Horrorctober 2021 – Woche 4 („Shadow of the Vampire“, „Alien – Die Wiedergeburt“, „Nightbooks“ & „Hellraiser II – Hellbound“)

Posted by in 1988, 1997, 2000, 2021, Actionfilm, Bodyhorror, Coming-of-Age, Coming-of-Age, Film, Filmreihe, Horror und Mystery, Luxemburg, Mockumentary, Review, Serienlandschaft, Spielfilm, Splatterfilm, UK, USA

In der vierten Woche wurde der „Horrorctober“ signifikant blutiger. 😈 Und überraschenderweise auch glitzernder … ihr dürft gespannt sein, was das bedeutet. 🙂 Ich war selber auch überrascht. Und Tipp: schuld ist definitiv nicht Hellraiser! 

Shadow of the Vampire

E. Elias Merhiges Shadow of the Vampire erzählt eine Version wie die Dreharbeiten zu Friedrich Wilhelm Murnaus Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens abgelaufen sein könnten. Darin möchte Murnau (John Malkovich) einen möglichst authentischen Film drehen und filmt an echten Schauplätzen in Osteuropa, mit einheimischen Statisten und ach ja, einem echten Vampir. Max Schreck ist dort nur ein Namen für den echten Vampir (Willem Dafoe). Um keine Panik zu stiften und das Projekt nicht zu gewährden, verbreitet Murnau Mythen über „Max Schreck“, dass dieser Method Actor wäre und die Rolle „Graf Orloks“ auch nach Drehschluss nicht ablegt. Er würde dementsprechend auch in full make-up am Set erscheinen, klar. Auch wenn es jetzt so klingt – nein, Shadow of the Vampire ist keine Komödie. Spätestens dann nicht, wenn „Max Schreck“ entgegen der Vereinbarung tatsächlich beginnt hinter den Filmkulissen die Crew zu trinken und eine Spur aus Leichen hinterlässt.


„Shadow of The Vampire (2000) Official Trailer“, via Horror Lover (Youtube)

Anfangs wird „Max Schrecks“ Methode noch von Udo Kier in der Rolle des Set-Designers Albin Grau mit Worten wie „What an actor! Such dedication!“ gelobt. Später kommen schon deutlich mehr Zweifel auf. Der Titel bezieht sich das Verhältnis von Realität und Fiktion, das manchmal recht weit auseinander klafft. „Max Schreck“ räumt mit einigen Vampirmythen auf und zieht interessante Parallelen zu Dracula und was dort alles unrealistisch ist. Daraus spricht eine andere Art Grauen, das Untersterblichkeit als alles andere als luxuriös beschreibt. Die Grundidee sorgt sowohl für gruselige Momente im Film, als auch grotesk-witzige.

Willem Dafoe macht eine großartige Arbeit als echter Vampir, der dem Grafen Orlok aus Murnaus echtem Film tatsächlich ähnelt. Davon abgesehen werden verschiedene Facetten des Filmbusiness und frühen Filmschaffens thematisiert. Murnau gibt den Darsteller*innen sehr genaue Anweisungen während des Drehs – ist ja eh ein Stummfilm. Ab und zu wird eine Platte aufgelegt, die der Atmosphäre dient -wenn schon nicht gesprochen wird. Die einen oder anderen Filmschaffenden sind gewissen Substanzen stärker zugeneigt als andere. Und dann ist da noch die Kunst. Es ist bedenklich, was Murnau alles bereit ist zu geben. If it’s not in Frame it doesn’t exist – und der Zweck heiligt die Mittel? Eine Szene, die einem den Schauer über den Rücken jagt. Die mit Darstellern wie Eddie Izzard als Gustav von Wangenheim als Hutter gefilmten Szenen könnten deckungsgleich zu Nosferatu sein, was Shadow of the Vampire zu einem Filmerlebnis macht, dass sich sehr meta anfühlt. Auch ansonsten sorgt der Film für Überraschungen – neben Jeff Levine hat niemand geringeres als Nicolas Cage produziert. 🙂

Shadow of the Vampire, UK/USA/Luxemburg, 2000, E. Elias Merhige, 91 min, (8/10)

Sternchen-8

Alien – Die Wiedergeburt

Nachdem Ellen Ripley (Sigourney Weaver) sich am Ende des dritten Alien-Films opferte um das in ihr heranwachsende Alien auszurotten, gaben Wissenschaftler und Militärs die Idee nicht auf aus einem Alien die perfekte Biowaffe zu basteln. Ripley wurde geklont und das Alien aus ihr lebend geborgen. Die Klon-Ripley überlebte und gilt ebenso als wissenschaftliche Sensation, zumal Ripley- und Alien-DNA nicht eindeutig trennbar waren. Somit sind beide Hybride. Auch Ripley selber versucht die Fragmente von Erinnerungen und ihr Selbst einzuordnen. Das Raumschiff auf dem die Experimente stattfinden wird mit jedem gezüchteten Alien mehr zur tickenden Zeitbombe. Zeitgleich mit der Ankunft der Weltraumpiraten rund um den wenig zimperlichen Johner (Ron Perlman), dem zielsicheren Christie (Gary Dourdan) und der rebellischen Call (Winona Ryder), passiert natürlich das unvermeidliche und die Alien-Zöglinge brechen aus.


„Alien: Resurrection – Official® Trailer [HD]“, via TrailersPlaygroundHD (Youtube)

Jean-Pierre Jeunet verfilmt hier ein Drehbuch von Joss Whedon und man erkennt die Handschrift beider. Whedons Szenario stellt die launige Gruppe der sympathischen, zuweilen rauen Weltraumpiraten als (Anti)Helden den Aliens gegenüber. Der Film ist nicht um Twists verlegen. Hinzu kommt durch das Konzept der Hybride und Klone ein Aspekt von Body-Horror, der den inzwischen vierten Alien-Film nun nach zwei eher actionlastigeren wieder zu einem Macht, der sich nach Horrorfilm anfühlt. Jean-Pierre Jeunet nutzt die Quirks der Charaktere (wenn die Wissenschaftler die Aliens ärgern, weiß man schon, was nicht lange auf sich warten lässt) und holt neben den Horror- und Actionszenen gemäß seiner Handschrift eine angenehme Verschrobenheit der Einzelnen hervor, sodass der Film etwas Comic Relief zu bieten hat. Die Szenen und das Monster Design sind exzellent. Es gibt Momente, in denen tun einem die Hybride fast leid und wieder andere bei denen sogar mal mir etwas übel geworden ist, obwohl ich mich für hartgesotten halte. Wer sich (wie ich) vom zweiten und dritten Alien-Film etwas gelangweilt fühlte und neue Impulse vermisste, bekommt die definitiv im vierten Film. Für Fans der Reihe (und insbesondere von Teil 2 und 3) gibt es aber offensichtlich viele Stellen, die auffallen und ggf. sauer aufstoßen. Dass Ripley und Alien erfolgreich geklont werden scheint annähernd so großer Unfug zu sein wie der Fakt, dass sie Erinnerungen hat, so rudimentär die auch sein mögen. Auch der Wechsel des Tons zu Jean-Pierre Jeunets (für mich sehr angenehmer) Handschrift skurriler Charaktere, pointierter Szenen und Absurditäten ist vielleicht nicht für alle willkommen.

Alien – Die Wiedergeburt (OT: Alien: Resurrection), USA, 1997, Jean-Pierre Jeunet, 111 min (extended), (8/10)

Sternchen-8

Nightbooks

Der kleine Alex (Winslow Fegley) hat sich Horror eigentlich abgewöhnt. Keine Geistergeschichten, keine Halloween-Themengeburtstage mehr, nichts. Bis dahin hat er leidenschaftlich gern selber Gespenstergeschichten geschrieben, die er Nightbooks nennt. Kaum hat er dem entsagt, wird er magisch von einem Apartment in seinem Wohnhaus angezogen. Nachdem sich die Tür hinter ihm schließt, geht sie nicht mehr auf. Er ist Gefangener der Hexe Natacha (Krysten Ritter) und wenn er nicht als Souvenir in ihrem Setzkasten enden will, muss er sich nützlich machen. Offenbar mag sie Gruselgeschichten. Ab jetzt heißt es für Alex „Write for your life“. Ihm zur Seite steht dabei die toughe Yasmin (Lidya Jewett), ebenso Gefangene der Hexe. Beide erwecken den Eindruck eines Hänsel-und-Gretel-Szenarios und erleben tagsüber, wenn Natcha außer Haus ist, das eine oder andere Abenteuer in dem eigenwilligen Apartment.

Die böse Hexe Natacha allerdings ist ziemlich flippig. Klar, Krysten Ritter ist eine Traumbesetzung in der Rolle und darf auch hier wieder so herrlich schroff sein wie in Apartment 23 und Jessica Jones. Aber es geht auch nicht ganz ohne Glitzer und Einhörner. 😉 Dementsprechend ist Nightbooks sehr gemäßigter Grusel. Erwachsene werden den Film weniger schaurig finden, aber er taugt durchaus was als Komödie und Abenteuerfilm. Für die kleinen Zuschauenden ist es wahrscheinlich durchaus auch gruselig und hat eine schöne Botschaft, die kohärenter erzählt wird als in Genrekollegen wie Das Haus der geheimnisvollen Uhren: Steh zu dir selbst und zu deinen Freunden. Leider sind die kleineren Twists und Turns sehr vorhersehbar. Die Siam-Katze Lenore ist „leider“ abwechselnd eine echte und eine CGI-animierte-Katze. Dass man das so stark sieht ist recht schade. Dafür ist der Rest des Films sehr stimmungsvoll inszeniert. Ich hätte gern die Bibliothek von Natacha … .

Nightbooks, USA, 2021, David Yarovesky, 103 min, (7/10)

Sternchen-7


„Nightbooks | Official Trailer | Netflix“, via Netflix (Youtube)

Hellraiser II – Hellbound

Der erste Teil der Hellraiser-Filme hatte dieses Versprechen von mehr, von neugierig machen. Was sind die Zenobiten? Wo kommen die Würfel her? Das Design der Zenobiten und des Horrors ist blutig, schmerzhaft anzuschauen und grotesk. Ich habe tatsächlich bisher wenige Filme gesehen, die über so ein frontales, blutiges Artwork verfügen. Der zweite Film beantwortet nun dezent einige Fragen und setzt die Geschehnisse nach dem ersten Film fort, ist aber leider eher konfus. Kirsty (Ashley Laurence) hat es geschafft den Zenobiten zu entkommen, wacht aber in der Nervenheilanstalt auf. Die Ärzte rund um Dr. Channard (Kenneth Cranham) und MacRae (William Hope) wollen die „Psychose“ Kirstys verstehen, die von Dämonen und Puzzleboxen spricht. Zumindest augenscheinlich. Channard ist in Wirklichkeit hinter den Puzzleboxen und den Zenobiten her und will dafür Kirstys Wissen und die Fähigkeiten der Patientin Tiffany (Imogen Boorman) nutzen, die begabt im Lösen von Rätseln ist.

Visuell ist der Film erneut ein Horror-Meisterwerk und die Betonung liegt auch wirklich auf Horror. Nicht „so ein bisschen gruselig“, nicht „mehr ein Actionfilm“, nicht „eigentlich ein Drama“, sondern Horror. ^^ Zwar bin ich persönlich kein besonders großer Fan von Gore, aber der Film nimmt seine Aufgabe ernst. Metallhaken, die sich in Fleisch boren gibt es reichlich zu sehen. Mit meisterlich meine ich aber eher das Design der Zenobiten, ihre Attitüde und ihr Auftreten und die albtraumartige Dimension, in die sie ihre Opfer entführen. Kurzum: die Idee und das Design. Insbesondere die Hölle der Zenobiten erinnert dieses Mal u.a. an M.C. Escher, dessen Illustration sogar in der Psychiatrie hängt. Dass wir einen kleinen Einblick bekommen wie Pinhead einst Pinhead wurde, gibt außerdem einen Vorgeschmack darauf, dass auch Zenobiten „gemacht“ werden.

Alles andere ist aber schwer einzuordnen, schwer anzuschauen und folgt keiner greifbaren Mythologie aufgrund von Auslassungen und Vereinfachungen. Klar, Filme machen keinen Spaß mehr, wenn man ihnen mit Logik kommt. Aber das ganze Abhandensein von Zusammenhängen oder verständlicher Mythologie macht auch keinen Spaß. Wer ist der Leviathan? Wie steht er zu den Zenobiten? Was wollen die Zenobiten überhaupt? Was will Dr. Channard? Warum zur Hölle haben alle so einen inneren Drang durch die Türen in die Hölle abzusteigen, nachdem ein Rätselwürfel gelöst ist? Und und und … vielleicht sollte man besser Clive Barkers Bücher lesen.

Hellraiser II – Hellbound (OT: Hellbound: Hellraiser II), UK, 1988, Tony Randel, 99 min, (5/10)

Sternchen-5

Und sonst so?

Und sonst so habe ich Squid Game zu Ende geschaut, wozu es eine Besprechung in einem extra Artikel geben wird. Nur soviel – mir hat die Serie sehr gut gefallen. Inzwischen schaue ich auf Netflix Brand New Cherry Flavor, was ich noch etwas gewöhnungsbedürftig finde, aber nicht schlecht. Mal schauen wo das ganze hinführt. Außerdem lese ich gerade beide Bücher, die ich mir für die Zeit um Halloween vorgenommen habe – just in time sozusagen.

Das wären einmal Gästebuch – Gespenstergeschichten von Leanne Shapton, was inhaltlich schwer zu beschreiben ist. Es ist mehr wie ein „Scrapbook“ aus Gedichten, Textschnipseln, Bildern, Fotos, die von einander unabhängige schaurige Geschichten erzählen. Die Geister und das Schaurige werden dabei nie dargestellt. Es ist eher das, was man zwischen den Zeilen deuten kann oder was fehlt, das Grauen erregt. Manchmal verstehe ich aber auch nicht, was mir die Abschnitte sagen sollen. ^^‘ Muss ich leider zugeben. Ein paar Seiten habe ich ja noch vor mir, vielleicht kommt das noch. Außerdem habe ich noch angefangen H.G. Wells Der Unsichtbare zu lesen und habe vielleicht gerade noch rechtzeitig beschlossen das Vorwort zu überspringen, bevor ich noch mehr gespoilert wurde. Wem dienen eigentlich Vorworte mit Spoilern? Was soll das? Ich erkenne keinen Zweck darin. Wer das braucht um den Inhalt zu deuten, dem bringt das eh im Nachwort mehr, oder nicht? Und wer die Signifikanz oder historische Einordnung oder was auch immer nicht kennt, hat doch am Ende auch mehr davon!? So oder so … beide Bücher lese ich demnächst weiter.

Zu den bisherigen Artikeln

Ankündigung und Filmliste
Woche 1 & 2 („Nosferatu“, „Gretel & Hänsel“ & „Run“)
Woche 3 („Unsane“, „Mandy“)

Durch „Alien 4“ habe ich mich nun auch gefragt … was macht eigentlich Jean-Pierre Jeunet!? Offenbar hat er große Probleme für seine Projekte Finanzierung zu finden. Kaum vorstellbar bei einem Regisseur mit solch einer Handschrift. Nach langer Pause durch Finanzierungshölle sollte 2021 eigentlich sein neuster Film „Bigbug“ auf Netflix erscheinen. Und wie steht es um den „Horrorctober“ für mich? 4 Filme sind noch offen. Leider lassen einige Leih-DVDs auf sich warten und ich bin mal gespannt, ob es überhaupt klappt mit den noch übrigen Filmen. Da ich inklusive des 31.10. die letzten Horrorctober-Filme schaue, werde ich frühestens am 1.11. die letzten Besprechungen posten und ihr erfahren, ob es nun geklappt hat, oder ich mir „spontan“ andere Horrorfilme suchen musste, um die 13 voll zu machen. Wie läuft es für euch mit der Horror-Challenge? 🙂 Habt ihr auch Halloween-Lektüre ausgesucht?