7ème art: Eva Green

Posted by in 2003, 2005, 2008, 2009, 2010, 2011, 2014, 7ème art, Arthouse & Indie, Coming-of-Age, Dänemark, Deutschland, Drama, Film, Frankreich, Genreübergreifend, Historienfilm, Irland, Italien, Krimi und Noir, Literaturverfilmung, Monumentalfilm, Review, Schweden, Spanien, Spielfilm, UK, Ungarn, USA, Western

Okay, die wichtigsten Informationen zuerst: Ich habe einen girl-crush auf Eva Green. Ich glaube sie wäre eine der wenigsten Frauen in deren Gegenwart ich verdammt nervös wäre und wahrscheinlich zu einer Salzsäule erstarren würde. Die gebürtige Französin hat eine sinnliche, elegante Ausstrahlung, wegen derer sie sicherlich auf einige Rollen ge-type-casted wurde. Nicht selten als die femme fatale. Aber ihr breites Lächeln, ihr kompromissloses Schauspiel mit selbst extremsten emotionalen Facetten qualifiziert sie auch für die abgründigen und verrückten Rollen. Und sie fürchtet sich nicht vor der abgeschminkten Wahrheit, Natürlichkeit und manchmal sogar Hässlichkeit, was sie v.A. in Penny Dreadful, einer meiner Lieblingsserien, beweisen durfte. Bloß gut, dass sie sich und ihren Rollen treu bleibt und stets weiter für uns in die Abgründe schaut. Vielleicht ist das auch der Grund, warum ich bei Filmen oft als Qualitätsmerkmal sehe, dass Eva Green mitspielt. Naja. Oder es ist der girl crush. Der gemeinsame Nenner der heutigen sieben Filme ist, dass Eva Green eine tragende Rolle spielt.

„Eva Green Talks Nudity, Her Twin Sister, and Her Crush on Jack Nicholson | Screen Tests | W Magazine“, via W magazine (Youtube)

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Die Träumer

Der amerikanische Austauschstudent Matthew (Michael Pitt) inhaliert geradezu im Paris des Jahres 1968 Filme in der Cinémathèque française und bekommt einen Fuß in die Tür politischer Debatten und Unruhen als er die Geschwister Isabelle (Eva Green) und Théo (Louis Garrel) kennen lernt. Sie sind kosmopolitisch, interessieren sich für Politik und Kultur, sind kinobesessen wie er und strahlen großes Selbstbewusstsein aus. Sie üben eine besondere Anziehung auf ihn aus und als ob das auf Gleichseitigkeit beruhen würde, freunden sie sich mit ihm an und lassen ihn nicht so schnell wieder los. Als die Eltern der Geschwister in den Urlaub fahren, leben die drei in dem Haus, trinken und rauchen viel, reden über Gott und die Welt und Filme und isolieren sich von der Außenwelt, während dort draußen die Unruhen von Paris hervorgehend aus der Studentenbewegung eskalieren. Die Anziehung der Drei wird zu einer Dreiecksbeziehung, die durch ihre erotischen Abenteuer nicht einfacher wird. Insbesondere Matthew und Isabelle steht die fanatisch-enge, platonisch-inzestuöse Beziehung der Geschwister im Weg. Wobei man sich noch fragen muss wie platonisch die Beziehung ist.

Bernardo Bertoluccis Film ist gleichzeitig eine Verbeugung vor dem Zeitgeist des 1968er Jahrgangs, die obwohl noch sehr jung ein ausgeprägtes politisches Interesse hatten und einen unerschöpflichen Mut und Enthusiasmus etwas in der Welt zu ändern. Am Beispiel der Drei wird deutlich wie allumfassend sie Kultur inhalierten und lebten und dadurch eine feste Meinung und Weltgewandheit ausbildeten. Aber der Film heißt nicht umsonst Die Träumer. Das gegenseitige erotische Erkunden und Austesten zwischen den Dreien, die nackte Haut und der Freigeist, den sie ausleben, macht zwar Spaß, aber es ist zeitgleich auch der Fallstrick ihrer Beziehungen. Sie lassen sich in ihrer Isolation so gehen, dass sie das Haus zumüllen und es (fast?) in einer Katastrophe endet. Insbesondere die Beziehung der Geschwister resultiert in einem gefährlichen Mitläufertum, in dem sich letzten Endes die jungen Leute überschätzen. Fans des Revolutionsgedankens mögen das Ende anders deuten. Ganz nebenbei ist Bertoluccis Film eine Verbeugung vor dem Kino. Es werden zahlreiche Ausschnitte aus Filmen gezeigt wie u.a. Die Außenseiterbande von Jean-Luc Godard, Lichter der Großstadt oder Top Hat. Und wer bei Isabelles und Théos Filmquiz nicht antworten kann, den erwartet eine interessante Strafe. Eva Green feiert in diesem Film ihr Spielfilmdebut und hat noch fast etwas teenagerhaftes an sich, zumindest bis die Hüllen fallen.

Die Träumer (OT: The Dreamers), Italien/Frankreich/Großbritannien, 2003, Bernardo Bertolucci, 115 min, (8/10)

Sternchen-8

Königreich der Himmel

Im Frankreich des 12. Jahrhunderts fristet der junge Schmied Balian (Orlando Bloom) ein seit Kurzem trauriges Leben. Sein Kind ist gestorben und seine Frau begann aus Trauer Selbstmord. Im Dorf ist er ein Geächteter und man hat für seine Tragödie kein Verständnis. Für die katholische Gemeinde ist Selbstmord eine Todsünde. Eines Tages kommt der Kreuzritter Godfrey von Ibelin (Liam Neeson) in das Dorf um Balian zu suchen. Er ist sein unehelicher Sohn und Godfrey bietet an ihn mit nach Jerusalem zu nehmen. Jerusalem wäre ein Ort an dem die Menschen der verschiedenen Religionen in Frieden zusammen leben und Balian hätte als Sohn eines Adligen eine blendende Zukunft. Da Balian in dem Dorf nichts hält, reist er mit Godfrey. Von der Reise in das Heilige Land verspricht er sich Sühne, Trost und Antworten wohin sein Weg gehen soll. Eine Zeit lang führt er dort tatsächlich ein Leben, von dem er in dem Dorf in Frankreich als Schmied nur geträumt hat. Er schart eine Reihe Vertrauter um sich, u.a. David Thewlis als einen ihm treuen Hospitaliter und macht die Bekanntschaft mit Prinzessin Sybilla (Eva Green), die eine starke Frau gefangen in einer schwachen Ehe ist. Allerdings wird die Reise und seine Zeit in Jerusalem von sinnlosen Toden, gewaltsamen Auseinandersetzungen sein und führt ihn letzten Endes in einen Krieg, den er nicht gewollt hat.

Königreich der Himmel schwimmt irgendwo zwischen den Begriffen Historienfilm und Historic Fiction. Zwar existierten die Personen wie Sybilla und Balian wirklich, aber was man aus der Geschichte gemacht hat, rief einiges an Kritik auf den Plan. Sehr genau hat man es wohl nicht genommen. Und auch die Umsetzung krankt und hinkt. Das CGI ist beeindruckend, schrammt aber unangenehm die Grenze des offensichtlich-unechten. Orlando Bloom wirkt leider die meiste Zeit des Geschehens wie ein Statist. Orientierungslosigkeit mag das Kernproblem seiner Rolle sein, aber er wirkt doch zu abwesend von dem Geschehen, nur um in den richtigen Momenten als strahlender Retter inszeniert zu werden. Ein Problem von Timing und oder Schnitt spielt da sicher auch eine Rolle. Was Königreich der Himmel aber auch heute noch zu einem dennoch brisanten Film macht ist der Glaubenskonflikt und -krieg. Natürlich ist es ein schöner Gedanke, dass in Jerusalem damals alle Religionen in Frieden zusammen gelebt haben. Aber es gibt Störenfriede, denen dieses Leben noch nicht genug ist. Zwischen Kreuzrittern, Tempelrittern, Hospitalitern und was weiß ich wem noch alles, die eigentlich christliche Werte leben sollten, gibt es welche, denen dieser Friede nicht genug ist. Sie säen Zwietracht und morden angeblich im Namen Gottes. Sie rechtfertigen ihre Taten mit den hochtrabend gesprochenen Worten „Es muss Krieg geben. Gott will es.“ Der prominent besetzte Film (u.a. sind auch Brendan Gleeson, Jeremy Irons und Edward Norton Teil des Casts) führt uns ein fast vergessenes Kapitel vor Augen, in dem es die Christen waren, die die Kriege im Namen Gottes mit niederen Motiven angezettelt haben und damit tausende ins Unglück stürzten. Wie sagt David Thewlis Charakter in dem Film? Er gehöre im Herzen keiner Religion an. „Was du entscheidest zu tun, macht dich zu einem guten Menschen.“ Ich wünsche mir, dass der Film die Vergangenheit zeigt. Und nicht die Zukunft.

Königreich der Himmel (OT: Kingdom of Heaven), USA/Spanien/UK/Deutschland, 2005, Ridley Scott, 138 min, (7/10)

Sternchen-7

Franklyn – Die Wahrheit trägt viele Masken

Schade, dass man von Gerald McMorrow seit Franklyn nichts mehr gehört hat, denn ich würde den Film in einem Atemzug mit Geheimtipps wie Dark City nennen. Das Drehbuch (auch aus der Feder McMorrows) und der visuelle Stil sind jedenfalls wirklich gut. In dem Film geht es um das Schicksal von vier Menschen, das miteinander verbunden zu sein scheint. Wie bekommt der Zuschauer schleichend nach und nach heraus. Der Film ist deutlich so konzipiert, dass er Brotkrumen sät, die der Zuschauer aufschnappen kann. Selbst nach dem zweiten Schauen fielen mir noch neue Hinweise auf und v.A. wie früh man das große Ganze erkennen kann, wenn man sehr aufmerksam ist. Bei den vier Menschen handelt es sich um die Kunststudentin Emilia (Eva Green), deren emotionale Tiefen und psychische Instabilität sich in ihrer Kunst äußert und v.A. in ihrem verzweifelten und zurecht umstrittenen Projekt, für das sie regelmäßige Selbstmordversuche begeht. Ein Hilferuf. Währenddessen sucht ein Vater (Bernard Hill) händeringend nach seinem verschwundenen Sohn, scheinbar will ihm niemand helfen. Jonathan Preest (Ryan Phillippe) lebt verborgen in der dystopischen Stadt Meanwhile City, in der die Regierung jedem vorschreibt einer Religion anzugehören. Denn eine Überzeugung macht kontrollierbar. Preest will nicht kontrollierbar sein. Und er will Rache an dem religiösen Würdensträger Das Individuum, das Schuld am Tod eines Mädchens ist. In London lebt Milo (Sam Riley) als hätte man ihm den Boden unter den Füßen weggezogen. Er wurde vor dem Traualtar stehen gelassen. Dann trifft er Sally wieder, seine Jugendliebe. Milo muss aber feststellen, dass Sally jemand anderes ist als er dachte.

Die vier Handlungsstränge changieren wunderbar zwischen tragischer Sinnsuche, Drama, Krimi und Fantasy in ihren individuellen Handlungssträngen. Bis es erstaunliche Überschneidungen gibt, wenn man beispielsweise bemerkt, dass Sally wie Emilia aussieht – und dementsprechend auch von Eva Green gespielt wird. Dass die Leben der vier Menschen miteinander verbunden sind, wird durch zahlreiche Details angedeutet. Und obwohl die eine oder andere Auflösung scheinbar alles an übernatürlichem oder fantasy-Aspekten rausnimmt, gibt es Andeutungen, dass eben doch nicht alles erklärbar ist und es ein bisschen mehr in unserem Leben gibt. Ein bisschen Schicksal. Diese Note ist extrem gut getroffen. „Es geht manchmal nicht um die Menschen, die wir schon getroffen haben, sondern um die Menschen, die wir noch treffen werden.“ Die überlappenden Details der Geschichten der vier zu entdecken macht irre Spaß und ist vielleicht die interessanteste Eigenschaft von Franklyn. Der visuelle Stil ist außerdem irre gut. Egal ob Milo und Sally, die in einer sonnenbeschienenen Allee spazieren gehen oder Meanwhile City, deren Hochhäuser klar an ein gotisches London angelehnt sind und so hoch in das Firmament ragen, dass man den Himmel nicht sehen kann: die Bilder sind fantastisch. Leider hat der Film aber nicht die Laufzeit, die er bräuchte, um all das angemessen zu präsentieren. Mit knapp über 90 Minuten Spielzeit wird alles sehr gedrängt und manche Ideen wirken überhastet – beispielsweise Emilias Versöhnung mit ihrer Mutter. Insgesamt ist Franklyn aber ein sehr guter Film, der flächendeckend übersehen wurde.

Franklyn – Die Wahrheit trägt viele Masken (OT: Franklyn), UK, 2008, Gerald McMorrow, 98 min, (8/10)

Sternchen-8

Cracks

In einem britischen Mädcheninternat in den 1930er Jahren eifert eine Gruppe Mädchen ihrer mondänen Tauchlehrerin Miss G nach. Besonders der Teamcaptain Di (Juno Temple) möchte ihr gefallen und führt zu diesem Zweck ein strenges Regiment. Auf der Schule wird eine neue Schülerin aus Spanien aufgenommen. Fiamma (María Valverde) ist adlig, gebildet und hat eine natürliche Eleganz mit der sie sich schnell von den ungeschliffenen Mädchen im Internat abhebt. Vor Allem für Miss G, die beginnt mit verheerenden Folgen eine schon fast obsessive Beziehung zu dem Mädchen zu entwickeln. Die hermetische Abgeschlossenheit des Internats und die altertümlichen Bräuche, denen Frauen dort unterliegen, die in eine eigentlich moderne Welt hinausgelassen werden sollen, bedrängen nicht nur den Zuschauer, sondern auch die Charaktere. Miss G sagt an einer Stelle, dass die Mädchen darauf warten, dass sie die Schule verlassen können und ihr Leben beginnt. Und genau dieser Unmut ist an den Schülerinnen spürbar. Die Welt des Mädchenpensionats wirkt außerdem etwas seltsam, streng und überkandidelt. Briefe der Mädchen werden korrekturgelesen und es wird durchaus angemerkt, dass die Briefe etwas fröhlicher klingen sollen. Das kann man sich noch gut vorstellen (muss man aber nicht gut finden). Aber seit wann ist Tauchen eine Disziplin für die extra eine Lehrerin angestellt wird? Dass sie Unterricht in solchen Disziplinen wie Blumen stecken haben, kann man ja noch als Ausbildung für die ach so feine Gesellschaft im Zuge des Hausarbeitsunterrichts vorstellen. Aber tauchen? Vielleicht ist das aber des Pudels Kern: vielleicht wurde die Stelle extra für Miss G geschaffen. Es gibt einige Szenen im Film die andeuten, dass sie einst Schülerin war und das Internat summa summarum nie wirklich verlassen hat. Letzten Endes hat Miss G große Angst vor der Welt und kennt nur die Mädchen um sie herum, für die sie eine weltgewandte, schöne Frau ist, die von ihren Abenteuern da draußen auf fernen Kontinenten berichtet. Sie sehen zu ihr auf. Cracks – das sind die Sprünge und Risse in einer makellosen Fassade, die von den Charakteren glaubhaft dargestellt wird und in wunderbare Bilder gegossen ist, aber aufgrund der sauber polierten Internatswelt und Schwarzweiß gemalten Geschichte über das tausendste fiese Internat einen Hauch Glaubwürdigkeit einbüßt. Der Film basiert auf einem Buch von Sheila Kohler und wurde von Jordan Scott, der Tochter von Ridley Scott,
verfilmt.

Cracks, UK/Irland, 2009, Jordan Scott, 104 min, (7/10)

Sternchen-7

„‚Womb‘ Trailer“, via hollywoodstreams (Youtube)

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Womb

Wenn du die Möglichkeit hättest einen geliebten Menschen, der leider verstorben ist, wieder zurückzubringen, würdest du es tun? Die Frage stellt sich für uns nicht, denn es gibt keine Möglichkeit. Aber was wäre, wenn? Als Rebecca (Eva Green) ihre Jugendliebe Tommy (Matt Smith) wieder trifft, besteht kein Zweifel mehr. Es ist die große Liebe. Der empfindsame junge Mann mit den subversiven Ideen scheint noch derselbe zu sein, in den Rebecca sich schon als 10-Jährige verliebt hat. Dann aber wird Tommy wegen einer Unachtsamkeit überfahren und stirbt. Rebeccas Welt ist am Ende, doch sie konfrontiert Tommys Eltern mit der Idee der Replikation. Sie könnten ihn klonen lassen und sie würde ihn austragen, da Tommys echte Mutter bereits zu alt ist. Damit ruft Rebeccas bedingungslose Liebe ein moralisches Dilemma auf den Plan, das seinesgleichen sucht. Die Beziehung Rebeccas zu ihrem Tommy wird nie wieder dieselbe sein, v.A. da sie bald merken muss, dass sogenannte Replikanten-Kinder geächtet werden. Mal abgesehen von diesen angedeuteten, gesellschaftlichen Problemen, die „Mutter“ und „Sohn“ letztendlich in die zweisame Einsamkeit verdammen, wird Rebecca vor ihre schwerste Prüfung gestellt, als Tommy erwachsen ist und dem Mann aufs Haar gleicht mit dem sie sich geliebt hat, der aber nun faktisch ihr Sohn ist. Und auch wieder nicht. Und eines Tages vielleicht mal eine Freundin mit nach Hause bringen will.

Womb ist ein zutiefst melancholischer Film, der einen aus der Komfortzone der Couch herausholt und mit einer ganzen Handvoll moralischer Dilemmas konfrontiert. Dabei hat der Film eine stilvolle Mischung: man käme nicht auf die Idee ihn als Sci-Fi zu bezeichnen. Mal abgesehen von der Möglichkeit zu klonen, gibt es nichts, das in dem Film wie Science-Fiction wirkt. Kein Hinweis darauf, wann oder wo genau der Film spielt. Die endlosen Spaziergänge an den weiten, grauen Stränden; das Tollen am Meer und die kargen, aber geschmackvollen Hütten in der Einsamkeit zeichnen ein Bild, das die Stimmung des Films wunderbar unterstreicht. Gedreht wurde übrigens u.a. auf Sylt und Sankt Peter-Ording. Benedek Fliegaufs Film, zu dem er auch das Drehbuch lieferte, ist Geschmackssache. Die langen Pausen und die nahezu ohne Score auskommende Inszenierung erfordern Durchhaltevermögen und die Bereitwilligkeit sich in dieses Gedankenspiel versinken zu lassen. Aber Machart, Idee und v.A. Eva Greens verletzliches Spiel haben zumindest die Autorin dieser Filmbesprechung abgeholt, obwohl einige stille Fragmente schon fast unangenehm, lang und still sind.

Womb, Deutschland/Frankreich/Ungarn, 2010, Benedek Fliegauf, 111 min, (8/10)

Sternchen-8

Perfect Sense

Zuerst kommt eine überwältigende Trauer. Tränen und ein Gefühlsausbruch. Dann verschwindet der Geruchssinn. Scheinbar ist es ansteckend und leider ist der Verlust des Sinns nicht rückgängig zu machen. Die Epidemiologin Susan (Eva Green) sitzt an der Quelle, findet aber wie ihre Kollegen keine Erklärung. Fast zeitgleich lernt sie den Koch Michael (Ewan McGregor) kennen, obwohl sie der Liebe quasi abgeschworen hatte. Michael hingegen hat seine vergangene Beziehung mit vielen Gelegenheitsbekanntschaften bewältigt. Aber zwischen den Beiden ist es anders. Doch die Welt um sie herum bleibt nicht stehen, die Epidemie (dieselbe? eine Neue?) fordert einen weiteren Sinn und die Welt fragt sich wie lange das noch so weitergehen kann? Die Liebenden haben sich gerade erst kennen gelernt und werden den Geruch und Geschmack des Anderen vergessen und nie wieder spüren. Von welchen Aspekten ihres Lebens müssen sie sich noch verabschieden und was bleibt danach übrig von der Welt und von Beziehungen?

Das geniale Drehbuch stammt von dem dänischen Autor und Illustrator mit dem klingenden Namen Kim Fupz Aakeson. Und der erzählt die eigentlich globale Geschichte über Sinne und das Zusammenleben der Menschen mit dem Blick auf Susan und Michael, die sich alles was sie an dem anderen wahrgenommen haben, besser gut einprägen sollten, bevor die Sinneseindrücke und damit verbundenen Erinnerungen gehen. Es ist ein Film der mit wenigen Elementen die globale Katastrophe adressiert. Man bekommt am Rande das Chaos mit und das Szenario löst eine tiefe Unruhe im Zuschauer aus. Was würde ich tun? Welchen Sinn kann ich entbehren? Welchen nicht? Wie würde ich klarkommen? Wie funktioniert eine Welt voller Menschen ohne Sinneswahrnehmungen? Ist das das Ende? Trotzdem ist es kein Endzeitfilm. Die Anfangs- und Endsequenzen sind gar die lebensbejahendsten und faszinierendsten die ich seit Langem in einem Film gesehen habe und David Mackenzies Film steckt voller Weisheiten über Beziehungen, die vollkommen unverkitscht erzählt und in das große Ganze eingefügt werden. Es ist ein Film voller Hoffnung. Er zeigt wie die Menschen in Krisen ausbrechen und sich hinterher alles legt. Obwohl das Szenario so beängstigend wirkt, die Ausbrüche der Menschen kurz vor den Sinnesverlusten irre und erschütternd, das Leben danach so entbehrungsreich – alles kehrt zur Normalität zurück und es gibt wieder Hoffnung. Perfect Sense gibt einem das Gefühl, dass man alles schaffen und durchstehen kann, solange man zusammenhält. Das Gefühl, dass es einen Sinn gibt, den man uns nicht nehmen kann. Sei es auch der Sinn füreinander.

Perfect Sense, Dänemark/Deutschland/Irland/Schweden/UK, 2011, David Mackenzie, 92 min, (10/10)

Sternchen-10

„PERFECT SENSE | Trailer deutsch german [HD]“, via vipmagazin (Youtube)

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The Salvation – Spur der Vergeltung

Ein dänischer Western? Warum nicht. Mads Mikkelsen spielt den ehemaligen Soldaten Jon, der Mitte des 19. Jahrhunderts von Dänemark in die USA auswandert, um sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Sein Bruder Peter (Mikael Persbrandt) geht vor und ebnet den Weg für Jon und seine Familie. Direkt nach ihrer Ankunft treffen sie in einer Postkutsche auf üble Ganoven, die Jon aus der Kutsche werfen, seinen Sohn umbringen und seine Frau vergewaltigen und töten. Jon lebt den Einwanderer-Alptraum im Land der damals noch sehr begrenzten Möglichkeiten und rächt sich an den Schändern und Mördern. Diese waren Vertraute des Tyrannen Delarue (Jeffrey Dean Morgan), der den Ort Black Creek im Griff hat, zu dem auch Jons neue Heimat zählt. Es dauert nicht lange bis Jon ihm ausgeliefert wird und er sich irgendwie gegen ihn zur Wehr setzen muss. Ganz allein ist er damit nicht, denn auch Delarues Affäre wider Willen Madelaine (Eva Green) will sich an dem Tyrannen rächen. Wäre der Film nicht so gut und atmosphärisch inszeniert, könnte man sagen „schon tausend mal gesehen“. Aber Kristian Levring inszeniert The Salvation als guten Rache-Thrillern mit allem was ein Western braucht, der zudem noch den Beigeschmack eines Einwanderungsdramas und Historienfilms hat. Und: eine Badass-Frau (Eva Greens Charakter), die den Laden aufräumt und große Präsenz hat, obwohl ihre Rolle stumm ist.

The Salvation – Spur der Vergeltung (OT: The Salvation), Dänemark, 2014, Kristian Levring, 92 min, (8/10)

Sternchen-8

„The Art of Acting – Eva Green in „Penny Dreadful“, via Film Vibe (Youtube) – enthält Spoiler für Staffel 3

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Schade, dass ich hier keine Serien mit aufnehme, denn ‚Penny Dreadful‘ ist irre gut und es schmerzt mich noch heute, dass die Serie ein Ende gefunden hat, dass sich derart überstürzt angefühlt hat. Aber die Werkschau hier hat jede Menge Spaß gemacht und gibt eine wunderbare Palette Eva Greens wieder und hat mir mit „Perfect Sense“ einen neuen Lieblingsfilm beschert. Ich frage mich ob es Spaß gemacht hat die Wutausbrüche zu spielen und zu filmen? Beispielsweise die Szenen des Ausrastens und der Völlerei? Die Melancholie und das moralische Dilemma in „Womb“ haben mich ebenso sehr angesprochen und an den grauen Strand weit weggetragen, aber auch die erotischen Abenteuer in „Die Träumer“ waren speziell und naja, ganz spannend. 🙂 Auch „Franklyn“ hat eine ganz eigene kleine Philosophie. Miss Green, ihre Filme gefallen mir. Wem übrigens ihr Auftritt als untypisches Bond-Girl fehlt, den findet ihr hier und die Besprechung ihres Ausflugs in einen Tim Burton-Film hier. Welche Filme mit Eva Green sollte ich noch schauen? Welche der hier besprochenen habt ihr gesehen und wie haben sie euch gefallen?

„7ème art“ (Sprich: septième art) heißt „siebte Kunst“. Gemäß der Klassifikation der Künste handelt es sich hierbei um das Kino. In dieser Kategorie meines Blogs widme ich mich also Filmen – evtl. dehne ich den Begriff dabei etwas. Regulär stelle ich zwischen dem 1. und 5. jeden Monats jeweils 7 Filme in kurzen Reviews vor.