7ème art: Filme von Tim Burton

Posted by in 1989, 1990, 1994, 2003, 2005, 2012, 2016, 7ème art, Abenteuer, Animationsfilm, Arthouse & Indie, Australien, basiert auf wahren Begebenheiten, Belgien, Coming-of-Age, Film, Genreübergreifend, Horror und Mystery, Komödie, Literaturverfilmung, Märchen, Review, Schwarze Komödie, Schwarzweißfilm, Spielfilm, Stop-Motion, Superheldenfilm, Tragikomödie, UK, USA

Wenn man in den 90ern oder anfang der 2000er gefragt hat: Wer ist dein Lieblingsregiesseur? Hat man neben den üblichen Verdächtigen wie Steven Spielberg von sehr sehr vielen Menschen gehört: Tim Burton. Insbesondere meine Generation, damals Teenager, waren besessen von Tim Burton. Der Mann hat eine große Begeisterung für das Märchen voller zweifelhafter Antihelden, düster-morbide Stoffe und Außenseiter. Er widmet sich den gebeutelten und dem Grotesken und dafür wird er heiß geliebt, obwohl (und gerade weil) er in den Hollywoood-Glamour und -Rummel nicht so richtig reinpassen will. Sein Werdegang liest sich dabei selber wie ein Film. Bereits als Kind hatte er eine große Begeisterung für Filme, machte bereits als 13-Jähriger selber welche und ging später zum Film. Für die Disney Studios arbeitete er an Trickfilmen mit und hatte letztendlich seinen Durchbruch als Regiesseur von Spielfilmen mit ‚Beetlejuice‘. Auch ich bin eine von den Tim-Burton-Freeks – muss mich aber öfter fragen: bin ich es noch? Das sei mal dahingestellt. Heute in der Werkschau: sieben Filme von Tim Burton.

„Batman der Film | Trailer HQ Deutsch | 1989“, via MovieTrailerPlanet (Youtube)

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Batman

Tim Burtons Batman gab 1989 dem (Anti)Helden im Fledermauskostüm seinen Ruf als dunkler Rächer zurück. Michael Keaton spielt in dem Film den Millionär Bruce Wayne, der infolge des gewaltsamen Todes seiner Eltern als er noch ein Kind war, nun im Erwachsenenalter als Batman Rache an den Gangstern in Gotham City übt. Anfangs als Mythos verschrien, bemerkt die Reporterin Vicki Vale (Kim Basinger) bald, dass Batman sehr wohl real ist. Aber wo es Superhelden gibt, gibt es auch Superschurken. Ein solcher ist der Joker (Jack Nicholson), der auch Vale beängstigend nahe kommt. Tim Burtons Film war 1989 ein Kassenschlager mit fantastischen Einspielergebnissen, der damals für den düsteren und realen Touch gelobt wurde. Heute in Zeiten von Batman Begins, in dem der Realismus der Flattermann-Saga ausgeweitet wurde, meint man in dem Film von 1989 nicht mehr ganz soviel zu sehen. Während Keaton eine gute Figur als Batman macht und Gotham erwartungsgemäß Sodom-und-Gomorrha-mäßig ausgeschmückt ist, verfremdet und trivialisiert insbesondere das Auftreten des Jokers und seiner lustigen Gesellen das Geschehen und zieht es ins lächerliche. So oder so muss man dem Film zugute halten, dass er nah an dem Stil der Comics ist.

Batman, UK/US, 1989, Tim Burton, 121 min, (7/10)

Sternchen-7

Edward mit den Scheerenhänden

Die Avon-Vertreterin Peg (Dianne Wiest) klopft an die Tür eines eher unheimlich aussehenden Anwesens. Darin begegnet sie Edward (Johnny Depp), einem Geschöpf, das schwer einzuordnen ist. Sein fahles Gesicht ist von zahlreichen Wunden übersät. Anstelle von Händen hat er Scheren, mit denen er zwar irgendwie leben gelernt hat, aber leicht sich und andere verletzt. Sie beschließt ihn mit zu sich nach Hause zu nehmen und sich um ihn zu kümmern. Edward verliebt sich schnell in Pegs Tochter Kim (Winona Ryder). Deren Freunde und die Bewohner der Vorstadtsiedlung reagieren aber alle extrem auf Edward. Kims Freunde ablehnend und die Hausfrauen der Gemeinde mit überschwänglicher Begeisterung, v.A. für Edwards vorstadt-taugliche Talente wie Hecken schneiden und Frisuren zurechtschnippeln. Mittendrin der unbeholfene Edward mit seiner düster-traurigen Lebensgeschichte. Welten, die wenn sie aufeinanderprallen nur verletzen können.

Tim Burton hat aus dem Vollen geschöpft und perfekte Gegensätze als Metapher für das Aufeinandertreffen gegensätzlicher Lebensumstände geschaffen. Edwards Welt und Herkunft ist melancholisch und in dunkelschwarze Farben getaucht, während die Vorstadt mit ihren schrillen Charakteren und bonbon-farben die Augen reizt. Während die Gegensätze dem Zuschauer unter Umständen etwas zu aufgesetzt erscheinen, helfen sie umso mehr zu zeigen wie die Gesellschaft mit Außenseitern umgeht. Fürsorge, Ausnutzung, Mitleid, Unverständnis. Zuerst wollen sich alle des angeblich hilfsbedürftigen Edward annehmen. Kaum, dass er aber einen Fehler begeht, wenden sich alle von ihm ab und das Märchen nimmt eine traurige Wende. Viele Charaktere müssen letzten Endes einsehen, dass Edwards Zeit in dieser Welt noch nicht gekommen ist und leider ist es oft so in der Realität. Damit ist Tim Burtons etwas spleenig und satirisch inszeniertes Märchen eine wunderbare Ode an die, die ein bisschen anders sind. Und soweit ich mich erinnern kann: der erste Film, bei dem ich weinen musste.

Edward mit den Scheerenhänden (OT: Edward Scissorhands), USA, 1990, Tim Burton, 101 min, (8/10)

Sternchen-8

„Edward Scissorhands – HD trailer 1080p – 1990 ( German Eloy )“, via German Eloy Leyva Herrera (Youtube)

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Ed Wood

Tim Burtons Film übe Ed Wood, den „schlechtesten Regiesseur aller Zeiten“, ist eine Ode an den Träumer. Ed Wood war ein Exzentriker mit einer großen Liebe zum Film. V.A. Horrorfilme waren seine Leidenschaft und er inszenierte selber welche, die man gut und gerne als Trashfilme der billigen Sorte bezeichnen kann. Ausrangierte Schnittreste von Sprengungen und Kriegsmaterial kamen ihm gelegen, um seine eigenen Filme aufzuwerten, die mit billigsten und einfachsten Mitteln gedreht waren. Die Finanzierung seiner Filme zu bewerkstelligen ist eine Mischung aus Abenteuer, Zufall und Slapstick. Und doch ist es bewundernswert wie der von Johnny Depp dargestellte Ed Wood mit einer Leidenschaft und Faszination für die Regiearbeit zur Tat schreitet. Enthusiasmus könnte sein zweiter Vorname sein. Ganz nebenbei versucht er vor seiner Freundin Dolores (Sarah Jessica Parker) zu verbergen, dass er gerne Frauenkleider trägt. Ihre Frauenkleider im speziellen. Und wie der Zufall es so will, läuft ihm eines Tages tatsächlich die Dracula-Darsteller-Ikone Bela Lugosi (Martin Landau) vor die Füße, von dem sich Ed Wood die große Wende in seiner Karriere verspricht.

Ed Wood wurde erst nach seinem Tod zum schlechtesten Regiesseur gekürt und sein Werk Plan 9 aus dem Weltall ebenso erst später zum schlechtesten Film aller Zeiten. Aber Tim Burton demonstriert in seinem Film wieviel Gegenwind Ed Wood hatte und die tatsächlichen Chancen ausbleiben, die so manchen Typ in Hollywood zum Star und Millionär gemacht haben. Stattdessen musste sich Wood abmühen und glaubte weiter an seine Filme und zelebrierte jeden einzelnen, auch wenn er noch so simpel und schlecht gemacht war. Ganz nebenbei demonstriert er am Beispiel Bela Lugosis den Abgesang auf vergessene Filmstars und rührt damit den Zuschauer immens. Ein interessanter Schachzug, denn Ed Wood bleibt somit der optimistische Held, während man gegen Ende erfährt, dass er später ebenso süchtig und vom Geschäft zerrüttet einen frühen Tod starb. Lugosis und Ed Woods Geschichte ist damit wohl nicht unähnlich. Allerdings verbreitet der Film auch das oft zitierte Gerücht, dass es Lugosis eigener Wunsch war in seinem Dracula-Kostüm beerdigt zu werden, was nicht der Wahrheit entspricht. Seine Familie wünschte sich das. Vielleicht steckt in dem Enthusiasmus Ed Woods und seiner schrägen Natur auch ein bisschen Tim Burton. So oder so ist es eine rührende Hommage an einen Kreativen, die in stilechtem Schwarzweiß wie Woods Filme daherkommt und mit einem stilechten Vorspann.

Ed Wood, USA, 1994, Tim Burton, 127min, (8/10)

Sternchen-8

„Big Fish – Trailer“, via CrackleUK (Youtube)

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Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht

Big Fish ist wie eine Geschichte in der Geschichte. Zu Beginn begleiten wir William Bloom (Billy Crudup) zu seinem im Sterben liegenden Vater Edward (Albert Finney). Die Beziehung der Beiden ist offensichtlich angespannt. Der Grund dafür ist die größte Leidenschaft seines Vaters: er erzählt gerne Geschichten, v.A. seine eigene Lebensgeschichte. Normalerweise müsste man jetzt befürchten, dass es etwas dröge werden könnte, aber nicht so wie Edward Bloom seine Geschichte erzählt. Die handelt von Begegnungen mit menschenfressenden Riesen, vom Krieg, von Hexen und Narzissenfeldern. Von verschrobenen Zirkusdirektoren und wunderschönen Mädchen, bei deren Anblick die Zeit stillsteht. Die Dinge von denen er berichtet sind bunt, mal traurig, mal unheimlich. William war davon als kleiner Junge begeistert. Dass er aber von seinem Vater nie die Wahrheit hinter den fabelhaften Erzählungen erfuhr, machte ihn verbittert. Nahm man ihn nicht ernst? Wollte man ihm nicht erzählen wie es wirklich war? Als Erwachsener belächelt William diese Seite seines Vaters oder ist genervt. Dass er ihn am Sterbebett besucht und er immer noch die letzten kostbaren Momente mit seinem Sohn mit dem Erzählen seiner Lügengeschichten vergeudet, macht William rasend. Oder … sind sie am Ende doch wahr? Der Zuschauer erlebt abwechselnd die harte und ungeschönte Realität wie es mit Vater und Sohn am Sterbebett weitergeht und die Flashbacks in Edwards Leben – so wie er es erzählt.

Für Tim Burton ist Big Fish ein zum Teil untypischer Film. Der gemeinsame Nenner sind zwar die verschrobenen Charaktere und die grenzenlose Fantasie, aber sonst so oft gesehene Motive wie das morbide und düstere sind hier quasi kaum existent. Der allgemeine Ton des 2003ers ist fröhlich, euphorisch, lustig und nur manchmal etwas düster und hart realistisch, wenn der krasse Gegensatz zwischen Realität und Edwards Geschichte einen wortwörtlichen aus der wunderschönen Erzählung zurückholt und man wieder auf den Füßen landet. Edward Blooms Lebensgeschichte ist ein verpflochtenes Gesamtkonstrukt, mit viel Liebe zum Detail wiedergegeben von Tim Burton und den Darstellern. Der junge Edward Bloom wird verkörpert von Ewan McGregor als ein Strahlemann, den nichts zerrüttet. Des Weiteren begegnet man beispielsweise Jessica Lange und Danny DeVito. Fantastische Stoffe sind Burtons Ding aber der fröhliche Ton ist wahrscheinlich der gleichnamigen Buchvorlage von Daniel Wallace zu verdanken, fließt in den Film und macht es zu einem modernen Märchen und einer Ode an die Fantasie. Würde man das Buch bzw. den Film analysieren wollen, so prangt ein schwergewichtiges Wort über der Interpretation: Vater-Sohn-Konflikt. Ich möchte mich nicht allzu tief in Spekulationen und Auslegungen verlieren. Nur soviel sei gesagt: Zweifler mögen denken, dass Edward Blooms wahre Lebensgeschichte eventuell ZU unspektakulär war. Oder er einfach ein notorischer Lügner oder Spinner ist. Aber dafür sind die Zweifler ja Zweifler. Ist es nicht viel mehr so, dass in Edward Blooms Geschichten mehr Wahrheit steckt, als vermutet? Und dass sein Leben eben für ihn genauso fantastisch war!? Dass muss der Betrachter für sich alleine entscheiden.

Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht (OT: Big Fish), USA, 2003, Tim Burton, 120 min, (9/10)

Sternchen-9

Charlie und die Schokoladenfabrik

Seitdem Willy Wonka (Johnny Depp) alle Arbeiter seiner Schokoladenfabrik verlassen hat, ranken sich um ihn und seine Fabrik zahlreiche Gerüchte. Eines Tages startet Wonka, den schon lange niemand mehr persönlich gesehen hat, eine Verlosung. Die Kinder, die in seinen Schokoladentafeln ein goldenes Ticket finden, sind mit einer Begleitperson zu einer exklusiven Führung durch die Fabrik eingeladen. Der kleine Charlie Bucket (Freddie Highmore) wünscht sich nichts sehnlicher. Nicht nur, weil seine Familie kaum Geld für Schokolade hat, sondern auch weil sein Großvater Josef (David Kelly) früher in der Fabrik arbeitete und sie nochmal sehen möchte. Die Chancen stehen schlecht. Andere Kinder haben schon Tickets gefunden. Aber siehe da … auch Charlie ist einer von ihnen. Und Willy Wonka und seine Fabrik sind ein überraschend gefährlicher Ort.

Vor Allem ist Willy Wonka anders als es sich viele Zuschauer und Kenner der Verfilmung aus dem Jahr 1971 erwartet haben. Dort war Gene Wilder als Wonka ein Kerl, der überraschend hart mit Leuten umgeht, die sich nicht an die Regeln halten, aber insgesamt einer mit einem sonnigen Gemüt. Johnny Depps Wonka scheint eher eine Abneigung gegen alles außer Schokolade und Oompa Loompas zu haben. Tatsächlich erzählt aber Tim Burtons Film die ganze „Willy Wonka“-Geschichte inklusive Charlie und der große gläserne Fahrstuhl von Roald Dahl, während der Film mit Gene Wilder nur den ersten Teil erzählte. Damit schlägt Tim Burtons Film einen runderen Bogen als das Musical aus dem Jahr 1971. Womit sich zumindest die Autorin dieser Review schwer tut ist aber die groteske und klinisch-sterile Darstellung Willy Wonkas, obwohl man insbesondere gegen Ende des Films erfährt, warum die Figur so angelegt ist. Auch können die neuen alten Songs nicht überzeugen, auch wenn Tim Burtons Film klar kein Musical sein will. Zu schön war die Botschaft von Gene Wilders Pure Imagination. Insgesamt ist der Film so oder so ein Gesamtpaket, dass aufgrund der zahlreichen Botschaften Groß und Klein begeistert. Egal, ob es die versteckte Satire über das Verhalten Erwachsener ist oder das Plädoyer, dass es Kindern erlaubt sein sollte Kinder sein zu dürfen.

Charlie und die Schokoladenfabrik (OT: Charlie and the Chocolate Factory), USA/UK/Australien, 2005, Tim Burton, 115 min, (7/10)

Sternchen-7

Frankenweenie

Victor Frankenstein ist das Wissenschafts-Ass seiner Schule und begeistert von Filmen. Sein Hund Sparky ist sein einziger Freund. Als Sparky eines Tages von einem Auto überfahren wird und stirbt, bricht für den Jungen eine Welt zusammen. Als er aber eines Tag im Physik-Unterricht etwas von Elektrizität und Nervenbahnen hört, bekommt er eine Idee. Er will Sparky wieder zum Leben erwecken. Und es gelingt! Sparky wird wieder lebendig, aber das zieht auch einige Probleme nach sich. Auch der Satz „ich kleb das wieder an“ wird noch mehrere Male fallen. Mit Frankenweenie hat sich Tim Burton scheinbar einen Wunsch erfüllt, denn es ist das Stop-Motion-Schwarzweißfilm-Remake eines Kurfilms, den er 1984 gemacht hat – damals aber live action. Der Film hat viele Burton-typische Motive wie beispielsweise den spleenigen Held, der sich für Filme interessiert und andere Charaktere die ein schweres Gemüt haben und Melancholie zelebrieren wie Victors Nachbarin. Der Film selbst ist eine Hommage an zahlreiche Horrorfilmklassiker (Frankestein, Godzilla, Die Mumie, …): man sieht sogar einen Filmausschnitt mit Christopher Lee als Dracula. Im Original dürfen außerdem als Stimmen einige von Burtons alteingesessenen Lieblingsdarstellern dabei sein wie Martin Landau und Winona Ryder. Neben Stilelementen wie dem besonderen Vorspann ist auch wieder die gern gehörte Aussage „Die Erwachsenen haben nicht immer Recht“ ein Teil des Ganzen. Tim Burton kehrt mit Frankenweenie nach Alice im Wunderland wieder etwas mehr zu seinen Wurzeln zurück, wird düsterer, spleeniger und v.A. morbider. Trotzdem ist ein kindgerechter Film entstanden, der vergessen lässt, dass Victor da seinen eigenen Hund zusammenflickt. Und tatsächlich ist Sparky herzerweichend wie er da mit oder ohne Narben, aufgeweckt lebendig und (un)tot durch die Gegend springt. Zusammen mit der Hommage an Horrorfilme ein witziges und morbides Filmvergnügen. Was auf unangenehme Art ablenkt sind aber die zahlreichen anderen Monster, die auf das Konto der Mitschüler Victors gehen und von Sparky und den Frankensteins ablenken. Auch Victors Eltern sind etwas blass geraten.

Frankenweenie, USA, 2012, Tim Burton, 87min, (7/10)

Sternchen-7

„FRANKENWEENIE Trailer 2 German Deutsch HD 2013“, via KinoCheck (Youtube)

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Die Insel der besonderen Kinder

Jacob (Asa Butterfield) traut seinen Augen nicht: neben der Leiche seines Großvaters Abraham (Terence Stamp) sieht er ein riesengroßes Monster mit Tentakeln. Und niemand sonst scheint es zu sehen. Während er sich mit Trauer und Besuchen beim Psychiater rumschlägt, kommt ihm ein Verdacht. Waren die Geschichten seines Opas doch nicht erfunden? Er hat ihm immer erzählt, dass Monster hinter ihm her waren und er auf einer Insel voll besonderer Kinder gelebt hätte. Die Fotos der Kinder mit Fähigkeiten hat Jacob für Fälschungen und Taschenspielertricks gehalten. Was, wenn doch alles wahr ist? Er bricht mit seinem Vater (Chris O’Dowd) zu der Insel auf unter dem Vorwand dass es gut für seine Therapie sei und macht sich auf die Suche nach Miss Peregrine (Eva Green) und ihrer Schule für besondere Kinder. Und wird fündig.

Mit Jane Goldman (Der Sternwanderer, X-Men: Erste Entscheidung) hat die Produktion eine der laut Wikipedia.de „erfolgreichsten britischen Drehbuchautorinnen“ gewonnen. Und tatsächlich – sie hat aus der Trilogie mit Ablegern tatsächlich einen Film zusammengeschrumpft, der einigermaßen Sinn macht. Zumindest hat er genauso viele Logiklücken wie das Buch. Aber dieser Umstand erspart dem überstrapazierten Zuschauer und Leser einen weiteren Young-Adult-Mehrteiler in einer Welt voll zuvieler überflüssiger Filmreihen und Fortsetzungen. Zwar ist der Film nicht frei von Problemen, aber er wirkt stringenter als das Ende des ersten Buches und befriedigt, weil er Lösungen anbietet. Der Showdown gegen Ende ist witzig und hat mit dem Vergnügungspark eine launige Kulisse, die den Kitsch des Anfangs- bis Mittelteils fast relativiert. Wie aber Fans die vielen Änderungen empfinden? Um meinem Vergleich am Ende des Artikel vorzugreifen, sage ich nur: es sind viele. Der gesamte Ton des Buchs ist bunter, kitschiger, bonbon-farben und angepasst. Ein Adjektiv, dass ich im Zusammenhang mit Tim Burton nicht gern lese. Besonders schade: Die Außenseitergeschichte Jacobs gerät in den Hintergrund, was nicht im Sinne der Leser sein dürfte. Mit Filmen wie Alice im Wunderland ist der sensationelle Regiesseur von spleeniger, liebenswerter, abwegiger Düsternis in den Mainstream abgerutscht und macht das ein weiteres Mal mehr als deutlich. Zumindest hat der Umstand aber ein Plus: der Film ist Stoff für Kinder und junge Teenager. Auch Erwachsene langweiligen sich nicht. Lediglich die Gesetze der Physik sollte man nicht hinterfragen (Stichwort Schiff). Das Marketing des Films, beispielsweise das Feiern des Loop Days, ist hingegen ziemlich ausgeklügelt und gegen das Spiel der Darsteller lässt sich auch nichts sagen. Die morbiden sind morbide, Eva Green ist herrlich spleenig und Chris O’Dowd sehr gelangweilt. Tim Burton und alle Beteiligten haben aus dem Konzept des Buchs viel herausgeholt und an vielen Stellen zu Recht gekürzt, an anderen aber fragwürdige Änderungen vorgenommen.

Die Insel der besonderen Kinder (OT: Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children), US/UK/Belgien, 2016, Tim Burton, 127 min, (6/10)

„DIE INSEL DER BESONDEREN KINDER Trailer German Deutsch (2016)“, via KinoCheck (Youtube)

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Sternchen-6

Vielleicht merkt man es der Tal- und Bergfahrt meiner Bewertung an, ich bin ein großer Fan von Tim Burton Filmen aus der ‚Edward‘, ‚Big Fish‘ und ‚Sweeney Tood‘-Zeit. Aber bin ich jetzt auch noch ein Fan? Mir persönlich wurden seine Filme insbesondere ab Alice im Wunderland zu bunt und zu kommerziell. Ich vermisse das düstere und morbide. Ganz weg ist es nicht, das zeigt u.a. Frankenweenie. Aber seine Filme erscheinen mir in letzter Zeit angepasster und das ist wirklich schade, da er aufgrund der Unangepasstheit seiner Helden einer meiner Lieblingsregiesseure wurde. Man kann also sagen … ja, er ist einer meiner Lieblingsregiesseure. Noch immer. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass die Welt ein bisschen mehr ‚Edward mit den Scherenhänden‘ braucht. Nun bin ich etwas weniger ein Film seiner jüngeren Filme. Trotzdem ist die Nachricht ‚der neue Film von Tim Burton‘ immer noch eine gute für mich. Schauen wir, was noch so alles kommt.

„7ème art“ (Sprich: septième art) heißt „siebte Kunst“. Gemäß der Klassifikation der Künste handelt es sich hierbei um das Kino. In dieser Kategorie meines Blogs widme ich mich also Filmen – evtl. dehne ich den Begriff dabei etwas. Regulär stelle ich zwischen dem 1. und 5. jeden Monats jeweils 7 Filme in kurzen Reviews vor.