Horrorctober 2020 – Woche 1 („Cello“, „Escape Room“, „Bite“)

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Mit drei Filmen ist mein Zwischenstand am ersten Oktober-Wochenende gar nicht so schlecht. Dankbarerweise sind aber alle der Filme, die ich geschaut habe, keine über Zweistündigen. Allerdings habe ich mir wohl wie letztes Jahr die besseren Filme offenbar wieder eher für den Endspurt aufgehoben …

Cello

Cello handelt von der Musikprofessorin Hong Mi-ju (Sung Hyun-ah), die mal eine begnadete Cello-Spielerin war und deren Familie von seltsamen Begebenheiten heimgesucht wird. Cello stand schon ewig auf meiner Liste der asiatischen Horrorfilme, die ich sehen möchte. Aber es wäre besser der Film wäre auch dort geblieben. Wie so oft ist schwer auseinanderzuhalten, was hier in Übersetzung und Synchro verloren gegangen ist, denn der Film ist ein dissonantes, erzählerisches Kuddelmuddel voller hölzerner Dialoge, das v.A. anfangs wenig Sinn ergeben will. So weiß man beispielsweise lange nicht, ob die Schülerin, die Mi-ju gedroht hat, irgendeine Rolle spielt oder Mi-ju wenigstens darüber nachdenkt, wer hier ihr Leben sabotiert!? Und die Rolle der Haushälterin bleibt genauso unausgearbeitet wie nicht mal erwähnt wird, was mit Mi-jus älterer Tochter los ist. Ist sie Autistin oder gab es einen Vorfall, aufgrund dessen sie verstummte? Oder noch was anderes?

Dabei geht auch leider das Potential der Idee unter, dass Mi-ju wieder eine Person in ihrem nahen Umfeld hat, die ebenso Cello spielt. Denn wie erst sehr viel später klar wird, ist dass das eigentlich bedrohliche für Mi-ju in Hinblick auf ihre Vergangenheit. Neid zwischen Frauen als Thema eines Horrorfilms ist auch so misogyner Mist. Tragischerweise war auf meiner Leih-DVD keine Originalspur mit Untertiteln, die die Lückenhaftigkeit und das Hölzerne in den Dialogen hätte rausreißen können. Aber am wohl schlimmsten ist, dass erst in den letzten 10 Minuten ein bisschen was aus dem Cello-Thema gemacht wird. Wie kann bei einem Film, der Cello heißt Musik so ins Hintertreffen geraten? Ein paar weniger hölzerne Zeitlupendialoge und mehr Zeit für die Charakterisierung der Figuren und Musik und der Film wäre schon deutlich atmosphärischer und stimmiger. Vielleicht lieber The Perfection schauen.

Cello (OT: 첼로), Südkorea, 2005, Lee Woo-cheol, 94 min, (3/10)

Sternchen-3


„ESCAPE ROOM Trailer German Deutsch (2019)“, via KinoCheck

Escape Room

Adam Robitel hat bereits bei einigen Horrorfilmen wie Insidious: The Last Key Regie geführt und mit Escape Room 2019 einen psychologischen Survival-Horrorfilm hingelegt, der angenehm an Cube erinnert. Hier ist es ein Escape Room, zu dem einige scheinbar willkürlich ausgewählte Menschen eingeladen werden. Darunter u.a. die Studentin Zoey (Taylor Russell), der Lagerarbeiter Ben (Logan Miller), die ehemalige Soldatin Amanda (Deborah Ann Woll, bekannt aus Daredevil) und der Börsenmakler Jason (Jay Ellis). Aber das Spiel ist tödlich. Die Räume haben lebensgefährliche Fallen und sind gespickt mit Details aus dem Leben der Spieler, die eigentlich niemand wissen kann. Ähnlich wie im Genrekollegen Cube dezimiert sich also entsprechend die Zahl der Spieler auf grausige und stetige Weise. Eigentlich ist Escape Room sehr atmosphärisch und über weite Strecken ein echter Leckerbissen für all jene, die wie ich Cube und Cube Zero sehr mochten. Allerdings wird am Ende so starkes Über-Erklären betrieben, dass es nach hinten raus deutlich weniger Spaß macht. (Ein bisschen mehr „Erklären“ hätte Cello ja gut getan… .) Die Hintergründe offen zu lassen, hätte das Geheimnis vertieft und deutlich mehr Lust auf weitere Filme gemacht. Zumal der Weg für ein etwaiges Sequel oder Prequels hier auch alles andere als dezent geebnet wird … .

Escape Room, USA, 2019, Adam Robitel, 100 min, (6/10)

Sternchen-6

Bite

Casey (Elma Begovic) feiert ihren Junggesellinnenabschied mit ihren beiden besten Freundinnen auf Costa Rica – und das ziemlich feucht-fröhlich. Für die bevorstehende Hochzeit fühlt sie sich nicht bereit, was ihr mit jedem Tag schmerzlich bewusster wird. Nachdem sie beim Schwimmen von irgendetwas gebissen wird, scheint es erstmal nichts gravierendes zu sein. Nach ihrer Heimkehr aber schon. Wer einen Film namens Bite guckt, erwartet Ekel und Body Horror und bekommt das hier auch zur Genüge. Einer der häufigsten Kommentare zu dem Film bei Letterboxd ist „Why didn’t she simply went to the hospital!?!??“ und so fühlt sich das auch etwas an. Ein paar zarte Versuche ihr Dilemma aufzulösen, unternimmt Casey auch. Aber zusammen mit dem babygeilen Verlobten(!) Jared (Jordan Gray) und der biestigen Schwiegermutter (Lawrene Denkers) sind die gesundheitlichen Sorgen wohl zuviel.

Angenehm ist, dass ihre Freundinnen nicht nur ein Plot Device sind, sondern nach der Reise sogar in Erscheinung treten, wenn auch in teilweise klischeehaften Rollen (Looking at you, Jill). Allerdings hält sich das Drehbuch von Regisseur Chad Archibald und Jayme Laforest doch etwas lange am Vorgeplänkel auf und es gelingt nicht die Geschichte Caseys sinnvoll mit ihrer Transformation zu verbinden. Dabei ist die Intention am Anfang schon überaus deutlich: Casey ist anfangs eine junge Frau, die sich zu sehr in die Rolle als künftige Ehefrau hineingepresst fühlt, die am besten sofort ein Kind bekommen soll, obwohl sie eigentlich auch überhaupt keine Kinder will und wird zu einer tausende Eier laichende Mensch-Amphibie. Leider gibt es bei all dem halt kein wirkliches Ergebnis. Außer viel Geglibber und den Albtraum eines jeden Vermieters oder Innenarchitekten. Ekel garantiert, aber zuviel hinterfragen darf man nicht. 🙂

Bite, Kanada, 2015, Chad Archibald, 88 min, (5/10)

Sternchen-5


„Bite Official Trailer 1 (2016) – Horror Movie HD“, via Movieclips Indie

Und sonst so?

Nebenbei lese ich David Mitchells Slade House. Das Buch handelt von dem titelgebenden Haus, das sich nur alle neun Jahre zeigt. Und wenn es sich zeigt, Opfer anzieht und nicht mehr gehen lässt. Die Episoden aus den einzelnen Jahren sind jeweils wie Kurzgeschichten zu lesen und stets aus der Sicht des Opfers. Es ist auch wirklich herrlich unterschwellig schaurig zu sehen wie immer wieder ein neuer Charakter auf das Slade House zusteuert, sie einem mehr oder weniger ans Herz wachsen und man darum bangen muss, ob auch sie wieder in die Falle tappen. Wirklich gut gemacht. Man kann, muss aber nicht, zuvor David Mitchells Die Knochenuhren lesen. Wenn man es tut, weiß man mehr und erkennt vieles; wenn man es nicht tut ist das wohl auch nicht schlecht, weil dann alles etwas geheimnisvoller wirkt – denke ich jedenfalls. Ich war kein großer Fan von Die Knochenuhren und habe mich da etwas durchgequält. Ansonsten bin ich gespannt wie die Geschichte um das Slade House jetzt ausgeht, ein paar Seiten habe ich noch vor mir. Als Halloween-Lektüre ist es aber ziemlich perfekt. Ich mag bei David Mitchell sehr, dass er immer sehr divers ausgelegte Charaktere und viel Zeitgeist einfließen lässt.

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Ankündigung und Filmliste

Jaaa also ich habe bewusst mit Filmen angefangen, von denen ich jetzt nicht soviel erwartet habe. Dafür hat mich „Cello“ doch aber schwer enttäuscht, während „Escape Room“ eigentlich sogar besser war als ich erwartet habe. Und bei „Bite“ bekommt man zumindest über weite Strecken so ziemlich das, was der Film eben verspricht. Horrorfilmklassiker werden aber sicherlich alle drei nicht. Aber immerhin … wenn es wenig zu analysieren gibt, schaffe ich es auch mal mich kurzzufassen. Ähem … Wie war euer Start in den Horrorctober? Kennt ihr die hier besprochenen Filme vielleicht sogar?