7ème art: John Hurt

Posted by in 1978, 1979, 1980, 1984, 2004, 2005, 2013, 7ème art, Actionfilm, Arthouse & Indie, basiert auf wahren Begebenheiten, Deutschland, Drama, Fantasy, Film, Frankreich, Horror und Mystery, Krimi und Noir, Literaturverfilmung, Review, Science-Fiction, Spielfilm, Südkorea, Superheldenfilm, Tschechien, UK, USA

Die Welt kennt John Hurt schon eine ganze Weile. Ich nicht. Als ich anfing ein richtiger Kino-Enthusiast zu werden, begegnete er mir in ‚Hellboy‘ und ‚Der verbotene Schlüssel‘. Es klingt naiv, aber was soll ich sagen – ich fand ihn toll. Dann kam ‚V wie Vendetta‘ und ‚Dame, König, As, Spion‘. Ich merkte schnell, dass er ein klassischer, großer Charakterdarsteller ist. Ich wusste ich würde ihn nie als den witzigen alten Mann von nebenan in einer schlechten Slapstick-Komödie sehen. Und dann fing er an für mich ein Qualitätsmerkmal zu werden. Der Faktor, der entscheidet, dass ich ‚Snowpiercer‘ doch gucke. Als Ollivander in den Harry-Potter-Filmen habe ich ihn übrigens ziemlich lange nicht erkannt ^^‘. Und als ich in dieser einen bestimmten Doctor-Who-Folge plötzlich sein Gesicht sah und er als der ‚War Doctor‘ angekündigt wurde, stand ich fast auf dem Tisch und habe gejubelt. Dann las ich Orwells ‚1984‘ und erfuhr, dass gerade er Winston gespielt hat! Und ich wusste sofort, dass das gut sein muss. Und das war es. Immer. Ich hatte eine echte Sympathie für ihn und sein Schauspiel. Das ist meine Geschichte mit John Hurt. Und jetzt ist er gestorben und ich habe das Gefühl, dass man mir etwas weggenommen hat. Irgendwie seltsam so zu denken. Aber es tut mir wahnsinnig leid. Darum lasst uns öfter über großartige Menschen schreiben, solange sie noch da sind. Nichtsdestotrotz … lasst uns heute über den wunderbaren John Hurt reden. Ich erhebe mein Glas. Cheers!

12 Uhr nachts – Midnight Express

Der Film basiert lose auf der wahren Geschichte von Billy Hayes, hier gespielt von Brad Davis, der in den Siebzigerjahren in der Türkei bei dem Versuch Haschisch zu schmuggeln erwischt wurde. Man will ein Exempel an ihm statuieren und verurteilt ihn zu einer immens hohen Freiheitsstrafe. Der Film schildert die Zustände in dem türkischen Gefängnis und hat eine breite Masse an Meinungen herausgefordert. Die Schilderungen von körperlicher Gewalt, Erniedrigung und Folter wirken zu voyeuristisch und gewollt und so als ob sie polarisieren und anprangern wollen. Seitens der türkischen Gremien und Behörden scheint es gelinde gesagt nur Drecksäcke zu geben, weswegen der Film als anprangernd und beleidigend wahrgenommen wurde. Andere Meinungen gehen dahin, dass der Film zeigen will wie schnell jemand in einem fremden Kulturkreis durch Leichtsinnigkeit anecken kann, wo die Gesetze, Moral und Umgangsweisen anders sind. Hayes Geschichte soll als Mahnmal dienen und von seinem Martyrium erzählt werden. Dass die Türkei dabei schlecht weg kommt, sei nicht gewollt, so versicherten derzeit die Produzenten und der Regiesseur Alan Parker. So bekam Midnight Express den Ruf eines Skandalfilms, der trotz der Kontroversen in mehreren Kategorien für einen Oscar nominiert wurde. U.a. erhielt John Hurt eine Nominierung als bester Nebendarsteller. Er spielt den Briten Max, der schon länger als Bill und viele andere einsitzt und weiß wie der Laden läuft, wen man bestechen muss, vor wem man sich hüten muss und wie man zu einem Anwalt kommt, der das Verfahren ggf wieder aufrollt und einem nach draußen hilft. Auffälliger als das ist wohl aber John Hurts fiebrige Darstellung der Drogenabhängigkeit. Er und Hayes restlicher kleiner Kreis an verschworenen Mit-Häftlingen versucht sich durchzuschlagen und letzten Endes vielleicht sogar den Midnight Express zu nehmen, d.h. zu flüchten. Tatsächlich sind die Darstellungen und Mechanismen aber zu plakativ und einfach Schwarz-Weiß. Hayes wollte Drogen schmuggeln und ist nun Mal ein Straftäter, der allerdings eine zugegebenermaßen übermäßig hohe Strafe erhält. Trotzdem ist es schwer viel Mitgefühl für ihn aufzubringen, da er einige seiner Chancen verspielt im Vorfeld sachte aus der Nummer rauszukommen. Szenen wie die, in der die türkischen Polizisten Hayes stehend und splitterfasernackt aus Gleichgültigkeit, zur allgemeinen Belustigung und aus was für Gründen wohl sonst auf sein Verhör warten lassen, tragen nicht besonders dazu bei, dass man den Film für sehr realistisch halten kann. Es wirkt zu gewollt, sensationell und schockierend, was schwer macht zu glauben, dass es noch mehr Oscar-Nominierungen als die für John Hurt gab.

12 Uhr nachts – Midnight Express (OT: Midnight Express), USA/UK, 1978, Alan Parker, 121min, (5/10)

Sternchen-5

„Alien Trailer (1979)“, via Dav3ydav3 (Youtube)

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Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt

Im Jahr 2122 wacht die Besatzung des Frachter-Raumschiffs Nostromo aus dem Kälteschlaf auf und muss sich fragen, warum sie so weit vom Kurs abgekommen sind. Das Steuerungssystem hat einen Funkruf aufgeschnappt, als Notruf eingestuft und ist auf dem Weg zu Quelle. Die Besatzung muss trotz aller Bedenken folge leisten und entdeckt einen scheinbar unbewohnten Planetoiden auf dem ein Raumschiff abgestürzt zu sein scheint. Teile der Crew erkunden das Gebiet. Das Besatzungsmitglied Kane (John Hurt) untersucht dabei einen Fremdkörper und wird von einem Wesen angegriffen, dass sich auf seinem Gesicht festsetzt und ihn einerseits lähmt, andererseits am Leben erhält. Als die Teamkollegen Kane auf das Raumschiff bringen wollen, sträubt sich der stellvertretende Captain Ellen Louise Ripley (Sigourney Weaver). Unbekannte Lebensformen dürften nicht an Bord. Der Wissenschaftsoffizier Ash (Ian Holm) lässt sie aber eintreten und bringt damit die ganze Besatzung in Gefahr.

Selbst wenn man den Film nicht gesehen hat, dann weiß man: hätten sie mal lieber auf Ripley gehört. Alien ist nicht der erste Science-Fiction-Stoff, der die Besatzung eines Raumschiffs der Gefahr einer vollkommen unbekannten Lebensform aussetzt, die sich dahingehend einmal durch die Crew schnetzelt, aber er ist wahrscheinlich der Vorreiter was Filme diesen Genres betrifft. Obwohl Ridley Scotts Film aus dem Jahr 1979 stammt, ist er hervorragend gealtert. Selbst heute im sich selbst beweihräuchernden digital age sind die interfaces des Raumschiffes glaubwürdiger als die Hologramme, die einem in anderen Filmen um die Ohren gehauen werden. Dazu kommt das Design das entweder selber vom inzwischen leider verstorbenen Schweizer HR Giger geschaffen oder durch ihn inspiriert wurde. Die düsteren, organischen Raumschiffe und das titelgebende Alien selber packen den Zuschauer und haben den Weg geebnet für einen zeitlosen Kultfilm, der zahlreich kopiert wurde. Ridley Scott beweiste in vielerlei Hinsicht Pionier-Geist. Schließlich setzt er sich auch dafür ein, dass die Rolle von Ripley mit einer Frau besetzt wird, statt mit einem Mann wie anfangs geplant. Durch Ripley entstand eine der Badass-Frauenfiguren der Kinogeschichte. Darüber, dass sie fan service leisten und gute 5 Minuten leicht bekleidet rumlaufen muss, wollen wir mal an der Stelle nicht reden … . Alien ist in jedem Fall ein atmosphärischer Gruseler, der die volle Palette an Horror-Elementen fährt und zeigt wie es gemacht wird. Da gibt es gute jump scares, genauso wie schlaue Twists und moralische Fragen. Ein Klassiker.

Alien: Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt (OT: Alien), USA/UK, 1979, Ridley Scott, 116min, (8/10)

Sternchen-8

Der Elefantenmensch

Der Elefantenmensch – so wird eine Kreatur in einer Freak Show in Großbritannien um 1880 angepriesen. Sein übergroßer Kopf und sein deformierter, enormer rechter Arm haben ihm diesen undankbaren Namen eingebracht. Als der Arzt Dr. Frederick Treves (Anthony Hopkins) zufällig über den Jahrmarkt läuft und den als Kreatur zur Schau gestellten sieht, ist seine Neugier geweckt. Er will erforschen worunter der ‚Elefantenmensch‘ genau leidet. Dr. Treves sorgt erstmal dafür, dass der Mann gesund wird, da er in einem sehr schlechten Zustand ist und versucht herauszubekommen, ob er sprechen kann und ihn versteht. Er ist vollkommen verschüchtert von den Schlägen und Buh-Rufen und den Reaktionen der Menschen um ihn herum. Aber nach einer kurzen Weile traut er sich und lässt Dr. Treves wissen, dass er John Merrick (John Hurt) heißt und ihn sehr wohl versteht. Treves entdeckt in Merrick ein intelligentes und empfindsames Wesen und versucht ihn in die Gesellschaft zu integrieren.

Merricks Figur ist vielfach tragisch, egal in welcher Dimension. Wird er als Kreatur zur Schau gestellt und geschlagen, geht es ihm bescheiden. Wird er aber der Gesellschaft präsentiert, ist das nur eine Freak Show mit einem anderen Publikum. Wie Dr. Treves versucht ihm ein Leben aufzubauen und ihn aus seinem Schneckenhaus zu befreien ist rührend, aber der moralische Konflikt ruft Fragen auf wie die: Hat er Merrick damit wirklich einen Gefallen getan? Führt er ihm nicht zwangsläufig ein Leben vor, dass er niemals leben kann? So muss Merrick beispielsweise im sitzen schlafen, da sein schwerer und großer Kopf sonst seine Luftröhre abschnürt. Im Auge des Betrachters liegt der Konflikt und die Bewertung des moralischen Dilemmas. John Hurt ist beeindruckend in seiner Rolle als John Merrick. Er muss fast ‚unkenntlich‘ in der Maske Emotionen rüberbringen, wobei er sich zu dem auch schwer artikulieren kann. Kennt man vorrangig David Lynchs surreale Filme wie Lost Highway, Eraserhead o.a., dann vermutet man kaum, dass er bei Der Elefantenmensch Regie geführt hat. Der in Schwarz-Weiß-gehaltene Film erzählt ruhig und linear wie Treves Merrick findet, ihn aufpäppelt und Merricks Abenteuer mit dem was man so als Gesellschaft bezeichnen muss. Lediglich zwei Sequenzen am Anfang und am Ende erinnern an (alb)traum-artige, halluzinatorische Szenen und schließen den Film. Der Zuschauer sei gewarnt: schnell zu deprimierende Gemüter sollten sich auf ein sehr intensives und zuweilen bedrückendes Filmerlebnis gefasst machen. Merricks Geschichte ist keine einfache. Mit dem Wissen, dass es auf wahren Begebenheiten beruht, noch weniger. Der Elefantenmensch läutete den Höhepunkt von Lynchs Karriere ein. Der Film war in acht Kategorien für einen Academy Award nominiert, erhielt aber keinen einzigen trotz der intensiven Geschichte. Ein Jammer.

Der Elefantenmensch (OT: The Elephant Man), USA/UK, 1980, David Lynch, 123min, (8/10)

Sternchen-8

„1984 (John Hurt) – Official Trailer“, via thecultbox (Youtube)

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1984

Michael Radfords Verfilmung ist die, die sich mit Abstand am genauesten an die Literaturvorlage von George Orwells 1984 hält. Darin spielt John Hurt den Angestellten Winston Smith, der einen grauen und tristen Alltag in der Hauptstadt von „Ozeanien“, London, fristet. Die Menschen richten sich in allen Belangen nach dem was der Staat und Diktator Big Brother vorgeben und werden ständig überwacht. Die Medien und die Geschichtsschreibung werden vorgegeben, Essen rationiert und selbst die Wahl des Lebenspartners dient lediglich der Zeugung neuer, guter, treuer Parteimitglieder. Andersdenkende werden gefoltert und vernichtet. Als Winston beginnt ein Tagebuch zu schreiben und darin seinen Gedanken über das System freien Lauf zu lassen, macht er sich bereits zum Zielobjekt des Staats. Als er dann noch eine Beziehung zur Freidenkerin Julia (Suzanna Hamilton) eingeht und den Mut fasst sogar Rebellen beizutreten, egal wie aussichtslos das erscheinen mag, begibt er sich in größte Gefahr. Dabei spielt John Hurt den Winston als genau den Antihelden wie man ihn im Buch kennenlernt. Er ist ein einfacher Mann, er hat Angst und ist kein Held. Aber trotz aller Verunsicherung muss er raus aus diesem Leben, das ihn krankmacht und beginnt ein wenig aufzublühen, als er die Liebe kennenlernt und einen höheren Zweck erahnt. Aber alles weit ab von irgendwelchen verkitschten Hollywood-Visionen von strahlenden Rettern, sondern in einer zutiefst menschlichen Darstellung. John Hurts Winston merkt man an was es bedeutet in Jahren der Unterdrückung und totalen Überwachung zu leben. Da ist wenig Platz für heroischen Kitsch.

Überhaupt ist die Verfilmung ein beispielhaftes Werk für eine Umsetzung aus einer Literaturvorlage, denn sie greift die Handlung auf, fügt aber eigene Visionen hinzu. Die von Kriegen entstellte Stadt steht mit ihren grauen, unwohnlichen Flächen im krassen Gegensatz zu der wüsten, grünen, verlassenen Landschaft in die sich Winston und Julia flüchten und zwischendrin gibt es irgendwo Winstons Träume von einem Ausweg, einer grünen Ebene und unvergifteter Luft begleitet von sphärischen Klängen der Eurythmics – ein stimmiges Bild, ein allumfassend durchdachter Stil und eine beklemmende Inszenierung mit einem zutiefst menschlichen Ausgang. Richard Burton spielt hier übrigens seine letzte Rolle, die des O’Brien.

1984, UK, 1984, Michael Radford, 106min, (9/10)

Sternchen-9

„Hellboy – Official® Trailer [HD]“, via TrailersPlaygroundHD (Youtube)

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Hellboy

Als der FBI-Agent John Myers (Rupert Evans) dem B.P.R.D. zugeteilt wird, traut er seinen Augen nicht. B.P.R.D. steht für Bureau for Paranormal Research and Defense und wie der Name schon sagt, verschreibt sich die Unterabteilung den Dämonen und Kreaturen, die vor der Öffentlichkeit geheim gehalten werden oder vor denen die Menschen beschätzt werden müssen. Professor Trevor „Broom“ Bruttenholm (John Hurt) führt ihn rum, zeigt ihm alles und stellt ihm auch seine Kollegen vor. Den Amphibien-Mensch-Hybriden Abe Sapien (Doug Jones), der auch telepathische Kräfte besitzt. Und dann ist da natürlich noch „Red“ aka Hellboy (Ron Perlman), ein waschechter Teufel oder Dämon, der sich nicht so gut versteckt hält wie Abe, weswegen die Medien immer mal über vermeintliche Sichtungen eines Dämons berichten. Während Myers noch versucht das zu verkraften und die ersten Einsätze gegen waschechte Monster zu überstehen, versucht Red Liz Sherman (Selma Blair) in die Gruppe zu integrieren, vorausgesetzt sie bekommt ihre Fähigkeiten in den Griff. Auf die Gruppe und den vielleicht schon etwas überforderten Myers kommt aber eine Bedrohung zu, die unmittelbar mit Reds Vergangenheit zutun hat.

Am Anfang macht Guillermo del Toros Umsetzung des gleichnamigen Comics richtig derb viel Spaß, was v.A. an den sympathischen und spleenigen Charakteren liegt. Ron Perlman spielt Hellboy urig und so als ob er die Personifikation Reds wäre. Er liebt fettiges Essen, hat immer einen Spruch auf Lager, lässt sich nichts bieten, schießt schnell und kontert hart und kümmert sich liebevoll um flauschige Miezekatzen. Und sieht dabei wie der personifizierte Teufel aus. Wer könnte das nicht mögen? Zusammen mit dem herrlich kauzigen Abe und John Hurt als Look-a-Like des guten Professors eine stimmige Mischung. Schaut man aber tiefer, dann merkt der Zuschauer, dass man es mit den Fakten nicht so ernst genommen hat (russische Schrift, die etwas ganz anderes bedeutet als da wirklich steht, liebes Produktionsteam – solche Hürden sind aber zu bewältigen) und auch die Comics etwas freier interpretiert um das ganze in ein Filmformat zu quetschen. Über das alles kann man hinwegsehen, wenn man kein Hardcore-Comicfan ist, solange es die Stimmung und Gedanken der Comics gekonnt einfängt. Was aber schwieriger zu ignorieren ist, sind die verkitschten Darstellungen Rasputins (Karel Roden), des großen Gegenspielers in dem Film, der von seinen Gefolgsleuten grundsätzlich mit einem lang-gezogenen „Meeeeiiiiisteeeeeeeer“ angesprochen wird. Das macht irgendwie kaputt, was der Film anfangs gut vorgelegt hat. Nämlichen den trotzigen Realismus, in dem Dämonen- und Menschenwelt aufeinandertreffen. Spürbar beispielsweise an den Fernsehsendungen, in denen besprochen wird, ob es denn nun einen Hellboy gibt oder nicht oder was. Trotz der gegen Ende dünnen und vorhersehbaren Geschichten und den kitschigen Tropen, derer man sich bei den Gegenspielern bedient, ist er ein unterhaltsamer Film und besticht durch die Originalität der Vorlage mit ihren tollen, nicht menschlich aussehenden, aber innen drin sehr menschlichen Charakteren.

Hellboy, USA, 2004, Guillermo del Toro, 117min, (7/10)

Sternchen-7

„V for Vendetta – Remember, remember the 5th of November (HD)“, via Michał Woś (Youtube)

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V wie Vendetta

Remember remember the 5th of November. In Großbritannien herrscht längst ein totalitäres System, dem sich ein einzelner entgegen stellt. V (Hugo Weaving) – so schlicht nennt sich der Maskierte, der am 5. November ein wahres Feuerwerk in London veranstaltet und die Regierung öffentlich vorführt. Dabei trifft er auf die junge Evey Hammond (Natalie Portman), die am eigenen Leib erfahren musste wie das neue System seine Gegner behandelt und die Medien kontrolliert. Er weiht sie in seine Pläne ein, nimmt aber nie seine Guy-Fawkes-Maske ab. Portionsweise lässt er die Öffentlichkeit von seinem Vorhaben wissen und ruft sie dazu auf, sich gegen das System aufzulehnen, während er sich aus zutiefst persönlichen Gründen an bestimmten verkommenden Subjekten rächt. Denn V steht für Vendetta. Großkanzler Adam Sutler (John Hurt) und der quasi Diktator setzt aber seine Handlanger auf V an und inbesondere der Chief Inspector Eric Finch (Stephen Rea) ist V auf den Fersen.

Der Film basiert auf der Graphic Novel von Alan Moore und David Lloyd, die ab 1982 publiziert wurde und von den Wachowski-Geschwistern für die große Leinwand adaptiert wurde. Der Film hält sich zwar nicht in allen Details an die Vorlage und interpretiert vieles frei und lässt kontroverse Punkte aus, hat aber dazu beigetragen den Bekanntheitsgrad der Graphic Novel zu vergrößern. Beides inspirierte sowohl Anonymous und als auch die Occupy-Bewegung dazu Guy-Fawkes-Masken zu tragen und zutun wozu der Film maßgeblich aufruft und wofür er steht – sich gegen das System aufzulehnen bis hin zu Anarchie in allen Schattierungen, die der Interpretationsspielraum anbietet. Die Graphic Novel kann hier nicht besprochen werden, aber der Film zeichnet ein Bild von der Welt, dass vor 10 Jahren als er rauskam noch mehr eine Dystopie war, inzwischen aber von der Realität einiger Staaten nicht entfernt zu sein scheint. Andersdenkende, Homosexuelle, Religiöse, Systemkritiker werden verfolgt. Die Medien durch Staatsorgane kontrolliert und Falschmeldungen en masse produziert, wenn sie einem bestimmten Zweck dienen. John Hurt spielte noch vor Jahren einen der durch das System unterdrückt wird. Hier spielt er den Unterdrückenden und nicht mehr den Unterdrückten. Sein Adam Sutler spricht von großen Bildschirmen zu seinen Untergebenen und ist doch nur ein plakatives Beispiel für die Willkür die V anprangert und die Menschen dazu inspiriert aufzustehen und sich nicht instrumentalisieren zu lassen. Die Symbolik des Films ist vielschichtig genauso wie die Charaktere – nur leider nicht auf der Seite der Bösen, die ziemlich vom Reißbrett zu kommen scheinen. Schnitt, Kamera, Kostüme, Timing unterstützen perfekt das Drehbuch in nahezu allen Einstellungen. Die Atmosphäre ist bedrückend. Spätestens wenn V Evey eine harte Lektion erteilt um ihren ermüdeten Kämpfergeist zu wecken, wird selbst den härteren Zuschauern anders. Dabei greifen mehrere Geschichten und Handlungsfäden perfekt ineinander, die zeigen wie ein einzelner kippender Dominostein eine Lawine zum rollen bringen kann. Ein Meisterwerk mit einem einzigen Fehler. Warum haben die Obrigkeiten aufgehört nach Evey zu suchen?

V wie Vendetta (OT: V for Vendetta), USA/UK/Deutschland, 2005, James McTeigue, 132min, (9/10)

Sternchen-9

Snowpiercer

Im Jahr 2031 herrscht Eiszeit und fast alles Leben auf dem Planeten ist ausgelöscht. Snowpiercer heißt die letzte Bastion der Menschheit: ein immer fahrender Zug, in dem sich der verbliebene Rest der Menschheit in eine Klassengesellschaft aufgeteilt hat und irgendwie überlebt. An der wortwörtlichen Spitze lebt die Elite, während die mittellosen unter menschenunwürdigen Bedingungen am Ende des Zuges hausen und stark kontrolliert werden. Als in Folge einer Bestrafung durch die Obrigkeit ein Freund seinen Arm unter grausamen Bedingungen verliert, beschließt Curtis (Chris Evans) das zu versuchen, woran bisher alle gescheitert sind: an die Spitze des Zuges gelangen und die Maschine erobern.

Bong Joon-hos erste Regiearbeit in Koorporation mit den USA widmet sich des gleichnamigen Comics von Jacques Lob, Benjamin Legrand und Jean-Marc Rochette – in Deutschland erschienen unter dem Namen Schneekreuzer. Der Regiesseur hat schon in seine vorherigen Werken wie The Host und Mother bewiesen, dass er einen Hang zu monströsen und brutalen Stoffen hat. Und damit meine ich nicht zwingend den body count seiner Filme, sondern auch schonungslose Darstellung von einer moralisch verfaulten Welt. So auch in Snowpiercer, in der die Menschen im Zug jegliche Vorstellung von Moral verloren zu haben scheinen . Vornehmlich die Leute an der Spitze, die legitimiert durch eine seltsame Ideologie in den Tag hinein leben und ignorieren, dass am anderen Ende des Zugs Leute hungern. Während sich Curtis und seine Freunde Edgar (Jamie Bell), Gilliam (John Hurt) und viele weitere durch den Zug schnetzeln, sammeln sie Namgoong (Song Kang-ho) und Yona (Ko Ah-seong) auf und begegnen der verblendeten Ministerin Mason (Tilda Swinton). Die Aufzählung zeigt: Ein ausgezeichneter Cast und vor Allem zur Abwechslung mal ein internationaler. Song Kang-ho dürfte Fans des asiatischen Kinos u.a. durch seine Rollen in The Host, Durst und Lady Vengeance bekannt sein. Tilda Swinton liefert hier wieder die Darstellung einer besonders exzentrischen Person ab und ist anfangs kaum zu erkennen. John Hurt ist der weise Mann, der noch die Welt da draußen kennt wie sie einmal war, bevor das Eis kam. Und Chris Evans … bei dem möchte man fast sagen: spiel öfter sowas. Und weniger von dem anderen. Während des Films werden außerdem mit Eintritt in jedes neue Zugabteil neue Wahrheiten enthüllt. Über den Zug, das Leben im Zug, den Erbauer, die Hauptcharaktere … aber eins ist sicher: Snowpiercer ist nichts für schwache Nerven. Sowohl die moralische Härte dieser Geschichte über eine moderne Arche der Eiszeit, als auch der body count sind enorm.

Snowpiercer, Südkorea/USA/Frankreich/Tschechien, 2013, Bong Joon-ho, 126min, (9/10)

Sternchen-9

Welchen John Hurt Film muss ich eurer Meinung nach noch unbedingt schauen, wenn ich das mit der Werkschau richtig machen will!? Wann habt ihr zuletzt erst spät gecheckt, dass ja einer eurer Lieblingsschauspieler in einer eurer Lieblings-Filmreihen mitspielt!? Mir fiel das erst in den letzten beiden Harry-Potter-Filmen auf. Als er dort seinen ersten Auftritt im ersten Film hatte, war Miss Booleana noch jünger und wusste nix über diesen John Hurt. Welchen der Filme habt ihr schon gesehen? Welchen nicht?

„7ème art“ (Sprich: septième art) heißt „siebte Kunst“. Gemäß der Klassifikation der Künste handelt es sich hierbei um das Kino. In dieser Kategorie meines Blogs widme ich mich also Filmen – evtl. dehne ich den Begriff dabei etwas. Regulär stelle ich zwischen dem 1. und 5. jeden Monats jeweils 7 Filme in kurzen Reviews vor.