Neulich im Kino … Filmbesprechung zu „Venom“

Posted by in 2018, Actionfilm, Film, Literaturverfilmung, Review, Spielfilm, Superheldenfilm, USA

Wenn die typischen Superhelden nicht mehr fetzen, dann ist man meistens gut beraten sich mal den Antihelden zuzuwenden. Das weiß auch Sony bzw. Marvel und hat eine weitere Figur des Marvel-Kosmos neu aufgelegt, die schon vor ein paar Jahren eher ineffektiv verbraten wurde. „Venom“ teilte mit „Spiderman 3“ ein ähnliches Schicksal wie „Deadpool“, der damals in den „X-Men: Origins“-Filmen einen eher leidlich gelungenen Auftritt bekam. Und das ist noch nett gesagt. Jetzt hat „Venom“ seinen eigenen Film bekommen und dass Tom Hardy ihn spielt ist vielleicht noch eins der besten Dinge, die ihm passieren konnten. Und der Rest … naja, lest selbst. Review ist spoilerfrei.

Eddie Brock (Tom Hardy) ist Investigativ-Journalist und hat sich schon einige Feinde mit seinen schonungslosen Reportagen gemacht. Als sich der Wisenschaftler Dr. Carlton Drake (Riz Ahmed) den Reporter einlädt, soll das wohl ein Vorstoß nach vorn sein, um nach einem gescheiterten Einsatz seines Raumschiffs das Ansehen seiner Life Foundation genannten Wissenschaftseinrichtung zu kitten. Aber Eddie tut eben, was Eddie tut und spricht ihn offen auf Experimente mit tödlichem Ausgang an. Eine Provokation zuviel – das war es dann mit Eddies Job. Auch seine Freundin Anne (Michelle Williams) trennt sich von ihm. Als sich die Wissenschaftlerin Dr. Dora Skirth (Jenny Slate), die für Drake arbeitet, bei Eddie meldet und von Menschenversuchen mit einer Symbionten genannten außerirdischen Rasse spricht, beschließt er aber nochmal zu ermitteln und seinen Namen wieder reinzuwaschen. Er lässt sich in das Labor schleusen und bei einem Unfall wird er selber Wirt eines solchen Symbionten. Ohne zu wissen, was genau mit ihm passiert, sind plötzlich Drakes Bluthunde hinter ihm und seinem Passagier her, der sich ihm bald als Venom vorstellt.

„VENOM Trailer German Deutsch (2018)“, via KinoCheck (Youtube)

Ohne große Umschweife: die Handlung von Venom ist eine richtig große Luftnummer. Der Film kann dem Genre verglichen zu anderen Superhelden- bzw. Antiheldenfilmen und klassischen Actionern mit Science-Fiction-Anteil absolut nichts hinzufügen. Prinzipiell muss das auch nicht jeder Film, solange er seine Sache gut macht. Aber auch das gelingt nicht. Die Handlung ist formelhaft in zwei grundlegenden Dilemmata angelegt, die man schon bis zum Erbrechen gesehen hat. I: Held baut Mist, verliert seine Frau, will sie zurückgewinnen. II: Typ kommt zu besonderen Fähigkeiten, lernt damit umzugehen, rettet (vielleicht) die gahaanze Weeeelt. Ähnlich eindimensional ist der von Riz Ahmed gespielte Endgegner. Ein Jammer. Mit Riz Ahmed und Michelle Williams wurden zwei großartige Typen in leidlich interessanten Rollen verbrannt. Leider widerspricht der Film trotz des einfachen Grundkonzepts selbst noch seiner eigenen Mythologie. Während Drake anfangs die Versuchspersonen en gros wegsterben, weil sie alle keine Symbiose eingehen können, funktioniert das auf wundersame Weise in der zweiten Hälfte des Films ganz wunderbar mit nahezu allen Haupt- und Nebencharakteren. Auch scheint die Umwelt für die Symbionten entgegen dem, was anfangs im Film proklamiert wird, nicht immer ganz so tödlich zu sein, wenn sie ohne Wirt unterwegs sind. Der nächste Bullshit ist das 3D oder die Actionsequenzen. Oder beides. Sowohl die Verfolgungsjagd in der Eddie/Venom ihren Verfolgern u.a. auf dem Mototrrad entkommen wollen, als auch der spätere Kampf der Symbionten ist schwer zu verfolgen und besteht quasi nur aus digitaler Materialschlacht. Man muss dem Film aber zumindest zugute halten, dass Venom und die Symbionten spannend und effektvoll in Szene gesetzt sind. Das ist eine nicht zu verachtende Herausforderung – hier wie auch bei allen „Charakteren“, die keine irdisch anzutreffende Gestalt haben. Ginge es aber alleine nach der seidenpapier-dünnen Story und der Action, die ihr Ziel verfehlt, dann würde der Film hier gnadenlos verlieren und nach meinen Bewertungskriterien bei so drei von zehn gelben Sternchen rumgammeln. Warum ist er also scheinbar ein bisschen besser als das?

Wegen dem Humor. Humor kann vieles retten. Da ist zum Einen Tom Hardy, der sich während der Anpassungsphase an Venom mal so richtig schräg und furchtbar verhalten darf. Und vor Allem Venom, der sich in Eddies Leben schleicht und alles gesehene mit derbem und manchmal entlarvendem Humor kommentiert. Dabei sammelt Venom Pluspunkte dadurch, dass er keine Lust hat bei Drakes Masterplan mitzumachen, weil er auf seinem Heimatplaneten eher ein Loser war und auf der Erde einzigartig ist und das daher auch gern bleiben würde. Sehr menschliche Eigenschaften und erstaunlich viel Einsichtigkeit 😉 Venom kennt sich gut. Vielleicht besser als Eddie sich kennt. Eine Bromance der besonderen und parasitären Art. Der Art, die gern Köpfe abreißt, während Eddie denkt „oh bitte nicht schon wieder“. Ein Aspekt, der Freunden des derben Humors zumindest in der zweiten Hälfte den Film rettet, aber bei weitem natürlich nicht den Bullshit des restlichen Films wieder gut machen kann. Aber einiges verzeihen lässt. Die Comics kenne ich zwar nicht, aber ich vermute, dass was die originalgetreue oder dem Original zumindest angemessen Tribut zollende Umsetzung betrifft, noch Luft nach oben ist.

Venom, USA, 2018, Ruben Fleischer, 113 min, (6/10)

Sternchen-6

Sonys Versuche die Marvel-Charaktere zu etablieren, an denen sie unvermeidlich noch Rechte haben, ist zu vergleichen mit DCs Kampf auch ihre eigenen Avengers zu basteln oder zumindest ein Stück vom Superheldenkuchen abzubekommen. Bei Sony heißt das übrigens „Sony’s Universe of Marvel Characters“. Es wirkt ein bisschen vergeblich und v.A. haarsträubend mit was für einer Vehemenz man diese Filme von den anderen abkapseln möchte, wobei die Verbindung der Vorlagen doch nun mal fest und unumstößlich ist. Siehe Spiderman/Venom und die Avengers. Was auch immer. Solange künftige Venom-Filme auch Spaß machen, kann ich es verkraften, wenn die Wege der Helden sich nicht weiter kreuzen. Aber cool wäre es schon. Noch cooler wäre eine Story, die auch ein bisschen die grauen Zellen anspricht. Abschließend lässt sich sagen, dass die Mid-Credits-Szene noch eine ziemlich geile Überraschung ankündigt und selbst danach kann man sitzen bleiben. V.A. als Spiderman-Fan. Ansonsten lässt sich nicht mehr viel sagen, außer dass die Welt aufhören sollte Michelle Williams schlechte Perücken aufzusetzen. Wie habt ihr den Film wahrgenommen? Konntet ihr den Actionsequenzen besser folgen? Habt ihr noch Bock auf 3D oder hat sich das auch für euch inzwischen totgelaufen? Kennt ihr die Comics?