Serien-Besprechung: „Supernatural“ Season 12

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Ja, okay, ich schaue es immer noch weiter und habe mehr Spaß daran als erwartet. Vielleicht habe ich Supernatural damals zu früh abgebrochen. Aber zu meiner Verteidigung: ich finde immer noch, dass alles zwischen der sechsten und zehnten Staffel die bisher schwächsten waren. Hauptsächlich habe ich die damals wegen der Comedy-Momente, der Weiterentwicklung der drei Hauptcharaktere und wegen einzelner starker Episoden geschaut. Zwischen Staffeln 6 und 10 fand ich weder die big bads besonders spannend, noch die Mehrzahl der cases of the week. Das ist eben wenig, wenn es sich auf 23-Episoden-Staffeln verteilt. Aber ab Staffel 11 bin ich doch zufriedener mit der Entwicklung. Und da Staffel 11 mit zwei markanten Cliffhangern endet, durfte man gespannt auf den Staffelauftakt sein. Die Besprechung enthält keine signifikanten Spoiler für die 12. Staffel, aber für die Staffeln davor.

Die jüngsten Ereignisse werden das Leben der Winchesters wohl gehörig verändern. Amara hat niemand geringeren als Mary Winchester (Samantha Smith) von den Toten wieder auferstehen lassen. Dean (Jensen Ackles) hat seine liebe Müh‘ und Not ihr begreiflich zu machen wer er ist, bevor bei Mary der Groschen fällt. Dass an die dreißig Jahre vergangen sind und ihre Jungs inzwischen erwachsen und auch Jäger sind, macht es nicht einfacher. Kaum dass er sie zumindest ein wenig abholen konnte, kehren sie in den Bunker zurück, müssen ihr irgendwie erklären, dass sie mit einem Engel befreundet sind und herausfinden, was mit Sam (Jared Padalecki) passiert ist. Natürlich wurde am Ende der elften Staffel offen gelassen wie schwer die unbekannte britische „Men of Letters“-Agentin ihn verletzt hat. Jetzt gibt es Entwarnung: Sam ist nicht gravierend verletzt, aber er befindet sich in der Gewalt der britischen Men of Letters und wird gefoltert zum Zwecke Informationen über amerikanische Jäger herauszugeben. Die erste Amtshandlung liegt also im Finden und Befreien Sams.


„Supernatural Season 12 Extended Promo (HD)“, via TV Promos (Youtube)

Wie so oft zu Beginn einer Supernatural-Staffel ist das nur das übliche Aufräumen nach dem mal wieder alles verändernden Finale der vorhergehenden Staffel. 😉 Zu den Hauptkonflikten gehört danach zum Einen auf der persönlichen Ebene die Dynamik zwischen den Brüdern und ihrer auferstandenen Mutter. Mary selber hat so ihre Schwierigkeiten mit der Anpassung in der modernen, digitalisierten Welt. Das Gefühl fremd in der Welt zu sein kennt Castiel (Misha Collins) ebenso und beide können das Dilemma des jeweils anderen gut nachvollziehen. Schon praktisch verständnisvolle Engel in der Umgebung zu haben. Mary bringt jedenfalls eine lange fehlende weibliche Note in den Cast. Bisher gab es ja höchstens wenige, einzelne Episoden mit den Wayward Sisters (Jody, Claire, …) etc. Dass aber Sam und Dean ebenso wie John Jäger wurden und die Kindheit mit John als alleinerziehendem Vater nicht die Wucht war, wird die ganze Staffel über ein Konflikt bleiben.

Abgesehen davon machen es die britischen Men of Letters den Winchesters und bald allen amerikanischen Jägern schwer. Sie betreiben die Jagd auf Monster als strukturiertes Business und haben angeblich die Monster in Europa im Griff. Um alle Bedrohungen auszurotten, bedürfe es einer interkontinenantelen Zusammenarbeit. Durch das Kidnapping Sams erwischen sie die Winchester erstmal auf dem ganz falschen Fuß, was sich aber später legt und eine Zusammenarbeit nicht mehr unmöglich erscheint. Wie so oft. Dabei treten insbesondere Arthur Ketch (David Haydn-Jones), Mick Davis (Adam Fergus) und Toni Bevell (Elizabeth Blackmore) mit den Winchestern und den amerikanischen Jägern allgemein in Kontakt. Dabei werden sie stets als technisch und informativ überlegen und versnobt dargestellt.

Die British Men of Letters sind leider einer dieser typischen Tropen von Verbündeten, die auch gleichzeitig Feinde sind und die Episoden in denen sie auftreten und Konflikte, die sie verursachen sorgen für mich immer wieder für die massivsten Gähn-Momente der Staffel. Würde man den kompletten Handlungsbogen weglassen, hätte das keinen signifikanten Effekt. Er ist einfach überflüssig und wieder einmal eines der Muster, das ich so ganz und gar nicht an der Serie schätze: das künstliche Aufblähen der Staffeln. Wofür das alles wiederum nett ist: als ein Gimmick, das gleichermaßen doof aber witzig ist, wird gezeigt, dass die britischen Men of Letters in einem Internat ausgebildet werden, das schon wie eine Art „Dark Hogwarts“ anmutet. Ansonsten muss ich gestehen, dass der „Man of Letters“-Charakter mit meiner Meinung nach dem meisten Potential als eine Art Opferlamm recht bald aus dem Spiel genommen wurde.

Der weitaus interessantere Handlungsbogen ist wohl der aus dem Auffinden Luzifers, der auf der Erde wieder auf freiem Fuß ist und sich ganz offenkundig hocharbeitet. Castiel und Crowley (Mark Sheppard) bilden kurz ein Team wider Willen (Stichwort Agent Beyoncé), Sam und Dean unterstützen zeitweilig auch dabei. Das Gebanter zwischen Castiel und Crowley macht Spaß, Luzifers Body-Hopping zuweilen auch. So ergreift er u.a. von einem Rock-Musiker besitz, was schon ein bisschen metal ist und einen Hauch der Note von Stoffen wie American Gods hat, wo die alten Entitäten den Geschmack der Popkultur kosten und sich dort ihre Anbetung herholen. Daraus hätte man aber durchaus mehr machen können. Immerhin verschreibt sich Luzi später „think big“ und sein Body Hopping bringt ihn noch ein paar Ebenen höher in der Nahrungskette.

Fraglich ist für mich hierbei, warum andere Darsteller Mark Pellegrinos Lucifer nicht so adaptieren wie es in der letzten Staffel Misha Collins gemacht hat!? Casifer war schon sehr lustig anzuschauen und Collins hat deutlich versucht Mimik und Gestik Pellegrinos Lucifers anzuwenden. Das scheint öfter zu passieren. Denn seine Herangehensweise an die Darstellung eines Engels wurde ja auch nicht unbedingt von anderen adaptiert. Hier hätte man durchaus gern etwas auf die Kontinuität und Schlüssigkeit der Serie (think big, lol) achten können. Die anderen Darstellungen Lucifers bzw anderen Vessel finde ich leider etwas blass. Lucifers Handlungsbogen allgemein bringt uns hier aber v.A. zu einer der gleichzeitig stark gehassten und stark geliebten Konsequenzen dieser und darauffolgender Staffeln. Undzwar bändelt Luzifer mit einem Menschen, Kelly Kline (Courtney Ford), an und zeugt mit ihr einen Erzengel-Mensch Hybriden.

!Der nachfolgende Reel enthält Spoiler!


„Supernatural Season 12 Comic-Con Sizzle Reel Trailer (HD)“, via TV Promos (Youtube)

Diese Wendung unterfüttert die „Lore“ der Serie und gesamte Staffel (leider erst ab der zweiten Hälfte) und macht sie um einiges spannender. So beispielsweise schon alleine durch die moralische Frage, ob man Kelly und/oder das Kind töten soll, um einer Antichrist-Katastrophe zuvorzukommen? Mit der Frage tut sich das Team Free Will extrem schwer, allen voran Castiel. Die Suche nach Kelly wird v.A. dankbarerwese zu einer schönen Storyline für Castiel, die ihm etwas mehr Raum für Entwicklung anhand eines echten Handlungsfadens statt Pseudo-Storyline mitgibt. Auch Glaube und Respekt vor dem Leben und individuellen Entscheidungen ist ein Thema, das ich lohnenswert und gut gewählt finde. Der Umstand, dass nun natürlich ausgerechnet Lucifer als offensichtlicher Menschenhasser mit einer Frau anbändelt, ein Kind zeugt und plötzlich erwachende Vatergefühle zeigt ist schon sehr hanebüchen und in zahlreichen „Top 10 Things about Supernatural That Make no Sense“-Listen zu finden.

Dankbarerweise werden vor dem Ende der Staffel einige Konflikte abgeschlossen, sodass sich das Finale auf Luzifers Spross konzentriert. Dafür bringt das Finale auch wieder eine neue Überraschung in die Gleichung – wie das eben so bei Supernatural üblich ist. Ich verrate an der Stelle nicht welche Ausmaße das genau annimmt, aber maße mir an zu sagen: ich fand’s doof und hatte den Eindruck, dass man den Kanon der Serie wieder um ein zu bemühtes und gleichermaßen ausgelutschtes Element erweitert. Das haben halt schon andere Serien gemacht und wie ich mit Kenntnis der 13. Staffel sagen kann auch besser getroffen. Trotzdem wartet das Finale mit mehreren heftigen Verlusten auf.

Summa summarum krankt die Serie immer noch an den bekannten Tropen und Mustern wie dem oftmals drögen Case of the Week und Lückenfüllern. Andere Neuerungen wie das Auftreten von Mary Winchester funktionieren hingegen viel besser als erwartet und fügen der Serie viel gutes bei. Die zweite Hälfte nimmt wie so oft deutlich an Fahrt auf und ist spannender angelegt. Es gibt keine großen Comedy-Episoden im Stile frührer Staffeln (ich denke da nur an The French Mistake), aber immerhin eine in der Dean sein Gedächtnis verliert (12×11 „Regarding Dean“), die herrlich witzige, aber auch sehr dramatische Charaktermomente hat. Insgesamt ist Castiels charakterliche Weiterentwicklung deutlich und die inzwishcen förmlich familiäre Zugehörigkeit zu den Winchesters. Das Auftreten Marys sorgt für eine näherungsweise Geschlossenheit oder Möglichkeit zur Aussprache zwischen Mutter und Söhnen – entsprechend oft ist Familie auch ein unterschwelliges Thema bei den Cases of the Week, was gut getroffen ist. Eine cinematographisch sehr schöne Episode ist außerdem 12×12 „Stuck in the Middle (With You)“, bei der Richard Speight Jr. (bekannt als Darsteller des Erzengels Gabriel) Regie führte und die schon fast tarantino-esque mit episodenhaftem Charakter anmutet. Nicht die beste, aber eine gute Staffel.

(7/10)

Sternchen-7

Aus gegebenem Anlass – Noteworthy „Destiel“-Moments, ausklappen auf eigene Gefahr 😉 enthält außerdem leichte Spoiler, allerdings nicht des Finales

Ja, in der Staffel gibt es einiges zu erzählen. In Cas‘ Bestreben für die Menschheit und im Interesse der Winchesters zu kämpfen, trifft er einige unpopuläre Entscheidungen und bereut die stärker als wohl nötig wäre. Nachdem Dean und Sam erwägen einen folgenschweren Pakt einzugehen, tötet Castiel kurzerhand vor der Erfüllung dessen den „Vertragspartner“ trotz der bei Nichteinhaltung drohenden „Konsequenzen kosmischen Ausmaßes“. Dabei erklärt er das erste Mal so deutlich, dass die Winchesters seine Familie sind. Aber schon ab der ersten Episode und auch im Laufe der Staffel wird deutlich, dass für ihn alles von Dean abhängt. Freud wie Leid. Egal, ob das in Gesprächen oder Umarmungen zum Ausdruck kommt. Umso ärgerlicher ist Dean aufgrund des unpopulären Vetragsbruchs, aber auch wegen Cas‘ Alleingängen. Castiel  wird in der Episode 12×12 „Stuck in the Middle (With You)“ fast getötet, sagt nochmal deutlicher, dass er sie liebt – man kann munkel, ob er Dean dabei einmal länger angeschaut hat als nötig gewesen wäre. In jedem Fall aber wird er von Mary offiziell in die Familie aufgenommen, als sie später sagt, dass in der Nacht fast „einer ihrer Jungs“ getötet worden wäre und dabei Castiel meint.

Spoiler für das Staffelfinale ab 13:36, bis dahin safe:


„spn scenes that hit different now destiel is canon – part 4“, via lampstiel (Youtube)

Dass Dean Cas‘ Alleingänge und manche seiner Pläne nicht gutheißt, mündet in mehreren Episoden in einem kleinen Ehekrieg. Zuerst als er und Sam Cas wiederum bei einem Fall unterstützen, der einen ehemaligen Kollegen Cas‘ betrifft. Wie sich herausstellt auch der Fall eines Engels, der Menschen sehr nah gekommen ist. Ähnlich ist es als Cas sich eine Weile nicht meldet, weil er im Himmel recherchiert und Deans Nachrichten unbeantwortet lässt. Dean reagiert darauf übermäßig pissed und Cas erwägt sogar ihm sein Mixtape zurückzugeben. Bitte, was? Ein Mixtape!? Wir wissen was das bedeutet! Sie sind praktisch Bodyfriends, klar. Nach dem Ehekrieg folgt meist die Versöhnung. Wie im echten Leben.

An der Sorge Deans und an Castiels offener Bekundung, dass die Winchesters seine Familie sind, erkennt man schön die Weiterentwicklung der Beziehung der Beiden. Wir erinnern uns, es gab Zeiten, da hat Dean Castiel mit einem Dolch in die Brust begrüßt und umbringen wollte er ihn auch schon mal vor vielen Staffeln. Jetzt ist er pissed, wenn er nicht ans Telefon geht und hat Angst, dass er tot ist … . Staffeln 12 und folgende (soviel darf schon verraten sein), geben einen sehr guten Hinweis darauf, was in Staffel 15 dann zu einem mäßig guten Ergebnis gebracht wird. An der Stelle schweige ich über das Staffelfinale dieser, der zwölften, Staffel, weil es wohl am signifikantesten dafür ist.

 

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So, da sind wir wieder. Eine durchwachsene Staffel, deren Finale mich aber sehr sehr gespannt auf Staffel 13 macht. Und es geht straff auf das Ende zu … ob ich dann auch mal wieder was anderes gucke? Vielleicht. Wundersamerweise denke ich aber in letzter Zeit immer öfter … eigentlich müsste man es nochmal von vorn schauen. Oha. ^^‘ Wie ist das plötzlich passiert? Habt ihr auch so eine Serie, ein Guilty Pleasure, bei dem ihr trotz seiner Probleme immer wieder landet? Selbst nach Jahren? Wie hat euch die 12. Staffel gefallen, falls ihr sie gesehen habt?