grand Budapest Hotel, UK/Deutschland/USA, 2014, Wes Anderson, 100min

Jeden Monat stelle ich einen Film vor, den ich für einen fantastischen Film halte – losgelöst von Mainstream, Genre, Entstehungsjahr oder -land. Einfach nur: fantastisch. 😆