7ème art: Kaijū-Filme

Posted by in 1933, 1954, 2001, 2002, 2007, 2008, 2018, 7ème art, Actionfilm, Film, Found Footage, Japan, Kaiju Eiga, Komödie, Review, Schwarzweißfilm, Science-Fiction, Spielfilm, Trashfilm, USA

Als ich kurz nach der lang ersehnten Japanreise letztes Jahr einige Filme schaute, die in Tokyo spielen, erschien es mir als Pflicht auch mindestens einen Godzilla-Film (bwz Gojira 😉 ) in die Liste aufzunehmen. Auch, wenn das bedeuten würde, dass ich vielleicht zuschauen muss wie ein Teil Tokyos zerstört wird. Als ich damals dann nun den ersten Godzilla-Film aus dem Jahr 1954 sah, dachte ich mir, dass der vielleicht einfach nicht in die Werkschau passt und irgendwie seine eigene verdient hätte. Immerhin ist das der Beginn einer Ära – Godzilla ist heute noch da. Alive and kicking skyscrapers since 1954. Dann war da 2019 auch Donpozuelos mutiges Vorhaben alle Godzilla-Filme zu schauen und ich dachte mir: ok, wenn du irgendwas mit Godzilla-Filmen anfängst, dann entweder eine Godzilla-Werkschau oder … Kaijū Eiga! Übersetzt heißt das soviel wie Kaijū Filme bzw Filme über Riesenmonster. Und ihr seht worauf die Entscheidung gefallen ist. Damals war ich noch im Glauben, dass Godzilla dieses Genre geprägt und aus der Wiege gehoben hat. Das mag sein, aber tatsächlich war King Kong zuerst da! Wer hätt’s gedacht.

King Kong und die weiße Frau

King Kong und die weiße Frau war und ist eine Sensation. Wenn man sich ins Bewusstsein ruft, dass der Film 1933 über die Mattscheiben flimmerte und in Zeiten lange vor CGI-Tricksereien dank (des übrigens ersten Einsatzes von) Miniaturprojektion und Stop-Motion-Technologie seine Fantasie erzählte, dann ist das schon bahnbrechend. Da steckt echt Gehirnschmalz drin. Wie sonst sollte man in dem Jahrzehnt die Geschichte eines überambitionierten Filmteams erzählen, dass auf einer Insel einen Abenteuer- und Entdeckerfilm drehen will und dabei zufällig einen Riesenaffen findet. Ja sogar eine ganze Insel voller prähistorischer Lebensformen – alle in Übergröße. Wenn die Filmcrew, Schiffsmannschaft und die naive Jungschauspielerin Ann Darrow (Fay Wray) durch den Urwald von Skull Island streifen, dann sieht das einfach gut aus, dafür dass der Film fast 90 Jahre auf dem Buckel hat. Aber aufgrund der großen Zeitspanne, die zwischen damals und heute liegt, ist auch nicht mehr alles nachvollziehbar was sich dort narrativ abspielt. Warum töten sie die Dinos von Skull Island, obwohl von manchen gar keine Gefahr ausging? Weil sie da sind? Auch die furchtbar hölzernen Dialoge, die sehr gewollte Inszenierung von Fay als Ann und leicht bekleidete damsel in distress wirken mehr als überholt, woraus man dem Film aber aufgrund des unterschiedlichen Zeitgeists nicht direkt einen Strick drehen kann. Für heutige Sehgewohnheiten ist es dennoch befremdlich. Am krassesten ist wohl aber die völlig fehlgeleitete Botschaft und der Aufhänger des Films „It was beauty killed the beast„. Aber obwohl sich der eine oder andere (nicht) humane facepalm mit wundersamen Momenten der Innovation im Film abwechseln, bleibt am Ende das Mitgefühl für die missverstandene Kreatur, die vom Jäger zum Gejagten wurde. Ein König, den man seines Reiches beraubt hat.

King Kong und die weiße Frau (OT: King Kong), USA, 1933, Merian C. Cooper/Ernest B. Schoedsack, 100 min, (7/10)

Sternchen-7


„King Kong und die weiße Frau (Trailer 1933)“, via bebraverlag (Youtube)

Godzilla (1954)

Als vor der japanischen Küste Militärschiffe genauso wie Fischerboote verschwinden, ist die japanische Regierung ratlos. Überlebende berichten von einem Wasserberg, den man gesichtet hätte. Als der Verursacher aber das erste mal auftaucht, stellt es sich als riesengroßes, echsenähnliches Monster heraus. Mythen um eine Gottheit namens Godzilla (Gojira im Original) werden vorgekramt, und Wissenschaftler und Strategen auf den Plan gerufen. Denn Godzilla traut sich immer weiter ins Festland vorzustoßen – mit desaströsen Folgen.

Ishirō Hondas „Gojira“ ist die Geburtsstunde des Begriffs „Kaijū Eiga“, des frei übersetzt Monsterfilms. Honda, seines Zeichens ein Vertrauer Akira Kurosawas, hat im weiteren Verlauf seiner Karriere viele Fortsetzungen zu Gojira als auch anderen Monsterfilmen als Regisseur begleitet. Außerdem gibt es in dem Film ein Wiedersehen mit Takashi Shimura, der mir letztes Jahr scheinbar öfter über den Weg lief. 🙂 Er spielt nuancenreich den Wissenschaftler Prof. Yamane, der dankbarerweise den Ansatz des Artenschutzes fährt (wenn auch hilf- und erfolglos) und als so ziemlich einziger möchte, dass man Godzilla bewahrt statt zu töten. Neben dieser Note greift der Film den Gedanken auf, dass Gojira durch Atombombentests und Strahlung in der Form entstanden oder als Untier vergangener Zeiten durch eben diese geweckt worden sein könnte. Die Botschaft, dass Wissenschaft verantwortungsbewusst und humanitär vertretbar sein soll, weil ansonsten große Katastrophen drohen, ist eine in Anbetracht Japans Geschichte in Bezug auf die desaströsen Auswirkungen von Atomwaffen verständlich und aufrüttelnd. Die aber im Laufe der Godzilla-Filmgeschichte ab und zu abhanden kommen wird. Filmisch ist es ganz klar ein Kind seiner Zeit. Man erkennt zu gut den Unterschied von echten Kulissen und Attrappen, Spielzeug-ähnlichen Zügen und Gebäuden, aber einen gewissen Filmnerd-Faktor hat das Ganze dennoch. Nur der Wissenschaftler mit Augenklappe, der im Zwiespalt mit sich selbst steht hat einen gehörigen Trashfaktor. Verständlicherweise erkennt man in einem Film der 1950er, der größtenteils im Studio gedreht wurde, keine Originalschauplätze des heutigen Japans. Aber man wird Zeuge wie Godzilla die Ginza der 1954er Jahre zerstört. Autsch. Achtung: wer die im Gegensatz zur Kinofassung 15 Minuten längere Originalfassung schaut, der muss die Differenz voraussichtlich so wie ich im japanischen O-Ton ohne Untertitel schauen.

Godzilla (OT: ゴジラ), Japan, 1954, Ishirō Honda, 96 min, (7/10)

Sternchen-7

Godzilla, Mothra and King Ghidorah

Godzilla, Mothra and King Ghidorah ist der 25. Godzilla- bzw Gojira-Film und Teil der Millennium-Reihe, bei der die Tōhō-Studios die Godzilla-Reihe um die 200er Jahre neu verfilmten, nachdem sich Amerika zwischendurch an der Inszenierung des Monsters versuchte. Hier kommt Godzilla nach langer Zeit zurück. Die erste Begegnung in den 1950er Jahren hat selbstverständlich Spuren hinterlassen. Gojira ist wie ein Schreckgespenst von dem alle hofften, dass es sich nicht wieder melden würde. Die Journalistin Yuri Tachibana (Chiharu Niyama), die für einen kleinen Nischen-Fernsehsender arbeitet, sitzt quasi in der ersten Reihe als kurz nach der Sichtung Godzillas auch Legenden um andere, alte Kreaturen erzählt werden. Und tatsächlich stellen sich diese nach und nach Godzilla – mit mehr oder weniger Erfolg.

Die titelgebenden Monster Mothra und Ghidorah, die in der Geschichte der Kaijū-Filme die meiste Zeit selber auch Gegenspieler waren und die Menschen das Fürchten lehrten, werden hier zu „Helden“. natürlich wird so oder so durch die Kämpfe viel in Schutt und Asche gelegt. Allerdings ist es doch spannend zuzuschauen, ob die anderen Monster Godzilla das Wasser reichen können. Einen seltsamen Beigeschmack hinterlässt die hanebüchen klingende Erklärung, dass Godzilla aus der Gedankenenergie der Opfer des Atomschlags bestehen würde und daher nicht so einfach umgebracht werden kann. Der Gedanke, dass Godzilla von Rache angetrieben wird und der historische Kontext sind ja eigentlich eine schmerzlich gute Idee, aber die Narrative und Wortwahl die dafür gefunden wurde ist eindeutig zu hanebüchen. Das und der militärische Pathos sind nicht selten ein touch too much. Wie so oft bei Filmen dieses Subgenres ist das Gekloppe aber ein schönes Trash-Fest. Mit Yokohama, Hakone und später der Bucht von Tokyo sind einige prominente Schauplätze dabei – manchmal mehr, manchmal weniger offensichtlich Attrappen. 🙂

Godzilla, Mothra and King Ghidorah (OT: ゴジラ・モスラ・キングギドラ 大怪獣総攻撃 „Gojira, Mosura, Kingu Gidora: Daikaijū Sōkōgeki“), Japan, 2001, Shūsuke Kaneko, 101 min, (6/10)

Sternchen-6


„Godzilla Against Mechagodzilla Trailer“, via GodzillaFan2012 (Youtube)

Godzilla against MechaGodzilla

Zu Beginn des Vorgängerfilms der Millennium-Reihe Godzilla, Mothra and King Ghidorah wurde erwähnt, dass Godzilla seit den 50er Jahren nicht gesehen wurde. Lediglich Amerika hatte mit Godzilla-ähnlichen Riesenkreaturen zu kämpfen. Und das war in der Filmkontinuität im Jahr 2002. Das hat man scheinbar im Nachfolge-Film Godzilla against MechaGodzilla vergessen, denn hier sehen wir zu Beginn wie Godzilla 1999 wieder an Land kommt und nach allerlei Verwüstung wieder abzieht. Das ist dann der erste und letzte Bruch mit der Kontinuität, was nicht heißt, dass Godzilla against MechaGodzilla narrativ ansonsten viel Sinn macht. Aber ich vermute wir bewegen uns in einem Konzept außerhalb von „Sinn“. 1999 hat man sich also nach Gojiras Wiederkehr entschieden eine Waffe zu bauen, die es hoffentlich mit der Riesenechse aufnehmen kann. Es soll ein mechanisches Abbild Gojiras sein für dessen Entwicklung alle möglichen Wissenschaftler zusammen getrommelt werden. Darunter Prof. Yuhara (Shin Takuma), der von seiner kleinen Tochter Sara (Kana Onodera) ermutigt wird an dem Projekt zu arbeiten. Ein bisschen verguckt er sich dabei in die Soldatin Akane Yashiro (Yumiko Shaku). Die sieht sich mit den Anfeindungen ihrer Einsatzgruppe konfrontiert sieht, da sie in der Vergangenheit Fehlentscheidungen getroffen hat, die zumindest in den Augen der Öffentlichkeit Menschenleben gefordert haben. Ihre reumütige und harte Arbeit wird belohnt – sie wird die Pilotin Kiryūs, so der Spitzname des Mecha-Gojira.

Aus dem persönlichen Drama um Akane hätte man sicherlich noch eine Menge mehr machen können. Es wird nur angedeutet, dass sie scheinbar keine einfache Kindheit hatte und auch der Vorfall, der sie in Militärkreisen immer noch verfolgt wird mit minimalem Aufwand abgefrühstückt. Irgendwie schade. Aber offenbar ein Trend, der sich bei allen Charakteren fortsetzt wie beispielsweise dem Professor und seiner Tochter. Die leidet sehr unter dem Verlust ihrer Mutter. Sie kümmert sich liebevoll um eine Mimose und redet mit der Pflanze, wenn sie sich alleine fühlt. Ein eigentlich sehr einfühlsames Detail, da Mimosen ja Pflanzen sind, die mit scheinbaren Bewegungen auf Umweltreize reagieren. Aber diese Details müssen uns zur Charakterisierung der Protagonisten ausreichen. Vielleicht hätte man lieber an anderer Stelle sparen sollen!? Wenn man vorgeführt bekommt wie Mecha-Gojira funktioniert und was für Features es hat, muss man kurz weghören. Die Storys rund um nicht mehr binäre Computer, sondern welche die auf DNA beruhen, aaaah das tut weh. Es bleibt hanebüchen bis in die Schwanzspitze. Aber wie vermutlich alle Godzilla-Filme in denen sich mehrere Monster kloppen, hat es einen seltsamen Spaßfaktor. Wenn Mecha-Gojira so auf den echten Gojira eindrischt, sorry not sorry – es macht einfach irgendwie Spaß. So simpel es ist, aber so funktionieren Actionfilme der Art und adressieren irgendwelche niederen Urinstinkte im Menschen: kaputt machen, jetzt. Jedenfalls solange sie nicht so schmerzhaft realistisch wie Shin Godzilla sind und man nicht so sehr auf die Taktik und hanebüchenen technischen Details schaut. Außerdem weckt der Kampfroboter Erinnerungen an Neon Genesis Evangelion.

Godzilla against MechaGodzilla (OT: ゴジラXメカゴジラ, Gojira X Mekagojira), Japan, 2002, Masaaki Tezuka, 85 min, (5/10)

Sternchen-5

Der große Japaner

Der von Comedy-Urgestein Hitoshi Matsumoto als Regisseur wie auch als Darsteller betreute Film ist eine Groteske und Satire auf das Kaijū-Genre, Superheldentum und Medien. Im Zentrum des Films steht der von Matsumoto verkörperte Masaru Daisato, der im Auftrag des Verteidigungsministeriums riesige Monster bekämpft. Denn er hat die Veranlagung geerbt zu einem 30 Meter hohen Unikum zu mutieren, wenn er großer Spannung ausgesetzt ist. Dabei ist der Film wie eine Mockumentary gestaltet. Aus dem Off wird Daisato interviewt. Im Hintergrund sieht man Passanten und Schaulustige auf Daisato zugehen. Manchmal hält der Kameramann drauf, obwohl er nicht sollte. Vor Allem aber entlarvt die Mock-Mockumentary wie die Gesellschaft Daisato sieht. Seine Kampfkunst wäre jämmerlich, er würde die Umwelt in Mitleidenschaft ziehen. Für das Erretten vor den grotesken Kaijū (die hier übrigens nicht so genannt werden), erntet er keine Anerkennung. Stattdessen ist er das Ziel von Spott und Ausbeutung, beispielsweise durch seine stets Sponsoren suchende Managerin. Dass die Menschen hier die Monster sind wird dezent angedeutet – es ist mit Sicherheit kein Zufall, dass alle Kaijū humanoid sind. Menschliche Gesichter, Augen oder Gliedmaßen haben. Er hält der Gesellschaft den Spiegel vor, die Rituale, Rollen und Forderungen schafft, die sie später selber obsolet macht und ins Lächerliche zieht. Der entlarvende, satirische Film verliert etwas an Strahlkraft durch die schlecht gealterten CGI-Effekte, das abrupt abdriftende Ende und die schlechte Perrücke Matsumotos. Denkbar ist aber, dass zumindest letzteres sogar so gewollt ist.

Der große Japaner (OT: 大日本人 „Dai Nipponjin“), Japan, 2007, Hitoshi Matsumoto, 113 min, (7/10)

Sternchen-7


„Big Man Japan – Official Trailer (HD)“, via Akarny (Youtube)

Cloverfield

Anlässlich Robs (Michael Stahl-David) bevorstehenden Umzugs nach Japan, geben seine Freunde eine Abschiedsfeier für ihn. Während sein bester Kumpel „Hud“ (T. J. Miller) den Abend mit Robs Videokamera festhält, entgeht ihm auch nicht der Streit zwischen Rob und Beth (Odette Yustman), die bisher beste Freunde waren, sich da aber scheinbar mehr entwickelte. Kaum sind Rob und Beth im Streit auseinander gegangen, bricht eine Katastrophe über New York herein. Wolkenkratzer fallen, der abgerissene Kopf der Freiheitsstatue landet wie ein Wurfgeschoss auf der Straße, Trümmer und Militär überall. Eine handvoll von Robs Freunden fliehen, bis er eine Nachricht von Beth bekommt – sie steckt irgendwo fest und kann nicht weg. Sie versuchen ihr zu Hilfe zu eilen und taumeln dabei durch ein apokalyptisch anmutendes New York.

In Cloverfield ist Zuschauer meines Wissens das erste Mal in einem „Monsterfilm“ mittels Shaky Cam in der First-Person-Perspektive dabei. Der Effekt sorgt über weite Strecken tatsächlich dafür, dass man sich mitten in der Handlung fühlt und wirkt etwa bis zur Hälfte schmerzhaft realistisch. Den Urheber der Zerstörung, ein riesiges Monster, sieht man erst sehr spät im Film und bis dahin nur schemenhaft Gliedmaßen oder wenige Sekunden lang einen Schatten im Qualm und Staub der Verwüstung. Im krassen Gegensatz zu der Monster-Story steht die Geschichte um Rob und Beth, die es irgendwie „verpasst“ haben sich ihre Gefühle einzugestehen und eine Beziehung einzugehen. Und zapp: kommt ein Monster und macht alles platt. Vielleicht ist das Jugend-Unwort YOLO damit die Kernaussage des Films – du lebst nur einmal, mach das beste daraus? Robs Kumpel Hud überspielt in jeder Minute des Films ein älteres Video Robs, das ihn und Beth auf einem Ausflug zeigt. Legt Rob die Kamera mal Beiseite, bekommt der Zuschauer die Szenen der einst trauten Zweisamkeit gezeigt. Da hat man schon ein bisschen einen Kloß im Hals, denn irgendwie ist es ja so: verlier‘ keine Zeit und nimm dein Leben in die Hand. Leider verliert sich der Effekt solcher Shaky-Cam-Filme und das Realismusgefühl meist früh, so wenn beispielsweise der hinter der Kamera weiter draufhält, obwohl alle anderen schon um ihr Leben gerannt wären. Das tut hier ab einem gewissen dermaßen weh und fällt so schmerzhaft auf, dass es dem ansonsten recht stark beginnenden Film schadet.

Cloverfield, USA, 2008, Matt Reeves, 81 min, (7/10)

Sternchen-7


„Cloverfield – Trailer“, via YouTube-Filme (Youtube)

Pacific Rim: Uprising

Fünf Jahre nachdem sich Guillermo del Toro in Pacific Rim als Regisseur an das Kaijū- und Mecha-Genre wagte, übernimmt er in Pacific Rim: Uprising „nur noch“ die Rolle des Produzenten und Drehbuchautors. Dass insgesamt fünf kreative Köpfe daran werkelten, merkt man. Der Film vereint viele Ideen unter dem Leitmotiv „Wie ist die Welt zehn Jahre nach dem Sieg der Jaeger über die Kaijū“, das del Toro als attraktiver empfand als die Darstellung des Beginns der Angriffe. Statt also Idris Elbas Stacker Pentecost o.Ä. in den Fokus zu rücken, wird der Staffelstab an die Jugend abgegeben. Anfangs hat die erstmal was anderes vor. Jake Pentecost (John Boyega), der Sohn des legendären Stacker Pentecost, hält sich mit Diebstählen und halbseidenen Geschäften über Wasser. Eher zufällig trifft er auf die Waise Amara (Cailee Spaeny), die sich selber Mini-Jaeger zusammenbaut. Beide werden aufgegriffen und dazu verdonnert in der Akademie der Jaeger-Piloten anzufangen. Jake als Ausbilder und Amara als Kadettin. Passenderweise, denn ihnen steht das Comeback der Kaijū und nichts geringeres als eine waschechte Verschwörung bevor. Mit ihnen und den anderen Charakteren hat der Film eine deutlich lebhaftere und weniger krampfige Note als sein Vorgänger.

Warum überhaupt noch Jaeger gebaut werden, ist allerdings nicht so ganz klar. Man will sich bestimmt gegen die Möglichkeit schützen, dass die Kaijū zurückkommen könnten. Warum man statt Jake und Amara einzusperren, die beiden in den Dienst stellt ist schon schwieriger zu erklären. Der Film ist nicht gemacht für Fans von Logik und rationalem Denken – lassen wir das mal beiseite. Was schon in seinem Vorgänger zu spüren war, setzt sich in Pacific Rim: Uprising fort. Der Film ist leichte Unterhaltungskost für Fans von viel CGI-Geschrotte. Wer sehen will wie sich Mechas gegenseitig verprügeln ist an der richtigen Adresse – denn das passiert hier erstmal bevor wieder von Kaijū die Rede ist. Und natürlich auch, wer sehen will wie Roboter Monster weichklopfen. Bei der dünnen Story voller unglaubwürdiger Tropen sollte man nicht allzu viel mehr erwarten. Es gibt relativ generisches Gerangel zwischen den Kadetten, den einen oder anderen Twist, der einen faden Beigeschmack hinterlässt, aber immerhin eine Menge Anleihen für Fans des Genres. Mecha wie Kaijū. So gibt es beispielsweise den Cameo eines Gundam ähnlich dem Unicorn Gundam auf Odaiba, es gibt nichts geringeres als einen Showdown auf dem Vulkan Fuji in Japan. Man fühlt sich erneut stark an Neo Tokyo und Neon Genesis Evangelion erinnert bei den Schutzbunkern, die unter Tage fahren. Auch Pacific Rim wird mehrmals zitiert. Einmal gekonnt (Stichwort Bumper), einmal ärmlich (Stichwort „Ich werde keine Rede wie mein Vater halten“). Rinko Kikuchi legt als Mako Mori noch einen Gastauftritt hin und so gibt es wenigstens ein bekanntes Gesicht des Vorgängerfilms zu sehen. Das Gesamtpaket ist aber leider schon recht stumpf. Im Gegensatz zu vielen anderen stumpfen Fortsetzungen hat der Film aber den Vorteil, dass er ein angemessenes Budget hatte und die CGI-Schlacht deswegen nett anzuschauen ist.

Pacific Rim: Uprising, USA, 2018, Regiesseur, 111 min, (5/10)

Sternchen-5

Das war also mein Ausflug in das Genres des Monster-Gekloppes. Ganz neu ist das für mich als großer Fan von „Neon Genesis Evangelion“ ja nicht, aber die Klassiker zu sehen war durchaus interessant. Auch wenn mir ein bisschen die aus Evangelion bekannten Verschwörungen und abwechslungsreichen Gegner fehlen. 🙂 Vorerst verzichtet habe ich auf Formicula. Das Ameisen-Riesenmonster erblickte cineastisch zur selben Zeit wie Godzilla das Licht der Welt. Leider bin ich an den Film nicht mehr rechtzeitig rangekommen, aber ich denke, dass ich das nachhole. Geschaut, aber nicht in die Liste aufgenommen habe ich „Kong: Skull Island“, der eigentlich auch ganz spannend war und eine deutlich zeitgeistigere Neuverfilmung von „King Kong und die weiße Frau“ ist und auf solchen Bullshit wie das Ausbeuten Kongs erstmal verzichtet. Aber ich denke … den hebe ich mir für ein „Kaiju Eiga Revisited“ auf. 😉 Welche Filme mit Riesenmonstern kennt ihr? Welche empfiehlt ihr? Und wie würdet ihr den Reiz der Filme beschreiben? Oder übt er auf euch so gar keinen aus? 🙂

„7ème art“ (Sprich: septième art) heißt „siebte Kunst“. Gemäß der Klassifikation der Künste handelt es sich hierbei um das Kino. In dieser Kategorie meines Blogs widme ich mich also Filmen – evtl. dehne ich den Begriff dabei etwas. Regulär stelle ich zwischen dem 1. und 5. jeden Monats jeweils 7 Filme in kurzen Reviews vor.