Horrorctober 2021 – Woche 5 („The Empty Man“, „XX“, „You’re Next“, „The 8th Night“) & Fazit

Posted by in 2011, 2017, 2020, 2021, Film, Horror und Mystery, Literaturverfilmung, Review, Schwarze Komödie, Spielfilm, Südkorea, Thriller, USA

Das war’s! 13 Horrorfilme in 31 Tagen oder viel mehr 5 Wochenenden sind auch im Oktober 2021 wieder geschafft. Ich überlasse euch zu bewerten, ob ihr das als viel oder wenig erachtet. 😉 Für mich war es eine gute Anzahl. Gestern abend habe ich den letzten der 13 Filme gesehen, die ich mir vor etwas mehr als einem Monat vorgenommen habe zu schauen. Und wie war’s nun rückblickend? Welche Filme habe ich zuletzt gesehen? Und war noch ein richtiger Schocker dabei!?

The Empty Man

Was das geniale an The Empty Man ist, scheint auch das Problem das Films zu sein. David Priors auf einer gleichnamigen Comicreihe basierender Horror-/Mystery-Thriller wirft drei Motive und Handlungsstränge in den Topf, die auf den ersten Blick nicht so wirken als ob sie viel miteinander zutun haben. Auf den zweiten Blick aber schon. The Empty Man beginnt mit einer Gruppe Tourist*innen, die in Burma eine folgenschwere Begegnung in einer unterirdischen Höhle haben. Irgendwo in den USA untersucht der Ex-Cop James (James Badge Dale) das Verschwinden einer jungen Frau (Sasha Frolova). Bei seinen Ermittlungen stößt er sowohl auf die Urban Legend des sogenannten Empty Mans als auch auf eine Sekte, die in Verbindung mit dem Fall und denen vieler weiterer verschwundener oder verstorbener Personen steht.


„THE EMPTY MAN Trailer German Deutsch (2020)“, via KinoCheck (Youtube)

Natürlich weiß man als ZuschauerIn: das muss irgendwie zusammenhängen. Nach und nach werden uns auch einige Hinweise präsentiert, die die Verbindung zwischen den verunglückten Touris, dem Empty Man und der Sekte deutlicher machen, aber eben nicht auflösen. Das Suchen der Zusammenhänge und die Rätselraterei macht einen Großteil des Reizes aus. Ich unterstelle vielen ZuschauerInnen von Thrillern, Krimis und vielleicht auch Mystery/Horror-Stoffen eine gewisse Affinität zum Spuren suchen und mitraten. Hinzu kommt mit James Badge Dale auch ein sympathischer Protagonist, der dank des wirklich smarten Drehbuchs auch einfach mal eine Menge Filmfehler nicht begehen muss. In einer recht gruseligen Szenen sagt er „Ja … nein“, dreht sich um und läuft weg anstatt wie eine Ölgötze die Gefahr anzustarren. Man stelle sich vor: den Lichtschalter bedient er auch mal anstatt durch einen dumklen Flur zu waten. My man.

Prior ist sich also ganz offensichtlich der gängigen Horror-Tropen bewusst. Auch an anderer Stelle ist das Drehbuch sehr clever. Ohne zuviel zu verraten, spielt die „Ansteckung mit einer Idee oder Überzeugung“ eine Rolle. Wenige Franchises haben das bisher so weit und so ausgeklügelt erzählt. Mir fallen eigentlich nur die „Ringu“-Bücher ein, die das ganz exzellent konnten (im westlichen Raum bekannt als „The Ring“). Das Problem nur: es fühlt sich auch etwas an wie zuviel gewollt. Drei Geschichten werden hier in über 2 Stunden Film gespresst, was viele ZuschauerInnen Nerven kosten wird, zu bemüht erscheint oder zu langweilig wirken könnte. Schlimmer ist aber wohl das am Ende ein paar Fragen offen bleiben. Die Ideen hinter The Empty Man sind allerdings genial. Nun bin ich sehr neugierig auf den Comic geworden, auf dem der Film wohl mehr oder weniger basiert.

The Empty Man, USA, 2020, David Prior, 137 min, (7/10)

Sternchen-7

XX

„Four Killer Tales by four killer women“ ist der Aufhänger der Anthologie und kündigt vier Thriller- oder Horrorstoffe von Regisseurinnen an. Darunter Jovanka Vuckovic‘ „The Box“, in der ein Junge in die Geschenkbox eines Passagiers in der Bahn schaut und sich ab da an seltsam verhält. Seine Familie steht vor einem Rätsel und insbesondere seine Mutter ist sich unschlüssig darüber wie sie der Situation entgegen treten soll. In „The Birthday Party“ von Annie Clark (auch bekannt unter ihrem Künstlernamen als Musikerin St. Vincent) versucht eine Mutter (Melanie Lynskey) die Geburtstagsfeier ihres Kindes zu retten. Roxanne Benjamins „Don’t Fall“ erzählt von einer Gruppe von Freunden rund um Gretchen (Breeda Wool), die während ihres Ausflugs eine Entdeckung in den Bergen machen. Karyn Kusamas „Her Only Living Son“ erkundet zusammen mit den Zuschauenden warum eine Mutter mit ihrem Sohn vor dessen Vater flieht. In einigen Besprechungen wird dabei die Mixed Media Sequenz von Sofia Carrillo vergessen, die jeweils zu Beginn, Ende und als Rahmen zwischen den Kurzfilmen der anderen RegisseurInnen gezeigt wird. Das darin dargestellte, gruselige und sehr selbstständige Puppenhaus in Carrillos Sequenzen ist für meinen Geschmack tatsächlich der beste der 5 Filme.


„XX – Official Trailer“, via Magnolia Pictures & Magnet Releasing (YOotube)

XX ist ein längst überfälliger und wünschenswerter Beweis, dass Frauen genauso Thriller- und Horrorstoffe produzieren, schreiben, darstellen und filmen können und dass es sich dabei nicht um ein rein-männliches Genre handelt. Entsprechend haben einige der Segmente durch eine bewusst weibliche Perspektive. Die Mutter in „The Box“ wird beispielsweise damit konfrontiert, dass ihr Sohn plötzlich nicht mehr essen will. Früher oder später kommt natürlich der Vorwurf, dass „gerade sie als Mutter“ doch dazu eine Meinung haben müssen. So als ob Erziehung vor Allem dann, wenn es Probleme gibt plötzlich allein das Problem der Mutter ist und ihre angeborene Aufgabe nicht eher zu ruhen bis alles wieder gut ist.

Das ist an und für sich spannend und ein lobenswerter Ansatz, aber die Herangehensweise an Horror, Suspense und Thrill ist dabei sehr unterschiedlich. Annie Clark zog es beispielsweise vor eine eher groteske Situation (eine zum Scheitern verurteilte Geburtstagsfeier) mit Stilmitteln des Horrors zu filmen und die Stimmung beispielsweise durch Ton, Schnitt und Musik zu diktieren. Eigentlich ist der Film mehr eine Tragikomödie. Die Dissonanz ist verwirrend, obwohl der Film im Grunde eine kleine geniale Indie-Perle ist. Aber in Folge der Dissonanz halt so gar nicht gruselig oder im Sinne von Thrillern spannend. Alle Segmente in XX sind als Filme mit weiblicher Perspektive erfrischend, dafür auch teilweise angenehm „in-your-face“, alle sind handwerklich gut bis exzellent umgesetzt, aber lediglich die letzten beiden Segmente und Carrillos Zwischensequenzen haben etwas von Horror oder Suspense.

XX, USA, 2017, Sofia Carrillo/Jovanka Vuckovic/Annie Clark/Roxanne Benjamin/Karyn Kusama, 80 min, (6/10)

Sternchen-6

You’re Next

Crispian (A. J. Bowen) ist Sprößling der betuchten Davison-Familie, die plant in ihrem Ferienhaus (mehr Ferien-Villa) auf dem Land ihren Hochzeitstag mit allen erwachsenen Kindern und ihren jeweiligen PartnerInnen zu feiern. Crispian bringt seine Freundin Erin (Sharni Vinson) mit, die dann auch direkt Zeugin des Clinchs zwischen den Geschwistern wird. Und da wir uns ja in einem Home-Invasion-Thriller befinden, dauert es nicht lange bis mit Tiermasken verkleidete Unbekannte auftauchen und versuchen eine Person nach der anderen der zerstrittenen Sippe hops zu nehmen. Adam Wingards Verfilmung treibt dabei auf ironische Weise die Zwistigkeiten der Familie auf die Spitze und spult quasi „die 100 Tropen von Familienzusammenküften“ im Eiltempo ab. Anfangs ist man sich nicht sicher, ob das ernst oder als Witz gemeint ist. Ich garantiere jeder wird die eine oder andere Situation von der letzten Familienzusammenkunft wiedererkennen. Wenn da klar ist, dass hier Schwarzer Humor eingestreut ist, dann gesellt sich auch die zweite Überraschung dazu. Denn diejenige, der die meisten wohl am wenigsten zugetraut hätten, teilt am besten aus: Erin. Und das macht am Ende, dass sich You’re Next nicht komplett, aber in einigen Punkten angenehm über typische Home-Invasion-Muster hinwegsetzt. Macht Spaß.

You’re Next, USA, 2011, Adam Wingard, 94 min, (8/10)

Sternchen-8


„YOU’RE NEXT Offizieller Trailer Deutsch German | 2013 Official Horror [HD]“, via KinoCheck (Youtube)

The 8th Night

Eine Legende besagt, dass Buddha vor einigen Jahrtausenden einen bösen Dämon seiner Macht beraubt hat, indem er ihm beide Augen nahm. Sie sind die Quelle der Macht des Dämons, wurden von Buddha an zwei unterschiedlichen Stellen versiegelt, auf dass sie nie wiederzusammengebracht werden. Das rote Auge wird aber Jahre später von einem Wissenschaftler gefunden und wiedererweckt. Es wandert von Körper zu Körper und hinterlässt eine Spur des Grauens. Der junger Mönch Cheong-seok (Nam Da-reum) soll den in Exorzismus bewanderten Park Jin-soo (Lee Sung-min) ausfindig machen, der als einziger das Wiedererstarken des Dämons abwenden kann.

Soweit so bekannt. The 8th Night setzt sich dank einiger, kleiner wohldosierter Twists und weniger, aber effektiver Schauermomente über die recht klassisch klingende Story hinweg. Das Duo aus jungem Novizen und Mönch, der im inneren Zwist mit seiner Vergangenheit steht, sorgt für angenehmen Comic Relief, der nicht mal die Atmosphäre zerstört. Wenn Park Jin-soo dann mit Gebetskette und Axt bewaffnet loszieht und mit gefühlt wenigen Mitteln gegen den Dämon vorgeht, hat das einen angenehmen Touch von Bodenständigkeit. Er entwickelt nicht plötzlich Zauberkräfte oder wird zum Actionheld. Gegen Ende kommen aber doch einige Fragen auf, warum das Gesehene nun immer noch funktioniert und insgesamt wäre der Film auch bestens gewesen hätte man bei der Figur der Ae-ran (Kim Yoo-jung) einfach mal auf Twists verzichtet und stattdessen doch nochmal an der Grusel-Stellschraube gedreht. Nach hinten raus ist der Film zwar „okay“, hat aber auch zuviel versucht, was gar nicht nötig gewesen wäre.

The 8th Night, Südkorea, 2021, Kim Tae-hyoung, 115 min, (7/10)

Sternchen-7


„The 8th Night | Official Trailer | Netflix“, via Netflix Asia (Youtube)

The Best, The Worst, The Weird 😈

Man soll ja vorsichtig mit dem sein, was man sich wünscht. Ich schreibe es aber trotzdem. So richtig gegruselt hat mich keiner der Filme und ein bisschen mehr Gänsehaut oder Schocker hätte ich schon gut gefunden. Teils habe ich das schon erwartet. Schließlich habe ich mit You’re Next, Run und Alien – Die Wiedergeburt eben auch eher Thriller und Actionfilme auf der Liste. Aber auch Suspense, Home Invasion (das gerade) und andere Subgenres können einem schließlich einen gepflegten Schauer über den Rücken jagen. Andere Filme waren dann auch einfach nicht so gruselig wie ich es erwartet hätte (The 8th Night, Nosferatu, XX). Was waren jetzt aber die besten Filme, die ich gesehen habe!? Punktemäßig stehen ganz oben auf der Liste: Shadow of the Vampire, Run, You’re Next und Alien – Die Wiedergeburt. Insbesondere letzterer hat auch sehr schaurige Body-Horror-Szenen. Angenehm gruselig war auch The Empty Man und mit Abstrichen The 8th Night. Die Besprechungen findet ihr unten nochmal verlinkt.

Als Familienfilm war Nightbooks gut, aber eben mehr drollig als gruselig. Visuell, inszenatorisch oder von der Atmosphäre her waren Mandy, XX und Gretel und Hänsel cool. Inhaltlich haben sie mich jetzt aber nicht ganz gekriegt. Nosferatu mag zu recht ein Filmklassiker sein, hat mich aber nicht gegruselt und auch ansonsten nicht wirklich abgeholt. Ganz unten steht leider Hellbound – Hellraiser II auf der Liste, einfach weil mir das zu konfus und beliebig war. Auch Unsane verschwindet irgendwie im unteren Drittel der in Punkte gegossenen Begeisterung. Ich muss mir noch Überlegen, was ich daraus mache für den Horrorctober 2022? Vielleicht mal auf Horrorklassiker und eher Thrill- oder actionlastige Filme verzichten… .


„Bobby Pickett „Monster Mash““, via NRRArchives2 (Youtube)

Ach da war ja noch was! 🙂 Wie jeden Oktober versuche ich das Motiv des Grusels auch durch die anderen Medien zu ziehen und habe u.a. Midnight Mass und Squid Game geschaut, was beides auf die eine oder andere Weise sehr für Halloween geeignet ist. Ersteres vielleicht etwas mehr. Unter der Literatur hat mich Der Unsichtbare bis jetzt noch nicht begeistern können, weil es mir zu gemächlich anfängt und halt die Pointe schon alleine durch den Buchtitel vorweg nimmt. Leanne Shaptons Gästebuch Gespenstergeschichten hat seine Momente. 🙂 Verlangt einem aber viel Interpretationsvermögen ab. Kennt ihr einen richtigen Grusler in Buchform?? Ich hatte schon eine Weile keinen mehr. Glaube das letzte Mal war House of Leaves.

Zu den bisherigen Artikeln

Ankündigung und Filmliste
Woche 1 & 2 („Nosferatu“, „Gretel & Hänsel“ & „Run“)
Woche 3 („Unsane“, „Mandy“)
Woche 4 („Shadow of the Vampire“, „Alien – Die Wiedergeburt“, „Nightbooks“ & „Hellraiser II – Hellbound“)

Zwar habe ich mich nicht bei jedem Film gegruselt, aber unzufrieden bin ich mit dem „Horrorctober“ nicht. Ich habe mal ein paar Klassiker nachgeholt oder Filme, die ich lange schauen wollte. Aber was sind eure Tipps für Halloween 2022, wenn ich mich mal so richtig gruseln will? 🙂 Habt ihr auch an der Challenge teilgenommen? Und alles geschafft?