7ème art: Oscar-Edition (2020)

Posted by in 2019, 7ème art, Animationsfilm, basiert auf wahren Begebenheiten, Biografie, Coming-of-Age, Coming-of-Age, Drama, Fantasy, Film, Frankreich, Gangsterfilm, Kriegsfilm, Krimi und Noir, Literaturverfilmung, Review, Spielfilm, Thriller, Tragikomödie, UK, USA

Dieses Jahr ist eine sehr bunte Mischung nominiert. Soldaten mit einem an Selbstmord grenzenden Auftrag treffen dort auf alternde Hollywood-Sternchen, die bessere Zeiten beweinen. Päpste treffen auf Klassenunterschiede. „Kleine Frauen“ auf Mafia. Da sieht auch die entsprechende Werkschau bunt und abwechslungsreich aus. 🙂 Und hat mir dieses Mal viel Spaß gemacht. Also heute im Programm: sieben Filme mit dem gemeinsamen Nenner, dass sie 2020 für einen Academy Award nominiert wurden.


„1917 Trailer 2 German Deutsch (2020)“, via KinoCheck (Youtube)

1917

Im ersten Weltkrieg werden die britischen Lance Corporals Blake (Dean-Charles Chapman) und Schofield (George MacKay) an der französischen Front mit einem speziellen Auftrag betreut. Als sogenannte Meldegänger sollen sie dem II. Bataillon die Nachricht überbringen den Angriff auf die Deutschen abzublasen, da sie in eine Falle laufen würden. Auf Schofield und Blakes Schultern lastet die Gewissheit verantwortlich für das Überleben oder den Tod von sechzehntausend Soldaten zu sein, darunter auch Blakes großer Bruder. Ein Druckmittel, dessen sich Blakes befehlshabender Offizier offenbar bewusst ist. Um ihren Auftrag erfolgreich auszuführen, müssen die beiden alleine das Niemandsland der Frontlinie und vom Feind besetztes Gebiet durchqueren, was einem Selbstmordkommando gleicht. Regisseur Sam Mendes wurde dazu durch die Erfahrungen seines Großvaters als Meldegänger inspiriert und hat mit Krysty Wilson-Cairns das Drehbuch zu 1917 erarbeitet.

Um dem Zuschauer den Terror des Krieges, die allgegenwärtige, lauernde Gefahr und den drohenden Tod vor Augen zu führen wurde der Film als ein Quasi-One-Shot und in Quasi-Echtzeit gedreht. Quasi deswegen weil beides so wirkt, es aber nicht ist. 1917 ist nicht direkt in Echtzeit, weil es u.a. Blackouts gibt. Und es fühlt sich auch wie ein einziger One Shot an, aber es gibt mindestens einen Schnitt und Szenen, die offensichtliche „Pausen“ der Plansequenzen sind. Dass es nicht vollständig in Echtzeit ist und auch kein „einziger langer“ Oneshot sondern Aneinanderreihungen von solchen, tut der Sache aber absolut keinen Abbruch. Roger Deakins Kameraarbeit in Plansequenzen versetzt den Zuschauer stetig mitten in das Geschehen an die Seite von Schofield und Blake. Und das ohne shaky cam, sondern viel mehr mit fast unmöglich anmutenden Kamerafahrten. Es ist wie ein Albtraum, der sich frappierend echt anfühlt. Die Cinematographie und Szenen sind stets von Bildern erfüllt, die eine fast surreale Schönheit haben wie die Kirschblüten inmitten des Kriegsgebiets oder die von Explosionen und Lichtsignalen erhellten Ruinen zerbombter Städte, die geisterhaft in der Dunkelheit auftauchen. Der Effekt und die Gefahr überträgt sich auf den Zuschauer. Ist das am Horizont Freund oder Feind? Insbesondere George MacKay spielt sich in diesem Film die Seele aus dem Leib, sodass man sich ein bisschen fragt wo eigentlich seine Oscar-Nominierung ist? So überdurchschnittlich die Optik und Machart des Films ist, so karg ist aber die Einfachheit der Charakterzeichnung und Eindimensionalität aller anderen Figuren. Das Setting mag das nicht zulassen und es für die Geschichte nicht wichtig erscheinen, aber offenbar war es wichtig genug namhafte Schauspieler wie Colin Firth, Mark Strong, Benedict Cumberbatch und Andrew Scott damit zu besetzen. Auch die eine oder andere Entscheidung der Soldaten und Wendung sorgt für Stirnrunzeln in einem ansonsten packenden Film.

1917, UK/USA, 2019, Sam Mendes, 119 min, (7/10)

Sternchen-7

Ich habe meinen Körper verloren

Der französische Animationsfilm Ich habe meinen Körper verloren handelt von einer Hand. Ein ungewöhnlicher Protagonist. Insbesondere für einen Animationsfilm, da Hände als eines der komplexesten Teile der menschlichen Astronomie gelten. Die Hand wurde von ihrem Körper bei einem Arbeitsunfall abgetrennt und begibt sich auf die Suche nach dem Menschen, dem sie abhanden kam. Rückblickend erfahren wir von der Geschichte der Hand und des Menschen – dem jungen Mann Naoufel, der sich in Paris als Pizzalieferant durchschlägt. Regisseur Jérémy Clapins erstes Langfilmprojekt handelt von Verlust. Denn bevor Naoufel seine Hand verlor, hatte er noch einige andere Verluste zu beklagen. Mit seinen Eltern und dem Leben wie er es kannte, kamen ihm auch seine Träume und seine Zukunft abhanden. Naoufel ist ein Gestrandeter in seinem eigenen Leben. Clapins Film inszeniert das als eindrucksvollen Animationsfilm mit einem ungewöhnlichen Helden auf einer erschreckend wilden Reise. Was Naoufels Hand durchmacht ist quasi ein rasantes Roadmovie, das einen angenehmen Kontrast zu Naoufels tragischer bis melancholischer Geschichte zeichnet. Der Look wirkt etwas künstlich und hälzern, beeindruckt aber angesichts des Fakts, dass der Film mit Blender erstellt wurde. Das ist übrigens eine frei verfügbare, kostenlose Software. Vielleicht ermutigt das den einen oder anderen sich an Animation zu wagen 😉 In jedem Fall ist die Geschichte der Hand, die ihren Körper verloren hat und die Naoufels eine Geschichte vom Verarbeiten von Verlusten und der Rückkehr zur Selbstbestimmtheit, die uns ganz nebenbei bewusst macht wieviel unsere Physis tagtäglich für uns stemmt und wie selbstverständlich sie für uns ist. Welchen Blessuren sie trotzt, welche Erinnerungen sie für uns trägt.

Ich habe meinen Körper verloren (OT: J’ai perdu mon corps), Frankreich, 2019, Jérémy Clapin, 81 min, (8/10)

Sternchen-8


„Ich habe meinen Körper verloren | Offizieller Trailer | Netflix“, via Netflix Deutschland, Österreich und Schweiz (Youtube)

The Irishman

Noch eine ganze Weile bevor Martin Scorseses neuster Streich The Irishman mit seinen 10 Oscar-Nominierung von sich reden machte, sorgte die Laufzeit des Films für ein Ächzen und Stöhnen unter den Filmfans. Mit ca dreieinhalb Stunden hat Scorsese gelinde gesagt ein bisschen übertrieben. Sein The Irishman basiert auf dem Leben echter Mobster, Gangster, Menschen. Der titelgebende Ire und Protagonist ist der Kriegsveteran Frank Sheeran, gespielt von Robert De Niro. Im Amerika der 1950er Jahre arbeitet er anfangs als Lkw-Fahrer und schustert sich nebenbei was in die eigene Tasche. Durch seine illegalen Geschäfte bekommt er Kontakt zu Rosario „Russell“ Alberto Bufalino (Joe Pesci) und wird bald ein Vertrauter und Handlanger der Bufalino-Familie. Denn zu der Cosa Nostra sagt man nicht nein, oder?

Ob Sheeran das für eine gute Geschäftsidee hielt, gar nicht nachgedacht hat oder das Gefühl hatte einfach nicht nein sagen zu können, wissen wir nicht. Über weite Strecken spielt Robert De Niro ihn als einen undurchsichtigen, aber bodenständigen Typen. Einen der sehr wohl weiß, wer die Bufalinos sind und der kein Problem damit hat bald zu dem Typen zu werden, der die „Häuser streicht“. Aber sobald seine Familie ins Spiel kommt, die Anstoß an seiner Arbeit nimmt, wird Sheeran langsam etwas durchschaubarer. Ebenso gediegen und subtil wie das Spiel mit dem Hauptcharakter von statten geht, ist der ganze Film. The Irishman ist eine Aneinanderreihung von Ereignissen und Aufträgen Sheerans, die ohne große dramatische Spitzen inszeniert ist und das Leben in der Mafia weder romantisiert, noch glorifiziert. Diese bodenständige Erzählweise kann auf über drei Stunden Laufzeit schnell langweilig wirken. Tatsächlich ist sie eine eigentlich sehr nuancierte Darstellung einer Person, die gleichzeitig tief im Geschäft drin steckt, aber irgendwie auch immer am Spielfeldrand mäandert. Heißt irgendwo ist Sheeran eine privilegierte Person, ein Verbündeter der Familie, weil er ihre Drecksarbeit macht; andererseits ist er nicht die Familie. Dabei wird es dem Zuschauer überlassen das Gesehene zu deuten und moralisch einzusortieren. Es ist ein still inszenierter Drahtseilakt, der durchaus seinen Charme hat, aber v.A. aufgrund der Erzählweise auch eins ist: eindeutig viel zu lang, viel zu gedehnt und viel zu still für all die „wahren Begebenheiten“, die es erzählt und Gewalt, die es impliziert.

The Irishman, USA, 2019, Martin Scorsese, 209 min, (7/10)

Sternchen-7

Jojo Rabbit

Johannes „Jojo“ Betzler (Roman Griffin Davis) ist um 1945 in Deutschland zur Zeit des zweiten Weltkriegs ein zehnjähriges, begeistertes Mitglied der örtlichen Hitlerjugend. Sein imaginärer Freund ist niemand geringeres als Adolf Hitler (Taika Waititi). Der und sein Umfeld erklären ihm die Welt wie sie sehen und er sie sehen soll. Auf Juden haben sie es besonders abgesehen. Als Jojo bemerkt, dass seine Mutter Rosie (Scarlett Johansson) die Jüdin Elsa (Thomasin McKenzie) versteckt, ist Jojo in einer Zwickmühle. Er kann Elsa nicht verraten ohne seine Mutter zu verraten. Also das Beste aus der Situation rausholen und Elsa über alle Geheimnisse der Juden befragen!


„JOJO RABBIT Trailer 2 German Deutsch (2020)“, via KinoCheck (Youtube)

Es ist klar wo die Geschichte hingeht – Jojo bemerkt vielleicht, dass er eine Menge Märchen aufgetischt bekommt und die Weisen der Nazis falsch sind. Aber bis dahin ist es ein weiter und hier sehr witziger aber auch sehr dramatischer Weg. Taika Waititi erzählt mit einer unglaublichen Leichtigkeit, Satire und Charme von einem offensichtlich verdrehten Personenkult, falschen Ikonen und kennzeichnet die NS-Ideologie als hanebüchen. Der Film ist zeitlos in seinem Humor, der Filmmusik von den Beatles bis hin zu Bowie und der Warmherzigkeit, die er an den Tag legt. Hier gelingt der Spagat zwischen Humor und Tragik selbst noch mit einer Menge Raum für skurrile Figuren. Ich denke da nur an Sam Rockwells Hauptmann Klenzendorf und seine enge Beziehung (;)) zu Finkel (Alfie Allen) oder auch an Rebel Wilsons schräge Fräulein Rahm. Nazis zu karikieren ist das wohl wirksamste Mittel gegen Gewalt und menschenfeindliches Gedankengut. Was nicht heißt, dass er die Gewalt, Bedrohung und das zerstörerische Ausmaß der Denke und die Taten verschweigt. Es gibt Szenen, die hallen lange nach. Achtet auf die Schuhe! Jojo Rabbit ist dank seines Zeitgeists und der Verbindung aus Humor und Tragik wohl neben Parasite einer der besten und allumfassendsten Filme unter den Nominierten, die jeden auf irgendeine Weise abholen und berühren. Kritisch sein können, aber gleichzeitig zum Lachen bringen. Das einzige was ich gewillten Zuschauern noch mit auf den Weg geben kann ist eventuell zur Version im O-Ton zu greifen. Ich persönlich finde es nebenbei gesagt etwas schade, dass in einem Film, der in Deutschland spielt (aber nicht gedreht wurde) keine bis wenige deutschsprachige Darsteller verpflichtet wurden.

Jojo Rabbit, USA, 2019, Taika Waititi, 108 min, (9/10)

Sternchen-9

Joker

Arthur Fleck (Joaquin Phoenix) droht durch das Raster zu fallen. Zwar hat er einen Job als Party- und Krankenhausclown, mit dem er sich und seine Mutter Penny (Frances Conroy) über Wasser hält, aber er fühlt sich von der Gesellschaft ausgestoßen. Aufgrund psychischer und neurologischer Erkrankungen beginnt er unkontrolliert zu lachen, insbesondere wenn er nervös ist. Zwar befindet er sich in Behandlung, aber man begegnet ihm nicht mit echtem Interesse. Arthur würde die Menschen gern zum Lachen bringen. Als er aber in allen Bereichen seines Lebens herbe Rückschläge erleidet, wandelt sich das ins Gegenteil und er bemerkt nicht, welchen Schrecken er verursacht. Regisseur Todd Phillips erzählt mit Joker die Origin-Geschichte des Clown Prince, der als Gegenspieler Batmans aus den Comics von DC bekannt ist. Joker ist kein Feelgood-Movie, soviel dürfte klar sein. Arthur Fleck wird in allen Belangen korrumpiert und scheinbar vom Schicksal sabotiert. Anfangs noch ein gutmütiger Kerl, der stets und ständig von seinen Mitmenschen ausgestoßen wird und auf Intoleranz seiner Erkrankung, Lage oder Person stößt; wandelt er sich zu einem subversivem Element, das vor Gewalt nicht zurückschlägt. Er wird sogar die Symbolfigur einer ganzen Protestbewegung. Dabei positioniert sich der Film einerseits politisch und lässt an zahlreiche Demonstrationen oder öffentliche Krawalle denken. Ein gefährlicher Spagat ist es aber andererseits die Darstellung Arthurs psychischer Erkrankung, die hier in Gewalt mündet.


„JOKER – Teaser Trailer – Now Playing In Theaters“, via Warner Bros. Pictures (Youtube)

Damit widerspricht sich der Film quasi selber in der sehr wichtigen Aussage, Empathie und Aufmerksamkeit für psychisch Erkrankte zu fördern. Tatsächlich sind doch aber Menschen mit psychischen Erkrankungen oftmals sehr leise und vor Allem gefährlich für sich selber. Während dieser Aspekt des Films ein bisschen mit Vorsicht zu genießen ist und stark von der Interpretation des Zuschauers abhängt, ist der Rest stimmungsvoll und handwerklich gut gemacht. Und tragisch. So zeigt er doch Arthurs abgleiten in eine zum Teil mehr von der Öffentlichkeit geschaffene Antihelden-Figur und Abdriften von seinem Selbst. Joaquin Phoenix liefert eine verblüffende, sogartige Performance, die Arthur stets als menschliche und tragische Figur zeichnet – und trägt damit den Film. Phoenix nahm beträchtlich für die Rolle ab und inszeniert Flecks pathologisches Lachen mindestens so ernsthaft und glaubhaft wie die Szenen des Clowns, der sein weinendes Gesicht versucht zu überschminken. In jedem Fall ist Todd Phillips Joker ein Psychogramm unserer Gesellschaft und des Umgangs mit psychischen Erkrankungen, wenn auch kein Psychogramm psychischer Erkrankung. Der Film ist keine leichte Kost, gewinnt aber sehr durch einen großartigen Joaquin Phoenix, einen Hauch comic relief und eine gewisse Brisanz in punkto Politik, Gesellschaft und Zeitgeist.

Joker, USA, 2019, Todd Phillips, 122 min, (8/10)

Sternchen-8

Little Women

Greta Gerwig wählt einen frischen Ansatz für die schon oft adaptierte Geschichte der March Schwestern aus Louisa May Alcotts gleichnamigen Roman Little Women, der den meisten wohl durch die Verfilmung Betty und ihre Schwestern mit Winona Ryder oder die Animeserie Eine fröhliche Familie bereits bekannt ist. Nachdem der Vater sich freiwillig gemeldet hat um im Bürgerkrieg zu kämpfen, zieht die Familie March bestehend aus der Mutter Marmee (Laura Dern), den vier Schwestern Joe (Saoirse Ronan), Meg (Emma Watson), Amy (Florence Pugh) und Beth (Eliza Scanlen) zu ihrer grantigen, reichen Tante, gespielt von Meryl Streep. Jahre später arbeitet Joe als Lehrerin in New York und versucht nebenbei als Schriftstellerin Fuß zu fassen. Sie erinnert sich zurück an eine Zeit als ihr eigener Weg ihr noch klarer vor Augen zu liegen schien. All ihre Leben haben sich geändert – manche glücklicher, manche tragischer, manche stehen am Scheideweg zwischen beidem.

Die Geschichte auf zwei Zeitebenen parallel verlaufen zu lassen ist ein erzählerischer Kniff. Er gibt den einzelnen Schwestern, ihren Lebensentscheidungen und Konflikten mehr Tiefe indem er stets die Hürden der Vergangenheit, die Träume, Sehnsüchte und das Ergebnis ihrer Entscheidungen als ein knallhartes SOLL und IST entgegen gestellt. Gerwig legt den Fokus deutlich auf die Abhängigkeit der Frauen von Entscheidungen der Männer. Der Vater, der in den Krieg zieht und die Familie, die sich irgendwie durchschlagen muss. Der junge Mann aus gutem Hause, der sich Allüren erlauben kann, während die Mädchen in öffentlichen Schulen schon mal mit der Prügelstrafe gezüchtigt werden. Die wirtschaftliche Abhängigkeit von Frauen angesichts romantischen Wünschen wie Liebesheirat. Die vier Schicksale und Charaktere könnten kaum unterschiedlicher sein. Aber auch die Thematik der Armut und des Krieges hat Platz. Little Women fordert den Zuschauer stärker als in anderen süßlicheren Adaptionen. Was aus der Geschichte rausgedampft wurde ist wie die vier aufgeweckten Geschwister beispielsweise das Herz der grantigen Tante erweichen oder wie sie überhaupt zu ihr fliehen. Allerdings fehlt es auch nicht zu sehr. Trotz alldem bleibt jede Menge Platz für Comic Relief, dank der flippigen Art der Schwestern und ihrer Eskapaden, die die Themen des Films zwischen ernst und fröhlich ausbalancieren. Es gibt nur wenige Stellen an denen die Parallelität weniger gut gelingt, weil der Anschluss logisch misslingt. Ein kleines Manko an einem ansonsten großartigen Film mit einem wunderbaren Cast und dankenswertem Fokus auf die Themen, denen sich Frauen in der Epoche unweigerlich stellen mussten. Und in manchen Teilen der Welt heute noch stellen müssen.

Little Women, USA, 2019, Greta Gerwig, 135 min, (8/10)

Sternchen-8


„LITTLE WOMEN – Official Trailer (HD)“, via Sony Pictures Entertainment (Youtube)

Marriage Story

Wo kommen nur all die Filme mit Überlänge her? Und warum gibt es da draußen soviele Inhaltsangaben zu Marriage Story, die behaupten, dass der Film davon handele wie sich ein Ehepaar durch berufsbedingte, räumliche Trennung langsam auseinander lebt? Tatsächlich handelt Marriage Story von dem Ehepaar Nicole (Scarlett Johansson) und Charlie (Adam Driver), die sich schon längst getrennt haben und deren Scheidung sich anfangs langsam anbahnt, dann sehr konkrete Züge annimmt und letzten Endes in einem Sorgerechtsstreit mündet. Als Nicole und Charlie anfangs noch für eine Paartherapie aufschreiben sollen, was sie an dem anderen mögen und diese Texte geistig vortragen, werden dem Zuschauer Bilder gezeigt, die kaum deutlicher sagen könnten, dass auch sie mal ein glückliches Paar waren. Ein verliebtes Paar. Die schauspielerische Leistung von Scarlett Johansson und Adam Driver ist großartig. Bewegend, in One-Shots scheinen beide um ihr Leben zu spielen und zeigen natürlich und ergreifend Emotionen der ganzen Bandbreite. Alles dazwischen ist eine Geschichte, die nicht gerade neu ist und in Überlänge ausgerollt wird. Anwälte, die „zum Wohl“ ihrer Schützlinge versuchen mehr rauszuschlagen als sie müssten. Auflagen, die eingehalten werden wollen. Heile Weilt, die vorgespielt wird. Das ist zu lang, zu gediegen, zu repetitiv. Klar, der Film soll schmerzen, weil Scheidungen schmerzhaft sind. Aber er hätte auch mehr von den skurrilen Erlebnissen haben können (Stichwort Taschenmessertrick), die eins schöner Gegenentwurf zu dem ernsten Thema sind. Das Ende ist ein echter Höhepunkt, wenn einem auf schmerzlichste Weise bewusst wird, dass egal wie es ausging, einmal Liebe da war und auf eine bestimmte Weise immer sein wird.

Marriage Story, USA, 2019, Noah Baumbach, 137 min, (7/10)

Sternchen-7

In dieser Übersicht her müssen wir leider auf „Parasite“ verzichten, den ich mir für eine andere Werkschau aufhebe, den ich aber schon hier ausführlich besprochen habe. Außerdem fehlt hier „Once Upon a Time in Hollywood“, der schon mal Teil dieser Werkschau war. Das positive: insgesamt war es dieses Mal möglich eine ganze Menge der nominierten Filme noch vor der Verleihung in Deutschland im Kino zu sehen. Schmerzlich vermisst habe ich aber beispielsweise „Bombshell“, dass nur ein paar Tage nach den Oscars auch bei uns anläuft. Es ist eine gute Zeit um ins Kino zu gehen. Was ebenso sehr beachtlich ist: es wurden dieses Mal Netflix-Produktionen bedacht, die in Zeiten vor Roma doch gefühlt großflächig gemieden wurden. Vielleicht wurden für das Empfinden der Academy die Produktionen ja mit Alfonso Cuaróns Abnicken salonfähig. In jedem Fall bin ich sehr gespannt auf die Verleihung und drücke von all den Filmen v.A. auch „Parasite“ die Daumen. Habt ihr die besprochenen Filme gesehen? Bei welchem kommt ihr zu einer ähnlichen Einschätzung? Oder auch zu einer anderen? Wer ist euer heißer Oscar-Favorit und Abräumer des Abends?

„7ème art“ (Sprich: septième art) heißt „siebte Kunst“. Gemäß der Klassifikation der Künste handelt es sich hierbei um das Kino. In dieser Kategorie meines Blogs widme ich mich also Filmen – evtl. dehne ich den Begriff dabei etwas. Regulär stelle ich zwischen dem 1. und 5. jeden Monats jeweils 7 Filme in kurzen Reviews vor.