Horrorctober 2023 – Woche 3 („Terrifier“, „Terrifier 2“)

Diese Woche war keine leichte für meine Horrorctober-Challenge. Zwar war ich einerseits nach der recht positiven zweiten Woche wieder sehr motiviert weiterzuschauen, aber ich war auch beruflich auf Achse und kam zu nichts. Inzwischen habe ich immerhin die beiden Terrifier-Filme und Flanagans „Untergang des Hauses Usher“ geguckt. Und war mit einer der beiden Medien bzw. Franchises höchst unzufrieden. Ihr könnt raten mit welchem oder die Besprechungen lesen (spoilerfrei).

Terrifier

Foreshadowing 101: in einer TV-Sendung wird eine junge Frau interviewt, die als einzige vor einem Jahr ein grausiges Massaker überlebt hat. Ihr entstelltes Gesicht gibt bereits gut wieder, was uns in den restlichen 78 Minuten des Films erwartet. Wir springen zurück zu eben dieser Nacht. An Halloween macht sich der Clown Art (David Howard Thornton) bereit um vorrangig Frauen auf grausamste Weise zu töten. Ihm laufen leider die Freundinnen Tara (Jenna Kanell) und Dawn (Catherine Corcoran) über den Weg, die nach einer Halloweenparty in einer Pizzeria abhängen, die leider auch Art besucht.

Einer der wenigen guten Dinge an Terrifier ist, dass sich sehr wohl einige Personen der red flags durch Art oder die Situationen bewusst sind. Mehrere Männer sprechen Tara und Dawn darauf an, ob der Typ in dem Clownskostüm sie bedrängt oder sind anders umsichtig mit ihnen. Tara traut dem Clown von Anfang an nicht, Dawn hingegen … mag Selfies. Dann aber wiederum sind da andere red flags, die ignoriert werden. Wie „Art“ an sich, zerstochene Reifen oder ein verlassenes Gebäude, in das die Handlung verlegt wird.

Es ist nicht der erste Film Damien Leones, in dem der Clown Art auftritt und er fügt dem Slashergenre bis auf die Figur nichts neues hinzu. Besonders ärgerlich ist, dass es keine Handlung gibt, nur Brutalität und Kunstblut. Art scheint es zudem vorrangig auf Frauen abgesehen zu haben, für die er durchweg nur grausame Szenarien findet. Die Männer metzelt er zwar auch nieder, aber im Grunde nur, weil sie ihm in den Weg kommen. Die Morde an sich sind brutaler Schwachsinn. Viele davon sind faktisch unmöglich so wie gezeigt. Trotz des Bewusstseins mancher Figuren passiert genauso viel stereotyper Slasherfilm-Bullshit wie in anderen Medien, Hinweise auf Satire gibt es aber nicht. Die Mordopfer sehen wie Attrappen aus und alles schreit B-Movie. Aber Leone und Team sind mit Art noch nicht fertig wie das Ende beweist, in dem es dann überraschend metaphysisch wird. Bei Terrifier bin ich es letztendlich komplett leid geworden Slasherfilme zu schauen, die so offensichtlich darauf aus sind ihre Figur (Art, den Clown) durch Verschrobenheit und ultra-brutale Morde als neue Horror-Hype-Figur zu etablieren. Nicht meins.

Terrifier, USA, 2016, Damien Leone, 80 min, (3/10)

Sternchen-3

Terrifier 2

Durch das Massaker von Art, dem Clown, vor einem Jahr ist er eine berühmt-berüchtigte Figur geworden. Kinder denken gar darüber nach sich an Halloween als er zu verkleiden. So auch der kleine Jonathan (Elliott Fullam), sehr zur Empörung seiner älteren Schwester Sienna (Lauren LaVera). Beide finden aber überraschend in dem Skizzenbuch ihres verstorbenen Vaters Bilder, die all die Morde Arts vorhergesehen haben. Und während beide sich auf Halloween vorbereiten, wissen sie nie so ganz sicher, ob der Clown da hinter ihnen ein Kostümierter ist oder vielleicht der echte „Art“?

Massives Plothole ist für mich nach wie vor wo eigentlich Art, der Clown ein Jahr lang zwischen Teil 1 und Teil 2 von Terrifier abgeblieben ist. Oder warum er überhaupt in der Umgebung der Geschwister auftaucht. Aber wen interessieren schon Plotholes? Verglichen zum ersten Teil hat Terrifier 2 immerhin eine Storyline und Charaktere, die Art tatsächlich etwas entgegensetzen können. Noch sehr viel deutlicher als im ersten Teil wird versucht Gut gegen Böse entgegenzusetzen. Vielleicht sogar zu deutlich und zu wenig subtil, wenn man Sienna in ihrem Halloweenkostüm als Kriegerprinzessin mit Engelsflügeln sieht. Terrifier 2 ist auch stellenweise eine inszenierte Männerfantasie. Nur frage ich mich erneut was die brutalen Morde darin zu suchen haben. Gut: es gibt eine Story und Art bekommt einige makaber-witzige Auftritte (Brillen anprobieren im Halloweenladen war schon ikonisch). Schlecht: die schiere Brutalität der Morde steigt nochmal, wird noch abstruser und die Opfer sehen weiterhin aus wie Attrappen. Es treten zahlreiche Charaktere auf, die wie Karikaturen Erwachsener Wirken wie die viel schreiende, gestresste Mutter oder die viel schreienden, gestressten Lehrerinnen. Ich sehe den Appeal immer noch nicht, auch wenn die filmerische Qualität verglichen zu Terrifier (2016) um einiges gestiegen ist.

Terrifier 2, USA, 2022, Damien Leone, 138 min, (5/10)

Sternchen-5

Und sonst so?

Da die Terrifier-Filme so gar nicht meins waren, wurde die Horrorctober-Woche gerettet von Der Untergang des Hauses Usher auf Netflix und dem Buch Die stillen Gefährten. Auch bei den beiden bin ich nicht ohne Kritik, aber es ist verglichen zu Terrifier halt einfach mehr meins.

Dass Terrifier überhaupt auf einem Streamingportal aufgetaucht ist, hat mich schon überrascht (FSK 18). Aber wie das eben so ist – selbst wenn dir jemand sagt, dass die schlecht sind, kann niemand etwas gegen Neugier tun. Vielleicht ist das auch der Treibstoff von Hypes. Für den Regisseur und die Schauspieler:innen, die besagte Figur „Art“ verkörpern, sehe ich da eine Herausforderung. Wie macht man eine Figur zur Ikone? Aber warum will das jemand sehen?

Ich habe einige Letterboxd-Reviews und Blogs gelesen, weil ich wissen wollte, wer Filme wie „Terrifier“ gut findet und warum. Schlauer bin ich nicht geworden. In vielen Fällen liegt es sicherlich an der abstrusen Freude von „Art“ und wie Menschen darauf reagieren, kurz bevor er sein wahres Gesicht zeigt. Wenn es aber an der Frage liegt welche ultra-brutalen Mordmethoden sich Art als nächstes ausdenkt … (verliere ich den Glauben an die Menschheit?) Vor einer Weile habe ich schon mal torture porn und Slashern dieser Art abgeschworen, genauer als ich Hostel sah. Ich verstehe die Note sich im Film mit Brutalität auseinanderzusetzen, da hier immerhin alles „fiktiv“ ist. Fiktiv tut uns nicht wirklich weh. (Aber ist das so?) Darin liegt wohl der Reiz. „Neugier“ ist daher meine Top Antwort auf die Frage nach dem „warum“. Was ist eure?

Man kann sicherlich ähnliche Fragen über schaurige Filme stellen, die nicht torture porn sind. Warum sollte das jemand schauen? Warum mag ich es lieber erschreckt zu werden als mir brutale Morde anzugucken? Die Frage kann ich beantworten. (Cliffhanger 😉)

Zu den bisherigen Artikeln

Ankündigung

Woche 1 („The Hills Have Eyes“, „Hypnotic“ & „Piggy“)

Woche 2 („The Hills Have Eyes“ (2006), „Antlers“ & „Fright Night (2011)“)

Hypes. Man muss nicht drauf aufspringen wie „Terrifier“ zeigt. Ich hoffe darauf, dass mir die verbliebenden 5 Filme besser gefallen. Wie läuft euer Horrorctober?

6 Antworten

  1. Solche Filme sind auch nicht meins.

    Und wenn es ums Erschrecken geht, so war ich von der neuen Agatha-Christie-Verfilmung „a haunting in Venice“ mit Kenneth Branagh als Hercule Poirot mehr als positiv überrascht. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich zusammengezuckt bin.

    LG
    Ulrike

    1. Avatar von Miss Booleana
      Miss Booleana

      Habe auch überlegt mir „A haunting in Venice“ anzuschauen 🙂 Aber da mir „Tod auf dem Nil“ nicht so gut gefallen hat, bin ich dann doch nicht gegangen und warte auf die Veröffentlichung im Heimkino.

      Liebe Grüße

  2. Fand ich ganz interessant. Art the Clown ist auf jeden Fall ein interessanter Slasher. Teil 2 ist nur viel zu lang und zu komisch in seinem Fantasy Gedöhns. Bin mal gespannt, wie es da noch weitergeht

    1. Avatar von Miss Booleana
      Miss Booleana

      Aber was macht den für dich so interessant? Das ist kein Angriff, ich will’s nur verstehen, weil der Film bei mir so gar nicht funktioniert hat.

      Teil 2 war mir jedenfalls auch zu lang, gemessen an dem was er da erzählt.

  3. […] ist ein Auf und Ab hier im Horrorctober. Nach den Enttäuschungen von Woche 3 geht es straff auf das Ende des Oktobers und der Challenge entgegen. Wie so oft habe ich mir die […]

  4. […] Woche 3 („Terrifier“, „Terrifier 2“) […]

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