7ème art: Magischer Realismus im Film

Posted by in 1999, 2006, 2010, 2012, 2017, 2018, 7ème art, Dänemark, Drama, Fantasy, Film, Genreübergreifend, Irland, Japan, Kanada, Krimi und Noir, Literaturverfilmung, Märchen, Mexiko, Milieustudie, Review, RomCom, Schwarze Komödie, Schweden, Spanien, Spielfilm, Tragikomödie, UK, USA

Hört man „Magischer Realismus“, meint man es mit einem Oxymoron zutun zu haben. Magie und Realismus schließen sich doch aus? Tatsächlich ist der Magische Realismus eins meiner Lieblings-Pseudogenres oder Subgenres. Es sind oftmals Filme eines beliebigen primären Genres (Drama, Thriller, Horror), die den Eindruck erwecken in unserer Realität zu spielen. Bis dort passiert aber etwas magisches, unerklärliches oder sonderbares geschieht. Manchmal ist nicht klar, ob es ein Traum ist? Oder im Kanon des Films wirklich geschieht? In jedem Fall öffnet es Tür und Tor für interessante Gedanken, moralische Zwickmühlen, Wunder und das bisschen „mehr“. Daher gibt es heute sieben Filme, die sich dem magischen Realismus zuordnen lassen.

Being John Malkovich

Mal abgesehen von einer dieses Jahr erschienenen Doku ist es etwas ruhig um Spike Jonze geworden. Mit Being John Malkovich feierte er 1999 sein Langfilm-Debüt. In Kombination mit Charlie Kaufmans Drehbuch entstand eine hervorragende, irre Vision voller abstruser Ideen und schrulliger Charaktere, die nach hinten raus eine geniale Idee entwerfen. In Being John Malkovich sucht der erfolglose Puppenspieler Craig Schwartz (John Cusack) nach einem Brotjob und wird fündig. Im Büro bei seinem neuen Arbeitgeber entdeckt er eine versteckte Tür, die in den Kopf des Schauspielers John Malkovich (John Malkovich) führt! Vor Craig entfalten sich ungeahnte Möglichkeiten. Als Malkovich Dinge tun, die als Craig Schwartz nicht möglich wären!? Oder gar die Tür in den Malkovich vermarkten!? Wie zu erwarten: das bleibt nicht ohne Folgen.


„Being John Malkovich Official Trailer #1 – John Cusack Movie (1999) HD“, via Movieclips Classic Trailers (Youtube)

Was für eine Metapher! Der Puppenspieler bekommt eine mehr als reale, lebensgroße „Puppe“, die er steuern kann. Craig wird größenwahnsinnig und schafft sich ein Netz aus Lügen, das ihm zum Verhängnis wird. Charlie Kaufmanns und Spike Jonzes irrwitziges Gedankenspiel strotzt neben der offensichtlich schrägen Idee vor weiteren Seitenhieben und Gags. Man nehme alleine den Umstand, dass die Firma ihre Büros in der Etage 7½ eines Gebäudes hat und die so niedrig ist, dass alle ständig gebückt laufen müssen. Damit ist der Film ganz nebenbei auch ein perfekter Seitenhieb darauf, dass die Realität (also selbst der Teil außerhalb von Malkovichs Kopf) mindestens so schräg und widersprüchlich sein kann wie das offensichtliche Wunder.

Auch Ruhm und Bekanntheit bekommt ihr Fett weg angesichts Malkovich, dem ( 😉 ) Türen offen stehen, die Craig verschlossen bleiben. Allerdings muss man dafür auch offen sein, denn es wird noch ziemlich wild  und abstrus („Malkovich. Malkovich?? Malkovich Malkovich!“). Alle Akteure spielen ihre Rollen perfekt, aber mit etwas gezielt eingesetzterer Kamera und Szenenbild wäre noch mehr Atmosphäre rauszuholen gewesen. Wer sich immer schon gefragt hat, ob der Film auch mit jemand anderem gemacht worden wäre, falls John Malkovich abgelehnt hätte, findet die Antwort hier etwa bei Minute 2.

Being John Malkovich, USA, 1999, Spike Jonze, 108 min, (8/10)

Sternchen-8

Pans Labyrinth

Guillermo del Toros Film ist wohl das Paradebeispiel für Magischen Realismus. Schauplatz ist das Spanien nach dem Sieg Francos im spanischen Bürgerkrieg. Darin zieht die kleine Ofelia (Ivana Baquero) zusammen mit ihrer Mutter (Ariadna Gil) zu Hauptmann Vidal (Sergi López). Er ist der neue Ehemann der Mutter und sie erwartet auch ein Kind von ihm. Vidal ist ein grausamer, faschistischer Hauptmann, der den Widerstand in den Bergen ausfindig machen und bekämpfen soll. Ofelias leiblicher Vater ist im Krieg umgekommen. Sie hasst den Stiefvater und sorgt sich sehr um ihre Mutter, deren Schwangerschaft schwierig verläuft. In Vidals Angestellter Mercedes (Maribel Verdú) findet sie eine Freundin und Trost bei dem Umherstreifen im umliegenden Wald. Dort entdeckt sie auch das Labyrinth eines Fauns (Doug Jones), der ihr erklärt, dass sie eigentlich aus dem Feenreich abstammt und dahin zurückkehren kann, wenn sie drei Prüfungen besteht.

Für Ofelia sind die Episoden im Labyrinth des Fauns und die Prüfungen der Eskapismus, den sie wohl braucht um die Zeit im Regime Francos und im Haus Vidals zu überstehen. Um sie herum sieht sie nur Leid und Tod. Selbst die toughe und clevere Mercedes ist ein Maulwurf des Widerstands und bangt um das Leben ihrer Freunde und darum nicht aufzufliegen. Vidal ist großartig von Sergi López als wirklich kaltblütiges Schwein dargestellt. Del Toro schrieb auch das Drehbuch zu Pans Labyrinth. Was übrigens eigentlich keine korrekte Übersetzung ist, sondern unsinnigerweise aus dem Englischen übernommen. Ein Faun ist ein Waldgeist und nicht gleich Pan, dem Gott. Die Vision des Regisseurs quillt über vor Fabelwesen, die schönes und schreckliches in sich vereinen. Das Design sowohl der bestürzenden Realität, als auch der Märchenwelt ist mal brutal, mal überbordend mit Details und wunderbar atmosphärisch. Leider hat das Drehbuch einige typische Drehbuch-Kitsch-Momente, wo sehr formelhafte Dinge passieren, die für die Spannungskurve und Dramaturgie gut sind, aber wenig Sinn ergeben. Warum beispielsweise würde Mercedes es nicht beenden als sie die Chance dazu hatte? Achso ja, sonst wäre ja die Geschichte so früh zu Ende … eine gute Geschichte braucht doch solche lapidaren Mechanismen nicht.

Pans Labyrinth (OT: El laberinto del fauno), Spanien/Mexiko, 2006, Guillermo del Toro, 119 min, (8/10)

Sternchen-8

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt

Als Scott Pilgrim (Michael Cera) das erste Mal Ramona Flowers (Mary Elizabeth Winstead) trifft, ist es um ihn geschehen. Er muss mit ihr zusammen sein. Dabei gibt es vielleicht ein paar unwesentlich schwierige Hindernisse. Zum Beispiel, dass Scott ja eigentlich mit Knives Chau (Ellen Wong) zusammen ist. Oder dass Ramona ihn noch gar nicht wahrgenommen hat. Oder dass Ramona sieben irre Exfreunde hat, die er erst besiegen muss, bevor er mit ihr zusammen sein kann. Und das sind keine kleinen Armdrückduelle, sondern echte Knochenbrecher.

Edgar Wright hat Bryan Lee O’Malleys gleichnamige Comicreihe verfilmt. Und während man O’Malleys fast chibi-ähnlichen Stil nicht in einem Realfilm umsetzen kann, hat er den derben Humor und die zahlreichen Popkulturreferenzen punktgenau getroffen. Die meisten davon wohl aus dem Bereich des Gamings und der Musik. So gibt es hier zahlreich Loot in Form von Münzen und natürlich Upleveling, wenn Scott wieder einen der Ex-Lover besiegt hat. Die selber wohl kaum unterschiedlicher sein könnten. Besonders Spaß macht aber die Bildsprache (wenn Knives Scott anhimmelt, schwebt dort der Schriftzug LOVE zwischen ihr und ihm und sie hat wortwörtlich Sterne in den Augen), die Geschwindigkeit und Gagdichte und mit welcher natürlichen Selbstverständlichkeit alle Darsteller ihre spleenigen Charaktere spielen. Wobei ich ja eigentlich Ramona immer noch am langweiligsten finde, obwohl sie der Aufhänger des Films sein sollte. Kieran Culkin als Wallace, Scotts schwuler Mitbewohner, der ihm immer drei Schritte voraus ist, wird aber wohl mein Lieblingscharakter bleiben. Die Geschwindigkeit kann aber auch zur Schwierigkeit des Films werden. Manko für mich ist hauptsächlich, dass kein Funke bei der Beziehung Scotts und Ramonas auf mich überspringt, weswegen trotz all der irren Gags und des super Casts die Prämisse nie so richtig „da“ ist.

Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt (OT: Scott Pilgrim vs. the World), UK/USA/Kanada/Japan, 2010, Edgar Wright, 112 min, (8/10)

Sternchen-8


„Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt – Trailer deutsch / german HD“, via Universal Pictures Germany (Youtube)

Ruby Sparks – Meine fabelhafte Freundin

So werfet mit Vorschusslorbeeren um euch! Ruby Sparks ist seit langem mal wieder eine RomCom, die mir gefallen hat. Und die auf erfrischende Art eine gute, wenn auch bekannte Botschaft verbreitet. Der Film handelt vom Schriftsteller Calvin Weir-Fields (Paul Dano), der sehr früh zu viel Ruhm kam und seitdem in einer Schreibblockade festhängt. Sein Therapeut versucht davon mal abgesehen auch noch Calvins Probleme Kontakte zu schließen zu behandeln. Er gibt ihm als Aufgabe über irgendetwas zu schreiben – sei es seine Traumfrau. Und tatsächlich beginnt Calvin über die Frau zu schreiben, die er in seinen Träumen sieht. Die Fiktion wird immer plastischer. Und so steht sie, Ruby (Zoe Kazan), plötzlich live und in Farbe vor ihm.

Nachdem Calvin das verkraftet hat, beginnt wahrscheinlich sowas wie die Liebe seines Lebens. Ruby ist perfekt. Als sie sich aber abseits einer Fiktion wie ein normaler Mensch verhält, auch mal schlecht drauf ist und andere Leute treffen will, fühlt sich Calvin zurückgelassen und er erwägt drastische Maßnahmen. Ruby Sparks handelt wie viele RomComs zuvor davon, dass man seinen Partner nicht verändern soll – neben einigen anderen Lehren über Beziehungen. Aber der Film nach einem Drehbuch von Hauptdarstellerin Zoe Kazan tut das so so so viel sympathischer. Die Höhen und Tiefen von Calvin und Ruby fühlen sich sehr menschlich an, die Handlung ist locker-leicht und changiert zwischen Komödie und Drama. Der Film verfällt nicht in klischeehafte Muster, ist aber auch nicht komplett unerwartet und unvorhersehbar. Für den einen oder anderen Geschmack überspannt Calvin sicherlich den Bogen und wird schwer zu mögen sein, aber insgesamt ist es ein frischer Ansatz und eine schöner, lockerer Film mit sehr angenehmen Darstellern, der kaum spürbar eine allseits bekannte Geschichte erzählt und mit RomCom-Tropen abrechnet.

Ruby Sparks – Meine fabelhafte Freundin (OT: Ruby Sparks), USA, 2012, Jonathan Dayton/Valerie Faris, 104 min, (8/10)

Sternchen-8


„RUBY SPARKS Trailer German Deutsch FullHD 2012“, via KinoCheck (Youtube)

Tigers are not afraid

Estrella (Paola Lara) lebt in einer Gegend in Mexiko, wo Entführungen und Tote durch Schießereien am helllichten Tag nicht ungewöhnlich sind. Selbst ihre Schule wird durch eine Bombe erschüttert und bis auf Weiteres geschlossen. Als ihre Mutter nicht nach Hause kommt, fürchtet sich das Mädchen. Nach Tagen schließt sie sich einer Gang aus anderen Kindern rund um ihren Anführer Shine (Juan Ramón López) an, die versuchen sich allein auf der Straße durchzuschlagen. Als die aber das Smartphone eines lokale Drogenbosses an sich nehmen, beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen Kindern und Gangstern, in dessen Mitte Estrella immer wieder geisterhafte Erscheinungen hat. Die ihr helfen oder schaden wollen?

Der Titel Tigers are not afraid bezieht sich auf ein Märchen, dass Estrella für eine Schulaufgabe schreibt. Sie wünscht sich so mutig und unantastbar wie ein Tiger zu sein. Der Originaltitel ist aber eigentlich Vuelven und bedeutet sowas wie Rückkehr. Die Bedeutung erschließt sich dem Zuschauer spätestens gegen Ende des Films. Drehbuchautorin und Regisseurin ist die in ihrer Heimat vielfach ausgezeichnete Issa López. Schade, dass ihre Werke bisher nicht so recht Sprung über den Teich zu uns geschafft haben. Gemessen an Tigers are not afraid hat López ein feines Gespür für Timing und Dramaturgie.

Sie verwebt in ihrem Film die harte Realität einer Gegend, die fest in den Händen von Drogendealern und Gangstern ist und wie Kinder darauf reagieren. Beispielsweise durch die tägliche Bedrohung nach außen hart werden wie Shine, aber sich innen drin nach seiner Familie und der Sorglosigkeit zurücksehnt. Oder Estrella, die davon träumt mutig und mächtig wie ein Tiger zu sein, aber sich andererseits an Märchen, magische Wünsche und übernatürliche Erscheinungen klammern, um ein bisschen mehr im Leben zu sehen als die Leichen am Straßenrand, die verängstigten Lehrer und die Polizisten, die so tun als hätten sie nichts von Beweisen gehört. Magischer Realismus wird auch hier wieder sehr einfühlsam und vereinnahmend als Mittel gegen die harte Realität eingesetzt. Und der Film überzeugt auf ganzer Linie als genre-übergreifendes Mittelding aus Horror, Krimi, Drama und Coming-of-Age.

Tigers are not afraid (OT: Vuelven), Mexiko, 2017, Issa López, Dauer, (9/10)

Sternchen-9


„Tigers Are Not Afraid – Official Trailer [HD] | A Shudder Exclusive“, via Shudder (Youtube)

The Killing of a Sacred Deer

Das ist kein Wohlfühlkino. Der bereits aufgegangene Stern am Indie-Film-Himmel Giorgos Lanthimos adaptierte die Geschichte Iphigenias von Euripides und verlegt sie in den Präsens. Iphigenias Vater Agamemnon erlegte auf heiligem Boden einen Hirsch. Dafür forderte die Göttin der Jagd, Artemis, von ihm ein Opfer: seine Tochter. In dem Film ist es der Arzt Steven (Colin Farrell). Eigentlich ein begnadeter Herzchirurg starb ihm auf seinem Operationstisch der Vater von Martin (Barry Keoghan) weg. Steven hat Schuldgefühle, denn er war Alkoholiker und nicht im Vollbesitz seiner Fähigkeiten als er operierte. Steven versucht sich in Kompensation, kümmert sich um den Jungen, beschenkt ihn; als er aber Martin einmal vor den Kopf stoßen muss, verflucht dieser ihn und seine Familie. Steven muss ein Mitglied seiner Familie auswählen und töten. Zögert er zu lange sterben sie nach einer nach dem anderen nach verschiedenen Stufen des Zerfalls: zuerst können sie nicht mehr laufen, dann nicht mehr essen, bluten aus den Augen, sterben. Zu Stevens Erschrecken beginnt es mit seinem Sohn.

The Killing of a Sacred Deer ist unheimlich gut gefilmt. Es versetzt den Zuschauer in den Blickwinkel eines Gottes, der oftmals auf das Geschehen hinunterschaut. Aber der Film ist unheimlich schwer zu schauen. Der Wechsel der Machtverhältnisse passiert komplett ohne Funkeln, Effekte oder erkennbare Magie, sondern ist einfach da. Alle sind davon erschrocken, keiner weiß wie es sein kann, keiner hat Zeit darüber nachzudenken: der Tod klopft laut an die Tür. Was das mit der Familie macht und zu was für Taten es sie treibt ist schwer anzuschauen in einem ansonsten brillanten Konzept. Giorgos Lanthimos und Efthymis Filippou treiben es aber in dem Drehbuch auf die Spitze, indem sie alle Charaktere als moralisch korrumpiert, versnobt oder socially awkward zeichnen. Der Mangel an Bezugspunkten macht es neben der moralischen Zwickmühle schwer (unsympathsich) den Film anzuschauen. Aber gut um darüber zu debattieren.

The Killing of a Sacred Deer, Irland/UK, 2017, Giorgos Lanthimos, 121 min, (8/10)

Sternchen-8


„The Killing of a Sacred Deer | Official Trailer HD | A24“, via A24 (Youtube)

Border

Tina (Eva Melander) sieht ein bisschen anders aus als andere. Und hat andere Fähigkeiten. Sie kann starke Emotionen riechen und arbeitet daher sehr erfolgreich beim Zoll. Sie kann förmlich riechen, wenn jemand nervös ist, weil er versucht etwas über die dänisch-schwedische Grenze zu schmuggeln. Ansonsten fühlt sie sich entwurzelt im Leben. Sie ist so anders als alle anderen. Eines Tages trifft sie einen Reisenden bei der Zollstelle, der ihr verblüffend ähnlich sieht und der im Gegensatz zu allen anderen keinen Geruch zu haben scheint. Vore (Eero Milonoff) hat vielleicht die Antwort darauf, wer Tina ist.

Border ist ein zauberhafter, aber manchmal auch schwer anzuschauender Film. Einerseits zeigt er in sensiblen Bildern die Sehnsucht Tinas nach Gleichgesinnten, Zugehörigkeit und Zuneigung. In der Natur findet sie einen Rückzugsort, dort kann sie so sein wie sie will ohne sich anpassen oder verstecken zu müssen. Und die Bilder und ihr Freiheitsgefühl sind wirklich fantastisch und springen auf den Zuschauer mit Neigung zu Wanderlust ungehemmt über. Der verwobene Kriminalfall und die Mystik um ihre Abstammung und Vores „Geschäft“ geben dem Ganzen einen einerseits zauberhaften, andererseits dramatischen Faktor, der sich gegen Ende ins morbide hochschraubt und betroffen macht. Die Zutaten sind also perfekt. Je nach Sehgewohnheit und Vorlieben könnte der Film aber ruhig etwas schneller und kürzer sein – das muss subjektiv bewertet werden. Für mich hatte er gehörige Längen. Davon abgesehen ist es etwas eigentümlich die einen oder anderen Szenen anzusehen, wenn Tina beispielsweise ihr wahres Wesen entdeckt – es konfrontiert sie und uns mit dem unbekannten, anderen und überrascht uns offenbar Beide. Und es sind nicht nur die Magie und das Märchenhafte, die hier eine dunkle Seite haben. Vor Allem auch die Taten der Menschen sind es, die unnatürlich und brutal erscheinen und leider entsprechende Gegenreaktionen fördern.

Border (OT: Gräns), Schweden/Dänemark, 2018, Ali Abbasi, 110 min, (7/10)

Sternchen-7

Die Grenzen zwischen magischem Realismus und Fantasy sind manchmal schwer zu ziehen. „Magischer Realismus“ definiert sich so, dass unsere gewöhnliche Welt der Handlungsort ist, während man oft von Fantasy spricht, sobald die Welt eine andere ist oder eine Rahmenhandlung hat in der beispielsweise Zaubern nichts ungewöhnliches ist. Gerade bei Scott Pilgrim kann man sich also streiten, ob es Fantasy oder Magischer Realismus ist. Wo zieht ihr die Grenze? Welche Filme des magischen Realismus empfiehlt ihr? Magischer Realismus wunderbare Möglichkeiten Konflikte unseres Lebens zu stressen oder Sachverhalte in ein neues Licht zu rücken. Wir sehen in den sieben Filmen Beispiele dafür, dass die Magie Eskapismus ist, verborgene Sachverhalte offen legt und uns oder den Protagonisten die Realitäten vor Augen führt. Anbei nochmal ein Video, das gleich zu Beginn sehr schön die Ursprünge des magischen Realismus zusammenfasst:


„The Magical Realism Genre in Movies“, via Screened (Youtube) – enthält Spoiler für ein paar der hier besprochenen Filme ab Minute 2

„7ème art“ (Sprich: septième art) heißt „siebte Kunst“. Gemäß der Klassifikation der Künste handelt es sich hierbei um das Kino. In dieser Kategorie meines Blogs widme ich mich also Filmen – evtl. dehne ich den Begriff dabei etwas. Regulär stelle ich zwischen dem 1. und 5. jeden Monats jeweils 7 Filme in kurzen Reviews vor.